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07/2021, Lightyear One Elektroauto Solar Prototyp Erlkönig Lightyear
Lightyear One
Lightyear One (2020)
Lightyear One (2020)
Lightyear One 20 Bilder

Lightyear One: Solarauto fährt 710 km mit einer Akkuladung

Lightyear One Elektroauto Solarauto wird in Uusikaupunki gefertigt

Das E-Auto, "das man monatelang nicht aufladen muss", hat bei einer Testfahrt sein Potenzial gezeigt. 2022 startet in der finnischen Stadt Uusikaupunki bei Valmet Automotive die Serienproduktion.

Elektroautos von Startups sind nichts Ungewöhnliches mehr, der Ansatz des niederländischen Unternehmens Lightyear hingegen schon. "Lightyears langfristiges Ziel ist es, solare Elektroautos für den Massenmarkt zu entwickeln und damit eine nachhaltige Lösung für die weltweit wachsenden Mobilitätsbedürfnisse anzubieten", erklärt Lex Hoefsloot, CEO und Mitgründer von Lightyear. Der Start soll in der ersten Jahreshälfte 2022 mit dem Erstlingswerk gelingen, das den passenden Namen One trägt.

Solar-Elektroautos umgehen die Schwierigkeit, eine Ladeinfrastruktur zu entwickeln zu müssen, indem sie nur die Sonne und gewöhnliche Steckdosen als Energiequelle nutzen. Je nach Standort soll der Lightyear One so wochen- oder sogar monatelang ohne Aufladung fahren können. Die Gesamtreichweite soll bis zu 725 km im WLTP-Zyklus betragen. An einem sonnigen Tag seien sogar bis zu 800 Kilometer drin.

Nur 8,5 Kilowattstunden auf 100 Kilometer

Nun hat ein Prototyp erstmals das Reichweiten-Potenzial des Lightyear One angedeutet. Bei einem Performance-Test auf einer Ovalstrecke des Aldenhoven Testing Centers in Nordrhein-Westfalen schaffte das noch getarnte Solar-Elektroauto 710 Kilometer mit einer Batterieladung. Bei einer konstanten Geschwindigkeit von 85 km/h verbrauchte der Lightyear One dem Hersteller zufolge 137 Wattstunden pro Meile, was umgerechnet etwa 8,5 Kilowattstunden auf 100 Kilometer entspricht. Zum Vergleich: Im auto motor und sport-Test verbrauchte das Tesla Model 3 in seiner Performance-Version im Schnitt 23,5 kWh/100 km. Der Polestar 2 kam sogar auf 28,4 kWh/100 km.

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Der Reichweiten-Test fand auf einem Ovalkurs des Aldenhoven Testing Centers statt.

Möglich wird das durch die vielen Solarmodule, die die Entwickler auf der Haube, dem Dach und dem Kofferraum des Autos verteilt haben. Sie laden den Akku ständig nach, auch unterwegs. Insgesamt passen etwa fünf Quadratmeter Solarzellen aufs Auto, die dicht gepackt nebeneinander platziert wurden und eine Spitzenleistung von 1.250 Watt liefern sollen. "Dank dieser Leistungsfähigkeit und der Tatsache, dass wir das Auto an allen Ecken und Enden auf Effizienz getrimmt haben, genügt uns ein Akku, der nur 2/3 der Größe eines Jagaur iPace oder Tesla hat", meint der 28-jährige CEO. Lightyear nennt eine Kapazität von 60 Kilowattstunden.

Vier Radnabenmotoren

Lightyear setzt auch auf eine andere Motorisierung als die Konkurrenz. Der Allradantrieb besteht aus vier einzeln angesteuerten Radnabenmotoren, die den Lightyear One in weniger als zehn Sekunden auf 100 km/h bringen sollen. Mit Teslas Superbeschleunigungen von unter drei Sekunden hat das nur wenig gemein. Aber damit nicht genug: Innerhalb von einer Nacht (zwölf Stunden), verspricht der Niederländer, könne der One zuhause an der normalen Schuko-Steckdose mit 230 Volt für eine Reichweite von 400 Kilometern geladen werden.

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Auch dem Zielgewicht von rund 1.300 Kilogramm sei man mit dem Prototyp schon sehr nahe. Hierfür haben die Entwickler vor allem auf Karbon- und Aluminium-Bauteile für Karosserie und Chassis gesetzt. Um das Auto noch effizienter zu machen, haben ihm die Entwickler ein komplettes Re-Design bei Fahrwerk, Antriebsstrang sowie Aerodynamik verpasst. So entstand in den vergangenen Jahren eine komplette native Solar-Elektro-Plattform, die eine bis zu dreimal höhere Energieeffizienz besitzen soll als aktuelle Elektroautos auf dem Markt.

Ohne Partner geht es nicht

Da sich Hoefsloot und sein Team bewusst sind, dass die Sonne nicht immer scheint, kann der One auch an der Steckdose oder per Schnelllader mit bis zu 60 kW Strom tanken. Dafür ist hinten rechts am Auto eine CCS-Buchse untergebracht, über die auch mit einem Typ-2-Stecker mit 22 kW geladen werden kann. Der Energiespeicher des Lightyear One soll in Zukunft aber auch als Stromquelle für externe Verbraucher oder gar das eigene Haus dienen.

Lightyear One (2020)
J. Greiner
Solarmodule laden den Akku auch während der Fahrt und erhöhen so die Reichweite.

Als Entwicklungspartner konnte Lightyear den Entwicklungsdienstleister EDAG gewinnen. Das Design erarbeitete GranStudio aus Turin. "Für uns Designer war das nicht immer leicht", erklärt Lowie Vermeersch, CEO von GranStudio. "Denn aerodynamische Formen sind nicht von Haus aus die schönsten. Aber die Windschlüpfigkeit ist bei diesem Projekt entscheidend. Außerdem mussten wir möglichst viel Fläche für die Solarzellen schaffen. Für Sicken und Kanten war da kein Platz, denn sie sorgen für Verwirbelungen, die wir unbedingt vermeiden wollten."

Herausgekommen ist dabei eine rund fünf Meter lange und 1,40 Meter hohe Coupé-Linie, die Lightyear selbst aber als Hatchback bezeichnet. Der Vorderwagen erinnert in der Seitenansicht eher an einen Porsche 911, der Rest an eine Kreuzung aus Audi A7 Sportback und Honda Insight der ersten Generation, der damals ebenfalls für eine bessere Aerodynamik abgedeckte Radkästen an der Hinterachse hatte. Aus diesem Grund hat man beim Prototypen des One auch auf klassische Türgriffe verzichtet und stattdessen einen kleinen Knopf verbaut. Dass der bis zum Serienstart durchhält, sei aber unwahrscheinlich.

Sitzprobe im Lightyear One

Als erste Journalisten überhaupt durften wir im One auch Platz nehmen. Einzige Bedingung: "Bitte seid vorsichtig beim Einsteigen." Gesagt, getan und wir sitzen in den bequemen Recaro-Schalen, ohne die breiten und hohen Schweller mit ihrem polierten Aluminium zu zerkratzen. Uns ragt ein sportlich kleines Lenkrad mit Alcantara-Überzug, kleinen Holzapplikationen und zwei kleinen Touchflächen, die mit dem Daumen bedient werden können, entgegen. Cockpit und Armaturenbrett tragen zwei Displays, die leider noch nicht funktionieren, später aber Dienste wie Apple Carplay und Android Auto unterstützen sollen.

Insgesamt wirkt der Innenraum sehr schlicht und aufgeräumt. Die Türen sind mit einem 3D-Gewebe verkleidet, das sich auch über den breiten Mitteltunnel spannt. Er dominiert den Innenraum und ist ebenfalls mit Holzapplikationen versehen. Hinter denen verbergen sich jede Menge Stauraum (bis zu zwölf Liter), Ladeschalen fürs kabellose Laden des Smartphones und drei USB-Anschlüsse. Die Luftigkeit anderer reiner Elektroautos wie Tesla Model 3 oder BMW i3 bietet der Lightyear One aber nicht. Ein weiter Grund dafür: Wegen der geringen Fahrzeughöhe und einer Bodenfreiheit von rund 20 Zentimetern bleibt innen nicht allzu viel Platz nach oben. Gerade einmal eine halbe Handbreite bleibt über dem Kopf des 1,80 Meter großen Autors. Und hinten? Trotz der Länge bietet der Fond zwar nicht den Platz eines Skoda Superb, aber ausreichend Beinfreiheit. Allerdings schlägt auch hier wieder die aerodynamische Dachlinie zu und kostet Kopfraum – großgewachsenen Passagiere reicht er unter Umständen nicht.

Surfboard im Kofferraum

Wer sich jetzt fragt, wo der ganze Platz hin ist, wird beim Öffnen des Kofferraums fündig. Der fasst nämlich 780 Liter, mit umgeklappten Sitzen (60:40) sogar 1.701 Liter und ist so lang, dass er ein ganzes Surfboard schluckt, wie während der Präsentation gezeigt wurde.

Lightyear One (2020)
J. Greiner
CEO Hoefsloot (rechts) erklärt Redakteur Leicht das Interieur: Als einer der ersten Journalisten durften wir im One Platz nehmen

Bleibt die Frage, wie ein 28-jähriger CEO es schafft, ein Unternehmen mit 100 Mitarbeitern auf die Beine zu stellen, das über 15 Millionen Euro eingesammelt hat und ein Auto bauen will, dass so noch niemand gebaut hat. Auf die Frage weiß Lex Hoefsloot im ersten Moment auch keine Antwort, versucht es dann aber doch. "Wir haben bereits drei Mal (2013, 2015, 2017) die World Solar Challenge gewonnen. Wir wissen also, wie man mit der Sonne als Energieträger umgehen muss und kennen damit wie kaum ein anderer das Potenzial, das hinter Solarmobilität steckt. Aus diesem Grund war es vielleicht auch ein bisschen unsere Pflicht, es zumindest zu versuchen, das, was mit einem Studentenprojekt begonnen hat, größer zu denken".

Valmet fertigt Lightyear One

In einer neuen Kapitalrunde konnte Lightyear Anfang 2021 weitere 48 Millionen US-Dollar einsammeln. Damit soll der Produktionsstart der Einführungs-Sonderserie von 946 One-Exemplaren finanziert werden. Als Produktionspartner für diese Charge hat sich Lightyear das finnische Unternehmen Valmet Automotive ausgesucht. Laut einer von beiden Firmen unterzeichneten Absichtserklärung – der finale Vertrag soll im August 2021 geschlossen werden – soll der One in der finnischen Stadt Uusikaupunki gefertigt werden. Valmet baut für das Solarauto eine eigene Fertigungslinie in dem Werk auf.

Zuvor steht aber noch der weitere Homologations-Prozess an, der unter anderem Crashtests und den offiziellen WLTP-Fahrzyklus-Test beinhaltet. Als Preisvorstellung wurden zu einem früheren Zeitpunkt 119.000 Euro plus Steuern genannt. Den Massenmarkt bedient man mit solchen Summen nicht. Aber den will Lightyear sowieso erst 2024 in Angriff nehmen.

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Ja, wenn man Solarenergie einfangen kann, sollte man es tun, egal wo.
Nein, zu viel Aufwand, zu wenig Ertrag.

Fazit

Lightyear zeigt mit dem One einen interessanten Ansatz zum Thema Elektromobilität: Mit effizientem Design, Lademöglichkeit per 230-Volt-Steckdose und Solarmodulen macht sich der innovative Fünftürer vom Aufbau einer Schnell-Lade-Infrastruktur unabhängig. Der Produktionsstart hat sich allerdings verzögert. Neues Kapital soll ihn im ersten Halbjahr 2022 beim finnischen Auftragsfertiger Valmet Automotive ermöglichen.

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