Mehrere EU-Kommissare sollen sich laut einer Recherche von "Politico" darüber beschweren, dass ihre Elektroautos die regelmäßige Fahrt zwischen Brüssel und Straßburg nicht ohne Ladestopp schaffen.
Die Strecke zwischen den beiden Arbeitsorten der Europäischen Union ist rund 440 Kilometer lang. Eigentlich keine außergewöhnliche Distanz für moderne Fahrzeuge. Nach Angaben von Mitarbeitern aus mehreren Kommissarsbüros müssen die Dienstwagen (darunter nicht näher spezifiziert "größere BMW") jedoch häufig unterwegs in Luxemburg nachgeladen werden. Aus einer ohnehin rund fünfstündigen Fahrt werden dadurch schnell fünfeinhalb Stunden oder mehr.
Frust hinter den Kulissen
Laut "Politico" ist die Stimmung in mehreren Kommissarbüros inzwischen angespannt. Mitarbeiter aus insgesamt acht Kabinetten berichteten von regelmäßigen Beschwerden über die zusätzlichen Ladepausen. Das Thema soll sogar bereits bei einer Sitzung der Kommissare angesprochen worden sein.
Besonders pikant ist dabei, dass die EU seit Jahren auf eine schnelle Elektrifizierung des Verkehrs drängt. Autohersteller, Verbände und Kritiker verweisen immer wieder auf Reichweitenfragen und Ladezeiten. Nun treffen genau diese Punkte offenbar die EU-Kommissare selbst.
Ein Mitarbeiter eines Kommissars sagte laut "Politico" über den Vorschlag, einfach langsamer zu fahren, um Strom zu sparen: "Aber das funktioniert nicht wirklich." Die Fahrzeit könne dadurch sogar auf bis zu sieben Stunden anwachsen.
Bahn funktioniert nicht
Eigentlich gibt es zwischen Brüssel und Straßburg auch Bahnverbindungen. Viele Kommissare wollen diese laut den Berichten aber nicht nutzen. Als Grund werden vertrauliche Telefonate und Gespräche genannt, die während der Fahrt geführt werden müssen.
Eine Ausnahme bildet EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Ihr Fahrzeug muss aus Sicherheitsgründen gepanzert sein. Ein geeignetes gepanzertes Elektrofahrzeug stehe derzeit nicht zur Verfügung. Deshalb ist sie von den Reichweitenproblemen ihrer Kollegen nicht betroffen.
Die eigene Flotte soll Vorbild sein
Die Beschwerden betreffen ein Prestigeprojekt der EU-Kommission. Bereits 2022 begann die Behörde damit, ihren Fuhrpark schrittweise auf Elektroantrieb umzustellen. Heute fahren nach Angaben der Kommission bereits rund 80 Prozent der 128 Fahrzeuge elektrisch. Bis 2027 soll die gesamte Flotte emissionsfrei sein.












