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02/2020, Rimac C_Two
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12/2019, Rimac C_Two Erlkönig
12/2019, Rimac C_Two Erlkönig 54 Bilder

Rimac C-Two (2021): Daten, Infos, Marktstart

Rimac C-Two (2021) Prototyp mit Mega-Zeit auf der Viertelmeile

Nach einigen Verzögerungen steht der Rimac C-Two inzwischen kurz vor der Markteinführung. Der Firmenchef höchstselbst beschleunigt mit einem Vorserien-Modell schneller als ein Bugatti Chiron und Porsche Taycan Turbo S. Im Video verrät er weitere interessante Details.

Die Corona-Pandemie verzögert auch den Start des Hypercars Rimac C-Two. Ursprünglich sollte der Elektro-Sportwagen sein Debüt auf dem Genfer Autosalon 2020 feiern, die Messe fiel aber als eine der ersten europäischen Großveranstaltungen wegen des grassierenden Covid-19-Virus aus. Stattdessen wurde die Präsentation des Serienautos auf 2021 verschoben. Anfang Februar hieß es, dass es "in wenigen Monaten" soweit sei.

Rimac C-Two für alle relevanten Märkte

Sobald die Serienfertigung in der neuen Produktionslinie im Werk in Veliko Trgovišće startet, dauert die Produktion eines Modells fünf Wochen. Arbeitet das Werk unter Volllast, entstehen später vier Kundenautos pro Monat. Seit Ende Dezember 2020 läuft allerdings erst die Vorproduktion. Parallel finden die finalen Tests statt. An insgesamt 17 Prototypen und zehn Vorserienautos findet der letzte Schliff in Sachen Leistungselektronik, Aerodynamik und Fahrwerk statt; schon seit geraumer Zeit führt die Truppe um Mate Rimac auch Crashtests mit ihnen durch. "Wir wollen, dass dieses Auto intuitiv und benutzerfreundlich, aber dennoch zackig und leistungsfähig ist", sagt der Firmengründer. "Dieser Prozess des Testens und der Verfeinerung ist entscheidend, um sicherzustellen, dass wir unsere Versprechen einhalten."

Zu diesem Zweck war Rimac kürzlich auch auf jenem ungenutzten Flugplatz unterwegs, auf dem er vor zehn Jahren mit seinem giftgrünen, auf Elektroantrieb umgebauten BMW 3er E30 bereits Beschleunigungsrekorde aufstellte. Diesmal hatte der Kroate einen C-Two-Prototyp, professionelles Equipment zur Zeitenmessung, eine Kamera und einen Porsche Taycan Turbo S als Vergleichsfahrzeug dabei. Und sein Hypercar lieferte ab: Nach nur 8,94 Sekunden war die Viertelmeile absolviert. Damit war Rimac nicht nur schneller als der Porsche, sondern auch als die erlesene E-Auto-Konkurrenz Lucid Air und Tesla Model S Plaid sowie der Bugatti Chiron.

8,94 Sekunden mit Verbesserungspotenzial

Rimac selbst wirkt im Video wenig überrascht von der Performance des Autos, das seinen Namen trägt. Dabei habe seine Truppe zum jetzigen Entwicklungsstand erst 85 bis 90 Prozent des Drehmoments freigegeben. Außerdem trat der C-Two auf Straßenreifen (Michelin Pilot Sport 4S), auf einer recht staubigen Strecke, mit deaktivierter Launch Control und gebremstem Schaum an. Wie Rimac' Software zeigte, rief der C-Two beim schnellsten Lauf gerade einmal 1.312 kW / 1.759 PS ab. Da ist also noch ungenutztes Potenzial vorhanden (siehe unten).

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Rimac Automobili / Screenshot: Youtube
Burnout vor der Beschleunigungsorgie: Für eine Viertelmeilen-Zeit von 8,94 Sekunden braucht es warme Hinterräder.

Das gilt übrigens auch in Bezug auf die Null-auf-60-mph-Beschleunigung (96,6 km/h) von 2,33 Sekunden; am Start kam der Porsche tatsächlich besser aus den Blöcken. Auch in Sachen Höchstgeschwindigkeit geht noch mehr als die am Zielstrich erreichten 249,7 km/h und die insgesamt angezeigten 255 km/h. O-Ton Rimac: "Wir haben noch Software-Probleme, die den Topspeed limitieren."

Das Serienauto wird anders heißen

Das zweite Sportwagen-Modell der Kroaten wird natürlich auch wieder rein elektrisch angetrieben. Der C-Two, der in der Serienversion einen anderen Namen erhalten wird, ist größer und noch luxuriöser als das Concept 1, bleibt aber ein Zweisitzer. Vom C-Two sollen nur maximal 100 bis 150 Exemplare gefertigt werden, 20 davon im ersten vollen Produktionsjahr. So niedrig die Stückzahl, so exorbitant der Preis. Rimac spricht von über einer Million Euro.

Draufgepackt hat Rimac auch beim Antrieb. Bestückt mit vier Elektromotoren, je zwei pro Achse, leistet der Rimac C-Two 1.408 kW – umgerechnet 1.915 PS – und kommt auf ein Gesamtdrehmoment von 2.300 Nm. Damit soll der Elektro-Sportwagen in knapp unter zwei Sekunden von Null auf Tempo 100 spurten, die 300-km/h-Marke wird nach 11,6 Sekunden gerissen, als Höchstgeschwindigkeit werden 412 km/h angegeben. Die nötige Energie hält ein 120 kWh großes Akkupaket bereit. Im Norm-Modus soll das eine Reichweite von 550 Kilometer ermöglichen. Geladen wird per Schnelllader – 80 Prozent in 30 Minuten.

Klassische Mittelmotor-Sportwagen-Linien

Beim Design setzt der Rimac auf klassische Mittelmotor-Sportwagen-Linien und kombiniert dazu nach vorne oben öffnende Flügeltüren. Darüber hinaus setzt Rimac auf diverse aktive Aero-Elemente. So wird die Fronthaube von großen Luftführungen durchzogen, die je nach Anforderung per Klappen geöffnet oder geschlossen werden können. Ebenfalls mit aktiven Klappen versehen sind die seitlichen Lufteinlässe in der Frontschürze. Der große Heckspoiler ist in der Höhe und in der Neigung verstellbar und kann zudem als Luftbremse genutzt werden. Weitere Steuerelemente finden sich am vollverkleideten Unterboden, der wie ein Venturi-Kanal geformt ist.

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Rimac Automobili
Der Rimac C-Two debütierte auf dem Genfer Autosalon 2018, damals noch als Concept 2.

Das Chassis an sich ist ein Kohlefaser-Monocoque, die Crash-Strukturen sind aus Aluminium und Karbon geformt. Die Batteriemodule sitzen im Mitteltunnel, dem Unterboden sowie hinter den Passagieren, die Elektromotor-Module jeweils davor und dahinter. An der Vorderachse befindet sich ein Einganggetriebe, an der Hinterachse gibt es gleich zwei davon. Ein Torque-Vectoring-System sorgt für eine optimale Momentenverteilung.

Das Fahrwerk stammt von KW Automotive

In puncto Fahrdynamik und -komfort setzt Rimac auf die Expertise von KW Automotive. Die Schwaben liefern für das Elektro-Hypercar ein aktives Gewindefahrwerk mit adaptiver Ventilsteuerung und hydraulischem Liftsystem. Auch die Fahrwerksteuerung und die nötige Regelelektronik stammt aus Fichtenberg. KW-Geschäftsführer Klaus Wohlfarth nennt das System "aktuell das innovativste Produkt, das wir im Programm führen". Die Spezialisten arbeiten mit Mate Rimac bereits seit dessen ersten Elektro-Gehversuchen mit umgebauten BMW-Rennwagen zusammen. Insofern war es naheliegend, dass die Partnerschaft bei den Serienautos des Kroaten weitergeführt wird.

02/2021, Rimac C_Two Fahrwerks-Entwicklung
KW automotive GmbH
Die Fahrwerks-Entwicklung findet beim Spezialisten KW Automotive statt.

Bei seinem Viertelmeile-Versuch gab Mate Rimac auch einen detaillierten Einblick in die Fahrprofile des C-Two. Er demonstrierte deren vier: Beim reichweitenoptimierten Range-Modus werden vorne und hinten maximal 50 Prozent des Drehmoments freigegeben. In der Sport-Abstimmung steigt der Wert auf je 70 Prozent, während im Track-Modus die volle Power zur Verfügung steht. Elektro-Fahrspaß der anderen Art bietet die Drift-Einstellung, bei der standardmäßig vorne gar keine und hinten die komplette Kraft bereitgestellt wird. Allerdings lässt sich deren Verteilung weitgehend stufenlos justieren.

Interieur mit zahlreichen Bildschirmen

Über alle Energieströme und Kraftflüsse informiert das digitale Cockpit. Hier werden auch alle anderen Fahrinformationen eingespielt. Weitere Displays finden sich auf der Mittelkonsole und der Armaturentafel. Dem Beifahrer stehen drei weitere Displays zur Verfügung. Für eine Komplettüberwachung und autonome Fahrfunktionen nach Level 4 spannt Rimac zahlreiche Sensoren, Radarsysteme, Lidar-Radar und Kamera-Systeme ein. Der Kofferraum hinter den Passagieren lässt sich vielfach konfigurieren, beispielsweise auch für den Helmtransport.

12/2019, Rimac C_Two Erlkönig
Rimac Automobili
Mit allerlei Messgeräten bestückt dreht der Rimac C-Two derzeit seine letzten Entwicklungsrunden.

Obwohl der Rimac C-Two noch gar nicht richtig auf dem Markt ist, denkt Mate Rimac bereits über weitere Modellversionen nach. "Zukünftige Varianten des Autos werden rennstreckenfokussiert sein", sagte er dem Magazin "Top Gear". Im aktuellen Zustand sei der C-Two eher auf Komfort getrimmt, etwa mit elektrisch einstellbaren Sitzen und alltagstauglichen Reifen. Das ließe Raum für etwas "mit mehr Punch", wie unsere britischen Kollegen richtigerweise feststellen.

Plant Rimac den Nürburgring-Rekord?

Rimac' Aussage war die Antwort auf die Frage, ob der kroatische Elektroauto-Spezialist einen Angriff auf den Nürburgring-Rekord plant. "Das würde mich interessieren, aber vielleicht nicht mit dem C-Two." Die aktuellen Rekordhalter VW ID.R und Nio EP9 seien schließlich Rennwagen und der Rimac eher das zuverlässige, täglich nutzbare Elektro-Hypercar.

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Wenn ich die Crashtest-Bilder des Rimac C_Two sehe, dann ...
... werde ich ganz wehmütig. Solche Edelautos sollten grundsätzlich nicht gecrasht werden.
... denke ich: Richtig so! Ob Kleinwagen oder Hypercar - gleiches Recht für alle Autohersteller.

Fazit

Auch ein junger Kleinserien-Hersteller wie Rimac muss sich gewissenhaft auf den Serienstart vorbereiten sowie das übliche Zulassungs-Szenario über sich ergehen lassen und Crashtests absolvieren. Das alles braucht seine Zeit, weshalb es – auch angesichts aller Verwerfungen rund um die Corona-Pandemie – nicht verwunderlich ist, dass sich das Debüt des Elektro-Hypercars verzögert. Aber es dauert ja nur noch "wenige Monate", bis endlich die Kundschaft das Beschleunigungvermögen und alles restliche Potenzial des Serienautos erfahren kann.

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