Lucid Air, Bugatti Chiron, Tesla Model S Plaid Patrick Lang
Lucid Air
Tesla Model S Plaid Konfigurator
Bugatti Chiron
11/2019, Rimac C_Two 7 Bilder

Sprintrekorde von Tesla Model S Plaid Lucid Air

Bugatti Chiron von E-Autos abgehängt

Zwischen Tesla und Lucid entbrennt gerade ein Kampf um die heftigste Performance auf der Viertelmeile. Ein Bugatti Chiron kann da nicht mithalten. Wachablösung für den Verbrenner bei der schnellsten Beschleunigung?

9,9 Sekunden für die Viertelmeile: Diesen Wert präsentierte kürzlich Lucid-Chef Peter Rawlinson fröhlich für seinen Air. Die Zeit ist im Vergleich schockierend gut: Ein 1.500 PS starker Bugatti Chiron (Basismodell) braucht genauso lange. Dabei kostet der Chiron mit zirka 3,15 Millionen Euro fast 22 mal so viel wie ein Lucid Air in der Dream Edition (aktuell umgerechnet zirka 143.582 Euro). Allerdings handelt es sich bei dem Air-Rekordfahrzeug um ein leergeräumtes und speziell auf die Viertelmeile abgestimmtes Modell.

Lucid Air
Lucid
Mit dem Air hat Lucid die Viertelmeile in fantastischen 9,245 Sekunden geschafft.

Musk in die PR-Parade gespurtet

Die anscheinend mächtige Performance des Lucid Air kommt für Tesla denkbar ungelegen – schließlich hat Elon Musk diese Woche auf dem Battery Day mit dem Model S Plaid, dem neuen Topmodell der Model-S-Reihe, ein ähnlich potentes Fahrzeug angekündigt. Laut Musk soll der Model S Plaid alles versenken, was Räder hat. Und dann schummelt sich das ebenfalls in Kalifornien ansässige Startup Lucid mit seiner frechen Rekordfahrt in Musks lange geplanten PR-Coup. Dem Tesla-Chef Musk müssen die Haare zu Berge gestanden haben – Lucid-Chef Rawlinson ist sein ehemaliger Model-S-Entwicklungs-Chef – die beiden sind im Streit auseinander gegangen und bis heute verfeindet.

Tesla Model S Plaid Konfigurator
Tesla
Mit dem Model S Plaid will Tesla-Chef Elon Musk die Viertelmeile sogar in 9,0 Sekunden schaffen.

Echter Fabelwert gegen Ankündigung

Um Tesla weiter zu provozieren, hat Lucid jetzt seinen Air in einer dreimotorigen Version auf die Viertelmeile geschickt: Dabei ist eine absurd gute Zeit von 9,245 Sekunden herausgekommen – besser als ein Dodge Challenger SRT Demon (9,6 Sekunden), ein Koenigsegg Jesko (9,5 Sekunden) oder ein Donkervoort D8 RS06 (9,3 Sekunden). Aber von solchen Werten lässt sich Profi-Ankündiger Elon Musk nicht seine Model-S-Plaid-Show verderben: Eine Viertelmeilenzeit von 9,0 Sekunden stellt er für sein neues Topmodell in Aussicht. Damit wäre dann nicht nur der Air abgeschlagen, sondern mit dem Rimac C_Two (9,1 Sekunden) ein weiteres Hochleistungs-Elektroauto. Schneller wäre dann mit 8,8 Sekunden nur noch ein 1.774 PS starker SSC Tuatara.

11/2019, Rimac C_Two
Rimac Automobili
1.088 PS für 9,1 Sekunden auf der Viertelmeile: Den Rimac C_Two muss Tesla mit seinem Model S Plaid schlagen.

Rimac und Bugatti gemeinsam gegen Tesla und Lucid

Rimac hat also schon auf der Viertelmeile brilliert, Bugatti scheint nicht mehr an eine Zukunft der Verbrennungsmotors zu glauben: Nicht umsonst verschiebt VW seine Supercar-Tochter zum kroatischen Elektroautospezialisten Rimac, an dem Porsche aktuell 15,5 Prozent hält. Der nächste Bugatti ist also ein von Rimac und Porsche gemeinsam entwickeltes Hypercar, dass sich mit Boliden vom Schlage eines Tesla Model S Plaid und Lucid Air messen soll.

Mit dem über drei Millionen Euro teuren Chiron hat Bugatti die Viertelmeile in 9,9 Sekunden geschafft.

Maximale Perfomance auch bei Elektroautos

Bei Elektromobilität geht es um Umweltschutz und Nachhaltigkeit – aber auch um eine Performance, mit der Verbrennungsmotor-Modelle kaum noch mithalten können. Die Gründe dafür liegen auch bei den Protagonisten: Elon Musk ist ein Mann, der auch schon die alte Welt der Verbrennungsmotor-Sportwagen ungemein schätzte – und der ausgiebig von seinem McLaren F1 schwärmte. Öko-Denken in Form von vor sich hergetragenem Verzicht ist ihm fremd: Nicht umsonst gefiel ihm der auf einer Lotus Elise basierende Elektroroadster auf Anhieb, als er zu Tesla stieß. Musk hat nie aufgehört, die Perfomance seiner Modelle zu betonen und zu pushen. Sein Gegenspieler bei Lucid, Peter Rawlinson, ist kein bisschen anders drauf: Der Ex-Jaguar-Mann hat als Ingenieur bei Lotus extremen Leichtbau betrieben und nach seiner Jaguar-Zeit bei Ruf in Pfaffenhausen den legendären CTR3 mitentwickelt – ein Auto, das sich mit dem McLaren F1 messen sollte.

Lucid Air schafft Viertelmeile in 9,245 Sekunden.
Twitter/Lucid
Auf Twitter hat Lucid ein Video von der 9,245-Sekunden-Fahrt des Air auf der Viertelmeile veröffentlicht.

Auf der Nordschleife geht’s weiter

Noch tragen Tesla und Lucid ihre Performance-Duelle auf der in den USA populären Viertelmeile aus – 2021 kommen beide nach Deutschland und wollen dann jegliche Nordschleifen-Rekorde vergessen machen. Spannend ist, was Porsche in der Zwischenzeit mit dem Taycan vorhat – also ob die Zuffenhausener ihre geliebte Nordschleife gegen die Angriffe aus Übersee verteidigen können. Mit einem Prototypen des Model S Plaid hat Tesla die Zeit eines Vorserien-Taycan schon mal pulverisiert.

Vergleich Model S Plaid, Air Dream Edition, Taycon Turbo S, Chiron

  Tesla Model S Plaid Lucid Air Dream Edition Porsche Taycan Turbo S Bugatti Chiron
0 - 100 mph (97 km/h) 2,0 s* 2,5 s 2,6 s 2,5 s
Viertelmeile 9,0 s* 9,245 s** 10,3 s 9,9 s
Höchstgeschwindigkeit 323 km/h* 378 km/h** 260 km/h 420 km/h
Reichweite 837 km 832 km 412 km 444 km***
Preis 120.361 Euro 145.303 Euro 181.638 Euro 3,15 Millionen Euro
Anmerkung * Angaben von Elon Musk ** leergeräumtes Renn-Modell   *** 100-Liter-Tank
  Tesla Model S Plaid Lucid Air Dream Edition Porsche Taycan Turbo S Bugatti Chiron
0 - 100 mph (97 km/h) 2,0 s* 2,5 s 2,6 s 2,5 s
Viertelmeile 9,0 s* 9,245 s** 10,3 s 9,9 s
Höchstgeschwindigkeit 323 km/h* 378 km/h** 260 km/h 420 km/h
Reichweite 837 km 832 km 412 km 444 km***
Preis 120.361 Euro 145.303 Euro 181.638 Euro 3,15 Millionen Euro
Anmerkung * Angaben von Elon Musk ** leergeräumtes Renn-Modell   *** 100-Liter-Tank

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Haben Verbrennungsmotoren bei Hochleistungs-Sportwagen ausgedient?
Ja, Verbrenner gegen E-Motor ist wie Rechenschieber gegen Computer.
Nein, dafür reicht der Energievorrat bei Elektro-Sportwagen noch nicht.

Fazit

Die Entwicklungsarbeit an Elektroautos ist in den vergangenen Jahren nicht stehengeblieben: Die Ingenieure konnten die Antriebe kompakter und hochleistungsfester gestalten, die Chemiker haben die Kapazitäten und Leistungsfähigkeiten der Batterien permanent verbessert. Das Ergebnis sind jetzt Fabelzeiten für Elektroautos auf der Viertelmeile – weit weg von allen Befürchtungen, dass der Individualverkehr in naher Zukunft aus fahrenden Öko-Vorwürfen bestehen könnte.

Geht damit die Ära des Verbrennungsmotors auch bei Sportwagen eher zu Ende, als bisher von vielen vermutet? Ja. Noch können Autos wie der Chiron mit ihrem potenten Energiespeicher in Form eines großen und im Vergleich zu einer Batterie günstigen und leichten Tanks punkten – insbesondere auf langen Strecken mit hohen Geschwindigkeiten und bei der Höchstgeschwindigkeit, die eines der herausragenden Merkmale des Chiron ist. Aber in Sachen Sprint-Performance ist der W16-Motor des Basismodells bereits von einer Kombination aus drei volumenmäßig kleinen Elektromotoren abgehängt und die Batterien werden jeden Monat besser und günstiger. Nicht umsonst bringt BMW bereits 2021 einen i4 M Performance – selbst die Bayerischen Motorenwerke läuten die Zeit des Elektromotors bei Sportwagen ein.

Lucid Air
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