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Elektro Supersportwagen Rimac Nevera Serienmodell 2021 Rimac
Elektro Supersportwagen Rimac Nevera Serienmodell 2021
Elektro Supersportwagen Rimac Nevera Serienmodell 2021
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Elektro Supersportwagen Rimac Nevera Serienmodell 2021 33 Bilder

Rimac C-Two wird Nevera (2021): Daten, Infos, Marktstart

Rimac Nevera Serienmodell (2021) OMG! 1,85 s auf 100, 412 km/h, 1.914 PS, 2.360 Nm

Rimac hat sein Elektro-Hypercar nun offiziell vorgestellt. Das Seriemodell heißt Nevera und weiß mit vielen Top-Leistungswerten zu beeindrucken. Welche das sind, erfahren Sie in diesem Artikel.

Ursprünglich sollte der Elektro-Sportwagen sein Debüt auf dem Genfer Autosalon 2020 feiern, die Messe fiel aber als eine der ersten europäischen Großveranstaltungen wegen des grassierenden Covid-19-Virus aus. Stattdessen wurde die Präsentation des Serienautos auf 2021 verschoben. Nun ist es so weit: Der Rimac Nevera ist offiziell vorgestellt.

Der Antrieb

Vier Elektromotoren katapultieren das Hypercar nach leichtem Anrollen in 1,85 Sekunden auf 100 km/h. Erst bei 412 km/h ist Schluss mit dem Schub-Spektakel. Die Gesamtleistung gibt Rimac mit 1.914 PS und 2.360 Newtonmetern maximalem Drehmoment an. Die rasante Leistung verpackt Rimac in unterschiedliche Fahrmodi. Neben Range und Comfort stehen auch Sport, Track und Drift zur Verfügung. Zudem kann der Fahrer zwei individuelle Settings programmieren.

Auf ein klassisches ESP oder eine herkömmliche Traktionskontrolle verzichtet der kroatische Hersteller. Stattdessen kommt das Allrad-Torque-Vectoring-System R-AWTV 2 zum Einsatz. Über verschiedene Sensoren sammelt dieser elektronische Helfer Daten zur Fahrbahnbeschaffenheit und unternimmt bis zu 100 Rechenschritte pro Sekunde. Jedes einzelne Rad soll so immer mit dem passenden Kraft-Traktions-Verhältnis bedacht sein. Ist irgendwann der komplette Stillstand gefragt, übernimmt eine Karbon-Keramik-Bremsanlage von Brembo die Verzögerung. Deren Scheiben messen vorne wie hinten 390 Millimeter im Durchmesser, jeweils sechs Kolben pressen den Belag auf die Scheiben. Bevor das passiert, wird per Rekuperation mit einer Leistung von bis zu 300 kW verlangsamt.

Elektro Supersportwagen Rimac Nevera Serienmodell 2021
Rimac
Der Sprint von null auf 100 km/h gelingt (angerollt) in 1,85 Sekunden.

Für den Spagat zwischen Komfort und Sportlichkeit ist auch das Fahrwerk verantwortlich. Doppelquerlenkeraufhängung, elektrisch verstellbare Dämpfer und Niveauregulierung arbeiten hier zusammen. Antriebseinflüsse auf die Lenkung sind übrigens nicht zu erwarten, denn der Nevera verfügt über ein Steer-by-wire-System ohne mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Rädern. Hier gibt ein Steuergerät die sensorisch erfassten Lenkbefehle elektrisch weiter.

Der Akku

Die H-förmige Traktionsbatterie des Hypercars zieht sich vom Fußraum bis hinter die Sitze und verfügt über eine Kapazität von 120 kWh. 6.960 Zellen speichern bis zu 1,4 Megawatt, die Zellchemie setzt sich aus Lithium, Mangan und Nickel zusammen. Die Akku-Konstruktion versorgt nicht nur den Antrieb mit Energie, sondern trägt auch mit 37 Prozent zur strukturellen Steifigkeit des gesamten Fahrzeugs bei.

Im Range-Fahrmodus sollen geübte Elektroauto-Piloten bis zu 550 Kilometer (WLTP) abspulen können. Die maximale Ladeleistung gibt Rimac mit 500 kW an. So füllt sich der Akku in nur 19 Minuten von null auf 80 Prozent.

Elektro Supersportwagen Rimac Nevera Serienmodell 2021
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Der 120-kWh-Akku im Boden versorgt das Auto nicht nur mit Energie, sondern macht die ganze Konstruktion signifikant steifer.

Die Konstruktion

Dass ein Auto von diesem Kaliber dramatische Auftritte hinlegen muss, versteht sich von selbst. Dabei helfen auch die weit ausgeschnittenen Schmetterlingstüren. Fahrdynamisch relevanter sind allerdings die Verbesserungen der Aerodynamik. Deren Effizienz hat sich durch die Modellierung von Karosserieteilen, Diffusor, Splitter und Lufteinlässen gegenüber früheren Prototypen beim Serienmodell nun um 34 Prozent verbessert. Alle aktiven Aero-Teile, zu denen auch der Heckflügel gehört, verstellen sich je nach Fahrsituation unabhängig voneinander. Der Fahrer kann allerdings auch selbst Einfluss nehmen und zwischen "Low Drag" und "High Downforce" wählen.

Die Basis der Konstruktion bildet ein Karbon-Monocoque, das nach eigenen Angaben das größte Kohlefaser-Einzelteil der gesamten Automobilindustrie ist. Es wiegt weniger als 200 Kilo und bietet eine Torsionssteifigkeit von 70.000 Newtonmeter pro Grad. Auch diesen Wert sortiert Rimac an der Spitze aller jemals gebauten Autos ein.

Das Interieur

Der Innenraum zeigt sich auf den ersten Bildern als Kombination aus hellbraunem Leder und Karbon. Das jedoch ist nur eine von unzähligen möglichen Konfigurationen. Drei Modelvarianten bietet Rimac an – GT, Signature und Timeless. Darüber hinaus haben die Kunden auch die Möglichkeit, das Auto komplett nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. In jedem Fall nehmen die Insassen auf Alcantara-bespannten Karbon-Sitzen Platz, die sich elektrisch verstellen lassen.

Zu den digitalen Instrumenten gesellt sich ein zentraler Touchscreen, unter dem auch einige mechanische Tasten auf der Mittelkonsole sitzen. Der Fahrstufen-Drehregler sitzt auf der linken Seite des Lenkrads und startet nach einem Druckbefehl das Fahrzeug, weitere Aluminium-Drehregler steuern Fahrmodi und die Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse. Auch der Beifahrer erhält ein eigenes Display, auf dem Geschwindigkeit und die aktuell abgerufene Leistung angezeigt werden. Auf Lenkstockhebel verzichtet Rimac gänzlich. Blinker, Beleuchtung und Wischer werden über Lenkradtasten bedient. Die Lüftungsdüsen sind aus mattiertem Aluminium gefertigt, der komplette Armaturenträger ist leicht zum Fahrer hin geneigt.

Elektro Supersportwagen Rimac Nevera Serienmodell 2021
Rimac
Der Beifahrer darf sich über ein eigenes Display freuen.

Alle Daten zur Performance des Autos lassen sich auf dem zentralen Display darstellen und bei Bedarf auch auf ein mobiles Endgerät übertragen. Eine Rimac-Smartphone-App gehört ebenso zum Gesamtpaket. Spannend ist auch die Integration eines virtuellen Fahrlehrers. Versorgt mit Daten zu allen bekannten Rennstrecken, gibt die künstliche Intelligenz akustisch und optisch Tipps zu Ideallinie, Brems- und Beschleunigungspunkten in Echtzeit – also direkt live während des Fahrens auf dem jeweiligen Kurs.

Der Preis

Superlative gibt es auf dem Automobilmarkt selten für kleines Geld und da macht der Rimac Nevera absolut keine Ausnahme. Zwei Millionen Euro möchte CEO Mate Rimac für sein neues Elektro-Sportgerät. Auch die Limitierung auf 150 Exemplare trägt, wie üblich, ihren Teil zur Preisgestaltung bei. So werden auch "Gebrauchte" in den kommenden Jahren wohl kaum günstiger zu bekommen sein. Immerhin: Der Chef lässt es sich nicht nehmen, jedes einzelne Auto persönlich zu signieren. Ist doch auch was.

Elektro Supersportwagen Rimac Nevera Serienmodell 2021
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So viel Kraft und Exklusivität haben ihren Preis: Zwei Millionen Euro möchte Rimac für den Nevera.

Sobald die Serienfertigung in der neuen Produktionslinie im Werk im kroatischen Veliko Trgovišće startet, dauert die Produktion eines Modells fünf Wochen. Arbeitet das Werk unter Volllast, entstehen später vier Kundenautos pro Monat. Seit Ende Dezember 2020 läuft allerdings erst die Vorproduktion. Parallel finden die finalen Tests statt. An insgesamt 17 Prototypen und zehn Vorserienautos findet der letzte Schliff in Sachen Leistungselektronik, Aerodynamik und Fahrwerk statt; schon seit geraumer Zeit führt die Truppe um Mate Rimac auch Crashtests mit ihnen durch. "Wir wollen, dass dieses Auto intuitiv und benutzerfreundlich, aber dennoch zackig und leistungsfähig ist", sagt der Firmengründer. "Dieser Prozess des Testens und der Verfeinerung ist entscheidend, um sicherzustellen, dass wir unsere Versprechen einhalten."

Die Entwicklung als C_Two-Prototyp

Zu diesem Zweck war Rimac kürzlich auch auf jenem ungenutzten Flugplatz unterwegs, auf dem er vor zehn Jahren mit seinem giftgrünen, auf Elektroantrieb umgebauten BMW 3er E30 bereits Beschleunigungsrekorde aufstellte. Diesmal hatte der Kroate einen C-Two-Prototyp, professionelles Equipment zur Zeitenmessung, eine Kamera und einen Porsche Taycan Turbo S als Vergleichsfahrzeug dabei. Und sein Hypercar lieferte ab: Nach nur 8,94 Sekunden war die Viertelmeile absolviert. Damit war Rimac nicht nur schneller als der Porsche, sondern auch als die erlesene E-Auto-Konkurrenz Lucid Air und Tesla Model S Plaid sowie der Bugatti Chiron.

02/2020, Rimac C_Two
Rimac Automobili
02/2020, Rimac C_Two 02/2020, Rimac C_Two 12/2019, Rimac C_Two Erlkönig 12/2019, Rimac C_Two Erlkönig 54 Bilder

Rimac selbst wirkt im Video wenig überrascht von der Performance des Autos, das seinen Namen trägt. Dabei habe seine Truppe zum jetzigen Entwicklungsstand erst 85 bis 90 Prozent des Drehmoments freigegeben. Außerdem trat der C-Two auf Straßenreifen (Michelin Pilot Sport 4S), auf einer recht staubigen Strecke, mit deaktivierter Launch Control und gebremstem Schaum an. Wie Rimac' Software zeigte, rief der C-Two beim schnellsten Lauf gerade einmal 1.312 kW / 1.759 PS ab. Da ist also noch ungenutztes Potenzial vorhanden (siehe unten).

Das gilt übrigens auch in Bezug auf die Null-auf-60-mph-Beschleunigung (96,6 km/h) von 2,33 Sekunden; am Start kam der Porsche tatsächlich besser aus den Blöcken. Auch in Sachen Höchstgeschwindigkeit geht noch mehr als die am Zielstrich erreichten 249,7 km/h und die insgesamt angezeigten 255 km/h. O-Ton Rimac: "Wir haben noch Software-Probleme, die den Topspeed limitieren."

Das Fahrwerk stammt von KW Automotive

In puncto Fahrdynamik und -komfort setzt Rimac auf die Expertise von KW Automotive. Die Schwaben liefern für das Elektro-Hypercar ein aktives Gewindefahrwerk mit adaptiver Ventilsteuerung und hydraulischem Liftsystem. Auch die Fahrwerksteuerung und die nötige Regelelektronik stammt aus Fichtenberg. KW-Geschäftsführer Klaus Wohlfarth nennt das System "aktuell das innovativste Produkt, das wir im Programm führen". Die Spezialisten arbeiten mit Mate Rimac bereits seit dessen ersten Elektro-Gehversuchen mit umgebauten BMW-Rennwagen zusammen. Insofern war es naheliegend, dass die Partnerschaft bei den Serienautos des Kroaten weitergeführt wird.

Bei seinem Viertelmeile-Versuch gab Mate Rimac auch einen detaillierten Einblick in die Fahrprofile des C-Two. Er demonstrierte deren vier: Beim reichweitenoptimierten Range-Modus werden vorne und hinten maximal 50 Prozent des Drehmoments freigegeben. In der Sport-Abstimmung steigt der Wert auf je 70 Prozent, während im Track-Modus die volle Power zur Verfügung steht. Elektro-Fahrspaß der anderen Art bietet die Drift-Einstellung, bei der standardmäßig vorne gar keine und hinten die komplette Kraft bereitgestellt wird. Allerdings lässt sich deren Verteilung weitgehend stufenlos justieren.

Obwohl der Rimac C-Two noch gar nicht richtig auf dem Markt ist, denkt Mate Rimac bereits über weitere Modellversionen nach. "Zukünftige Varianten des Autos werden rennstreckenfokussiert sein", sagte er dem Magazin "Top Gear". Im aktuellen Zustand sei der C-Two eher auf Komfort getrimmt, etwa mit elektrisch einstellbaren Sitzen und alltagstauglichen Reifen. Das ließe Raum für etwas "mit mehr Punch", wie unsere britischen Kollegen richtigerweise feststellen.

Plant Rimac den Nürburgring-Rekord?

Rimac' Aussage war die Antwort auf die Frage, ob der kroatische Elektroauto-Spezialist einen Angriff auf den Nürburgring-Rekord plant. "Das würde mich interessieren, aber vielleicht nicht mit dem C-Two." Die aktuellen Rekordhalter VW ID.R und Nio EP9 seien schließlich Rennwagen und der Rimac eher das zuverlässige, täglich nutzbare Elektro-Hypercar.

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12738 Mal abgestimmt
Wenn ich die Crashtest-Bilder des Rimac C_Two sehe, dann ...
... werde ich ganz wehmütig. Solche Edelautos sollten grundsätzlich nicht gecrasht werden.
... denke ich: Richtig so! Ob Kleinwagen oder Hypercar - gleiches Recht für alle Autohersteller.

Fazit

Auch ein junger Kleinserien-Hersteller wie Rimac muss sich gewissenhaft auf den Serienstart vorbereiten sowie das übliche Zulassungs-Szenario über sich ergehen lassen und Crashtests absolvieren. Das alles braucht seine Zeit, weshalb es – auch angesichts aller Verwerfungen rund um die Corona-Pandemie – nicht verwunderlich ist, dass sich das Debüt des Elektro-Hypercars verzögert hatte.

Angesichts der eindrucksvollen Leistungsangaben, des immensen Anschaffungspreises und der Exklusivität dürfte sich das Warten gelohnt haben. Die 150 Exemplare des Nevera sind möglicherweise schnell vergriffen.

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