Mercedes B-Klasse (2019)

So fährt sich die 2. Baureihe der neuen Kompakten

Mercedes B-Klasse (2019) Foto: Mercedes 30 Bilder

Die aktuelle Mercedes B-Klasse ist bereits seit 2011 am Start. Auf der neuen Kompaktklasse-Plattform von Mercedes rollt die Neuauflage an. Wir sind bereits mitgefahren – und zwar in der Version mit dem größten Dieselmotor und neuem Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe.

Die neue Mercedes B-Klasse wird sich wieder die Technik und die Plattform mit der A-Klasse teilen. Rückgrat für beide ist die neue MFA2-Plattform, auf der bei Mercedes alle Kompaktmodelle aufbauen. Während die neue Mercedes A-Klasse bereits Anfang 2018 ihr Debüt feierte, müssen sich Fans der Van-Version noch bis Oktober gedulden. Auch wenn die neue B-Klasse noch getarnt ist, ist zu erkennen, dass Formensprache im Vergleich zum Vorgänger an Dynamik zugelegt hat. So extrovertiert wie die kleinere A-Klasse wird sie aber wohl nicht.

Uns zwingt die Tarnung nur zum Spekulieren über das Design, Jochen Eck, Leiter Gesamtfahrzeugversuch Compact Cars, stört sie bei seinen Abnahmefahrten: Wenn irgendwas klappert oder sich außen irgendwo Wasser sammelt, muss man erst untersuchen, ob das von der Tarnung kommt. Aber Vorserien-Autos im Alltagsverkehr testen ist hilfreich und ungetarnt will Mercedes die B-Klasse erst am 2. Oktober auf dem Pariser Salon zeigen.

Mercedes B-Klasse (2019) Foto: Mercedes
Die B-Klasse bekommt neu gestaltete Außenspiegel. Deren Form muss unter anderem auf Aerodynamik in Kombination mit Tür und Fenster sowie Schutz vor Verschmutzung ausgelegt sein.

Innen ist die B-Klasse groß – viel größer, als sie von außen wirkt. Sowohl vorne als auch hinten ist ordentlich Platz für seine Beine. Hinten könnte man die Füße auch dann locker unter den Vordersitz schieben, wenn sie in Skischuhen steckten. Und über dem Kopf freuen sich selbst Sitzriesen vorne und hinten über viel Luft, sogar wenn das zwischen vorne und hinten geteilte Glasdach eingebaut ist. Die Rückbanklehne lässt sich jetzt geteilt im Verhältnis 40 zu 20 zu 40 umklappen, vorher war die Aufteilung noch 40 zu 60. Die aufrechte, hohe, aber bequeme Sitzposition übernimmt die B-Klasse vom Vorgänger. In Kombination mit der steilen Frontscheibe und dem niedrigen Armaturenbrett ergibt sich ein gigantisches Sichtfeld nach vorn.

MBUX, Head-up Display, Burmester Sound

Wie die A-Klasse, so hat jetzt auch die B-Klasse das aus zwei miteinander verbunden Bildschirmen bestehende MBUX-Anzeigen- und Bediensystem – serienmäßig (Mercedes-Benz User Experience), die Zeit von klassischen Instrumenten mit echten Zeigern ist vorbei. Bei der Einstiegsversion sind kleinere Anzeigen und eine separate Verblendung zwischen den Bildschirmen an Bord, während die Topversionen entsprechend größere Anzeigen hinter einer durchgehenden Glasscheibe bekommen. Dank Android Auto und Apple Carplay lassen sich Smartphones komfortabel mit dem Infotainment-System koppeln. Das MBUX-Firmware-Update kann Over-the-Air, also über eine Funkschnittstelle aufgespielt werden. Um Ungeübten den Respekt vor den geballten digitalen Systemen zu nehmen, sind rechts und links in den Speichen des Multifunktionslenkrades „Fast Home“-Buttons eingelassen: Ein längerer Druck auf diese Knöpfe sorgt für ein schnelles Zurückkehren in die bekannte Standardanzeige des jeweils rechten oder linken Bildschirms. Sollte man sich mal bei der Bedienung verhaspeln, kann man wieder entspannt von vorne loslegen.

Außerdem arbeitet das System mit einer vorbildlich funktionierenden Sprachbedienung: „Fahre mich nach X/Y“ versteht das Navi beispielsweise trotz Nebengeräuschen auf Anhieb und errechnet dann blitzschnell die Route. Schon aus der A-Klasse bekannt und jetzt auch in der B-Klasse zu haben: ein echtes Head-up Display, das fahrrelevante Informationen im Sichtfeld des Fahrers in die Frontscheibe spiegelt. Ebenfalls erstmals optional in der B-Klasse: ein Audiosystem des Berliner Audio-Spezialisten Burmester. Dessen Mitarbeiter reisen mit großem Ehrgeiz nach Sindelfingen und gehen erst wieder, wenn ihre hohen Ansprüche an die Audioqualität erfüllt sind, verrät Jochen Eck.

Mercedes B-Klasse (2019) Foto: Mercedes
Getarnter Innenenraum, aber das MBUX-System mit seinen beiden Bildschirmen ist schon sichtbar. Am Steuer: Jochen Eck, Leiter Gesamtfahrzeugversuch Compact Cars bei Mercedes.

Vielfach in der Farbe veränderbares Ambientelicht kann jetzt den Innenraum stimmungsvoller machen und neue Einlagen im Armaturenbrett sorgen für einen modernen Touch. In unserem Fall machte sich eine Karbon-Einlage breit, die zusammen mit dem unten abgeflachten Lenkrad zur AMG-Line gehört.

Komfortables Fahrwerk

Dem Fahrwerk der neuen B-Klasse gelingt ein ausgewogener Spagat zwischen Komfort und Dynamik. Selbst üblen Schlaglöchern nimmt es den Schrecken, das hörbare Gepolter klingt nach mehr, als dann tatsächlich in den Rücken der Insassen ankommen. Der Preis für den Komfort ist zarte Seitenneigung in Kurven.

Neuer Top-Diesel

Leistung verkauft sich laut Eck nach wie vor gut, also hat Mercedes einen neuen Top-Diesel in die B-Klasse gepflanzt. Um welches Aggregat es sich genau handelt, verraten die Ingenieure noch nicht. Nur so viel: Der Motor ist als längs eingebautes Aggregat bereits aus der C-Klasse aufwärts bekannt und wurde jetzt mit viel Aufwand quer in die B-Klasse integriert. Dabei wird es sich um den OM 654 mit 1.950 Kubikzentimetern Hubraum handeln – in der aktuellen C-Klasse leistet das Aggregat beim C 300 d 245 PS. Im Stand nagelt der Selbstzünder hörbar, während der Fahrt verfliegt das Geräusch, wobei das Geräuschniveau in der B-Klasse ohnehin sehr niedrig ist. Dank kräftigen Drehmoments spurtet die B-Klasse mit Top-Diesel leichtfüßig los.

Bei den Motoren wird es ansonsten weiter einen Mix aus Renault- und Daimler-Aggregaten geben. Der kleinen Benziner mit 1,33 Liter Hubraum und der 1,46 Liter große Diesel stammen von den Franzosen (163 und 116 PS). Die leistungsstärkeren Aggregate mit zwei Liter Hubraum und vier Zylindern als Diesel und als Benziner kommen direkt von Mercedes. Alternative zu den Dieseln könnte ein B 220e (Plugin-Hybrid) mit 13,7 kWh-Batterie und rund 70 Kilometer elektrischer Reichweite werden. Auf die Frage, ob es dieses Mal auch eine echte AMG-Version und wieder eine reine Elektrovariante geben wird, möchte man bei Mercedes nichts sagen – ein klares „Nein“ klingt anders. Als erstes Power-Modell der Kompaktfamilie kommt im Herbst 2019 der AMG A35 mit dem Zweiliter-Vierzylinder (M260), 48-Volt-Bordnetz und Riemenstartergenerator (RSG) kommen. Die Systemleistung liegt bei 305 PS – das wär doch auch was für die B-Klasse, Leistung verkauft sich ja laut Herrn Eck nach wie vor gut.

Mercedes B-Klasse (2019) Foto: Mercedes
Bei der neuen B-Klasse ist die Rückbank im Verhältnis 40 zu 20 zu 40 geteilt umklappbar.

Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe

Um die Gänge des großen Diesel passend einzuteilen, hat Mercedes extra ein neues Doppelkupplungsgetriebe (DKG) entwickelt – eins mit acht Gängen. Und es ist nicht so, als das die B-Klasse bisher unter einem Mangel an Getrieben gelitten hätte: Bisher standen eine Sechsgang-Handschaltung, ein Siebengang-DKG von Getrag und ein konzerneigenes Siebengang-DKG zur Verfügung – für andere Modellreihen hat Daimler zudem auch noch die selbstentwickelte Neungang-Automatik im Programm. Warum diese Vielfalt? Für jeden Motor das genau passende Getriebe, lautet die Antwort der Ingenieure. Das Achtgang-DKG wäre für die kleinen Motoren einfach zu viel, mit ihrem jeweiligen Sieben- oder Sechsganggetriebe arbeiten die effizienter und zudem sinkt das Fahrzeuggewicht. Die Kombination aus größtem B-Klasse-Diesel und Achtgang-DKG haben die Ingenieure sauber abgestimmt: Kein Ruckeln beim Start, kein Aufheulen ohne nennenswerten Durchzug beim Gasgeben – das neue Antriebspaket passt. Und das muss es auch: Schließlich gehört die B-Klasse als geräumiger Kompaktwagen zu den bestverkauften Modellen des Konzerns.

Fazit

Optisch hat die B-Klasse einen deutlichen Sprung in die Moderne gemacht, ohne extrovertiert zu wirken. Innen sieht ebenfalls alles deutlich frischer aus. Das MBUX-System lässt sich prima bedienen – vor dem Entfall klassischer Instrumte müssen auch Digital-Muffel keine Angst haben. Sowohl vorne als auch hinten gibt es enorm viel Knie- und Kopffreiheit, die jetzt im Verhältnis 40 zu 20 zu 40 umklappbare Rücklehne bietet bei umgelegtem Mittelstück eine großzügige Durchlade.

Das Fahrwerk ist komfortabel ausgelegt, die Seitenneigung in Kurven hält sich dennoch Grenzen. Der neue Top-Diesel zieht kräftig ab und klingt nur im Stand und bei niedrigen Geschwindigkeiten nach Selbstzünder – das Geräuschniveau ist insgesamt angenehm niedrig. Das mit dem Top-Diesel verbundene Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe arbeitet präzise und ruckelfrei. Mercedes scheint mit der neuen B-Klasse ein ansprechendes Paket zu gelingen – bleibt nur noch die Frage nach dem Preis: Schon beim Vorgänger kostet der große Diesel mit 177 PS und 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe zuletzt 36.521 Euro. Drunter wird beim Nachfolger nix gehen.

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