Aus einer visionären Idee von 1926 entwickelte sich eines der bedeutendsten Grand-Prix-Rennen der Welt. Der Große Preis von Deutschland wurde über die Jahre zu einem internationalen Aushängeschild. Alles begann schon im Jahr 1913 mit dem Bau der "Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße" (AVUS) im Südwesten Berlins. Nach dem Ersten Weltkrieg konnte die Strecke mit finanzieller Unterstützung des Industriellen Hugo Stinnes fertiggestellt werden.
Die 1921 eröffnete AVUS galt als Europas erste ausschließlich für den Automobilverkehr vorgesehene Straße. Mit acht Kilometer langen Geraden und zwei Wendeschleifen bot sie ideale Voraussetzungen für Tempo, technische Innovationen und internationalen Rennsport.
Da sich der Nürburgring 1926 noch im Bau befand, richtete der Automobilclub von Deutschland (AvD) den ersten Großen Preis am 11. Juli in der Hauptstadt des Deutschen Reichs aus. Insgesamt versammelte sich ein vorzeigbares Feld von 38 Teilnehmern zum Start. Es handelte sich um das erste internationale Rennen in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg. Auf der rund 19,57 Kilometer langen AVUS waren insgesamt 20 Runden zu absolvieren.

Die Fans pilgerten in Scharen an die AVUS. 230.000 Zuschauer sollen die Strecke angeblich gesäumt haben.
Unfälle überschatten Mercedes-Sieg
Regen, schwierige Bedingungen und zahlreiche Ausfälle machten das Rennen zu einer besonderen Herausforderung. Im Rahmen des gesamten Wochenendes kamen vier Menschen bei Unfällen ums Leben. Vor rund 230.000 Zuschauern feierte Rudolf Caracciola den historischen Premierensieg gemeinsam mit seinem Beifahrer und Mechaniker Eugen Salzer. Der Deutsche gewann das Rennen in einer Zeit von 2:54.17,8 Stunden (Durchschnitt: 135 km/h) vor Christian Rieken auf NAG.
Caracciola legte damit den Grundstein für eine außergewöhnliche Laufbahn. Er wurde später mit insgesamt sechs Siegen zum erfolgreichsten Fahrer in der Geschichte des Großen Preises von Deutschland. Zum Einsatz kam bei seinem ersten Erfolg ein modifizierter Mercedes-Benz mit aufgeladenem Achtzylindermotor, der auf dem M218 Grand-Prix-Wagen von 1924 basierte und für die AVUS weiterentwickelt worden war.
Schon ein Jahr später verlegte der AvD das Rennen auf den neu eröffneten Nürburgring, der mit seinem anspruchsvollen Layout bessere Voraussetzungen für den internationalen Grand-Prix-Sport bot. In den folgenden Jahrzehnten wurde der Große Preis von Deutschland zu einer festen Größe im Motorsportkalender. Nach einer ersten Stippvisite 1970 gastierte die Veranstaltung ab 1977 regelmäßig auf dem Hockenheimring.

Rudolf Caracciola gewann auf Mercedes. Von Silberpfeilen redete damals aber noch niemand.
Wechselnde Rennstrecken
Der Auftakt auf der AVUS markierte damit den Start einer Erfolgsgeschichte, die den deutschen Motorsport bis heute prägt. Durch die Organisation zahlreicher Grand-Prix-Events trug der AvD entscheidend dazu bei, Deutschland als Austragungsort hochklassiger internationaler Rennveranstaltungen zu etablieren.
Der vorerst letzten offizielle Deutschland-Grand-Prix wurde 2019 auf dem Hockenheimring ausgetragen. Im Corona-Jahr 2020 drehte die Formel 1 zwar noch einmal ihre Runden auf dem Nürburgring. Das Rennen lief damals aber unter dem Namen "Eifel Grand Prix". Zur Enttäuschung der Fans macht der Grand-Prix-Zirkus seitdem leider einen großen Bogen um das Mutterland des Automobils.
AvD-Präsident Lutz Leif Linden gratulierte dennoch zur Erfolgsgeschichte: "Der erste Große Preis von Deutschland war weit mehr als ein Rennen. Er war ein Meilenstein für den deutschen Motorsport und ein Beleg für den Weitblick des AvD. Vor 100 Jahren haben unsere Vorgänger den Grundstein für eine Tradition gelegt, die Generationen von Fahrern, Teams und Fans begeistert hat. Dieses Jubiläum erfüllt uns mit Stolz und ist zugleich Ansporn, den Motorsport auch künftig aktiv mitzugestalten."





