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Mercedes - Formel 1 - GP Katar 2021
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Formel-1-Vorschau GP Saudi-Arabien 2021

F1-Vorschau GP Saudi-Arabien 2021 Mercedes Favorit, Verstappen in Defensive?

GP Saudi-Arabien 2021

Die Formel 1-Saison geht in ihre vorletzte Runde. Saudi-Arabien feiert seine Grand Prix-Premiere mit einer schnellen Rennstrecke, die auf den letzten Drücker fertig wird. Mercedes reist als Favorit an. Doch was heißt das schon in einer Saison voller Unwägbarkeiten?

Es sind keine zwei Wochen mehr, dann steht der neue Weltmeister der Formel 1 fest. Max Verstappen oder Lewis Hamilton: Wer macht sich zum Champion? Der 24-Jährige erstmals in seiner Laufbahn? Er wäre der 34. Weltmeister in der Geschichte. Oder ist Hamilton bald der alleinige Rekordhalter in der Champions League des Motorsports? Die Antwort werden die letzten zwei Rennen geben. Den Anfang macht der Große Preis von Saudi-Arabien. Vielleicht krönt sich der Niederländer aber auch dort schon zum Weltmeister. Theoretisch ist es jedenfalls möglich.

Vom Losail International Circuit bis nach Jeddah, Saudi-Arabiens zweitgrößter Stadt nach Riad, sind es mehr als 1.500 Kilometer auf dem Landweg. Der Tross bewegt sich vom Persischen Golf einmal quer durch Saudi-Arabien bis ans Rote Meer. Das Königreich ist das 34. Land auf der Weltkarte der Formel 1, indem ein Rennen ausgetragen wird. Selten war ein Gastgeber so umstritten.

Saudi-Arabien muss sich den Vorwurf gefallen lassen, Menschenrechte konsequent zu missachten. Der Fall Khashoggi, der im Oktober 2018 im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul ermordet wurde, gehört zu den Schreckenstaten. Die Formel 1 muss sich anhören, sich für "Sportswashing" einspannen zu lassen.

Geld spielt in Saudi-Arabien keine Rolle. Bis zu 60 Millionen Euro sollen sich die Scheichs das Spektakel pro Jahr kosten lassen. Beim Bau der neuen Rennstrecke wurde deshalb nicht gekleckert. Beim Blick auf das Layout hält der Jeddah Corniche Circuit ein paar spannende Elemente bereit. Es erwartet die Titelrivalen der schnellste Stadtkurs der bisherigen Geschichte. Auf eine schnelle Runde errechnen die Simulationen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 250 km/h. Schneller ist nur Monza.

Pirelli - GP Saudi-Arabien 2021
Pirelli
Das sind die Daten und Einschätzungen von Reifenlieferant Pirelli zur neuen Rennstrecke.

Die Strecke: Jeddah Corniche Circuit

Nie war ein Projekt so sehr mit der heißen Nadel gestrickt wie der Jeddah Corniche Circuit, der rund zwölf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt liegt. Die tatsächliche Planung startete erst vor gut einem Jahr. Es handelt sich zwar um einen temporären Stadtkurs, doch im Prinzip musste alles neu aufgebaut und verlegt werden. Der Asphalt. Die Gebäude wie die Boxenanlage. Die Tribünen. Die Drainage rund um die über sechs Kilometer lange Rennstrecke.

Die dritte und letzte Asphaltschicht trugen die Streckenarbeiter erst Mitte November auf. Saudi-Arabien wird hoffen, dass der Untergrund nicht aufbricht. Es wäre die größtmögliche Blamage für den Gastgeber, wenn durch Mängel an der Infrastruktur die Show gestört würde. Am Boxengebäude und im Fahrerlager wird bis zur letzten Minute geschraubt. Wahrscheinlich Tag und Nacht.

Für das Strecken-Design waren, wie so oft bei neuen Rennstrecken, zwei alte Bekannte verantwortlich: Hermann Tilke und sein Sohn Carsten. Die Vorgabe: Es sollte kein typischer Stadtkurs mit 90-Grad-Ecken entstehen, sondern eine schnelle Rennstrecke. Formel 1-Sportchef Ross Brawn beschrieb es so: "Wir wollen keine Mickey-Mouse-Strecken. Wir wollen schnelle und flüssige Layouts. Rennstrecken, die eine Herausforderung für die Fahrer sind. Ich glaube, sie werden es lieben."

Was noch wichtig war: Überholen soll in Jeddah möglich sein. Um nachzuhelfen, richtet die FIA drei DRS-Zonen ein. Sie befinden sich auf der Zielgerade (T27-1), sowie zwischen den Kurven 20 und 22 sowie 25 und 27.

Der Jeddah Corniche Circuit ist die zweitlängste im Rennkalender nach Spa-Francorchamps. Über die 6,174 Kilometer verteilen sich 27 Kurven. Mehr als auf jeder anderen Rennstrecke im Kalender. 16 davon gehen links herum, elf nach rechts. Wirklich langsame Ecken gibt es nicht. Mercedes geht davon aus, dass der zweite Teil der ersten Schikane gleich am Anfang der Runde der langsamste Punkt sein wird. Kurve zwei wird mit einer Geschwindigkeit von 90 km/h berechnet.

Es folgt ein wildes Geschlängel mit diversen schnellen Kurven. Es endet erst bei Kurve 13. Sie ist mit zwölf Grad überhöht und führt in das nächste Geschlängel. Schnelle Kurven bilden auch den Anfang des letzten Sektors. Hinten heraus wartet die zweite Haarnadel, die den Bogen zurück auf die Zielgerade spannt. Es gibt kaum Sturzraum. Das erhöht bei einem Unfall die Wahrscheinlichkeit auf ein Safety Car. Alpha Tauri-Pilot Pierre Gasly fasst nach seinen Eindrücken im Simulator zusammen: "Saudi sollte extrem schnell sein, mit vielen Highspeedkurven und einigen blinden Ecken. Aus Fahrersicht sollte es sehr kompliziert werden."

Rund um die Strecke stehen 3.000 Tecpro-Schutzmauern, um entgleiste Autos abzufedern. Ansonsten wurden 3.300 Stücke Beton verteilt. 13 Kilometer an Fangzäunen sollen herumfliegende Teile von den Tribünen abhalten. In Summe asphaltierten die Streckenarbeiter mehr als 37.000 Tonnen Asphalt. Und sie verlegten mehr als 20 Kilometer an elektrischen Kabeln. Jeddah ist eines von vier Nachtrennen. Deshalb wird die Strecke neben Flutlichtern an Gebäuden und Brücken auch von mehr als 600 Leuchtmasten beleuchtet.

Mercedes - Saudi-Arabien - Strecken-Grafik
Mercedes
Diese Geschwindigkeiten erwartet Mercedes in den Kurven und auf den Geraden.

Fast Facts

  • Streckenlänge: 6,174 Kilometer
  • Rundenzahl: 50
  • Renndistanz: 308,45 Kilometer
  • Anzahl Kurven: 27 (11 rechts / 16 links)
  • Distanz Pole Position bis erste Bremszone: 220 Meter
  • Länge der Boxengasse: 510 Meter
  • Vollgas-Anteil (Rundenzeit): 72 Prozent (Distanz: 79 %)
  • Top-Speed (Simulation): 330 km/h
  • DRS-Zonen: 3 (T27-1, T20-22, T25-27)
  • Reifenwahl: C2, C3 & C4

Setup

In Katar konnten die Teams ihre Autos mit den größten Flügel bestücken. In Saudi-Arabien werden sie voraussichtlich mit deutlich weniger Abtrieb fahren – trotz der 27 Kurven. Lange Vollgas-Passagen mixen sich mit schnellen Kurven. Zu viel Luftwiderstand würde zu viel Rundenzeit kosten. Viele der Kurven werden auf Anschlag, sprich unter Volllast, durchfahren. Simulationen sagen voraus, dass die Fahrer auf 4.877 der 6.174 Meter voll auf dem Gas stehen werden. Einer der höchsten Werte des Jahres. Die Strecke konkurriert mit Spa und Monza.

Es gibt nur wenige verwertbare Daten. Die Teams verlassen sich beim Grund-Setup auf ihre Simulationen. Am Rennwochenende heißt es dann: schnell verstehen, schnell lernen, schnell umsetzen. Dabei müssen die Teams die Entwicklung der Rennstrecke einbeziehen. Im ersten Training dürfte der frisch verlegte Asphalt noch sehr rutschig sein. Öl könnte austreten. Da kann man sich bei Setup-Änderungen schnell verzetteln, weil die Piste ohnehin von Runde zu Runde schneller wird. Hilfreich ist das Rahmenprogramm aus Formel 2 und Porsche-Cup, um die Oberfläche zu säubern und Gummi zu legen.

Das erste Training findet vor Sonnenuntergang statt. Es ist also ohnehin nicht ganz so repräsentativ. Im dritten Training fahren die Piloten vom Tag in die Nacht. Die entscheidenden Sessions – Qualifikation und Rennen – finden ausschließlich unter Kunstlicht statt. Bei der Vorbereitung wird also vor allem das zweite Training aufschlussreich. Noch ein Fakt: Die sehr lange Runde macht das Energie-Management der Power Unit zu einer Aufgabe. Zudem gibt es augenscheinlich nicht viele besonders harte Bremszonen.

Reifenlieferant Pirelli ist eine Spur aggressiver als zuletzt in Katar. Zum zwölften Mal in dieser Saison hat man sich für den Kompromiss aus C2, C3 und C4 entschieden.

Lando Norris - McLaren - GP Katar 2021 - Rennen
Wilhelm
McLaren will endlich wieder viele Punkte einsammeln.

Upgrades

In der heißesten Phase der Saison werden wohl selbst die Titelrivalen nichts mehr nachlegen. Das bestehende Paket muss ausgequetscht werden. Mercedes plant, im Auto von Lewis Hamilton wieder den Brasilien-Motor zu verbauen. Red Bull nennt diesen Motor ja ehrfürchtig "rocket engine". In Saudi-Arabien zählt jedes PS.

Der Herausforderer muss endlich sein Problem mit dem DRS lösen. Es befällt den Heckflügel vor allem in einer Konfiguration für weniger Abtrieb – wie in Jeddah gefordert. Ansonsten bleibt die Frage, ob Mercedes den Trick mit dem absenkenden Heck fahren kann – oder ob die schnellen Kurven daran hindern. Die Heckflügel des jeweiligen Rivalen werden von beiden Teams weiter mit Argusaugen beobachtet.

Favoriten

Je mehr Motorleistung, desto besser für Jeddah. Das bringt Mercedes automatisch in die Rolle des Favoriten. Der Silberpfeil ist schnell auf Geraden und fühlt sich auch in schnellen Kurven wohl. Gesehen in Silverstone. Lewis Hamilton reist mit dem Schwung von zwei Siegen in Serie an. Der Vorsprung von Max Verstappen in der Weltmeisterschaft ist auf acht Punkte geschmolzen.

Red Bull fürchtet selbst, dass der Jeddah Corniche Circuit wie gemacht ist für den Mercedes W12. Andererseits hat die Saison gezeigt, dass oftmals nicht der Favorit auftrumpfte, sondern die vermeintliche Nummer zwei im Feld. Red Bull-Sportchef Helmut Marko meinte nach der Niederlage in Katar forsch. "Wir müssen noch eins der verbleibenden zwei Rennen gewinnen. Jeder sagt, Saudi-Arabien sei Mercedes-Revier. Gewinnen wir eben dort."

Im Mittelfeld will McLaren seine Pleite-Serie mit nur vier Punkten aus den letzten drei Rennen stoppen. Auf dem Papier spricht vieles dafür, dass es dem Rennstall aus Woking gelingen wird. McLaren könnte mit den richtigen Handgriffen vor Ort vielleicht sogar ins Duell der Großen eingreifen. Der hohe Volllastanteil und die vielen schnellen Kurven sollten dem MCL35M schmecken.Mit dem Mercedes-Motor hat man schließlich das beste Triebwerk.

Das verlangte Abtriebsniveau dürfte McLaren ebenso entgegenkommen. Das Auto hat ein gesundes Verhältnis aus geringem Luftwiderstand und Anpressdruck. In Jeddah könnte es auf den Mut der Fahrer ankommen. Lando Norris hat in dieser Saison gezeigt, dass er zu Risiko bereit ist. Zu verlieren hat McLaren eigentlich nichts.

Ferrari war zuletzt eigentlich die Nummer drei im Feld. Nur in Katar nicht. Da beschränkten sich Team und Fahrer zu sehr auf das Reifenmanagement. Alpine ist die Unbekannte. Flüssige Layouts liegen dem Auto. Die Fabrik in Enstone hatte zuletzt in Katar gezeigt, dass man sich mit dem Basis-Setup zielsicher an neue Rennstrecken herantastet. Auf der anderen Seite aber gilt der Renault-V6-Turbo als leistungsschwächstes Triebwerk im Feld.

Mit Alpha Tauri muss man auf eine schnelle Runde immer rechnen. Red Bulls Junior hat das Potenzial, die Nummer drei im Feld zu sein. Aston Martin könnte der mangelnde Abtrieb und der zu hohe Luftwiderstand in die Quere kommen. Da würde dann auch der beste Motor im Feld nichts helfen.

Zeitplan GP Saudi-Arabien 2021

Tag Session Uhrzeit 
Freitag, 3.12.2021 1. Training 14.30-15.30 Uhr
  2. Training 18.00-19.00 Uhr
Samstag, 4.12.2021 3. Training 15.00-16.00 Uhr
  Qualifying ab 18.00 Uhr
Sonntag, 5.12.2021 Rennen ab 18.30 Uhr
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