Das Indy 500 legt riesigen Wert auf seine Traditionen. Diese umfassen natürlich das Rennen und die Qualifikation selbst. Aber sie beginnen schon deutlich früher. Fahrer, die erstmals zum Indianapolis Motor Speedway reisen, müssen vorab ein strenges Programm absolvieren. Die Anfänge dessen liegen im Jahr 1936, als man begann, alle Rookies auf ihre Rennfähigkeit abzuklopfen. Vorher verlief die Aufnahme eher nach Tageslaune. Ein tödlicher Unfall 1935 erhöhte schließlich den Druck auf die Organisatoren.
Das heutige Rookie Orientation Program (ROP) stammt aus der Ausgabe 1981. Ähnlich wie nun bei Mick Schumacher bekamen die Neulinge da erstmals eine eigene Sitzung rund einen Monat vor dem Spektakel. Bis heute kann sich kein Anwärter dem "Indy-Führerschein" entziehen – wie auch Fernando Alonso erfahren durfte. Die Hausaufgaben fallen klar definiert aus. Über drei Phasen hinweg müssen die Piloten bestimmte Schwellen erreichen.
Die erste umfasst zehn Runden zwischen 205 und 210 Meilen pro Stunde (circa 330 bis 338 km/h) – im Schnitt wohlgemerkt. Ihr folgen 15 Umläufe zwischen 210 und 215 mph (circa 338 bis 346 km/h). Abgerundet wird es durch die dritte Phase, die 15 Runden mit 215 mph und mehr verlangt (346+ km/h). Die jeweiligen Mengen müssen nicht auf einen Schlag erreicht werden, die Umläufe können sich ganz einfach aufaddieren. Zum Vergleich: Die schnellste Einzelrunde der Geschichte lieferte massive 234,220 mph (376,941 km/h) – deutlich über dem Formel-1-Topspeed-Rekord.
Untypische Belohnung für Schumacher
Passend zu den Geschwindigkeiten hatte es Mick eilig und fuhr direkt zur Öffnung des zweistündigen Fensters aus der Pitlane. Nach einer Stunde, die jedoch eine längere Unterbrechung sah, beanspruchte Schumacher die meisten Runden. Dann überholte ihn allerdings der Foyt-Rookie Caio Collet, der es am Dienstag (28. April) noch eiliger hatte. Auch der letzte der drei Rookies, Dennis Hauger (Dale Coyne Racing), legte zügig einige Runden hin, brauchte jedoch noch die allgemeine Session am Dienstagnachmittag.
Nicht so Mick Schumacher: Wenige Minuten vor Ende der ROP-Sitzung machte die Rennleitung den ersehnten Haken bei ihm. Der Deutsche schloss zwar – auch wegen des Verzichts auf Windschatten – die Zeitentabelle als Letzter ab. Diese spielt ausnahmsweise aber keine Rolle. Viel wichtiger ist die Rundenzahl: Mit 69 Umläufen musste er sich nur sehr knapp Collet geschlagen geben. Am restlichen Dienstagabend deutscher Zeit und am Mittwoch können Schumacher und sein RLL-Team jetzt vollen Fokus auf die Rennvorbereitung während des sogenannten "Indy 500 Open Test" legen.
Dank des neu erworbenen Führerscheins hat Mick zudem schon jetzt eine untypische Gewissheit. Wenn der 27-Jährige Mitte Mai schlicht die Qualifikation antritt, darf er den 500-Meilen-Klassiker am 24. Mai bestreiten. Weil dieses Jahr exakt die 33 nötigen Meldungen eingegangen sind, wird es keine K.o.-Quali geben. Nach rund 103 Jahren Warten werden Christian Werner, Christian Lautenschlager und Max Sailer (jeweils Daimler) endlich einen Nachfolger bekommen.












