Es sollte die nächste Formel-1-Supermacht werden: Aston Martin und Honda gehen seit dieser Saison gemeinsam an den Start. Erstmals ist die in Silverstone beheimatete Truppe ein Werksteam. Mit Star-Designer Adrian Newey gewann Besitzer Lawrence Stroll einen hochdekorierten Ingenieur.
Abgerundet mit dem zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso schien auf dem Papier alles für eine erfolgreiche Zukunft vorhanden zu sein – bis Ende Januar dieses Jahres. Der AMR26 wurde erst spät fertig und so konnte das Team während der Shakedown-Woche in Barcelona nur wenige Runden drehen.
Wirklich nach vorne ging es auch in Bahrain nicht. Kein Rennstall sammelte in den Tagen von Bahrain weniger Kilometer als die grünen Autos. Technik-Probleme bremsten Alonso und dessen Teamkollege Lance Stroll aus. Schnell war klar, dass Motorenpartner Honda nicht das beste Aggregat im Feld gebaut hatte. Der Antrieb litt unter Vibrationen, die andere Teile während der Fahrt beschädigten. Überhitzung und Schwierigkeiten mit dem selbst entwickelten Getriebe rundeten das Debakel in der Wüste ab. Rund vier Sekunden fehlten den Piloten auf die Spitze.
Keine Upgrades in Miami
In den ersten drei Rennen von Australien, China und Japan sah nur einmal Lance Stroll die Zielflagge. Technische Defekte bremsten die Rennwagen immer wieder aus. Wegen des Iran-Kriegs und der abgesagten Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien hatten alle Teams nun fünf Wochen Pause, um in der Fabrik ihre Autos weiterzuentwickeln. Umso mehr überraschte Aston Martin die Fans und Journalisten in Miami. Als einziger Rennstall hatte man keine neuen Teile dabei.
"Das Team hat mir erklärt, dass es unsere Platzierung nicht verändert, wenn wir uns bei jedem Rennen um ein oder zwei Zehntel verbessern. Wir liegen auf Platz 19 oder 20 und das nächste Auto ist eine Sekunde weg", erklärte Alonso die Update-Strategie in Miami, die noch einen weiteren Grund hat: "Wir müssen auch auf das Budget-Limit achten. Deshalb ist es besser, nichts zu produzieren, wenn wir nicht eineinhalb oder zwei Sekunden finden. Ansonsten ist es rausgeworfenes Geld."
Immerhin konnten in Florida beide Autos das Rennen beenden. "Wir haben eine Renndistanz abgeschlossen und auch den ohne irgendein größeres Zuverlässigkeitsproblem. Das ist ein guter Fortschritt", freute sich der Einsatzleiter Mike Krack nach dem Grand Prix. Positiv für das Team ist ebenfalls, dass die starken Vibrationen der Power Unit verschwunden sein sollen.

Einsatzleiter Mike Krack freute sich in Miami über die verbesserte Zuverlässigkeit bei Aston Martin.
ADUO-Verfahren als Honda-Boost?
"Wir können uns nun darauf konzentrieren, unsere Dateneinstellung für das Energiemanagement und auch die Fahrbarkeit zu optimieren", kündigte Krack die nächsten Aufgaben auf der langen To-do-Liste an. Darauf steht auch weiterhin das Getriebe. In Miami klagte Alonso: "Es fühlt sich beim Herunter- und beim Hochschalten komisch an." Eine Abkürzung zum Erfolg wird es nicht geben.
Helfen könnte jedoch das ADUO-Verfahren. Das sieht vor, dass unterlegene Hersteller Upgrades an den Motoren vornehmen dürfen. Selbst Ferrari hofft auf diese Regel und plant ein Update an der Power Unit für den Belgien-GP im Juli. Die Messungen für die Feststellung des Nachteils nimmt die FIA beim kommenden Rennen in Montreal (24.5.) vor. Honda dürfte von der ADUO-Regelung ebenfalls profitieren.

Fernando Alonso muss sich im Sommer entscheiden, ob er bei Aston Martin weiterfahren will.
Entscheidung um Alonso steht an
Fernando Alonso wird das in seine Zukunftsplanung einfließen lassen. Der Spanier wird am 29. Juli 45 Jahre alt. Für einen Rennfahrer ist das mehr als nur ein fortgeschrittenes Alter. Bei seiner letzten Vertragsverlängerung hatte er ob der guten Aussichten in der Theorie bei Aston Martin verlängert. Ob er seinem Team eine neue Chance gibt? "Um ehrlich zu sein, sprechen wir mehr über die Gegenwart als über die Zukunft", gab sich der Mann aus Oviedo in Miami zurückhaltend.
"Ich muss zuerst mit meinen Leuten reden und entscheiden, was ich nächstes Jahr mache. Wenn ich weiterfahre, denke ich, dass es mit dem Projekt im zweiten Jahr besser wird. Wenn ich aufhöre, werde ich in einer anderen Serie fahren", versprach Alonso. Sollte der Weltmeister von 2005 und 2006 der Formel 1 den Rücken kehren, hat er schon eine Idee, was er dann machen könnte: "Wie ich schon oft gesagt habe, wäre die Dakar eine Möglichkeit."
Es liegt an Aston Martin und Honda, dem immer noch motivierten Alonso wieder konkurrenzfähiges Material zu geben. "Ich bin mir sicher, dass es im Laufe dieser Saison immer besser wird. Wenn die Verbesserungen kommen und wenn wir einige Probleme mit der Power-Unit beheben. Ich habe keine Zweifel daran, dass das Projekt im nächsten Jahr, im zweiten Jahr, besser vorbereitet sein wird, als es in diesem Jahr der Fall war." Das Vertrauen in sein Team hat der Routinier noch nicht verloren.












