Diese Nachricht lässt die Motorsport-Romantiker und Schweizer Petrolheads aufhorchen: Die Schweiz öffnet ihre Tore wieder für den echten Rennsport. Was jahrzehntelang wie in Stein gemeißelt schien, ist nun endgültig Geschichte. Der Bundesrat hat das seit 1958 geltende Verbot von Rundstreckenrennen aufgehoben. Damit endet eine Ära der Abstinenz, die ihren Ursprung in einem der dunkelsten Kapitel der Motorsportgeschichte hat.
Nach dem schrecklichen Unfall beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1955, bei dem über 80 Menschen ihr Leben verloren, reagierte die Schweiz drastisch und verbot Wettbewerbe auf Rundstrecken kurzerhand komplett. Während der Rest der Welt Sicherheitskonzepte entwickelte, Leitplanken montierte und Auslaufzonen asphaltierte, blieb die Schweiz eine motorsportliche Insel.
Motorsport-Fans dürften aber zwei Ausnahmen aus der Vergangenheit bekannt sein. Die Formel E gastierte 2018 in Zürich und ein Jahr später in Bern. Der Schweizer Bundesrat weichte das Verbot von öffentlichen Rundstreckenrennen in der Schweiz für die Läufe auf den temporären Stadtkursen auf. Für die Rennserie von internationalem Format gab es Ausnahmebewilligungen für Rennen mit Elektroautos. Doch für alles, was einen Verbrennungsmotor und echtes Langstrecken-Potenzial hat, war an der Grenze Endstation. Mit der Revision des Straßenverkehrsgesetzes ist diese Hürde nun gefallen.
Formel 1 in den Alpen?
Natürlich schießen jetzt sofort die Spekulationen ins Kraut: Sehen wir bald einen Großen Preis der Schweiz? Vielleicht sogar als Heimspiel für das Audi-Team aus Hinwil? Das ehemalige Sauber-Team wurde von der VW-Tochter übernommen und startet seit Anfang dieser Saison in der Formel 1. Das Chassis entwickelt man weiterhin in der Schweiz.
Dennoch muss man hier vorsichtig sein. Die Aufhebung des Verbots bedeutet nicht, dass morgen die Bagger für einen F1-tauglichen Kurs im Nachbarland anrollen. Es fehlt schlichtweg an der Infrastruktur. Die Schweiz besitzt derzeit keine FIA-graduierte Rennstrecke, die modernen Formel-1-Standards (Grade 1) entspricht.
Der Bau einer permanenten Anlage dürfte in der Eidgenossenschaft zudem an den strengen Umweltauflagen und dem unvermeidlichen Widerstand von Anwohnern scheitern. Zudem drängen weitere Länder in den F1-Kalender und zahlen häufig horrende Antrittssummen, damit die Königsklasse dort gastiert. Rennen in Europa haben es in den letzten Jahren immer schwerer, Grands Prix austragen zu dürfen. Deutschland gilt als führendes Negativbeispiel dieser Entwicklung.

Zwei Mal gastierte die Formel E in der Schweiz. Dafür war eine Ausnahmegenehmigung des Bundesrats nötig.
Chancen für den Breitensport
Von 1950 bis 1954 war die Schweiz mit dem Grand Prix in Bremgarten fünf Mal im Kalender vertreten. Die offiziell als Grand Prix der Schweiz ausgetragenen Rennen von 1975 bis 1982 fanden im französischen Dijon statt.
Die Bedeutung der Gesetzesänderung für den Breitensport und die technologische Entwicklung ist aber wichtiger als ein echtes F1-Rennen im Alpenland. Schweizer Unternehmen sind in der Zulieferindustrie des Motorsports schon lange mit dabei.
Das Signal, dass diese Firmen nun ihre Prototypen und Entwicklungen auch auf heimischem Boden in einem wettbewerbsfähigen Umfeld testen dürfen, ist ein wichtiges Signal für den Standort. Zudem öffnet es Tür und Tor für kleinere Events, Clubsport-Veranstaltungen und vielleicht sogar nationale Meisterschaften.












