Mick Schumacher - GP Ungarn 2022 Motorsport Images
Max Verstappen - GP Japan 2022
Sebastian Vettel - GP Japan 2011
Alonso & Verstappen - GP Japan 2022
Max Verstappen - GP Japan 2022 26 Bilder

Kampf um Platz 6: Es geht um 18 Millionen Dollar

Vierer-Duell um WM-Platz 6 Kampf um 18 Millionen Dollar

GP Japan 2022

Vier Teams machen sich Hoffnungen auf Platz 6 in der F1-Teamwertung. Alfa Romeo, Aston Martin, Haas und Alpha Tauri trennen aktuell nur 16 Punkte. Ein gutes oder schlechtes Rennen kann den Unterschied von 18 Millionen Dollar ausmachen. Wer hat aktuell die besten Karten?

Eigentlich sollte die Geschichte der Frage nachgehen: Wer wird Siebter in der Konstrukteurs-WM? Alfa Romeo wähnte sich auf seinem sechsten Platz schon so sicher wie Alpine weiter oben in der Tabelle auf Rang vier. Bis McLaren in Singapur mit einem Doppelschlag 18 Punkte Rückstand auf ein Mal ausradierte und in Führung ging. Nur um die sieben Tage später genauso grandios wieder zu verlieren.

Jetzt ist auch der sechste Rang von Sauber in Gefahr. Aston Martin sammelte in zwei Rennen 20 Punkte ein und ist nun plötzlich wieder mittendrin im Geschäft. Sieben Punkte Differenz sind kein Ruhekissen für den Schweizer Rennstall.

Seit der Sommerpause haben nur Aston Martin und Alpha Tauri Boden gutgemacht. Die Ferrari-Kunden treten dagegen auf der Stelle. Alfa Romeo holte aus neun Rennen nur einen Punkt. Haas ging die letzten sieben Mal in Folge leer aus. So schiebt sich die ganze Gruppe zusammen.

Nur Aston Martin nutzt die Chaosrennen

Die Erfahrung der beiden Regenrennen in Singapur und Suzuka zeigt, wie gefährlich es auch in diesem Bereich der Tabelle ist, sich auf einem vermeintlich komfortablen Vorsprung auszuruhen. "Wenn es vier normale Rennen gibt, sollten wir relativ sicher sein. Doch ein Chaosrennen ist immer dabei. Und da kann es jeden treffen. Dann musst du sicherstellen, dass du auf der richtigen Seite stehst", zieht Sauber-Sportdirektor Beat Zehnder Bilanz.

Zuletzt war das nur Aston Martin. Dem Team aus Silverstone reichten zwei richtige Strategie-Entscheidungen, um jeweils einen seiner beiden Fahrer dick in die Punkte zu bringen. Die grünen Autos haben im Renntrim auch den nötigen Speed, dass sich Sebastian Vettel und Lance Stroll verteidigen können.

Das ging der Konkurrenz seit der Sommerpause ab. In einem Alpha Tauri, Alfa Romeo oder Haas ist man über die Distanz immer verwundbar, wenn von hinten Fahrer in schnelleren Autos Druck machen.

Alpha Tauri - GP Singapur 2022
Motorsport Images
In Singapur und Suzuka konnte Aston Martin auf die Mittelfeld-Konkurrenz Punkte gutmachen.

Das Problem in die Punkte zu fahren

Bei einem normalen Verlauf des Rennens ist es für den Viererpulk fast unmöglich in die Top Ten zu fahren. McLaren und Alpine haben sich um drei Zehntel vom Rest des Mittelfeldes abgesetzt. Es müssen aus der vorderen Hälfte des Feldes ein paar Autos ausfallen, um überhaupt auf der Sonnenseite stehen zu können.

"Realistisch gesehen bleiben uns die Plätze acht bis zehn", gibt Haas-Einsatzleiter Ayao Komatsu zu. "Dafür muss die Strecke dem Auto passen und wir brauchen ein sauberes und fehlerfreies Rennwochenende." Das gab es bei Haas in letzter Zeit leider zu selten.

Die vier Teams sind sich in der Summe ihrer Eigenschaften sehr ähnlich. Die Autos haben unterschiedliche Stärken und Schwächen, die Teams individuelle Baustellen. Der Vierkampf wird nicht über das schnellste Paket entschieden, sondern über die geringste Anzahl an Pannen und Fehlern. Alle vier hatten anfangs mit einer Instabilität in schnellen Kurven zu kämpfen, die aber weitgehend gelöst ist.

Was Alpha Tauri gegen Haas und Aston Martin im Top-Speed gewinnt, verlieren Pierre Gasly und Yuki Tsunoda in den Kurven. Aston Martin leidet in der Qualifikation darunter, dass der AMR22B seine Reifen nur zögerlich auf Temperatur bringt, dreht aber im Rennen auf, weil diese Schwäche sich auf die Distanz in eine Verschleiß-Trumpfkarte verwandelt.

Yuki Tsunoda - Alpha Tauri - Formel 1 - GP Niederlande - 2. September 2022
xpb
Bei Alpha Tauri ist die Ausfallquote zu hoch.

Vorteil der ersten Rennen ist aufgebraucht

Alfa Romeo begann die Saison mit einem Vorsprung auf seine drei Gegner. Man hatte das leichteste Auto im Feld und bis zum GP Spanien das aggressivste Entwicklungsprogramm, weil man davon ausging, dass es mit komplett neuen Autos am Anfang einfacher ist Punkte zu holen als am Ende. Die Rechnung ging auf. Die Eidgenossen hatten schon nach dem GP Kanada 51 ihrer 52 Punkte auf dem Konto.

Doch der Vorteil ist mittlerweile aufgebraucht. Die anderen haben ihre Autos abgespeckt und ihr Upgrade-Pensum erhöht. "Wenn wir immer noch den Gewichtsbonus von dreieinhalb Zehnteln hätten, lägen wir weiter in den Top Ten", glaubt Zehnder. In Japan legten die Eidgenossen mit neuer Nase und neuem Frontflügel nach. Er soll mehr Abtrieb in schnellen Kurven bringen, ohne in langsamen Ecken zu verlieren.

Die ersten Daten zeigen, dass das Ziel erreicht wurde. "Wir sind nur 50 Millisekunden am Einzug ins Q3 vorbeigeschrammt", ärgert sich Chefingenieur Xevi Pujolar. Man kann auch von Q2-Positionen in die Punkte fahren. Doch die Fahrer verlieren ständig Positionen in der Startrunde. Zhou war in Suzuka schuldlos. Er wurde von Nicholas Latifi umgedreht. Bottas dagegen tut sich nach fünf Jahren Mercedes schwer mitten im Feld zu starten.

Guanyu Zhou - GP Japan 2022
Wilhelm
Alfa Romeo kann nicht mehr von seinem Gewichtsvorteil zehren. Dazu kämpft man mit Technik-Problemen.

Baustelle Zuverlässigkeit bei Alfa Romeo

Die größte Baustelle des WM-Sechsten ist die Zuverlässigkeit. Elf Ausfälle sind negativer Saisonrekord. Keiner hat weniger Rennkilometer zurückgelegt als Valtteri Bottas und Guanyu Zhou. Probleme mit den Kühlern haben mindestens zehn Punkte gekostet. Die sind ausgeräumt.

Doch der Motor ist immer noch nicht sattelfest. Ferrari bekommt seine Probleme mit den Ventilen nur langsam in den Griff. Bottas hat schon sechs Einheiten im Pool. Zhou erwartet noch eine Motorstrafe. Auch bei Haas rechnet man damit, dass Kevin Magnussen und Mick Schumacher noch je eine Antriebseinheit brauchen.

Das US-Team hadert damit, dass es zu wenig reibungslose Wochenenden gibt: "Unser Auto ist gut. Aber entweder geht im Training was schief oder im Rennen", ärgert sich Teamchef Guenther Steiner. In Singapur warf Kevin Magnussen mögliche Punkte durch einen unnötigen Unfall in der Startrunde weg. In Suzuka holte das Team seine Fahrer zu spät zum Wechsel auf Intermediates an die Box. Die Taktik zu splitten wäre besser gewesen, als auf ein Safety-Car zu setzen.

Mick Schumacher - Haas - Formel 1 - GP Japan - Suzuka - 07. Oktober 2022
Motorsport Images
Haas braucht ein perfektes Rennwochenende, um in die Punkte zu fahren. Das gab es zuletzt leider nur selten.

Aston Martin mit den besten Fahrern

Alpha Tauri verliert zu viele Punkte durch Fehler an der Boxenmauer. "Wir müssen unsere Abläufe verbessern", fordert Pierre Gasly, der sich in dieser Saison mehrmals durch falsche Strategieentscheidungen um Punkte gebracht sah. Yuki Tsunoda macht immer noch zu viele Fehler.

Die Ausfallquote ist generell zu hoch. Neun Mal blieb ein Alpha Tauri-Pilot vorzeitig stehen. Aston Martin nur drei Mal. Die britische Edelmarke hat mit Vettel und Stroll die beste Fahrerpaarung, aber das Problem der schlechten Startplätze und des schwachen Topspeeds, der dann das Überholen erschwert.

Es geht in dieser Gruppe nicht nur um persönlichen Ehrgeiz, sondern auch viel Geld. Wenn Liberty 2023 die gleichen Prämien-Summen ausschüttet wie dieses Jahr, dann kassiert der Sechste 84 Millionen Dollar, der Siebte 75, der Achte 71 und der Neunte 66. Könnte Alfa Romeo seinen sechsten Platz halten, läge man 2023 am Kostendeckel. So wie Haas. Das US-Team will beim Heimspiel in Austin einen neuen Hauptsponsor präsentieren, der die Lücke schließt.

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