Vorschau GP Belgien 2018

Droht Vettel erneut Regen-Pleite?

Sebastian Vettel - Regen - GP Ungarn 2018 Foto: sutton-images.com 56 Bilder

Die Sommerpause ist fast vorbei. Mit dem Klassiker in Spa-Francorchamps beginnt der Endspurt im Titelkampf. Kann Sebastian Vettel seinem WM-Rivalen Lewis Hamilton ein paar Punkte abknöpfen? Wir haben die letzten Infos zum Ardennen-Kracher- und die aktuelle Wettervorhersage.

Es geht wieder los! Die Formel-1-freie Zeit ist endlich vorbei. Nach 4 Wochen Sommerferien werden in Spa-Francorchamps wieder die Motoren gestartet. Die Königsklasse könnte sich kaum mit einem besseren Rennen aus der Pause zurückmelden. Auf der 7,004 Kilometer langen Berg-und-Tal-Bahn ist Action garantiert.

Im heißen WM-Duell lieferten sich Sebastian Vettel und Lewis Hamilton zuletzt einen unterhaltsamen Schlagabtausch. Doch zweimal profitierte Mercedes von widrigen Wetterbedingungen. Ohne Regenschauer zum richtigen Zeitpunkt wäre es wohl nicht zum Vettel-Crash in Hockenheim und der Doppel-Silber-Pole von Budapest gekommen.

Und so dürfte Vettel wohl auch diese Woche regelmäßig bei den Meteorologen nachfragen. Nach der letzten Prognose sieht es alles andere als gut aus. Schon ab Freitag brechen die Temperaturen in den Ardennen ein. Am Samstag und Sonntag soll das Thermometer kaum mehr in die Nähe der 20°C-Marke kommen. Dazu sind – vor allem Freitag und Samstag – immer wieder Schauer vorhergesagt. Das hätten sich die Ferrari-Fans sicher anders gewünscht.

Aber nicht nur der Zweikampf um den WM-Titel wird in Spa-Francorchamps für Schlagzeilen sorgen. Trotz Sommerpause war zuletzt abseits der Strecke jede Menge los. Das Transferkarussell dreht sich bereits auf vollen Touren. Man darf gespannt sein, wie Fernando Alonso im ersten Rennen nach seiner Abschiedsankündigung auftreten wird. Auch im Red Bull-Lager dürfte die Stimmung etwas angespannt sein, nachdem Daniel Ricciardo seinem Team überraschend den Rücken gekehrt hat. Spannend ist auch, wie Force India beim ersten Rennen nach dem Besitzerwechsel abschneiden wird.

Daniel Ricciardo - Red Bull RB7 - F1 - Roadtrip USA - 2018 Red Bull Road Trip F1-Tour durch die USA

Die Strecke: Circuit de Spa-Francorchamps

Der Ardennen-Klassiker in Spa-Francorchamps wird auf der längsten Strecke im Kalender (7,004 Kilometer) ausgetragen. Der Traditionskurs, auf dem 1925 zum ersten Mal Rennwagen ihre Runden gedreht haben, ist mit Höhepunkten nur so gespickt. Eau Rouge, La Source, Rivage oder Blanchimont klingen sowohl Formel 1-Fans als auch Fahrern wie Musik in den Ohren.

„Eine Runde in Spa ist wie 20 Runden auf einem anderen Kurs, was den Spaß und die Adrenalinausschüttung angeht“, beschrieb Fernando Alonso einmal das Erlebnis. Die spektakuläre Eau Rouge-Kurve, bei der eine 300 km/h-Links-Rechts-Kombination mit einer Senke und einem anschließenden Bergaufstück kombiniert ist, gilt als die aufregendste Passage im ganzen Formel-1-Kalender.

Der technische Fortschritt der Autos und breite Auslaufzonen haben der ehemaligen Mutkurve allerdings etwas den Schrecken genommen. Trotz Querbeschleunigungen von 4g müssen die Piloten in Eau Rouge längst nicht mehr lupfen. Die neue Mutprobe hieß nun „Pouhon“. Der abschüssige Linksbogen mit zwei Scheitelpunkten wird mit mehr als 270 km/h genommen. Für zusätzliche Würze sorgt das bekannt launische Ardennen-Wetter. Im Regen müssen die Piloten ihr ganzes Talent unter Beweis stellen.

Fast Facts:

  • Streckenlänge: 7,004 Kilometer
  • Rundenzahl: 44
  • Gesamtdistanz: 308,052 Kilometer
  • Rundenrekord: 1:46.577 min (Vettel, 2017)
  • Pirelli-Reifen: supersoft / soft / medium
  • Reifenverschleiß: mittel
  • Spritverbrauch: hoch (72% Vollgasanteil)
  • Bremsbelastung: niedrig
  • Boxenstopp-Zeit: 21 Sekunden
  • Safety-Car-Wahrscheinlichkeit: 80 Prozent

Setup:

Pirelli Infografik GP Belgien 2018 Foto: Pirelli
Pirelli bringt mit Supersoft, Soft und Medium nominell härtere Reifen als im Vorjahr.

Top-Speed steht bei den Ingenieuren in Spa ganz oben auf dem Zettel. Nach der Haarnadel La Source geht es 25 Sekunden lang mit Vollgas den Berg hinauf bis zur Les Combes-Schikane. Hier will niemand unnötig steile Heckflügel fahren, die den Luftwiderstand erhöhen. Der Abtriebslevel liegt ungefähr auf dem Niveau von Kanada und Aserbaidschan. Nur in Monza wird mit noch weniger Abtrieb gefahren.

Das Fahrwerk muss an die hohen Kurvengeschwindigkeiten angepasst werden. In der Regel bedeutet das eine härtere und tiefere Abstimmung, um Stabilität ins Auto zu bekommen. Zu weit runter darf man mit der Fahrzeughöhe aber auch nicht gehen, sonst setzt der Unterboden in Eau Rouge auf. Der Frontflügel wird im Vergleich zu anderen Strecken etwas steiler gestellt, um Untersteuern in den schnellen Kurven zu verhindern.

Anspruchsvoll ist der Highspeed-Kurs vor allem für die Motoren, weshalb die Teams hier oft neue Triebwerke zum Einsatz bringen. Bremsen und Kühlung sind dafür nicht so stark gefordert. In Sachen Reifen geht Pirelli mit Supersoft, Soft und Medium dieses Jahr nominell eine Stufe härter als im Vorjahr. Doch weil die Gummimischungen diese Saison generell eine Stufe weicher geworden sind, können die Piloten mit ähnlichen Grip- und Verschleiß-Eigenschaften wie vor 12 Monaten rechnen. Damals kamen die meisten Autos mit zwei Boxenstopps über die Distanz.

Technik-Updates:

Für Technik-Freunde ist Spa immer eines der Highlights des Jahres. Wir erwarten, dass die meisten Autos mit neuen Bauteilen unterwegs sind. Mit konkreten Informationen hielten sich die Teams allerdings noch zurück. Nur Renault wagte sich aus der Deckung und kündigte neben modifizierten Verkleidungsteilen auch einen neuen Unterboden an.

Spannend wird die Frage, wie die Motorenhersteller für die PS-Schlacht in Belgien aufrüsten. Nachdem die Ferrari-Kunden schon in Ungarn mit neuen Aggregaten unterwegs waren, gehen wir fest davon aus, dass nun auch das Werksteam nachlegen wird. Bei Renault stand der Spec3-Motor ebenfalls für Spa auf dem Plan. Das größte Fragezeichen schwebt über Mercedes. Das Silberpfeil-Team macht ein Geheimnis aus der Einführung der letzten Ausbaustufe des Jahres. Offiziell wollte man nicht verraten, ob der neue Motor nun in Spa oder doch erst in Monza debütieren wird.

Favoriten:

F1 Tagebuch GP Belgien 2017 Foto: xpb
2017 war Vettel nah dran am Sieg, fand aber keinen Weg vorbei an Hamilton.

Vor der Sommerpause hatte Ferrari das beste Auto im Feld, konnte diesen Vorteil aber aus verschiedenen Gründen nicht ausspielen. Bei normalen Bedingungen sollte Sebastian Vettel auch in Spa die besten Karten haben. Eine Unbekannte sind die technischen Upgrades. Kann Mercedes den Power-Nachteil mit der neuen Motor-Ausbaustufe egalisieren? Und wer bringt das größere Aero-Paket?

Wenn das Wetter verrückt spielt, dann sind die genannten Faktoren zweitranging. Dann kommt es vor allem darauf an, die Reifen auf Temperatur zu halten und keine Fehler zu machen. Da Hamilton in den vergangenen Jahren alle Rennen auf feuchter Strecke gewonnen hat, sehen wir den Briten bei Regen leicht im Vorteil. Die Frage lautet, wie gut Red Bull bei Nässe mithalten kann. In Ungarn schlugen Verstappen und Ricciardo aus dem verregneten Qualifying kein Kapital.

Im Mittelfeld dürften die Teams mit starken Motoren wieder die besten Chancen auf WM-Punkte haben. HaasF1, Force India und auch Sauber sind die aussichtsreichsten Kandidaten für die Top-Ten-Plätze. Renault, McLaren und Toro Rosso dürften sich dagegen deutlich schwerer tun als zuletzt in Ungarn. Ein genaues Auge werden wir auch auf Williams werfen. Die Ingenieure sidn weiterhin dabei, die Schwächen des Autos auszumerzen. Der Aufwärtstrend aus den letzten Rennen soll fortgesetzt werden.

So lief das Rennen im Vorjahr – GP Belgien 2017:

Vor 12 Monaten feierte Lewis Hamilton Jubiläum. In seinem 200. Grand Prix fuhr er zum 68. Mal auf Pole Position und zum 58. Mal auf die oberste Stufe des Podiums. Ein Selbstläufer war der Sieg beim Belgien-Grand-Prix aber nicht. Mercedes startete aus großer Favorit, doch dann lieferte Sebastian Vettel im Rennen einen harten Kampf.

Entscheidend war der gewonnene Start von Hamilton. Trotz besserer Pace fand der Ferrari mit der Startnummer 5 keinen Weg vorbei am Silberpfeil mit der 44. Räikkönen im zweiten Ferrari beraubte sich selbst aller Chancen, als er eine Zeitstrafe für zu schnelles Fahren unter gelben Flaggen kassierte. Lokalmatador Max Verstappen fiel zur Enttäuschung seiner vielen Fans frühzeitig aus. So landete am Ende Daniel Ricciardo auf dem dritten Podiumsplatz.

Für Schlagzeilen sorgte auch der Kampf der Force India-Piloten, die sich bei der Anfahrt auf die Eau Rouge gegenseitig in die Kiste fuhren. Ocon verlor dabei einen Teil seines Frontflügels, Perez erlitt einen Reifenschaden hinten rechts. Zur Bergung der Trümmerteile wurde das Safety-Car auf die Strecke geschickt. Beim Restart griff Vettel noch einmal Hamilton an, doch der spätere Weltmeister verteidigte sich clever und ließ seinem Verteidiger keine Chance.

In unserer Galerie zeigen wir noch einmal die Highlights des GP Belgien 2017.

Neuester Kommentar

[Zitat] und jetzt mal zum richtigen Regengott: Was bist du für ein Penner !!! Die letzten Jahre habe ich mir sooft Regen gewünscht ... NICHTS !!! [/Zitat]

Als ob das was gebracht hätte (2017 in Singapur).

[Zitat] Dieses Jahr hat HAM im trockenen nicht das schnellste Auto ....und jetzt... jedes Mal Regen oder Was ??? WAS IST LOS MIT DIR ? [/Zitat]

Ist ja auch sooo viel Regen gewesen, dieses Jahr. Im Qualifying in Ungarn und davor ein paar Tropfen in Hockenheim.

donington93 25. August 2018, 13:06 Uhr
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