Dacia Striker gegen VW Tiguan: Erster Vergleich mit 15.000 Euro Unterschied

Vergleich VW Tiguan vs. Dacia Striker
15.000 Euro billiger und besser als der Tiguan?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 14.07.2026
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Dacia Striker VW Tiguan Vergleich
Foto: Hersteller / Schönfeld

Mit dem neuen Striker greift Dacia erneut Volkswagen an. Nach dem Bigster schicken die Rumänen jetzt einen zweiten Vertreter der Mittelklasse ins Rennen – allerdings als Crossover zwischen Kombi, SUV und Fließheck. Der größte Trumpf bleibt der Preis: Während der neue Striker bei knapp 25.000 Euro starten soll, kostet der VW Tiguan inzwischen mindestens 39.385 Euro. Die Differenz beträgt damit rund 15.000 Euro. Bleibt die Frage: Bekommt man beim Volkswagen tatsächlich so viel mehr Auto?

Viel Platz zum halben Preis?

Mit 4,62 Metern Länge bewegt sich der Striker praktisch auf Augenhöhe mit dem 4,54 Meter langen Tiguan. Beide richten sich an Familien oder Paare, die ein geräumiges Alltagsauto mit erhöhter Sitzposition suchen. Der VW bietet dafür den klassischen SUV-Aufbau, der Dacia setzt dagegen auf eine flachere Crossover-Karosserie mit Kombi-Heck. Das beschert dem Striker einen 600 Liter großen Kofferraum. Der höhere Aufbau bringt beim VW sogar noch einige Liter mehr. Platz- oder Verstauprobleme dürften also hier wie da kaum vorkommen.

Im Innenraum sind sich beide Hersteller inzwischen ähnlicher, als manch einem VW-Fan lieb sein mag. Denn die Rumänen haben bei der Materialauswahl aufgeholt, während sich der Sparkurs in Wolfsburg in aktuellen Innenräumen durch vermehrt härtere Kunststoff-Flächen bemerkbar macht. Große Touchscreens gehören bei beiden zum Standard – genau wie digitale Instrumente. Während Volkswagen beim Tiguan auf das MIB4-Infotainment setzt, bleibt Dacia bei einer Mischung aus Touchscreen und klassischen Tasten. Gerade für die Klimabedienung oder häufig genutzte Funktionen könnte das im Alltag sogar praktischer sein. Einfacher ist die Bedienung damit auf jeden Fall.

Ausstattung: Der Abstand schrumpft

Noch vor wenigen Jahren war Volkswagen beim Thema Materialqualität und Komfort klar überlegen. Dieser Vorsprung ist kleiner geworden. Zwar bietet der Tiguan weiterhin Extras wie HD-Matrix-Licht, adaptive Dämpfer, Massage-Sitze oder ein besonders hochwertiges Geräuschniveau. Doch viele Alltagsfunktionen bietet inzwischen auch der deutlich günstigere Dacia.

Bereits die Basisversion des Striker soll unter anderem Klimaanlage, Rückfahrkamera, Parksensoren, elektrische Fensterheber rundum sowie moderne Assistenzsysteme serienmäßig mitbringen. Höhere Ausstattungslinien ergänzen Panorama-Glasdach, elektrische Sitze und das neue LightVisio-Cockpit. Das Premium-Niveau eines Tiguan erreicht der Striker zwar nicht, der Abstand fällt jedoch deutlich kleiner aus als der Preisunterschied vermuten lässt.

Moderne Hybridtechnik gegen große Motorenvielfalt

Bei den Antrieben werden die unterschiedlichen Strategien von Dacia und Volkswagen am deutlichsten. Der Tiguan bietet die größere Auswahl und deckt nahezu jeden Bedarf ab – vom Mildhybrid über Diesel bis hin zum leistungsstarken Plug-in-Hybrid und Allrad-Turbobenziner. Allerdings wird die Vielfalt für den Volkswagenkonzern auch immer mehr zum Problem – gerade wenn bestimmte Antriebskombinationen nur sehr selten bestellt werden. Der Striker konzentriert sich dagegen ausschließlich auf leicht elektrifizierte Antriebe und verzichtet komplett auf Diesel sowie reine Benzinmotoren.

Den Einstieg bildet beim Dacia der Mild Hybrid-G 140. Der 1,2-Liter-Dreizylinder arbeitet mit einem 48-Volt-System und kann sowohl mit Benzin als auch mit LPG betrieben werden. Die Kombination aus zwei jeweils rund 50 Liter großen Tanks ermöglicht Gesamt-Reichweiten von bis zu 1.500 Kilometern. Neu ist außerdem, dass Dacia diesen Antrieb erstmals auch mit Automatik anbietet. Das Mildhybridsystem unterstützt den Verbrenner beim Anfahren und Beschleunigen, geladen wird die kleine Batterie ausschließlich durch Rekuperation.

Hybridversionen für starken Elektroanteil

Darüber rangiert der Hybrid 155. Hier kombiniert Dacia einen 1,8-Liter-Vierzylinder mit zwei Elektromotoren, einer 1,4-kWh-Batterie und einem kupplungslosen Multi-Mode-Getriebe. Der Striker startet grundsätzlich elektrisch und soll laut Hersteller im Stadtverkehr bis zu 80 Prozent der Fahrzeit ohne laufenden Verbrennungsmotor zurücklegen können. Extern geladen werden muss die Batterie nicht – sämtliche Energie gewinnt das System beim Bremsen oder über den Benzinmotor. Dacia verspricht CO₂-Emissionen von unter 100 g/km und einen Verbrauch von etwa 4,5 Litern je 100 Kilometer.

Das technische Highlight ist jedoch der Hybrid 150 4x4. Anders als bei einem klassischen Allradsystem übernimmt hier ein 31 PS starker Elektromotor an der Hinterachse den Allradantrieb. Eine Kardanwelle ist nicht mehr erforderlich. Der 140 PS starke Dreizylinder treibt über ein neues Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe die Vorderräder an, während der Elektromotor die Hinterachse nur bei Bedarf zuschaltet. Wird kein Allrad benötigt, entkoppelt sich die Hinterachse vollständig, was Reibungsverluste und Verbrauch reduziert. Der elektrische Allrad arbeitet bis 140 km/h und bietet fünf Fahrprogramme für Straße, Schnee oder leichtes Gelände. Laut Dacia kann diese Variante im Stadt- und Umlandverkehr ebenfalls bis zu 60 Prozent der Fahrzeit elektrisch zurücklegen.

Bunte Vielfalt beim VW-Konzern

Volkswagen setzt beim Tiguan dagegen auf maximale Vielfalt. Bereits der Einstieg erfolgt mit dem 1,5-Liter-eTSI-Mildhybrid, der wahlweise 130 oder 150 PS leistet und serienmäßig mit einem Siebengang-DSG kombiniert wird. Wer häufig lange Strecken fährt, kann weiterhin auf einen der beiden 2,0-Liter-TDI mit 150 oder 193 PS zurückgreifen – ein Antriebskonzept, das Dacia gar nicht mehr anbietet. Darüber hinaus stehen zwei 2,0-Liter-TSI-Benziner mit 204 beziehungsweise 265 PS und serienmäßigem 4Motion-Allradantrieb zur Wahl. Sie richten sich vor allem an Kunden mit höheren Anhängelasten oder sportlicheren Ansprüchen.

Besonders aufwendig sind die beiden Plug-in-Hybride. Sie leisten 204 oder 272 PS, verfügen über eine 19,7-kWh-Batterie und ermöglichen elektrische Reichweiten von bis zu rund 100 Kilometern. Im Gegensatz zum Dacia lassen sich die Akkus extern laden – mit bis zu 11 kW Wechselstrom oder erstmals auch mit bis zu 50 kW Gleichstrom an Schnellladesäulen. Damit eignet sich der Tiguan eHybrid für viele Alltagsfahrten als nahezu vollwertiges Elektroauto, während der Verbrennungsmotor auf längeren Strecken die Reichweite auf rund 1.000 Kilometer erhöht.

Dacia Striker VW Tiguan Vergleich
Hersteller / Schönfeld

Vielfalt gegen Konsequenz

Rein technisch hat Volkswagen bei den Antrieben weiterhin die Nase vorn. Der Tiguan bietet mehr Leistung, größere Auswahl, Diesel, Plug-in-Hybridtechnik und höhere Anhängelasten. Dacia zeigt allerdings, dass moderne Hybridtechnik nicht zwangsläufig teuer sein muss. Die Rumänen setzen konsequent auf LPG und Vollhybriden – weil sie die Betriebskosten für ihre Kunden voll in den Fokus setzen. Besonders der Hybrid 150 4x4 mit elektrischer Hinterachse ist für diese Preisklasse ein ungewöhnlich innovatives Konzept. Für viele Käufer dürfte deshalb weniger die maximale Motorleistung als vielmehr das Preis-Leistungs-Verhältnis den Ausschlag geben.

Lohnt sich der Aufpreis von 15.000 Euro?

Der Tiguan bleibt das hochwertigere Auto. Verarbeitung, Fahrkomfort, Geräuschdämmung und Fahrdynamik liegen weiterhin auf einem höheren Niveau. Außerdem bietet Volkswagen deutlich mehr Individualisierungsmöglichkeiten und stärkere Motoren. Allerdings bezieht sich der Preisunterschied auf das relativ nackte Basismodell. Wer wirkliches Premium-Gefühl haben will, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen und zahlt für "Style"- oder "R-Line"-Modelle schnell mehr als 50.000 Euro.

Dagegen ist der Striker ein Schnäppchen. Für mindestens 15.000 Euro weniger erhalten Käufer ein ähnlich großes und schickes Familien-SUV mit modernen Hybridantrieben, zeitgemäßer Ausstattung und einfacher Bedienung. Wer nicht unbedingt das teure Premium-Ambiente und Diesel- oder Plug-in-Hybrid-Technik benötigt, dürfte im Alltag lange glücklich werden.

Fazit