Denn das Modell des estnischen Herstellers Milrem Robotics kommt vollständig ohne Besatzung aus und wurde von Anfang an als unbemannte Gefechtsplattform entwickelt. Statt eines Mannschaftsraums stehen Sensorik, Energieversorgung und wechselbare Missionsmodule im Mittelpunkt. Damit zeigt der HAVOC, in welche Richtung sich die nächste Generation schwerer Radpanzer entwickeln könnte.
Eigenständige 8×8-Plattform statt Umbau eines Radpanzers
Während viele moderne Radpanzer auf bestehenden Fahrzeugfamilien aufbauen oder deren Technik weiterentwickeln, entstand der HAVOC als komplette Neuentwicklung. Das Fahrzeug basiert weder auf einem Boxer noch auf einem Patria AMV oder Piranha. Milrem entwickelte die Plattform speziell für den unbemannten Betrieb und nutzt dafür dieselbe Autonomiearchitektur wie andere Robotersysteme des Unternehmens. Dadurch sollen Software, Bedienung und Wartung innerhalb der Fahrzeugfamilie vereinheitlicht werden.
Der größte Unterschied zu klassischen 8×8-Radpanzern zeigt sich bereits im Aufbau. Wo sich bei einem Boxer Fahrer, Kommandant, Richtschütze und Infanteristen befinden, stehen beim HAVOC Technik und Nutzlast zur Verfügung. Das reduziert das Fahrzeuggewicht und schafft Platz für Sensoren, Waffen oder weitere Missionssysteme.
Hybridantrieb mit acht angetriebenen Rädern
Technisch setzt Milrem auf einen hybridelektrischen Allradantrieb. Alle acht Räder werden angetrieben, wodurch das Fahrzeug auch in schwierigem Gelände beweglich bleiben soll. Der Hersteller veröffentlicht zwar keine Leistungsdaten des Verbrennungsmotors oder der elektrischen Komponenten, nennt aber die Fahrleistungen der Plattform.
Auf Straßen erreicht der HAVOC bis zu 110 km/h, im Gelände bis zu 50 km/h. Die Reichweite beträgt bis zu 600 Kilometer. Mit einem Leergewicht von rund 15 Tonnen und einer Nutzlast von bis zu fünf Tonnen bleibt das Fahrzeug deutlich leichter als viele bemannte 8×8-Radpanzer.
Sensoren unterstützen den externen Fahrer
Da der HAVOC weder Fahrer noch Kommandant besitzt, muss das Fahrzeug seine Umgebung selbst erfassen. Milrem setzt dafür auf eine Kombination aus Kameras, Assistenzsystemen und KI-gestützter Navigation. Das System soll Hindernisse erkennen, Fahrwege planen und den Bediener bei der Steuerung unterstützen.
Wie weit die Automatisierung reicht, hängt von der jeweiligen Einsatzkonfiguration ab. Das Fahrzeug kann ferngesteuert werden und verschiedene Fahrfunktionen selbst übernehmen. Über den Einsatz der Bewaffnung entscheidet weiterhin der Mensch als Bediener.
Wer ist Milrem Robotics?Milrem Robotics mit Hauptsitz in Tallinn (Estland) zählt zu den führenden europäischen Entwicklern unbemannter Bodenfahrzeuge für militärische Anwendungen. Das 2013 gegründete Unternehmen wurde vor allem durch das Kettenfahrzeug THeMIS bekannt, das unter anderem von mehreren NATO-Staaten beschafft und auch in der Ukraine eingesetzt wird. Heute entwickelt Milrem neben Robotikplattformen auch Autonomie-Software und unbemannte Gefechtsfahrzeuge wie den 8×8-Radpanzer HAVOC. Mehrheitseigentümer ist seit 2023 die emiratische EDGE Group.
Offene Plattform für unterschiedliche Missionen
Der modulare Aufbau ist bei modernen Radpanzern inzwischen weit verbreitet. Auch Boxer, Piranha oder Patria können mit unterschiedlichen Türmen und Missionsmodulen ausgerüstet werden. Der HAVOC geht jedoch einen Schritt weiter, weil die Plattform vollständig für den unbemannten Betrieb entwickelt wurde. So ist Platz für ferngesteuerte Waffenstationen, 30-Millimeter-Kampftürme, Panzerabwehrlenkwaffen, Flugabwehrsysteme, Sensorpakete, Minenlegesysteme oder Komponenten der elektronischen Kampfführung.
Die bisher modernste Ausführung präsentierte Milrem auf der Eurosatory 2026 in Paris. Dort war der HAVOC mit der modularen Waffenplattform RIwP von Moog ausgestattet. Diese kombiniert eine 30×113-Millimeter-Kanone mit programmierbarer Munition, ein 7,62-Millimeter-Maschinengewehr sowie verschiedene Kurzstreckenflugkörper.
Ergänzt wird das System durch einen Hochfrequenzstörsender gegen Drohnen und eine kabelgebundene Aufklärungsdrohne, die während des Einsatzes dauerhaft über dem Fahrzeug bleiben kann. Nach Angaben der Hersteller ist diese Konfiguration insbesondere für die Abwehr unbemannter Luftfahrzeuge und anderer Bedrohungen auf kurze Distanz ausgelegt.












