Ford Granada 2.0 GL Serie 3 (1983) K.H. Augustin
Ford Granada 2.0 GL Serie 3 (1983)
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Ford Granada 2.0 GL Serie 3 (1983) 23 Bilder

Oldtimer-Schnäppchen Ford Granada 2.0i GL (1983)

Unvernünftiger Kauf: Zweit-Granada für 1.700 Euro

Alf Cremers hat schon einen Ford Granada, sogar mit V6-Motor. Doch jetzt geht ihm ein 2.0i nicht mehr aus dem Kopf. Was findet er am schlichten GL mit Vierzylinder?

Er ging mir einfach nicht aus dem Kopf, der tannengrüne Ford Granada 2.0 GL. Das in jedem Detail so herrlich authentische Zufallsschnäppchen vom Kiesplatz bereitete mir viele schlaflose Nächte. Dabei war mein letzter unvernünftiger Kauf gerade erst ein Granada 2.8i Ghia aus der zweiten Serie, das V6-Topmodell in Inkagold, hierarchisch weit über dem schnöden Vierzylinder stehend, allein durch 55 PS Mehrleistung.

Der opulente Granada Ghia ließ Wünsche offen

Ford Granada 2.0 GL Serie 3 (1983)
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Auch wenn Alf die zweite Serie mit V6 lieber mag, geht ihm der '83er Zweiliter-Granda nicht mehr aus dem Kopf.

Aber der kaum dokumentierte und in Sachen Interieur und Zierrat unvollständige Einspritzer ließ Wünsche offen, die der Zweiliter erfüllt: Alle Schlüssel sind vorhanden, und ein komplettes Bordbuch liegt im Handschuhfach. Das Reserverad ist neuwertig und trägt noch den unangetasteten Befestigungsgurt. In der Mittelkonsole wohnt nichts anderes als das originale Ford Cassetten-Radio SRT-22 DP, und unter dem Granada-Schriftzug am Heck klebt noch das Signet des Ford-Autohauses Erich Glaser Landersdorf, das den Wagen am 5. Mai 1983 auslieferte. Sogar die Anhängerkupplung, ein sonst von mir verachtetes Zubehör, wurde ab Werk montiert. Außerdem hat der allseits komplette und stimmige Wagen ein Stahlkurbeldach und ein Fünfganggetriebe, beides vermisse ich beim Ghia.

Unvernünftiger Kauf: Zweit-Granada in Grün

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Tannengrün-Metallic setzt den Kaufreiz.

Noch fragte ich mich selbstkritisch, ob ich nun dem unvernünftigen Kauf die Krone aufsetzen soll und wieder an einem Granada hängen bleibe, bei dem ich nicht Nein sagen kann. Bekannte ich mich doch schon bei der ersten Begegnung mit dem Tannengrünen zu dem ziemlich vernünftigen Satz: "Wenn ich nicht schon einen Ford Granada besäße, würde ich bei diesem schwach, der ist komplett und original." Das heißt im Klartext, ich brauche keinen zweiten, einen Vierzylinder schon gar nicht, und die dritte Serie finde ich sowieso stilistisch verwässert mit ihren klobigen Stoßstangen und Außenspiegeln.

Was soll ich sagen, es half nichts, Tannengrün hat gewonnen: eine Metallic-Farbe von ganz besonderem Reiz, mal türkis und mal bläulich schimmernd. Dazu die superschönen originalen Aluräder und innen moosgrünes Velours, das ist einfach unwiderstehlich. Wäre es gar ein 2.3 GL mit V6-Motor, ich hätte die "verbindliche Kaufzusage" viel früher gefaxt.

2.0i Vierzylinder mit Pinto-Motor

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Etwas verloren und rostig hockt der pragmatische Pinto im Motorraum.

Ich gebe zu, dass der brummige OHC- oder Pinto-Motor, wie der Zahnriemen-Vierzylinder in der Ford-Szene genannt wird, den Fahrgenuss beeinträchtigt. Aber er sorgt auch dafür, dass sich meine beiden Granada hinreichend voneinander unterscheiden. Einen Kaufpreis habe ich in meiner Absichtserklärung noch nicht eingetragen, den will ich mit Autohändler Attalai Abdelkader vor Ort in Unterschleißheim verhandeln.

Bei der ersten Besichtigung fielen ein paar lapidare äußere Roststellen auf. Die linke Kotflügelschraubkante ist in Höhe des Motorhaubenscharniers leicht perforiert, da gehört ein kleines Reparaturblech drauf. Aber die Achillesferse vieler Granada, der Differenzialträger im Kofferraumboden, ist kerngesund. Der Zahnriemen-Vierzylinder sprang unwillig an und kämpfte bei der fünf Kilometer langen Probefahrt ab und zu mit schlechter Gasannahme – Folgen der mehr als zehnjährigen Standzeit, die sicher auf der 127 km langen Überführungsfahrt verschwinden werden, wie ich hoffte.

Ein kurzes Telefongespräch genügte, um den Granada für zwei Wochen zu reservieren. "Alles, was deutlich über 1500 Euro liegt, akzeptiere ich", sagte Abdelkader in verbindlichem Ton. "Ich spüre, dass Sie das Auto trotz seiner Mängel mögen. Es waren schon einige Leute da, die boten um die 1000 Euro und ließen kein gutes Haar an dem Ford. Die habe ich gleich weitergeschickt."

Mängel drücken den Preis auf 1.700 Euro

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Großer Wagen, kleine Scheine: 14 Mängel drücken den Preis.

An einem sonnigen Tag mache ich mich auf, den Granada zu holen. Als ich in dem verschachtelten Labyrinth des Industriegebiets Nord ankomme, steht der Tannengrüne schon mit laufendem Motor bereit. Abdelkader hat die Limousine aus seinem engen Kiesplatzareal gezirkelt. "Er ist ganz gut angesprungen, Wasser und Öl stimmen", ruft er mir zur Begrüßung freudig zu. Dann holt der Verkäufer die Ford-Papiere aus seinem Container und zählt noch mal die Vorzüge des Wagens auf: "Ein 35 Jahre alter Oldtimer aus 2. Hand, erst 130.000 Kilometer, viele Kundendienste, guter Zustand und TÜV bald möglich. Sind Sie mit 1.900 Euro einverstanden?"

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"Noch nicht ganz", entgegne ich ausweichend und beginne, kurz aus meiner 14 Punkte umfassenden Mängelliste zu zitieren: "Also, Motor startet schlecht und hat Löcher beim Beschleunigen, Vorderräder laufen nicht richtig frei wegen schorfiger Bremsen, diverse Roststellen an der Karosserie, Lenkrad steht bei Geradeausfahrt nicht waagrecht, Reifen überaltert und so weiter, sind 1.700 Euro okay?" Dann habe ich mehr Luft für die Blechkosmetik und die große Granada-Inspektion mit Total-Ölwechsel, neuem Zahnriemen, Ventile einstellen, plus neue Bremsen und Reifen.

Zwei Granda in zwei Monaten

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Alf hat den zweiten Granda in zwei Monaten gekauft.

Abdelkader schlägt nach längerem Zögern ein. Wir sagen jetzt du. Attalai freut sich, dass es den richtigen Fan trifft, der den Ford nicht bei nächster Gelegenheit mattschwarz rollt und ihm extrabreite OZ-Räder verpasst. Ich zähle ihm 34 50er-Scheine vor und winke zum Abschied aus dem Schiebedach. Jetzt habe ich doch tatsächlich zwei Granada im Zeitraum von zwei Monaten gekauft. Das ist wohl der einsame Gipfel des Unvernünftigen, denke ich so vor mich hin. Dabei schwanke ich zwischen Verzweiflung und Euphorie.

Nach dem Volltanken läuft der Motor besser, aber noch nicht gut. Ich vertraue darauf, dass der Sprit sich gut durchmischt, der robuste Bauernmotor kann es verkraften. Er gilt als unkaputtbar. Selbst wenn der Zahnriemen reißt, wird er es als Freiläufer ohne krumme Ventile überleben. Und tatsächlich, es wird besser, bis 3.000/min kann ich den Vierzylinder nun ruckfrei drehen, darüber hinaus mag der durchzugskräftige Pinto wirklich nicht mehr, er quält sich hörbar.

Natürlich müssen bei dieser Standuhr noch Zündkerzen und Kabel gewechselt werden. Nach 30 Kilometern haben wir uns zusammengerauft, der große Tannengrüne und ich. Meine hochsensible Wahrnehmung seiner Vitalfunktionen kann ich allmählich einstellen. Abwechslung und Entspannung sind gefragt. Ruhige Musik von den Carpenters erklingt "We’ve only just begun", die Kassette "Greatest Hits" fand ich lose auf der Hutablage. Es ist Zeit, das große Schiebedach ganz zu öffnen, frei und unbeschwert fühle ich mich im brummigen Vierzylinder, dessen monotones Geräusch nun im Fahrtwind verschwindet.

Ich freue mich über mein unvernünftiges Umweggeschlängel entlang verkehrsarmer hügeliger Straßen und durch kleine, dunkle Wälder, bevor ich mich auf die Autobahn begebe. Keine Frage, dass mein tapferer Ford die 127 Kilometer nach Hause schaffen wird, auch wenn nicht mehr als hundert im Fünften drin sind. Es ist ein herrlicher Tag, und die Sonne wird erst um halb neun untergehen.

Ford Granada II, Frontansicht
Kaufberatung

Daten & Fakten Ford Granada 2.0 GL, Serie 3, 1983

Motor

Typ 2.0 OHC, NE, wassergekühlter Vierzylinder-Reihenmotor vorne längs, Bohrung x Hub 90,82 x 76,95 mm, Hubraum 1993 ccm, Leistung 105 PS bei 5200/min, max. Drehmoment 153 Nm bei 4000/min, Verdichtung 9,2 : 1, zwei Ventile pro Brennraum, v-förmig angeordnet und betätigt über eine obenliegende zahnriemengetriebene Nockenwelle und Schlepphebel, fünf Kurbelwellenlager, Motorblock und Querstrom-Zylinderkopf aus Grauguss, ein Registervergaser Weber 32/36 DGAV, Spulenzündung, Ölinhalt Motor 3,75 Liter.

Kraftübertragung

Fünfgang-Schaltgetriebe mit Schoncharakteristik, auf Wunsch Ford C3-Dreigangautomatik mit Wandler, Hinterradantrieb

Karosserie und Fahrwerk

Selbsttragende Stahlblechkarosserie, vorne doppelte Dreiecksquerlenker, Schraubenfedern, Stabilisator, hinten Schräglenkerachse an Hilfsrahmen, Schraubenfedern, Stabilisator, Teleskopstoßdämpfer, Servo-Zahnstangenlenkung, vorne Scheiben-, hinten Trommelbremsen (Servo), Räder 6Jx14, Reifen 175 SR 14.

Maße und Gewicht

Radstand: 2.769 mm, Länge x Breite x Höhe: 4.767 x 1.808 x 1.423 mm, Spur vorn/hinten: 1.515/1.535 mm, Gewicht: 1.260 kg, Tankinh. 65 Liter.

Fahrleistungen und Verbrauch

Vmax 167 km/h, Beschleunigung 0–100 km/h in 13 s, Verbrauch 11 l/100 km.

Bauzeit und Stückzahl

Granada Serie 3: 1981 bis 1985: 386.756 Exemplare.

Fazit

Obwohl der V6 im Granada eigentlich unersetzlich ist, denke ich über beide Ford nach, während die Landschaft an mir vorbeizieht. Dabei ist einem das jüngste Spielzeug, also der Zweiliter, emotional immer das liebste. Der Tannengrüne 2.0 GL wirkt solider, die vielen Modifikationen haben der Serie 3 gutgetan. Der inkagoldene 2.8i Ghia ist längst noch nicht so original und komplett, wie ich ihn haben möchte. Bald werde ich mich entscheiden müssen, welchen ich behalte.

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