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DLR Safe Light Regional Vehicle (SLRV): H2-Winzling wird reines Elektro-Auto

DLR Safe Light Regional Vehicle (SLRV) H2-Winzling wird reines Elektro-Auto

Das Institut für Fahrzeugkonzepte des DLR zeigt einen Brennstoffzellen-Zweisitzer der L7e-Klasse für Pendler. Das leichte Auto bekommt jetzt auch einen reinen Elektroantrieb.

Das Institut für Fahrzeugkonzepte am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat das Projekt Next Generation Car ins Leben gerufen. Es beinhaltet die sechs Forschungsfelder Fahrzeugkonzepte, Fahrzeugstruktur, Antriebsstrang, Energiemanagement, Fahrzeugintelligenz und mechatronisches Fahrwerk. Herausgekommen sind bis heute drei Fahrzeug-Studien: Das Inter Urban Vehicle (IUV) ist für Langstreckenreisen von Stadt zu Stadt ausgelegt. Für den urbanen Verkehr stehen das Safe Light Regional Vehicle (SLRV) für Kurzstrecken und das Urban Modular Vehicle (UMV) als People Mover zur Wahl. Jetzt bekommt das für den Stadtverkehr gedachte SLRV ein Antriebs-Update: Die Brennstoffzelle fliegt raus, ein reiner Elektroantrieb kommt rein. Das hat zwei Gründe.

Wie Renault Twizy in der L7e-Klasse

Zum einen hat sich inzwischen herausgestellt, dass Wasserstoff vielleicht für den Antrieb großer Lkw und sicher für den Betrieb von industriellen Hochtemperaturanlagen geeignet ist, dass der Wirkungsgrad von Brennstoffzellen allerdings mit dem von rein elektrischen Antrieben nicht mithalten kann. Außerdem ist für die großtechnisch aufwendige Erzeugung von Wasserstoff beispielsweise hochreines Wasser nötig. Als Zweites sah das erste SLRV-Konzept vor, den für die Energieversorgung benötigten Wasserstoff in der tragenden Struktur zu speichern. Dies funktioniert zwar im Laborversuch, ist bisher allerdings noch weit von einer Serienreife für Fahrzeuge entfernt – falls dieser Durchbruch überhaupt gelingt. Aus diesem Grunde fährt der aktuelle SLRV-Prototyp zwar mit einer kleinen Brennstoffzelle, bekommt jetzt aber ein Update auf einen reinen Elektroantrieb.

Der futuristische Zweisitzer ist nach den Vorgaben der L7e-Klasse konzipiert. Bekanntester Vertreter dieser für elektrische Leichtfahrzeuge gedachten Klasse ist der Renault Twizy. Es ist als Fahrzeug mit mittlerer Reichweite insbesondere für die Bedürfnisse von Pendlern geeignet. Denkbar sind auch Anwendungen als car-sharing-Fahrzeug, insbesondere für Strecken außerhalb von Städten, da das schnelle Auftanken in Verbindung mit der vergleichsweise hohen Reichweite geringe Stillstandzeiten verspricht.

Die Karosserie in Sandwichbauweise bringt nur rund 90 Kilogramm auf die Waage und soll dennoch eine sehr hohe passive Sicherheit bieten – die Fahrgastzelle ist von einer ringförmigen Struktur geschützt. Die tragenden Elemente des SLRV bestehen aus Platten mit Deckhäuten aus Aluminium und einem Verbundkern aus PU-Schaum sein. Für einen geringen Luftwiderstand ist das lediglich 3,80 Meter lange SLRV flach gehalten, wobei die Entwickler den entsprechenden Wert noch nicht bekannt geben.

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Der niedrige Luftwiderstand ermöglicht beim SLRV mit Brennstoffzellen-Antrieb eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h.

120 km/h Spitze

Für den Antrieb des Prototyps sorgt noch die oben erwähnte Brennstoffzelle, die Wasserstoff zu Strom mit 8,5 Kilowatt-Dauerleistung umwandelt. Eine kleine Batterie stellt dem Fahrer zusätzliche 25 Kilowatt Leistung zur Verfügung. Diese Kombination soll eine Reichweite von 400 Kilometer und eine Höchstgeschwindigkeit von 120 Kilometer pro Stunde ermöglichen. Der Wasserstoff-Tank fasst 39 Liter, beziehungsweise 1,6 Kilogramm Wasserstoff bei 700 Bar und befindet sich zwischen den beiden Sitzen. Für die Erwärmung des Cockpits nutzt das SLRV die Abwärme der Brennstoffzelle.

Das Institut für Fahrzeugkonzepte am DLR entwickelt Fahrzeuge wie das SLRV grundsätzlich fertig – die Serienproduktion übernimmt dann ein interessierter Hersteller.

Für die Variante mit Brennstoffzellenantrieb peilen die Verantwortlichen beim Serienmodell einen Preis in Höhe von 15.000 Euro – ein Preis für die Version mit reinem batterieelektrischem Antrieb ist noch nicht bekannt.

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Fazit

Das Institut für Fahrzeugkonzepte des DLR zeigt mit dem SLRV einen spannenden Zweisitzer für Stadtmenschen und Pendler. Ob die ursprüngliche Idee mit einem Brennstoffzellen-Antrieb Chancen auf eine Serienverwirklichung hat, bleibt fraglich – aktuell gilt der Wirkungsgrad von Brennstoffzellen für Fahrzeuge, die kleiner als große Lkw sind, als zu ineffizient. Eine Serienzukunft als reines Elektroauto ist viel wahrscheinlicher. Die Grundzutaten stimmen: Das SLRV ist leicht, bietet zwei Personen Platz, sieht modern aus und es ist vor allen Dingen sehr sicher konstruiert. Sobald der E-Antrieb fertig entwickelt ist, findet sich hoffentlich ein Interessent aus der Industrie, der das SLRV in Serien baut.

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