Für Fiat, Opel, Citroen: Ein Stellantis-Elektro-Kei Car für 15.000 Euro ist in Sicht

Stellantis bringt neues E-Car
Ein Elektro-Mini für 15.000 Euro ist in Sicht

ArtikeldatumVeröffentlicht am 19.05.2026
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11/2025 Fiat Mio Concept (2010)
Foto: Fiat

Die EU plant eine neue Fahrzeugklasse nach dem Vorbild der japanischen Kei Cars. Als neue Unterkategorie M1E innerhalb der Pkw‑Klasse M1 sollen kleine, voll elektrisch betriebene Personenkraftwagen gefördert werden. Stellantis hat nun angekündigt, genau für dieses künftige Segment ein eigenes Fahrzeugprogramm aufzulegen.

Der Hersteller spricht von einem "E-Car", wobei das "E" laut Stellantis für europäisch, emotional, elektrisch und "eco-friendly" stehen soll. Gemeint ist damit eine neue Klasse kompakter Elektrofahrzeuge, die speziell für den europäischen Markt entwickelt und produziert werden soll. Hintergrund ist die seit Jahren schrumpfende Auswahl an günstigen Klein- und Kleinstwagen in Europa. Steigende Sicherheitsanforderungen, strengere Emissionsvorgaben und hohe Entwicklungskosten haben viele Hersteller aus diesem Segment gedrängt. Gleichzeitig liegen die Preise vieler Elektroautos inzwischen deutlich oberhalb von 30.000 Euro, günstige Kleinstwagen wie einst zum Beispiel der VW up! sind weiterhin nicht in Sicht.

Neue "Kei-Car-Klasse" kommt

Die Europäische Kommission arbeitet deshalb seit Monaten an der neuen Fahrzeugkategorie, deren Eckdaten sich erkennbar am japanischen Kei-Car-Konzept orientieren. In Japan gehören diese Fahrzeuge seit Jahrzehnten zum Straßenbild und machen rund ein Drittel des Neuwagenmarktes aus. Die Modelle sind kompakt, technisch einfach konstruiert und auf den urbanen Verkehr zugeschnitten.

Die geplanten europäischen Vorgaben sehen bislang Fahrzeuge mit einer Länge von etwa 3,50 bis 3,80 Metern und einem Gewicht um eine Tonne vor. Diskutiert werden zwei Leistungsstufen: eine reine Stadtversion mit rund 40 bis 50 PS sowie eine stärkere Ausführung, die auch für Autobahnabschnitte geeignet sein soll. Als Zielpreis gelten rund 15.000 Euro. Damit würde die neue Klasse oberhalb einfacher L6e- und L7e-Leichtfahrzeuge wie Citroën Ami oder Opel Rocks, aber deutlich unter aktuellen Elektro-Kleinwagen einsortiert.

Produktion in Süditalien

Stellantis positioniert sich nun frühzeitig für dieses mögliche neue Marktsegment. Konzernchef Antonio Filosa verweist auf die lange Tradition des Unternehmens bei kleinen Fahrzeugen in Europa. Die Kunden wünschten sich "eine Renaissance kleiner, stilvoller Fahrzeuge", die in Europa produziert und gleichzeitig erschwinglich seien. Produziert werden sollen die neuen Modelle im traditionsreichen Werk Pomigliano d’Arco nahe Neapel. Dort lief bereits der erste Fiat Panda vom Band, auch heute noch ist das Werk die Panda-Heimat. Interessant ist dieses Statement von Stellantis auch deshalb, weil frühere Spekulationen auf einen Bau solcher E-Cars im marokkanischen Stellantis-Werk Kenitra hinwiesen. Allerdings sehen die angedachten E-Car-Richtlinien der EU offenbar eine Produktion in Europa vor.

Technisch hält sich Stellantis bislang bedeckt. Bekannt ist lediglich, dass die Fahrzeuge auf elektrische Antriebe setzen und mit Technologiepartnern entwickelt werden sollen, um Entwicklungszeiten und Kosten zu reduzieren. Damit dürfte mit ziemlicher Sicherheit eine chinesische Partnerschaft gemeint sein. Stellantis arbeitet bereits seit längerer Zeit in einem Joint-Venture mit dem chinesischen Leapmotor-Konzern zusammen und hat erst vor Kurzem eine Kooperation mit Dongfeng verkündet. Der E-Mini dürfte also bei Antrieb und Akku auf China-Technik setzen.

Welche Marken innerhalb des Konzerns beteiligt sein werden, wurde nicht genannt. Allerdings dürften es ähnlich wie bei den Mikro-Stromern vom Schlage des Opel Rocks-E mehrere europäische Stellantis-Marken sein, die mit dem neuen E-Car an den Start gehen. Wörtlich ist in der Stellantis-Meldung von "neuen spannenden Modellen mehrerer Marken" die Rede.

SUV oder Van?

Offen bleibt ebenso die konkrete Karosserieform. Das japanische Kei-Car-Segment zeigt allerdings, wie breit die Möglichkeiten ausfallen können. Dort reichen die Konzepte von klassischen Schrägheckmodellen über kleine Vans bis zu kantigen Mini-SUVs. Für Europa könnte insbesondere eine Mischung aus Citycar und Mini-Crossover interessant werden. Ein leicht erhöhter Aufbau würde den Einstieg erleichtern und zugleich mehr Platz auf kleiner Grundfläche schaffen. Denkbar wäre außerdem ein kompakter Hochdach-Kleinwagen mit variabler Innenraumgestaltung für urbane Nutzung und kurze Pendelstrecken.

Gerüchte um ein entsprechendes Fiat-Modell kursieren bereits seit Monaten. Als mögliches stilistisches Vorbild gilt dabei sogar das 2010 vorgestellte Fiat-Mio-Konzept aus Südamerika, das als besonders kompakter Stadtwagen mit minimalistischer Gestaltung entwickelt worden war (siehe Titelbild zu diesem Beitrag).

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