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Laden im Ladepark Lade-Komfort, wo bist du?

Ladeparks bieten häufig nicht den Komfort einer Raststätte. Wo hakt es noch? Was sollten E-Mobilisten beachten? Was tun die Betreiber? Einige davon haben zumindest vielversprechende Pläne.

Mittwochnachmittag, es ist kalt, aber sonnig. Ich stehe mit unserem Testwagen im Ladepark in der Stuttgarter Keplerstraße. Der Honda e lädt fleißig. Zeit, sich hier etwas umzuschauen. Zwölf High-Power-Ladepunkte mit einer Leistung von bis zu 300 kW zähle ich. Genau das, was man sich als E-Mobilist wünscht, oder? Na ja, Luft nach oben wäre hier schon noch.

Vergleicht man diesen Ladepark nämlich mit einer Tankstelle oder gar einer Raststätte, fällt natürlich sofort der fehlende Komfort auf. Der Boden des einfachen Parkplatzes ist zudem massenweise mit Laub bedeckt, man erkennt die ausgewiesenen Ladeplätze nicht. Ein Verbrenner besetzt deshalb einen Ladeplatz. Von außen fallen durch die umläufige Hecke die Ladesäulen nicht auf. Und außer der Tafel der Parkraumgesellschaft mit der Gebührenordnung findet sich keine Spur eines informativen Willkommens an E-Mobilisten, die ihr Auto gerne laden wollen.

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"Ich stand deshalb eben erst an der Ladesäule außerhalb", ruft mir ein Autofahrer zu, der mir in seiner Eile keinen Namen nennt. "Die Ladesäule dort hat aber nur einen CCS-Stecker, der bei meinem Auto nicht reinpasst", sagt er. Erst auf den zweiten Blick habe er gesehen, dass es hier weitere Säulen mit Typ-2-Stecker gebe. "Dass ich jetzt noch Parkgebühren bezahlen muss, ärgert mich schon ein wenig, aber das nimmt man halt in Kauf." Und schon ist er weg. Dass das Parken beim Laden frei ist und man über eine schwer zu findende Zufahrt auch ohne Parkschein auf den Parkplatz kommt, hätte er sicher gerne früher erfahren.

Informationen vorher einholen

Sei es drum: Bei einem Ladepark in der Innenstadt kann man als Autofahrer vielleicht noch auf Komfort verzichten. Im Normalfall hat man schließlich einen Termin oder erledigt seinen Einkauf in der Stadt und lässt den Akku währenddessen laden.

Auf der Langstrecke oder bei längeren Ladestopps sieht das wiederum ganz anders aus. Hier sollten Autofahrer sich immer vorher über die Örtlichkeiten informieren. Weder ein Dach über der Ladesäule oder eine Beleuchtung noch Aufenthaltsräume oder gar Toiletten sind eine Selbstverständlichkeit. Oftmals finden sich die Ladesäulen auch auf Rasthöfen ganz hinten im dunkelsten Eck. Taschenlampe, Regenschirm, Verpflegung oder eine Zeitschrift zum Zeitvertreib sind immer eine gute Idee. Liegt die Lademöglichkeit zum Beispiel in der Nähe eines Waldstücks, können feste Schuhe für einen Spaziergang praktisch sein.

Doch woher die Infos zu den Ladeparks nehmen? Mittlerweile bieten manche Lade-Apps, wie beispielsweise Elvah, einen Überblick zur Ladesäulenumgebung. Ansonsten informieren aber auch einschlägige Seiten wie goingelectric.de gut und ausführlich über die Lademöglichkeiten in ganz Deutschland.

Tags drauf fahre ich mit dem Honda e zum Ladepark in Rutesheim, direkt an der A 8. Dort bietet sich ein schöneres Bild. Zwar ist der Ladepark auch nicht großartig beschildert, aber er liegt quasi direkt an der Ausfahrt und bietet acht EnBW-Ladepunkte, die sogar überdacht sind. Sauber ist es auch.

Außerdem kann man hier seinen Reifendruck kontrollieren, und es gibt WLAN. Mit dem lässt sich zwar kein Film abspielen, aber um Nachrichten auszutauschen oder im Internet zu surfen, reicht es aus. Immerhin! Als ich ankomme, hängt der VW ID.3 von Christopher Lumarlan schon an der Säule. Er habe sein Auto erst seit ein paar Tagen und sei begeistert vom Ladepark in Rutesheim, erzählt er mir, als wir in der Kälte stehen, während die Autos laden. "Für mich liegt der Ladepark perfekt. Ich komme hier öfter in der Woche vorbei und kann spontan und zu jeder Zeit laden", sagt er.

Nicht nur auf eine Ladekarte setzen

Auf die Frage nach dem Bezahlmittel seiner Wahl zückt er seine ADAC-Ladekarte, mit der er hier problemlos lädt. Heinz Maier, der ein paar Minuten später mit seinem zwei Monate alten EQA ankommt, schwört hingegen auf Mercedes me Charge mit der herstellereigenen Ladekarte. "Die Ladekarte von EnBW benutze ich nicht, weil sie noch mal extra kostet."

Für die beiden Männer mögen das gute Lösungen sein, allerdings ist es grundsätzlich immer ratsam, mehr als nur eine Ladekarte dabeizuhaben, gerade wenn man nicht in seinem gewohnten Umfeld unterwegs ist. Im blödesten Fall funktioniert nämlich die eine Ladekarte gerade dann nicht.

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Ionity
Ionity will bis 2025 mehr als 1000 Standorte entlang Fernstraßen in 24 europäischen Ländern ausgebaut haben. Das neue Konzept Oasis soll mehr Komfort liefern.

Der Ladepark in Rutesheim ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Das bestätigen mir auch meine beiden Mitstreiter, als wir uns verabschieden. Dass hier aber noch mehr gehen muss, haben auch die Betreiber erkannt und planen nicht nur mehr Ladeparks, sondern binden das Thema Komfort auch in ihre Pläne mit ein. In Kürze eröffnet der Energieversorger EnBW zum Beispiel einen weiteren Ladepark mit 52 Ladepunkten am Kamener Kreuz in Nordrhein-Westfalen. Der wird dann sogar über eine Toilette verfügen. Auch Ionity hat hier einiges vor. Im Rahmen des Projekts Oasis will das Unternehmen das Laden für seine Kunden angenehmer machen. Das Ziel: "Fahrzeug und Fahrer sollen gleichermaßen ihre Batterien aufladen."

Auch Porsche will mit gemütlichen und edlen Lade-Lounges aus seinen Ladeparks kleine Raststationen machen, die über Aufenthaltsräume mit Verpflegung und Unterhaltung für die Kunden verfügen, wie auch Tesla es bereits seit einiger Zeit anbietet.

Aber nicht nur Hersteller und Energieversorger haben den Bedarf erkannt. In Hilden betreibt die Kette Ihr Bäcker Schüren nicht nur eine Café-Bistro-Bäckerei, sondern bietet neben Frühstück, Kaffee und Pizza auch rund um die Uhr überdachtes Laden an knapp 60 Ladeplätzen an, bei denen man sogar mit Girokarte bezahlen kann. Es wird also.

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