Going Green
Neue Mobilität im Alltag
Audi Charging Hub Nürnberg Audi
Audi Charging Hub Nürnberg
Audi Charging Hub Nürnberg
Audi Charging Hub Nürnberg
Audi Charging Hub Nürnberg 31 Bilder

Audi Charging Hub: Schnellladen mit Lounge und 2,45 MWh

Audi Charging Hub (2021) Luxus-Ladewürfel aus 26 E-Tron-Batterien erklärt

Audi investiert in eigene Schnelllade-Stationen. Der erste der würfelförmigen Charging Hubs mit integrierter Lounge startet als Pilotprojekt an der Messe Nürnberg. Er puffert eine moderate Netzanschlussleistung von 200 kW mit 26 ausrangierten E-Tron-Batterien. Deren 2,45 MWh Kapazität ermöglichen eine Ladeleistung von 960 kW an sechs Ladepunkten. Wir haben uns Audis Ladestation angesehen und erklären, wie sie funktioniert.

Die Idee der Charging Hubs zielt eigentlich auf E-Auto-Käufer, die zu Hause keine Lademöglichkeit haben und deshalb auf innerstädtische Ladestationen angewiesen sind. Der erste Test in oft Nürnberg liegt allerdings nur zentrumsnah am Messegelände, ist dafür aber direkt an der B8 und nur drei Minuten von der A9 und der A73 entfernt. "Der Standort ist ideal für Langstreckenfahrer", sagt Audi-Technik-Vorstand Oliver Hoffmann. "Er befindet sich in Autobahnnähe, bietet aber auch Zugang zur Metropolregion Nürnberg." Über die Zukunft der Charging Hubs entscheiden dann die dort gewonnenen Erkenntnisse. "Wir warten ab, wie es in Nürnberg anläuft und entscheiden dann über den Rollout", so Hoffmann. Weitere Standorte sollen dann da liegen, wo Kunden der Marke sich besonders häufig länger aufhalten. Der Hersteller kann das ermitteln, indem er auswertet, wo E-Tron-Fahrzeuge bevorzugt parken – die Daten ermitteln die Fahrzeuge selbst.

Testbetrieb in Nürnberg

10/2021, Audi Charging Hub Spatenstich
Audi
Spatenstich für den ersten Audi Charging Hub in Nürnberg.

Spatenstich in Nürnberg war am 1. Oktober 2021, aber schon Mitte Dezember stand das modular aufgebaute Gebäude. In dessen Fuß befindet sich die Technik, im 1. Stock mit größerer Fläche sind die Lounges untergebracht. Flexible Container – oder "cubes" – werden hier zu einer Ladestation mit Lounge zusammengesetzt. Audi-Kunden sollen sich schon demnächst einen Schnellladepunkt dort reservieren können, den dann ein elektrisch hochfahrender Bügel absperrt. Die Zeit bis zur Weiterfahrt können nicht nur Audi-Fahrer bei Snacks und Kaffee im Obergeschoss verbringen. Denn dort befindet sich die Lounge für Fahrer von Fremdmarken, an die sich eine größere für Audi- und Porsche-Fahrer anschließt. Im für alle zugänglichen Bereich gibt es Automaten mit Snacks und für Heißgetränke und vor allem eine Toilette. Eine Kooperation mit dem Lieferdienst Gorillas ermöglicht außerdem allen Lade-Kunden, sich Einkäufe zur Lounge liefern zu lassen; ab Februar soll sogar die Fahrzeugreinigung durch einen mobilen Dienstleister möglich sein.

Keine Belastung für das Stromnetz

Der Clou dabei: Die Charging Hubs können quasi überall aufgebaut werden, weil sie nicht auf das jeweilige lokale Stromnetz angewiesen sind. Gebrauchte Lithium-Ionen-Akkus aus zerlegten Entwicklungsfahrzeugen erwachen hier als Pufferspeicher für Gleichstrom zu einem zweiten Leben. Eine Hochspannungszuleitung nebst Transformatoren ist also nicht notwendig. In Nürnberg spendet der Netzbetreiber vergleichsweise bescheidene 200 kW. Minimum wären 22 kW pro Ladepunkt.

SPERRFRIST 20.05.21 16 Uhr Audi HPC Charging Hub
Audi
Nicht nur Audi-Fahrer haben Zugang zu den Ladepunkten und der Lounge - auch Fremdfabrikate können die Charging Hubs nutzen. Der eigenen Kundschaft bietet Audi aber einen VIP-Bereich.

Der Charging Hub verfügt verteilt auf drei Speichermodule über eine Kapazität von 2,45 MWh. An sechs Schnellladepunkten können E-Autofahrer mit bis zu 320 kW laden – lädt an einem Cube bereits ein zweites Fahrzeug, bleiben immer noch 160 kW. Die kommen vor allem aus den Batterien, die wiederum mit Grünstrom aus dem Netz dauerhaft schonend geringe Ladeströme beziehen. Photovoltaik-Module auf dem Dach speisen zusätzlich grüne Energie in den Hub. In Nürnberg bringt die Solaranlage immerhin 30 kW im Peak.

Keine hohen Strompreise

Die Preise für die KWh sind übrigens moderat: Mit 31 Cent verlangt Audi etwa das, was auch bei den meisten zu Hause fällig wird oder bei Ionity als Audi-Kunde. Fahrer anderer Fabrikate zahlen die bei ihrem Ladeanbieter fällige Preise gemäß dem entsprechenden Tarif – Audi nimmt keinen Roaming-Aufschlag.

Moove 55 Timo Sillober EnBW
Moove

Mehr als eine Milliarde Euro Invest

Sollte sich das Konzept der Charging Hubs nicht bewähren, haben Audi und der VW Konzern allerdings auch noch weitere Pfeile im Köcher. Also zusätzliche Millionen fürs Ionity-Konsortium, in dem Audi Partner ist? Vielleicht. Wobei dann die Sache mit der Exklusivität schwierig würde. Die Ionity-Säulen stehen ja allen Nutzern offen, wer ein Auto eines Konsortium-Partners fährt, lädt entsprechend günstiger. Denkbar wäre vielleicht eine exklusive Reservierungs-Option für Audi-Fahrer. Details? Fehlanzeige. Grundsätzlich soll das eigne Audi-Netz ausschließlich aus Schnellladern bestehen, die mindestens 150 Kilowatt Leistung bieten. 200 bis 300 Stationen peilen sie in Ingolstadt an, berichtet das Handelsblatt. Kosten: mehr als eine Milliarde Euro. Eine Investition, die sich Audi eventuell mit Porsche und den anderen Premium-Partnern des Konzern teilen könnte.

Audi prologue Avant Projekt Landjet
E-Auto

Drei Szenarien werden diskutiert

Neben der Zusammenarbeit mit Ionity wäre aber auch eine Kooperation mit einem der großen Mineralölkonzerne denkbar, die längst an eigenen Lade-Netzwerken arbeiten. Shell hat sich mit der Übernahme von Newmotion aus dem Stand zum Großanbieter in Europa gemacht und kann mit 155.000 Ladepunkten in 35 Ländern punkten. Aber auch zur italienischen ENEL haben sie bei Audi gute Kontakte. Dritte Option: Alles selbst machen. Eigene Ladesäulen, eigene Standorte, eigene Infrastruktur. Zunächst exklusiv für Audi-Fahrer. Später vielleicht auch noch verfügbar für Porsche-Fahrer und andere Premium-Kunden des VW-Konzerns. Eine 1:1-Kopie der Tesla-Supercharger-Idee als geschlossenes System. Wobei sie sich bei Audi eher von Electrify America inspiriert sehen wollen. Seine Gründung geht auf den Diesel-Skandal von Volkswagen zurück. In einem Vergleich verpflichtete sich VW, insgesamt zwei Milliarden US-Dollar in den Aufbau einer Lade-Infrastruktur zu investieren. An fast 500 Standorten sollen so 2.000 Ladepunkte entstehen.

Audi e-tron an Ionity-Ladesäule
Ionity
Ionity hat mit den neuen HPC-Ladesäulen vorgelegt. Noch stehen die aber meist ohne Dach einsam herum. Und wächst die Zahl der E-Autos wie gehabt weiter, wird's schnell eng an den Ionity-Säulen werden.

Vorteil für eigene Ladesäulen

Es ist nicht schwer sich vorzustellen, dass die letzte Option viele Fans beim Artemis-Projekt hat. Die Fokussierung auf einen geschlossenen Nutzerkreis und eine zunächst überschaubare Anzahl von Fahrzeugen macht es deutlich einfacher, einen extrem effizienten Ladevorgang zur Verfügung zu stellen. Zur Säule Fahren. Stecker rein. Los geht’s. Kein Gefummel mit RFID-Chips oder Kreditkarten. Echtes Plug-and-Charge, vielleicht sogar in Kombination mit reservierbaren Ladepunkten.

Electrify America
Electrify America ist vergleichbar mit Ionity in Europa und verdankt seine Existenz dem VW-Dieselskandal. In dessen Folge verpflichtete sich VW, 2 Milliarden US-Dollar in Lade-Infrastruktur zu investieren.

Effizientes Laden & zusätzliche Erlösquellen

Nächster wichtiger Punkt für die Audi-Truppe: Die Ladestationen müssen komfortabler und attraktiver werden. Die Ionity-Schnelllader haben für ihr futuristisches Design viel Lob bekommen, stehen aber aktuell meistens noch sehr einsam in der Gegend rum. Kein Dach, kaum Infrastruktur drumherum. Abgesehen davon, dass niemand gerne bei einem Platzregen aus dem Auto will, um den Ladestecker ins Auto zu fummeln, verhindert die noch sehr rudimentäre Ausstattung der aktuellen High-Power-Charging-Stationen (HPC) auch weitere Monetarisierungsoptionen. Tesla arbeitet längst daran, hochfrequentierte Super-Charger-Stationen zu Elektro-Rastanlagen umzubauen. Mit großen Solar-Carports und Tesla-Lounges, in denen man sich während der Pause kostenpflichtig mit allem eindecken kann, was man unterwegs so braucht.

Umfrage

3148 Mal abgestimmt
Würden Sie sich ein E-Auto kaufen, wenn eine Ladesäule in ihrer Nähe installiert wird?
Ja, darauf warte ich nämlich noch.
Nein, ich glaube an die Zukunft des Verbrenners.

Fazit

Getrieben von der Artemis-Truppe kommt das Thema Lade-Infrastruktur bei VW wieder auf die Tagesordnung. Das ist wichtig. Weil sich weder VW, noch irgend ein anderer Ionity-Partner auf dem bislang Erreichten ausruhen darf. Die Ionity-Stationen sind eine feine Sache, werden aber vor der Hintergrund massiv steigender Elektroauto-Zulassungen sehr schnell an ihre Grenzen kommen. Da wäre ein zweites Schnelllade-Netz im VW-Konzern keine schlechte Idee. Ionity für die Masse an Fahrzeugen und vor allem für unterwegs.

Die Charging Hubs könnten Audi-Kunden und E-Auto-Fahrern eine Möglichkeit bieten, zu laden, wie man tankt – nur schöner: Hinfahren, in der heimeligen Lounge entspannen oder Arbeiten, bei Bedarf den Wagen waschen lassen und zeitnah weiterfahren.   

Audi
Artikel 0 Tests 0 Baureihen 0 Videos 0
Alles über Audi
Mehr zum Thema Going Green - Neue Mobilität im Alltag
Mercedes EQS SPERRFRIST 15.04.21 18 Uhr Collage Aufmacher
E-Auto
Hyundai Ioniq 5 MY 2022
E-Auto
Sono Motors Sion
Alternative Antriebe
Mehr anzeigen