Audi Q5 55 TFSI e Quattro, Mercedes GLC 300 e 4Matic, Exterieur Achim Hartmann
Audi Q5 55 TFSI e Quattro, Mercedes GLC 300 e 4Matic, Exterieur
Audi Q5 55 TFSI e Quattro, Mercedes GLC 300 e 4Matic, Exterieur
Audi Q5 55 TFSI e Quattro, Exterieur
Audi Q5 55 TFSI e Quattro, Exterieur 27 Bilder

Audi Q5 55 TFSI e und Mercedes GLC 300 e im Test

Plug-In-Hybrid-SUV im Vergleich

Plug-in-Hybride sollen das Beste aus beiden Welten bieten: die Emissionsarmut eines E-Mobils und die Reichweite eines Verbrenners. Audi Q5 und Mercedes GLC zeigen, ob das auch in der Praxis stimmt.

Der Autokauf stellt heute selbst an gut informierte Interessenten ungeahnte Herausforderungen, die es früher so nicht gab. Nehme ich nun das vier Meter lange spiralisierte Ladekabel für den Mercedes GLC 300 e 4Matic oder zum gleichen Preis von 393 Euro das acht Meter lange und glatte? Wichtiger noch: Ist der günstigere Basis-Hybrid 50 TFSI e im Audi Q5 die bessere Wahl oder der stärkere 55 TFSI e? Immerhin hat der das Kabel für öffentliche Ladestationen serienmäßig an Bord, obwohl es in einer Tasche im Kofferraum mitreisen muss.

Keine leichte Frage, denn Audi gibt sich einige Mühe, die Unterschiede zwischen den beiden Plug-in-Varianten bestmöglich zu verschleiern: Der 55 hat einen etwas kräftigeren E-Motor und ist nicht in den üblichen Versionen Sport und Design zu haben, sondern nur mit einer besonders umfangreichen Ausstattung ohne Zusatznamen. 55 TFSI e also, Systemleistung 367 PS, ab 60.450 Euro. Beim vergleichbaren Mercedes-SUV gibt es dagegen nur ein Hybridmodell.

Hohe Einstandspreise

Der GLC 300 e mit 320 PS Systemleistung steht ab 56.109 Euro in der Liste, bringt freilich den weniger kraftvollen E-Motor (90 zu 105 kW) mit. Das muss im Hinblick auf Elektro-Reichweite und Antriebsharmonie kein Fehler sein. Festzuhalten bleibt in beiden Fällen: So ein deutscher Premium-Plug-in-Hybrid kann ganz schön teuer werden. Im Falle des Audi summieren sich Grundpreis und Optionen auf einen Testwagenpreis von rund 85.000 Euro, beim Mercedes sieht es sehr ähnlich aus.

Bevor es mit beiden ans Sparen geht, müssen sie erst an die Elektro-Zapfsäule. 14,1 kWh fasst der elektrochemische Energiespeicher im Audi, 13,5 sind es beim Mercedes. Das sollte bei nicht zu hektischer Fahrweise für rund 40 km im E-Betrieb reichen. Diese Strecke, so wollen es die Marktstrategen beider Hersteller wissen, decke die meisten Pendlerbedürfnisse ab.

Audi Q5 55 TFSI e Quattro, Mercedes GLC 300 e 4Matic, Exterieur
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Bis zu 7,4 kW Ladestrom packt der Q5 mit dem serienmäßigen Mode-3-Kabel. Beim GLC kostet das spiralisierte Mode-3-Kabel 393 Euro extra.

So weit die Theorie. Wie viele Nutzer es dann im wahren Leben auf sich nehmen, den Wagen so oft wie möglich in Kabellängennähe zur Ladesäule zu parken, das Kabelgewirr aus Kofferraum oder Tasche zu zerren, Stecker einzustöpseln, danach bis zu zweieinhalb Stunden Ladezeit abzuwarten, bleibt ungewiss. Hier kann jedenfalls der Mercedes punkten, dessen spiralisiertes Kabel sich einfacher handhaben lässt als das glatte und unhandliche Exemplar des Audi.

Einfache Bedienung

Weniger aufwendig, doch kostenintensiver und mutmaßlich klimaschädigender fährt man, wenn die Fremdladeoption nur selten genutzt wird. Dann funktionieren Audi Q5 55 TFSI e und Mercedes GLC 300 e wie normale Hybrid-Benziner. Beim Mercedes wird der gewünschte Fahrmodus mit dem Dynamic-Schalter links des Touchpads in der Mittelkonsole angewählt.

Im Falle des Audi ist das Verfahren etwas komplizierter, er hat zusätzlich zum gewohnten Drive-Mode-Schalter eine E-Taste, mit welcher zwischen reinem Elektro- und Hybridbetrieb gewählt werden kann. Was im Übrigen beide nicht bieten, ist ein Charge-Modus während der Fahrt. Mit anderen Worten: Das Vollladen der Antriebsbatterie während der Fahrt ist nicht möglich – und auch nicht gewünscht. Denn den Vierzylinder-Benziner als privates Elektrizitätswerk zu benutzen, ist weder effizient noch besonders ressourcenschonend oder gar kostengünstig.

Kultivierte Antriebe

Zur obligatorischen Vergleichsfahrt treten beide SUV mit voll geladenen Akkus an, gefahren wird im Hybridmodus. Dass der Audi dabei über den etwas kräftigeren Antrieb verfügt, macht sich rasch bemerkbar. Beim Anfahren wirkt er noch leicht zögerlicher, doch sobald der 2,1-Tonner einmal in Schwung ist, hängt er etwas besser am Gas, reagiert scheinbar lebendiger auf Befehle am Fahrpedal.

Die Verbrenner-Elektro-Kombination im Mercedes GLC 300 e bietet dagegen das höhere Systemdrehmoment, was sich unter anderem in der etwas fixeren rein elektrischen Beschleunigung bemerkbar macht. Dass die Antriebseinheit im Mercedes weicher und gleichmäßiger anfährt, liegt auch daran, dass hier der E-Motor mit einem Automatikgetriebe samt Drehmomentwandler als Anfahrelement zum Einsatz kommt.

Mercedes GLC 300 e 4Matic, Motorraum
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Die Verbrenner-Elektro-Kombination im GLC bietet dagegen das höhere Systemdrehmoment, was sich unter anderem in der etwas fixeren rein elektrischen Beschleunigung bemerkbar macht.

Der Audi setzt dagegen auf ein Doppelkupplungsgetriebe samt integriertem E-Motor, wobei zwei Lamellenkupplungen sowie die Trennkupplung des E-Motors den Antrieb mit den Rädern verbinden (Erklärung im Anschluss an diesen Vergleichstest). Von der komplexen Technik im Hintergrund ist bei beiden Hybrid-SUV wenig zu bemerken. Nur der Antrieb des Audi lässt sich mitunter zu ruppigen Schalt- oder Anfahrvorgängen hinreißen. Dafür läuft sein Zweiliter-Benziner etwas geschmeidiger und ruhiger als der gleich große Mercedes-Vierzylinder aus der Motorenbaureihe M 274.

Sparsamer Audi

Vermutlich warten Sie nun darauf, etwas über die Verbräuche zu lesen, schließlich geht es um Plug-in- Hybride. Doch auf die klassische Tankstellenfrage, was er denn so schluckt, gibt es bei Plug-ins wie dem Audi Q5 55 TFSI e und dem Mercedes GLC 300 e keine eindeutige Antwort. Oder anders gesagt: Es gibt so viele Antworten, wie es Fahrprofile gibt, unendlich viele also. Wie sinnvoll es dabei ist, dass beide SUV in den Genuss des E-Auto-Rabatts bei der Dienstwagenbesteuerung kommen, sei dahingestellt.

Wenn man die beiden SUV so alle 30 bis 40 Kilometer für ein bis zwei Stunden an die Ladesäule hängt, fährt man ohne wirklich merklichen Benzinverbrauch. Das andere Extrem: schnelles Autobahnfahren ohne zwischenzeitlichen Halt an der Ladesäule. Da stehen dann schon mal 12 Liter je 100 Kilometer auf den Bordcomputern. Immerhin verfügen beide über auch für solche Fälle ausreichend große Tanks, mit den 54 Litern im Audi und den 50 des Mercedes kommt man schon ordentlich weit.

Unterm Strich etwas sparsamer ist ohnehin der Q5, wenngleich die Unterschiede sehr gering sind. Der rein elektrische Verbrauch (ermittelt auf der auto motor und sport-Elektrorunde) liegt bei rund 32 kWh je 100 km/h, woraus sich leicht errechnen lässt, dass Q5 und GLC mit 14 und 13,5 kWh Batteriekapazität im wahren Leben mit einer Ladung selten weiter als 30 Kilometer kommen.

Audi Q5 55 TFSI e Quattro, Exterieur
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Der rein-elektrische Verbrauch des Audi Q5 55 TFSI e Quattro liegt bei 31,9 kWh. Damit ist der Verbrauch ähnlich des Mercedes.

Nutzt man die beiden jedoch als reine Hybridautos ohne Zwischenstopps an Ladesäulen, muss man mit Durchschnittsverbräuchen von knapp zehn Litern rechnen, ebenfalls mit leichten Vorteilen für den Audi Q5, der somit nicht nur über den kräftigeren, sondern auch den etwas sparsameren Antrieb verfügt.

Das agilere Auto ist der Audi Q5 freilich nicht. Er wirkt insgesamt etwas träger und schwerer, obwohl er lediglich 42 Kilogramm mehr auf die Waage bringt als der Mercedes GLC. Überhaupt sind beide Plug-in-SUV naturgemäß keine Leichtgewichte: Mit E-Antrieben und Batterie wiegen sie mindestens 150 Kilogramm mehr als vergleichbar motorisierte Versionen ohne Hybridmodule.

Dass der Mercedes auf der Landstraße etwas mehr Fahrfreude vermittelt, liegt auch an der beredsameren Lenkung. Sie ist leichtgängig, feinfühlig und exakt, die des Audi hauptsächlich leichtgängig. Fahrbahnkontakt und Rückmeldung sind dagegen etwas unterentwickelt, auch das kennt man bereits. Schnelles Kurvenfahren zählt zwar nicht zu ihren Kernkompetenzen, doch die Unterschiede beim Kurvenfahren prägen das Fahrgefühl auch im alltäglichen Umgang mit den beiden Hybrid-SUV.

Kommoder Mercedes

Zumal der Mercedes mit dem komfortableren Fahrwerk aufwartet. Mit seiner Luftfederung (Air Body Control, 2.261 Euro) absorbiert er kleine und größere Unebenheiten geschmeidiger als der steifbeinige Audi (Adaptive Air Suspension, 1.950 Euro), der zudem im Test auf mächtigen 21-Zöllern rollt, was dem Abrollkomfort bekanntlich wenig zuträglich ist.

Im Gegenzug kann der Audi Q5 mit zusätzlichen Alltagsqualitäten punkten. Er kommt mit der geräumigeren Karosserie, wirkt luftiger geschnitten und ist mit der verschiebbaren Rückbank etwas praktischer als der Mercedes GLC. Dort stört auch die sichtbare Stufe im Ladeboden, während die Gestaltung des Heckabteils beim Audi etwas eleganter gelöst ist.

Mercedes GLC 300 e 4Matic, Interieur
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Seit dem Facelift kann der Mercedes zudem mit MBUX-Oberfläche auftrumpfen – inklusive exzellenter Sprachbedienung.

Seit dem Facelift kann der Mercedes zudem mit MBUX-Oberfläche auftrumpfen – inklusive exzellenter Sprachbedienung. Dagegen wirkt der MMI-Knopf im Audi fast etwas veraltet, gut bedienbar ist das System dennoch. MBUX also oder doch MMI? Auch das ist eine Herausforderung, die es früher beim Autokauf so nicht gab.

Fazit

1. Audi Q5 55 TFSI e Quattro 476 Punkte

Der Audi Q5 55 TFSI e Quattro sammelt ein paar Punkte mehr, unter anderem weil er mehr Platz bietet, geringfügig sparsamer ist und besser bremst. Allerdings ist er ein sehr teures Auto.

2. Mercedes GLC 300 e 4Matic 471 Punkte

Wenige Pünktchen dahinter kommt der Mercedes GLC 300 e 4Matic ins Ziel – mit dem komfortableren Fahrwerk, besserem Handling und variablerem Interieur. Zudem ist der Mercedes günstiger.

Technische Daten

Audi Q5 55 TFSI e Quattro Mercedes GLC 300 e 4Matic
Grundpreis 58.926 € 54.964 €
Außenmaße 4663 x 1893 x 1659 mm 4658 x 1890 x 1644 mm
Kofferraumvolumen 465 bis 1550 l 395 bis 1445 l
Hubraum / Motor 1984 cm³ / 4-Zylinder 1991 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 185 kW / 252 PS bei 5000 U/min 155 kW / 211 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 239 km/h 230 km/h
0-100 km/h 5,6 s 6,0 s
Verbrauch 2,0 l/100 km 2,2 l/100 km
Testverbrauch 9,7 l/100 km 9,7 l/100 km
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