Lexus LS600h im Test

Luxus-Hybrid im 100.000 Kilometer-Einsatz

1210, Dauertest Lexus LS600h Foto: Hans-Dieter Seufert 24 Bilder

Mit dem Lexus LS 600h und seiner Kombination aus V8-Benziner und Elektroantrieb hat sich Lexus technisch weit vorgewagt. Blieb die Weste des Dauertesters nach 100.000 Kilometern so weiß wie sein Lack?

Stille – sie ist das Erste, was beim Lexus LS 600h auffällt. Nach Druck auf den Startkopf dreschen nämlich nicht gleich Kolben auf die Kurbelwelle. Stattdessen saust ein Rotor um seinen Stator, und der Luxushybrid legt mit der Kraft seines 165-kW-Elektromotors vom Parkplatz ab, bevor nach ein paar Metern kaum merklich der V8-Benziner zuschaltet. Das klappt vom ersten bis zum letzten Kilometer der 100.000er-Distanz des Lexus LS600h, soviel sei jetzt schon verraten.

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Hybridantrieb des Lexus LS 600h überzeugt, kann aber auch saufen

Eine echte Sensation, vergleichbar mit einem fröhlichen Wiesn-Abend samt unzähligen Maß Bier bei völliger Katerfreiheit am nächsten Morgen. Schließlich flößte Lexus seinem Vorzeigemodell Lexus LS600h eine komplexe Hybrid-Steuerung ein, die das Zusammenspiel des Fünfliter-V8 mit Elektromotor und Planetengetriebe inklusive der Ladestrategie und die Steuerung der Kraftflüsse regelt. Ganz abgesehen von Aktivlenkung, Luftfederung mit Adaptivdämpfern, LED-Scheinwerfern sowie der Kombination aus Saugrohr- und Direkteinspritzung beim V8. Keine Angst, zur Elektronik-Abteilung kommen wir noch.

Zuerst ein Blick auf den Antrieb des Lexus LS600h: Er arbeitet kraftvoll, kultiviert und mit besten Manieren, so die einhellige Meinung der Tester-Crew, die den 2,3-Tonner quer durch die Republik und zu Auslandseinsätzen scheuchte. Oft und gern, denn weitgehende Vibrationsfreiheit und zurückhaltende Geräuschkulisse machen Freu(n)de. Dem muskulösen Hybrid liegt wuchtiges Herausbeschleunigen ebenso wie hohe Dauertempi oder gediegene Schleichfahrt mit permanentem Wechsel zwischen E- und V8-Motor oder beidem.

Gemäßigt über Land kommt der Lexus LS600h mit rund neun L/100 km aus, unter Zug auf freier Strecke wird er jedoch zum Säufer – Tempo-Huldigungen treiben den Verbrauch auf fast 20 Liter. Begleitet von zunehmendem fahrerischem Unwohlsein, denn jenseits von 200 km/h verbündet sich die weiche Fahrwerksabstimmung mit der leichtgängigen, rückmeldungsarmen Aktivlenkung zu einer unangenehmen Allianz. Da helfen weder adaptive Dämpfer noch aktive Stabilisatoren – der Lexus LS600h fühlt sich entkoppelt an. Auf langen Wellen noch ganz fliegender Teppich, reagiert er überdies auf kurze Anregungen oberklasseunüblich stößig.

Lexus LS600h verlangt nach neuen Stoßdämpfern

Der Tausch sämtlicher Stoßdämpfer des Lexus LS600h bei 80.000 Kilometern nach Poltergeräuschen an einem Exemplar erweist sich als allgemein bekanntes LS-Problem, verhilft K-OE 1220 zum einzigen außerplanmäßigen Werkstattaufenthalt, jedoch nicht zur Lösung der Fahrwerks-Indifferenz. Altgediente auto motor und sport-Leser haben sicher bereits Heft 22/92 aus dem Stapel gezogen und konstatieren: wie beim Dauertest des LS 400, der brauchte bei Kilometerstand 81.887 ebenfalls neue Stoßdämpfer.

Dennoch: Liegenbleiber und andere schwerwiegende Malaisen überlässt der große Lexus LS600h nach wie vor der Konkurrenz und klettert diesmal aufs oberste Treppchen des auto motor und sport-Mängelindex. Ohne deswegen gleich zum Unterhalts-Schnäppchen zu werden. Alle 15.000 Kilometer steht ein planmäßiger Stopp mit Kosten zwischen rund 300 und knapp 1.000 Euro an. Ein schönes Gefühl, dass trotz der überbordenden Elektronik heutzutage manchmal noch Handarbeit gefragt ist. Etwa bei Kilometerstand 44.772, als der Mechaniker sämtliche Bremsbeläge abkantet und gangbar macht, um das Bremsenquietschen des Lexus LS600h abzustellen.

Navigationssystem und Sprachsteuerung des Lexus LS 600h mit großen Schwächen

Abstellen, nächstes Stichwort. Wer sich im Vertrauen auf das schlüssellose Zugangssystem samt Scheckkartensender lässig per Druck am Türgriff von seinem Lexus LS600h verabschieden möchte, erntet manchmal nur Gepiepse. Der Lexus LS600h verlangt ganz profan nach Druck auf den Schlüsselknopf. Womit wir an der Elektronik-Klagemauer angekommen sind. Die heftigsten Wutschreie kassiert das – mittlerweile im Rahmen der Modellpflege verbesserte – serienmäßige Navigationssystem. Dessen Berührungsbildschirm untersagt die Bedienung während der Fahrt, ein linderndes Update inklusive Freischaltung kostet extra. Schade, denn so lassen sich die massiven Navigationsfehler des Systems, das einen schon mal 80 Kilometer in die falsche Richtung schickt, noch schwieriger ausbügeln.

Sprachsteuerung? Vergessen Sie es. Der Lexus LS600h versteht nur Bahnhof. Wir verstehen nicht, warum ein aufwendiges System so enttäuschend funktioniert. Ähnlich wie das Radio, dessen Empfangsstärke an ein batteriebetriebenes Koffergerät und nicht an einen 100.000-Euro-Luxusliner erinnert. Im Gegensatz zum Soundsystem von Mark Levinson im Lexus LS600h, das anspringend und dynamisch musiziert. Was wiederum nicht davon ablenken kann, dass die Klimaautomatik im Lexus LS600h teils zugig arbeitet und auf längeren Touren nicht die Temperatur halten kann.

Andererseits: In die bequemen Sitze geschmiegt vom Doppelherz-Antrieb des Lexus LS600h nach vorn gewuchtet zu werden, sich gar im Fond von der Größe sonstiger Langversionen zu rekeln – das hat was. So erweisen sich die 100.000 Kilometer jenseits der Stille im Lexus LS 600h zwar als hybrid- und defektseitig problemlos, andererseits als ernüchternd und überdies relativ teuer.

Technische Daten
Lexus LS 600h
Grundpreis 101.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5030 x 1875 x 1480 mm
KofferraumvolumenVDA 325 l
Hubraum / Motor 4969 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 290 kW / 394 PS bei 6400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 9,2 l/100 km
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