McLaren ist das erfolgreichste Privatteam der Formel-1-Geschichte. 203 Siege und zehn WM-Titel konnte der Traditionsrennstall in den vergangenen 61 Jahren bereits verbuchen. In beiden Kategorien ist nur Ferrari besser. Der Unterschied zwischen den beiden Teams: Ferrari hat immer seine eigenen Motoren gebaut. McLaren war stets auf Aggregate von Zulieferern angewiesen.
Das könnte sich in Zukunft ändern. Nach dem Beispiel von Red Bull überlegt die Führung des Rennstalls aktuell, die Triebwerke für die Formel 1 künftig in Eigenregie zu entwickeln und zu produzieren. Einen ersten Hinweis auf diese Idee hatte es schon beim Grand Prix von Miami gegeben. FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem machte Werbung für die Idee eines V8-Motors.
"Wenn wir den einführen, dann glaube ich, dass sogar McLaren seinen eigenen Motor bauen würde", erklärte das FIA-Oberhaupt. "Aktuell müssen sie noch zu anderen gehen, weil es in Eigenregie zu kompliziert wäre. Für sie ist es besser, etwas von der Stange zu kaufen, als selbst einen Motor zu bauen."
Noch ist die Motorenformel für die nächste Antriebsgeneration nicht genau festgelegt. Hinter den Kulissen ist die FIA gerade dabei, einen konkreten Vorschlag auszuarbeiten, den man den Herstellern als Diskussionsgrundlage vorlegen will. Das Thema will man aber erst angehen, wenn die Anpassung der aktuellen V6-Triebwerke auf den neuen Power-Split von 60/40 geregelt ist.

McLaren-Boss Zak Brown macht die Entscheidung von der nächsten Motorenformel abhängig.
Wechsel von V6 auf V8-Motor
Dass der Verband beim nächsten Formel-1-Motor auf einen Achtzylinder setzt, ist kein Geheimnis. Im vergangenen Jahr wurde noch lange über die Einführung eines V10-Motors diskutiert. Für diesen gibt es aber keine Mehrheit unter den aktuellen Herstellern. Als Kompromiss scheinen nun alle den V8 zu akzeptieren.
Die wahrscheinlichste Variante sieht aktuell so aus, dass der V8 mit einem Turbo und einem kleinen Hybrid-System (ca. 120 kW) gekoppelt wird. Beim KERS soll es sich nicht um ein Standardbauteil handeln. Die Hersteller wollen hier ihre Technologie-Kompetenz zeigen. Wichtig ist auch, dass die Motoren billiger werden. Das wird vor allem durch eine stärkere Einschränkung der erlaubten Materialien erreicht.
Im Rahmen des Indy500-Wochenendes wurde McLaren-Boss darauf angesprochen, ob der Traum vom eigenen Motor tatsächlich wahr werden könnte. "Wenn es eine Motorenformel gibt, die finanziell machbar ist, werden wir das in Erwägung ziehen", antwortete der US-Amerikaner, nur um dann hinterherzuschieben: "Wir könnten aktuell nicht glücklicher mit Mercedes sein, aber wenn uns etwas vorgelegt wird, das finanziell sinnvoll ist, werden wir uns das anschauen."

Die Formel 1 fuhr zuletzt von 2006 bis 2013 mit 2,4 Liter V8-Motoren.
Neue Motoren schon 2030
Gut möglich, dass sich McLaren für das eigene Motorenprojekt einen Partner ins Boot holt, so wie es auch Red Bull mit Ford gemacht hat. Der US-Hersteller leistet technische und finanzielle Unterstützung bei der Entwicklung der Triebwerke und darf im Gegenzug seine Logos auf das Auto kleben.
Die FIA hat bereits angekündigt, dass die nächste Motorengeneration technisch nicht mehr ganz so komplex sein wird. Außerdem sollen die Kosten bei der Entwicklung gesenkt werden. Eine Ausgabenbeschränkung und ein Limit bei den Prüfstandsstunden gibt es schon seit Einführung des aktuellen Hybrid-Antriebs. Mit dem kommenden Motor könnte es hier noch einmal Verschärfungen geben.
Unklar ist noch, wann die neuen Motoren eingeführt werden. Turnusmäßig wäre der Wechsel eigentlich erst in der Saison 2031 fällig. FIA-Präsident Ben Sulayem hatte aber schon angedeutet, dass er sich den Übergang schon ein Jahr früher vorstellen könnte, um die viel kritisierten Hybrid-Motoren der aktuellen Generation schneller loszuwerden. Eine kurze Umfrage im Fahrerlager ergab, dass die meisten Antriebslieferanten diesem Vorschlag zustimmen würden. Sollten die neuen Motoren wirklich schon 2030 kommen, muss jetzt eine schnelle Einigung über die technischen Details her.












