Mercedes B-Klasse, Exterieur Dani Heyne

Mercedes B-Klasse (2. Gen) im Gebrauchtwagen-Check

Wie fit ist der kleine Van im Alter?

Mercedes-Qualität – die hatte auf dem Gebrauchtwagenmarkt in den vergangenen zwei Jahrzehnten recht unterschiedliche Bedeutung. Von „absolut empfehlenswert“ bis „Vorsicht: rostig“ war alles dabei. Wie steht es um diese B-Klasse?

Ich weiß, was ihr meint„, antwortet Meister Wünsch auf die Frage, wofür Mercedes-Qualität bei gebrauchten Sternen steht, “da gab es einige Ausrutscher in der Vergangenheit.„ Und er erinnert sich an diverse Rost- und Elektronikprobleme, die es quer durch alle Modelle mit Stern gegeben hat. Auch die B-Klasse war davon betroffen.

Mercedes B-Klasse, Exterieur
Dani Heyne
Auf der Probefahrt macht der Benz einen guten Eindruck.

“Trotzdem haben wir einige Fans der alten B-Klasse, die von 2005 bis 2011 gebaut wurde, im Kundenstamm„, erklärt der Meister. Jene Modelle, die mit ihrer Sandwichboden- Karosserie und dem dadurch hohen Aufbau an eine alte Zeit erinnern, in der Mercedes weniger stylish als fortschrittlich sein wollte. Und das in vielerlei Hinsicht: Der Sandwichboden sollte verschiedene Antriebskonzepte ermöglichen – und den Passagieren darüber eine hervorragende Raumausnutzung, einen bequemen Einstieg und eine gute Rundumsicht bescheren. Zumindest Letzteres hat funktioniert – und erklärt die Treue der Fans, die vor allem älteren Baujahrs sind.

Die B-Klasse – ein Mängelzwerg?

Mit der zweiten B-Klasse hat Mercedes diese Vorteile teilweise aufgegeben – der kompakte Van tritt seitdem deutlich modischer auf und fügt sich harmonisch in das aktuelle Portfolio der Marke, bietet aber etwa eine verschiebbare Rückbank nur gegen Aufpreis.

Uns interessiert heute: Wie steht es um seine Langzeitqualität? Nach einigen Jahren am Markt lässt sich eine Tendenz erkennen – oder, Meister Wünsch?

“Auf jeden Fall. Der kompakte Van ist bislang unauffällig, was Rost- und Elektronikprobleme anbelangt. Das bestätigen auch die Herren von TÜV und DEKRA in ihren alljährlichen Reports. Dort schneidet die aktuelle B-Klasse regelmäßig sehr gut ab.„ Aber machen wir uns selbst ein Bild und schauen uns diesen polarsilbernen B 200 aus dem Baujahr 2013 genauer an. Der 4,36 Meter lange Mercedes trägt als B 200 einen 1,6 Liter großen Vierzylinder unter der Haube, der wie alle Verbrennungsmotoren der B-Klasse von einem Turbolader unterstützt wird. Er leistet 156 PS, stemmt maximal 250 Nm auf die Kurbelwelle und hat noch keine 30.000 Kilometer hinter sich.

Der Erstbesitzer hat den Wagen gut ausgestattet, unter anderem sind an Bord: Xenon-Scheinwerfer, ein Navigationssystem, ein Parkassistent mit Rückfahrkamera, ein Sportpaket mit Komfortfahrwerk, Türzuziehhilfen, Sitzheizung vorn, ein Tempomat und ein Start-Stopp-System. “Ziemlich volle Hütte„, murmelt Meister Wünsch und prüft wie immer zuerst das Blechkleid. Dabei wandert sein Blick gründlich über alle Spaltmaße, über die Türkanten, Scheiben, Scheinwerfer und Schürzen – so kann er Parkrempler und Steinschläge leicht identifizieren. Nach zehn Minuten hat er den Benz umrundet – und drei kleine Dellen gefunden. “Typische Parkschäden„, diagnostiziert der Meister. “Da der Lack in keinem Fall abgeplatzt ist, sind Folgeschäden nicht zu befürchten. Es sind aber gute Ansatzpunkte für Preisverhandlungen. Anders verhält sich das bei der Türkante auf der Fahrerseite„, sagt Meister Wünsch und zeigt auf eine daumenbreite Stelle, die keinen Lack mehr trägt. “Hier scheint der Vorbesitzer die Tür beim Öffnen unsanft irgendwo gegen etwas gedrückt zu haben. Wenn die Stelle nicht neu versiegelt wird, bildet sich irgendwann Rost.„

Mercedes B-Klasse,  Interieur
Dani Heyne
An Bord: Xenon-Scheinwerfer, ein Navigationssystem, ein Parkassistent mit Rückfahrkamera, und und und...

Die Probefahrt steht an. Bevor der Meister startet, wirft er noch einen Blick ins Bordbuch. Das Serviceheft wird bei diesem Baujahr elektronisch geführt – zur Überprüfung kann man auf www.mercedes.me (Registrierung erforderlich) mit einem Code von der Werkstatt, die den Service durchgeführt hat, die Wartungshistorie des jeweiligen Fahrzeugs abrufen. Klingt kompliziert – lässt aber wenig Betrugsmöglichkeiten zu.

Rost an der B-Klasse? Nichts zu erkennen

Auf der Probefahrt macht der Benz einen guten Eindruck, der Motor zieht gleichmäßig, die Kupplung trennt sauber, und das Fahrwerk klappert nicht. Also ab auf die Hebebühne. Hier checkt Meister Wünsch zuerst die Bremsen – und nickt zufrieden: “Scheiben und Beläge sind topfit.„

Anschließend wirft er einen langen Blick auf die Vorderachse, überprüft alle Gelenke auf Spiel, checkt die Achsmanschetten und untersucht anschließend den Motor und das Getriebe auf Ölspuren.

Mercedes B-Klasse, Motorraum
Dani Heyne
Ab auf die Hebebühne. Hier checkt Meister Wünsch zuerst die Bremsen – und nickt zufrieden: „Scheiben und Beläge sind topfit.“

“Alles dicht„, ruft er. Das Einzige, was ihm nicht gefällt, ist eine giftgrüne Flüssigkeit, die sich am Hitzeschutzblech des Auspuffs gesammelt hat. “Das ist ein Kontrastmittel, welches früher in Klimaanlagen gefüllt wurde – wenn diese undicht waren. Entweder ist nicht anständig abgewaschen worden, oder die Klimaanlage hat noch immer ein Leck. Da sie auf der Probefahrt anständig gekühlt hat, gehe ich nicht von Letzterem aus.„ Dann widmet sich der Meister der Hinterachse, begutachtet alle Aufhängungen, checkt die Federn auf Brüche und sucht nach Rostspuren: An den Schwellerkanten und am Unterboden kann er nichts finden, nur die Achsträger tragen etwas Flugrost. “Das kennen wir von anderen Fahrzeugen – etwas mehr Lack, und das würde besser aussehen„, sagt er und bereitet den Klimaanlagen-Check vor.

Wir werfen indes einen Blick auf die Preise: Gebrauchte B-Klassen dieses Typs gibt’s bereits für vierstellige Beträge – dabei handelt es sich meist um Taxirückläufer, die nicht empfehlenswert sind. Modelle aus 2013 mit weniger als 50.000 Kilometern starten als B 180 (122 PS) bei rund 14.000 Euro. “Guter Deal„, ruft Meister Wünsch. “Die Klima ist übrigens dicht.„

Versionen, Motoren & Ausstattung

Die zweite B-Klasse ist seit September 2011 in Produktion (im Werk Rastatt) – der offizielle Marktstart kam rund einen Monat später. Seit 2012 wird der Van auch im ungarischen Kecskemét hergestellt. Intern trägt der Fünftürer den Code W 246.

Im Vergleich zum Vorgänger baut die aktuelle B-Klasse nicht mehr so hoch und trägt ein moderneres Cockpit. Das Platzangebot ist aufgrund der Van-artigen Bauform dennoch sehr gut. Der Kofferraum fasst mindestens 486 Liter, bei vorgeklappten Rücksitzlehnen bis zu 1.545 Liter Gepäck.

Mercedes B-Klasse, Federung
Dani Heyne
E-Antrieb im B 250 e.

Das Motorenangebot – vielfältig und modern: Alle Verbrenner sind aufgeladene Direkteinspritzer. Die Ottomotoren leisten 102, 122, 156, 184 oder 211 PS, bei den Dieseln sind 90, 109, 136, 170 und 177 PS möglich. Während sich die Verbrauchswerte der Benziner zwischen durchschnittlich rund sechs und neun Litern bewegen, begnügen sich die Selbstzünder mit vier bis sechs Litern auf 100 Kilometer. Neben den standardmäßigen Sechsstufen-Handschaltern bietet Mercedes ein geschmeidiges Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe – welches mit den starken Motoren serienmäßig verknüpft wird. Auf dem Gebrauchtmarkt teilen sich die Motoren jeweils zur Hälfte in Benziner und Diesel auf – wobei die Selbstzünder jüngst an Wert verloren haben. Die Erdgasversion “B 200 Natural Gas Drive„ (seit 2013) wird aber nur selten verkauft und ist gebraucht entsprechend schwer zu finden.

Etwas besser steht es um die E-Version der B-Klasse: den B 250 e. Er ist seit Mitte 2014 zu haben. Sein rein elektrischer Antriebsstrang entstand aus einer Kooperation mit Tesla Motors und ähnelt dem des Tesla Model S. Der flüssigkeitsgekühlte Elektromotor leistet in der B-Klasse 132 kW und schafft 340 Newtonmeter Spitzenleistung.

Drei Stunden braucht es, die Batterien aufzuladen – womit eine Reichweite von rund 200 Kilometern möglich ist. Optional bietet Mercedes ein“Range-Plus-Paket„ an, das die Reichweite um bis zu 30 Kilometer erhöht. Eine Schnelllademöglichkeit – wie sie bei Tesla zum Einsatz kommt – bietet Mercedes nicht an. Noch was vergessen? Ja, die drei Allradversionen der B-Klasse mit 4Matic-Antrieb. Sie gibt es seit Ende 2013 am Markt – allerdings sind sie selten.

Mercedes B-Klasse, Exterieur
Dani Heyne 1/20 Meister Wünsch hat die gebrauchte Mercedes B-Klasse (09/2011) genauer unter die Lupe genommen.
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So viel kosten die Verschleißteile:

Verschleißteil Kosten
Wischerblätter vorn 46,65 Euro
Luftfilter 52,75 Euro
Innenraumfilter 57,80 Euro
Ölwechsel circa 160 Euro
Zahnriemenwechsel entfällt (Steuerkette)
Wechsel Bremsscheiben und -beläge vorn circa 370 Euro

Fazit

Eine gebrauchte B-Klasse ist Ihr Typ, wenn Sie einen geräumigen kompakten Benz suchen, der die meisten Aufgaben des Alltags mühelos meistert – also vom Stadtverkehr bis zur Urlaubsreise alles mitmacht und dabei mit einer Verarbeitungsqualität glänzt, die es bei den meisten Konkurrenten nicht gibt. Auch die Antriebstechnik passt. Da der Mercedes als Neuwagen vergleichsweise teuer ist, lohnt es sich, nach einem Modell mit guter Ausstattung zu suchen, denn auch diese unterliegt dem Wert- verlust, und so bekommt man dann viel Luxus zu akzeptablen Preisen.

Das gefällt uns:

Das angenehme Raumgefühl – die B-Klasse baut höher als die meisten in der Kompaktklasse, daher wirkt ihr Innenraum luftiger. Außerdem gefällt die Wertigkeit des Mercedes: Materialmix und Verarbeitung im Innenraum liegen über dem Klassendurchschnitt. Das trifft vor allem zu, wenn der Erstbesitzer den Benz gut ausgestattet hat.

Das stört uns:

Wer in die B-Klasse der ersten Generation verschossen war, für den ist die aktuelle Version ein Rückschritt: Die Sitzposition ist etwas tiefer und damit nicht mehr ganz so übersichtlich, außerdem kostet die Variabilität der Rücksitzbank Aufpreis. Schade, dass Mercedes diesen Vorteil zugunsten eines moderneren Auftritts vernachlässigt.

So ist die Marktlage:

Es gibt keinen Grund zur Sorge, denn Engpässe sind bei gebrauchten B-Klassen nicht in Sicht. Das Angebot an Benziner- und Dieselversionen ist üppig. Vergleichsweise selten sind nur die Allradversionen sowie der B 250 e – die Elektrovariante der B-Klasse, die es seit Mitte 2014 zu kaufen gibt. Sie kommt auf rund 200 Kilometer Reichweite.

Technische Daten

Mercedes B 200
Grundpreis 30.102 €
Außenmaße 4359 x 1786 x 1557 mm
Kofferraumvolumen 488 bis 1547 l
Hubraum / Motor 1595 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 115 kW / 156 PS bei 5300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h
0-100 km/h 8,3 s
Verbrauch 5,9 l/100 km
Testverbrauch 9,1 l/100 km
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Die Diskussion um Schummelsoftware und Feinstaubprobleme auch bei...

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