BMW X3 M40i, Mercedes AMG GLC 43 4Matic, Porsche Macan GTS, Exterieur Achim Hartmann
BMW X3 M40i, Mercedes AMG GLC 43 4Matic, Porsche Macan GTS, Exterieur
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BMW X3 M40i, Exterieur
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Porsche Macan GTS gegen seine Konkurrenten im Test

Der Star der Allrounder?

Mit dem Macan GTS bringt Porsche eine neue Variante seines Einstiegs-SUV, die mit markentypischer Dynamik und 380 PS gegen BMW X3 M40i und Mercedes-AMG GLC 43 auftrumpfen will. In diesem Vergleich klären wir mal, ob der Star der starken Allrounder jetzt aus Zuffenhausen kommt.

Texte zu Autotests, so ist manchmal zu hören, sollten nicht mit einer Lackfarbe und schon gar nicht mit dem Wetter beginnen. Da beides in diesem Vergleich eine gewisse Relevanz hat, folgt hier die Ausnahme von der Regel. Punkt eins ist die Antwort auf die Frage zu dem bunten Hund, die alle gestellt haben: Mambagrün-Metallic, 928 Euro.

Selbstverständlich gibt es zum neuen Macan GTS mehr Wissenswertes als nur die Lackfarbe, die weder modellspezifisch noch neu ist. Trotzdem machen wir zunächst mit dem Wetter weiter. Das ist deshalb so wichtig, weil es zur Vergleichsfahrt zwar so viel Grün gibt wie auf den Bildern, aber Grau ersetzt Blau, und der Asphalt glänzt dunkel.

Ein Regentag ist zwar für die Erprobung nie optimal, doch der herzlose Terminkalender lässt oft nicht mit sich reden. Auf der anderen Seite: Das müsste doch eigentlich die Paradedisziplin der drei Allradler sein, oder? Und ja: Das kann man wohl so sagen – besonders beim Porsche. Der bleibt auch auf rutschiger Piste stabil auf Kurs, kommt selbst in flotten Wechselkurven kaum von der angelenkten Linie ab. Anschließend kannst du in Richtung Gerade einfach grobschlächtig aufs Gas treten, ohne dass übermäßig Schlupf entsteht. Die Bewertung der Redakteure lautet auf den Punkt gebracht: "Alter Schwede!"

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Dieses neutrale Fahrverhalten erreicht der Macan auch mit der Abstimmung seiner elektronisch geregelten Hinterachssperre, die dafür auf ein für den Fahrer spürbares Übersteuern verzichtet. Solche Sperrdifferenziale haben die Rivalen Mercedes-AMG GLC 43 und BMW X3 M40i sogar serienmäßig, setzen sie jedoch anders ein. Dabei orientiert sich der GLC in seiner Fahrweise am Macan, lässt zwar hier und da etwas Untersteuern zu, ist aber bei Bedarf ebenfalls sauschnell und weitestgehend neutral unterwegs.

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Das Wischwasser füllt man beim Macan und GLC unterhalb der Scheibe auf, beim X3 bequem am Kotflügel.

Der X3 kann das Tempo der beiden Schwaben nicht mitgehen, denn auf Nässe schiebt er bei gleicher Einlenkgeschwindigkeit relativ stark über die Vorderräder. Also langsamer rein, lustiger durch, zügig raus. Er lässt sich also mit Spaß an spitzen Kurven über das Gaspedal auf der Linie halten – je nach Geschmack ist das ja schon ziemlich cool, zumindest aber sehr fahraktiv. Die Voraussetzung sind das Sport-ESP und etwas Gefühl im Fuß sowie am Lenker: Einen versierten Fahrer überfordert er damit nicht, denn die Reaktionen müssen angesichts der relativ niedrigen Landstraßen-Geschwindigkeiten nicht blitzartig sein.

Gleiche Übung, mehr Grip

Obwohl das agile Heck für manche die große Gaudi ist: Die hohe Präzision der Konkurrenz erreicht der BMW nicht – selbst auf trockener Piste nicht. Das bestätigt sich bei den Fahrversuchen: Sowohl beim doppelten Spurwechsel als auch beim 18-Meter-Slalom wankt der BMW ausgeprägter und neigt deutlich stärker zum Untersteuern.

Alle drei Schwergewichts-Athleten stehen anschließend bei gutem Wetter für individuelle Landstraßenausflüge zur Verfügung. Unter diesen Bedingungen bleibt der BMW länger neutral, allerdings entfällt dabei weitestgehend das Spielerische der Hinterachse. Auf trockener Strecke reduziert der AMG den Abstand zum Porsche sogar noch etwas, ohne dessen Direktheit zu erreichen. Zudem unterstreicht der GTS mit seinen akribischen Reaktionen auf Lenkbefehle, dass er sich die Fahrdynamik-Krone in seiner Klasse von niemandem abnehmen lässt. Und wenngleich alle drei eine ziemlich gute Bewertung für ihre Lenkung bekommen, passt das Gefühl im Macan oft noch eine Nummer besser zu den weiteren Eindrücken, die vor allem das Popometer vermittelt.

BMW X3 M40i, Exterieur
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Sowohl beim doppelten Spurwechsel als auch beim 18-Meter-Slalom wankt der BMW ausgeprägter und neigt deutlich stärker zum Untersteuern.

Hinzu kommt die stärkste Fahrer-Integration in den Innenraum. Klar, das gelingt vor allem mit der niedrigsten Sitzposition, während sie im Benz etwas höher und im BMW schon sehr SUV-mäßig ausfällt. Zusätzlich baut die Porsche-Mittelkonsole neben dem Fahrer steiler auf, und nur im Macan nimmt man richtig wahr, dass das Armaturenbrett an der Windschutzscheibe deutlich höher sitzt als an dem Ende, das in den Innenraum ragt. "Da biste richtig eingebaut" lautet das Resümee.

Als Nachteile ergeben sich daraus, dass die Mittelarmlehne nur nutzbar ist, wenn man sie über die Getränkehalter auszieht, sowie die wenigen Ablagemöglichkeiten. Zudem ist der Macan innen zwar nicht wirklich klein, aber in diesem Vergleich deutlich enger geschnitten. Richtig viele Punkte verliert er allerdings bei den Assistenz- und Sicherheitssystemen, was sich zum Teil dadurch erklärt, dass die Basistechnik vom bereits 2017 abgelösten Audi Q5 (8R) stammt.

Porsche Macan GTS, Interieur
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Nur im Macan nimmt man richtig wahr, dass das Armaturenbrett an der Windschutzscheibe deutlich höher sitzt als an dem Ende, das in den Innenraum ragt.

Der deutlich jüngere AMG hat nicht nur hinten massig Beinfreiheit, sondern zudem ein riesiges Portfolio an Fahrerunterstützung, das auch den ähnlich großen X3 auszeichnet. Gehobener Komfort ist ohnehin die Stärke des GLC 43, denn für unaufgeregtes, fast schon tiefenentspanntes Schnellfahren ist er hier klar erste Wahl.

Dabei sehen seine Sitze, die wie im Porsche zigfach verstellbar sind, mächtig nach Sport aus. Zusätzlich macht der Dreiliter-V6 mit seinem Klappenauspuff mit Abstand am meisten Tamtam – nicht annähernd so wild wie die AMG 63 mit V8-Motor, aber in diesem Trio hat er den emotionalsten Soundtrack. Allerdings klingen auch X3 und Macan nach Sport-SUV.

500 und mehr Newtonmeter

Obwohl sich BMW bei der Leistungssteigerung des Sechszylinders auf 360 PS mit einem Turbolader begnügt, reagiert der in manchen Drehzahlbereichen sogar noch etwas zackiger als die Biturbo-V6 von Macan (380 PS) und GLC (390 PS). Trotzdem beschleunigen alle drei mit 0–100-Werten von rund 4,5 Sekunden auf hohem Niveau und haben enorm Druck. Den 250-km/h-Limiter wirft übrigens nur Porsche nicht an, maximal 261 sind drin. Verbrauch: Im Testmittel liegen alle unter zwölf Litern pro 100 km.

Eine Besonderheit des AMG ist seine Neunstufen-Wandlerautomatik, deren dritter Gang bei gut 100 km/h endet; um die 130 sind es beim Porsche mit Siebengang-DKG und beim BMW mit Achtgangwandler. Bedeutet? Im AMG kannst du über Land öfter an den Wippen ziehen. Doch obwohl alle zackig die Gänge wechseln, scheint der Porsche sie immer noch etwas nachdrücklicher reinzudrücken. Außerdem fühlen sich seine Schaltwippen beim Klicken richtig massig an. Ähnlich gut sind die des Benz, während die Plastikrücken der BMW-Schalter eher enttäuschen.

BMW X3 M40i, Interieur
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Die Plastikrücken der BMW-Schalter enttäuschen.

Dafür federt der X3 in der Stadt fast schon flauschig an. Selbst bei höherem Tempo bleibt er komfortabel, ohne die präzise Aufbaukontrolle und den Gesamtkomfort der luftgefederten Rivalen zu erreichen. Luftpolster hat der GLC serienmäßig (drei Kammern), beim Macan (zwei Kammern) kosten sie 1.438 Euro, während der BMW immer auf Stahlfedern setzt und optional auf Adaptivdämpfer (682 Euro).

Womit der X3 richtig auftrumpft? Na ja, wie jeder BMW: Wer touchen will, toucht, wer drehdrücken will, drehdrückt. Unterstützt wird die hervorragende Bedienung von sinnvollen Direktwahltasten und einer sehr nützlichen Favoritenleiste.

Verschenktes Potenzial

Wären die nicht immer einwandfrei reagierenden Touchfelder auf dem AMG-Lenkrad Steuerkreuze und wäre das empfindliche Zentral-Touchpad ein Dreh-Drück-Steller (bei der gelifteten E-Klasse wieder erhältlich), dann würde die GLC-Bedienung ein BMW-ähnliches Niveau erreichen. Einen Zusatzpunkt bekommt der Mercedes dagegen für seinen Tachobildschirm, denn anders als beim X3, der die Möglichkeiten seines Digitaldisplays vernachlässigt, bietet er verschiedene Ansichten – darunter auch eine mit zentralem Drehzahlmesser inklusive Einblendung von Tempo und Gang in großen Ziffern und einem im Augenwinkel deutlich wahrnehmbaren Schaltblitz. Im Porsche gibt es die Infos via Analogdrehzahlmesser und LCD-Ziffern.

Mercedes AMG GLC 43 4Matic, Interieur
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Einen Zusatzpunkt bekommt der Mercedes für seinen Tachobildschirm.

Wie es um die Macan-Bedienung bestellt ist? Zunächst musst du den Favoritenknopf auf dem Lenkrad opfern, um direkten Zugriff auf wenigstens die Funktion "Lied vor" zu haben (das ist auch beim Benz so ein Ding). Ansonsten hat er zwar einen kleinen Dreh-Drück-Steller, in manchen Situationen muss aber getoucht werden. Unter dem Strich gilt für den Porsche trotzdem: Anständige Bedienung eines zügigen Systems mit praktischen Funktionen.

Den Primus gibt der GTS wieder bei der Qualitätsanmutung. Er hat nicht nur selbst unterhalb der Handschuhfachlinie Leder (ab 1.589 Euro), sondern es stellt sich auch nie die Frage, ob das jetzt wohl tatsächlich mal Kuhhaut war. Hinzu kommen noch detailverliebtere Materialübergänge. Wobei "noch" wichtig ist, denn hochwertig verarbeitet sind sie alle. Der Benz übertrifft den BMW allerdings an einigen Stellen (Türverkleidung, Lenkradtasten), weshalb der sich diesmal mit weniger Punkten zufriedengeben muss.

Im Rennen um den Gesamtsieg beißt ihn das. Aber den GTS trifft es noch heftiger, ihm verhageln in erster Linie die fehlenden Assistenzsysteme das Ergebnis. Wobei das dem bunten Hund gegenüber irgendwie gemein ist, der sich ja als Sportfahrerauto versteht und sich garantiert denkt: "Willst du selbst fahren, oder sollen die Computer übernehmen?"

Fazit

1. Mercedes-AMG GLC 43 4Matic 451 Punkte

Gehobener Sport-SUV-Fahrkomfort trifft auf reichlich Platz. Ohne viel Aufregung sprintet der Benz bei Bedarf über kurvige Etappen, den Alltag frischt er hier und da mit seinem Sound auf.

2. BMW X3 M40i 447 Punkte

Beste Bedienung trifft auf impulsiven Reihensechser. Schnell ist auch er unterwegs, den höchsten Unterhaltungswert liefert er mit seinem dann agilen Heck jedoch auf nasser Bahn.

3. Porsche Macan GTS 433 Punkte

Enorme Querdynamik trifft auf Spitzen-Lenkung. Wie der GTS fast zwei Tonnen bei hohem Tempo verwaltet, beeindruckt. Nicht so üppig: sein Assistenzportfolio.

Technische Daten

Porsche Macan GTS GTS BMW X3 M40i Mercedes AMG GLC 43 4Matic Mercedes-AMG
Grundpreis 77.223 € 69.210 € 66.613 €
Außenmaße 4686 x 1926 x 1609 mm 4716 x 1897 x 1676 mm 4658 x 1890 x 1644 mm
Kofferraumvolumen 488 bis 1503 l 550 bis 1600 l 550 bis 1600 l
Hubraum / Motor 2894 cm³ / 6-Zylinder 2998 cm³ / 6-Zylinder 2996 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 280 kW / 380 PS bei 5200 U/min 265 kW / 360 PS bei 5200 U/min 287 kW / 390 PS bei 6100 U/min
Höchstgeschwindigkeit 261 km/h 250 km/h 250 km/h
0-100 km/h 4,3 s 4,5 s 4,8 s
Verbrauch 9,6 l/100 km 7,8 l/100 km 10,2 l/100 km
Testverbrauch 11,8 l/100 km 11,4 l/100 km 11,7 l/100 km
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Porsche Macan
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