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Abgasnorm Euro 7: Fragen und Antworten, alle Infos

Neue Abgasnorm EU7 - Fragen und Antworten Warum Euro 7 auch für Elektroautos gilt

Die EU-Kommission hat die Eckpunkte für die neue Abgasnorm vorgelegt. Ab wann gilt sie? Wie hart sind die Grenzwerte? Was sagt die Autoindustrie? Die zehn wichtigsten Fragen und Antworten.

Kritiker befürchteten mit der Abgasnorm Euro 7 schon ein Verbrenner-Verbot durch die Hintertür, als vor rund zwei Jahren erste Vorschläge einer Expertengruppe an die Öffentlichkeit kamen. Die damals diskutierten Grenzwerte wären nur mit extremem technischen Aufwand einzuhalten gewesen, der vor allem kleinere Autos überproportional verteuert hätte. Der Gesetzesvorschlag, den die EU-Kommission jetzt veröffentlicht hat, wirkt auf den ersten Blick deutlich milder. Hier fassen wir für Sie zusammen, was Sie über die Abgasnorm Euro 7 wissen müssen.

Wie hart sind die Grenzwerte für Verbrenner?

Die zukünftigen Schadstoffgrenzen orientieren sich an den aktuellen Euro-6d-Werten, es sind jedoch keine Unterschiede mehr zwischen Dieseln und Benzinern vorgesehen. Ein Diesel darf dann nicht mehr 80 mg NOx/km (also Stickoxide) emittieren, sondern nur noch die für Benziner bereits geltenden 60 mg. Der für Ottomotoren erlaubte Kohlenmonoxid-Ausstoß soll auf 50 Milligramm (den Dieselwert) halbiert werden. Zudem muss die Abgasreinigung in der Lage sein, sämtliche Grenzwerte zehn Jahre lang über 200.000 Kilometer einzuhalten – statt fünf Jahre und 100.000 Kilometer.

Liegen die Grenzwerte auf der Straße höher als im Labor?

Nein. Die eigentliche Verschärfung der Grenzwerte ist dem Kleingedruckten zu entnehmen: So müssen Fahrzeuge auch im Realverkehr die strengen Normen einhalten. Bisher können sie einen Conformity-Faktor genannten Aufschlag gegenüber Messungen auf dem Rollenprüfstand geltend machen, der bei NOx beispielsweise 1,43 beträgt. Aus 80 mg eines Euro-6d-Diesels werden so 114 mg/km. Zukünftig muss ein Diesel auch im Realverkehr unter 60 mg bleiben. Darüber hinaus wird der Temperaturbereich erweitert, in dem die Abgasreinigung einwandfrei funktionieren muss – auf bis zu 45 Grad Celsius, was sieben Grad höher liegt als aktuell.

Welche Fortschritte soll die neue Abgasnorm bringen?

"Im Jahr 2035 wird Euro 7 die gesamten NOx-Emissionen von Pkw und Transportern im Vergleich zu Euro 6 um 35 Prozent verringern", prognostiziert die EU-Kommission. Bei Lastwagen und Bussen soll die Reduzierung im Vergleich zur Euro-VI-Regelung sogar 56 Prozent betragen. Die Emission von Feinstaub-Partikeln am Auspuff von Pkw und Transportern soll zu diesem Zeitpunkt um durchschnittlich 13 Prozent niedriger liegen, die beim Bremsen um 27 Prozent.

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Gelten die Euro-7-Regeln nur für Pkw?

Nein. Anders als bisher wird nicht mehr zwischen Pkw und leichten Nutzfahrzeugen (Euro 6) sowie Lastwagen und Bussen (Euro VI) unterschieden. "Mit den Euro-7-Normen werden die Emissionsgrenzwerte für alle Kraftfahrzeuge, das heißt für Pkw, Lieferwagen, Busse und Lkw, in einem einzigen Regelwerk zusammengefasst", sagt die EU-Kommission. Allerdings erhalten schwere Nutzfahrzeuge eine zwei Jahre längere Schonfrist, bis sie die neuen Grenzwerte einhalten müssen (siehe unten).

Soll es Ausnahmen geben?

Ausnahmen sind nicht geplant. Aber Zusatzklassen für Autos, die besser abschneiden als von der Standard-Euro-7-Norm gefordert. So soll Euro 7+ für Autos gelten, die mindestens zehn Prozent weniger Schadstoffe ausstoßen. Oder deren Batterie mindestens zehn Prozent länger hält als gefordert. Euro 7A ist für Autos vorgesehen, deren Abgasreinigungssystem sich anpassen lässt, sodass beispielsweise in Umweltzonen der Ausstoß gesenkt werden kann. Euro 7G soll für Hybridautos mit Standortbestimmung gelten, die in Umweltzonen zum Beispiel automatisch in einen rein elektrischen Fahrmodus wechseln. Erfüllt ein Auto mehrere dieser Anforderungen, sollen die Labels auch miteinander kombiniert werden können (etwa Euro 7+A oder Euro 7AG).

Werden Autos wegen der höheren Anforderungen teurer?

Wahrscheinlich treibt die neue Abgasnorm die Preise nach oben. Um welchen Faktor, da sind sich Gesetzgeber und Autoindustrie uneinig. Da aktuelle Autos nach Euro 6d ohnehin schon über eine äußerst komplexe und teure Abgasreinigung verfügten, beziffert die EU-Kommission die Mehrkosten pro Fahrzeug auf moderate 80 bis 180 Euro. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hält die Entwicklung Euro-7-konformer Antriebe jedoch für "sehr kostenintensiv", was signifikante Preiserhöhungen nach sich ziehen würde. "In Zeiten ohnehin ständig steigender Belastungen ist dies eine unzumutbare weitere Belastung", heißt es in einer Stellungnahme des VDA.

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So erfolgreich war die Abgasnorm Euro 6d (Temp).

Warum Euro-7-Grenzwerte auch für E-Autos?

Die neuen Vorschriften sind kraftstoff- und technologieneutral. Wer denkt, E-Autos wären fein raus, irrt. Neben den Schadstoffen aus dem Auspuff berücksichtigt die neue Norm nämlich auch Partikel, die von den Bremsen oder den Reifen stammen – eine Weltpremiere, sagen die Gesetzgeber. Damit fallen auch Elektrofahrzeuge (eine Marktübersicht sehen Sie in der Fotoshow) und Plug-in-Hybride unter die Euro-7-Abgasnorm. Für Stromer sieht die EU-Kommission zudem eine Mindesthaltbarkeit ihrer Batterien vor. Nach fünf Jahren oder 100.000 Kilometern darf die Speicherkapazität der Batterie nicht unter 80 Prozent des ursprünglichen Werts fallen, nach acht Jahren oder 160.000 Kilometern sollen es 70 Prozent sein. Damit liegen die Grenzwerte im Bereich dessen, was auch die Autohersteller in ihren Garantien zusagen. Für Verbrenner soll künftig zudem die Lachgas-Emission reguliert werden, was für Transporter über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht eine besondere Herausforderung darstellt.

Ab wann soll Euro 7 gelten?

Die EU strebt eine Einführung für Juli 2025 an. Für schwere Nutzfahrzeuge soll die Abgasnorm zwei Jahre später gelten. Allerdings handelt es sich beim EU-Papier erst um einen Vorschlag, der noch vom EU-Parlament und den 27 Mitgliedsländern beschlossen werden muss, was im Schnitt 18 Monate dauert – also bis etwa Mitte 2024.

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Was sagt die Autoindustrie zu den Eckpunkten?

Deshalb hält der VDA die Euro-7-Grenzwerte bei Pkw für "terminlich nicht umsetzbar" und bei schweren Nutzfahrzeugen bis Juli 2027 für "technologisch kaum realisierbar". VDA-Präsidentin Hildegard Müller sagt: "Der Vorschlag der EU-Kommission setzt nicht auf Ausgewogenheit und Machbarkeit, sondern auf unrealistische Extrem-Ziele". Die Entwicklung und Genehmigung eines entsprechenden Antriebs bei einer Vorlaufzeit von nur einem Jahr nach erwartetem Abschluss der delegierten Rechtsakte sei nicht realisierbar. Der VDA fordert daher "dringend Verbesserungen" sowie "die Einführung von sinnvollen und realistischen Prüfbedingungen, die das Fahren in Europa in der Breite abdecken".

Was halten Umweltschützer von den geplanten Regeln?

Die genau entgegengesetzte Sichtweise haben Umweltschutzorganisationen formuliert. Jürgen Resch, der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), nennt die Vorschläge mit den aus seiner Sicht "schwachen Grenzwerten" einen "Kniefall vor der Autolobby" und den "Dieselkonzernen". "Es ist völlig unverständlich, warum die Kommission mit so laxen Grenzwerten mithilft, Autos unnötig dreckig zu belassen", sagt Tobias Austrup von Greenpeace. Es sei skandalös, dass die EU-Kommission mit ihrem Vorschlag die Gesundheit der Menschen hinter die Kostenrechnung der Autoindustrie stelle.

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Gut. Genau im richtigen Maße ambitioniert, ohne Verbrenner faktisch zu verbieten.
Schlecht. Ein fauler Kompromiss, der die Luftqualität kaum verbessern wird.

Fazit

Das von vielen Beobachtern erwartete und von einigen befürchtete "faktische Verbrennerverbot" tritt mit der Euro-7-Gesetzgebung – so sie denn mit den geplanten Grenzwerten verabschiedet wird – nicht ein. Tatsächlich scheinen die Auspuff-Grenzwerte (zumindest bei Pkw) nur in einem moderaten Maß verschärft zu werden, was Unmut bei Umweltschützern hervorruft. Eine erwartbare Reaktion. Mit der Kritik der Autoindustrie muss man bei neuen Regularien natürlich ebenso rechnen. Andererseits hätte man diesmal auch weniger Widerspruch vermuten können, weil man ja eben lange von erheblich strengeren Vorgaben ausgehen musste. Auch dass den Autobauern vor allem die aus ihrer Sicht kurze Zeitphase bis zur geplanten Einführung ein Dorn im Auge ist, überrascht angesichts dessen, wie lange die neue Norm schon diskutiert wird – unter anderem mit den Herstellern. Die unterschiedlichen Sichtweisen deuten darauf hin, dass in Bezug auf die finalen Euro-7-Grenzwerte das letzte Wort noch längst nicht gesprochen ist.

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