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Zero S 11kw Pendlertest
Zero neue Batterie 2022
1000 Meilen Elektrisch
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B196 Erweiterung im Detail: bis zu 59 PS erlaubt

Leistungslimit für den B196-Führerschein Wie E-Motorräder Verbrenner überholen

Der A1-Führerschein oder die Erweiterung B196 erlauben nur 11 kW Leistung – bei Verbrennern. Elektrisch sind deutlich mehr möglich. Warum und bei welchen Bikes wie viel Power mit dem "Jammerlappen" zu haben ist.

Im Pendlertest der Zero S wird klar: Wer mit dem B196-Schein oder dem A1-Führerschein elektrisch fährt, der kann aus maximal erlaubten 15-Verbrenner-PS mal fix 59 Elektro-PS machen. Noch eklatanter ist der Power-Aufschlag beim Drehmoment. Da bieten Elektromotoren konzeptbedingt deutlich mehr bei deutlich weniger Drehzahl – typischerweise liegt ihr Maximalwert gerne ab 1/min an.

Schafft ein 125er-Verbrenner mit viel Mühe 13 Nm bei hohen Drehzahlen, schiebt der E-Motor der Zero mit 109 Nm ab null Drehzahl. Trotzdem ist auch die Zero S mit der Führerscheinerweiterung B196, dem A1 oder dem alten 3er-Schein (bis 31. März 1980 erteilt) legal fahrbar. Wieso das so ist und welche elektrischen Motorräder mit über 15 PS sich mit dem kleinen Schein fahren lassen.

B196 erlaubt hohe Elektro-PS

Kurzer Ausflug in die Welt der Paragrafen: Den Grund für die hohe erlaubte elektrische Leistung in den Regularien der Fahrerlaubnisverordnung (FEV) zu suchen, liegt nahe, führt aber nicht zum Ziel. Die entsprechenden Paragrafen 6 und 6b grenzen zwar den Hubraum (auf maximal 125 Kubik) ein und legen sogar die Motorleistung auf maximal 11 Kilowatt fest. Von elektrischen Fahrzeugen steht hier aber kein Wort. Die wirkliche Ursache für die Großzügigkeit bei der E-Power findet sich in der deutschen Fahrzeug-Zulassungsverordnung (FZV). Im Paragraf 2,10 FZV werden Kleinkrafträder (A1 und B196) zwar mit einer Nennleistung von nicht mehr als 11 Kilowatt (14,96 PS) klassifiziert. Aber der Schlüssel verbirgt sich im Begriff Nennleistung.

Denn die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) schreibt in der Regelung Nummer 85 genau vor, wie die Nennleistung von Motoren in Fahrzeugen definiert ist. Der Verbrenner erreicht seine Nennleistung demnach über das maximale Drehmoment und Höchstleistung bei voll geöffneter Drosselklappe oder maximaler Förderleistung der Einspritzpumpe. Beim Elektromotor ist das anders: Nennleistung ist die mittlere Leistung, die der Motor innerhalb der vom Hersteller vorgeschriebenen Betriebsparameter über die Dauer von 30 Minuten leisten kann, nachdem er bereits drei Minuten bei 80 Prozent der Höchstleistung gelaufen ist. Jedoch: Die Drehzahl während der 30 Minuten ist vom Hersteller vorgegeben, muss aber mindestens 90 Prozent der Drehzahl der Höchstleistung entsprechen. Die Spitzenleistung des E-Motors kann nach dieser Vorschrift deutlich über 11 Kilowatt liegen, wird erfahrungsgemäß aber nur für einen kurzen Augenblick erzeugt. Weil die Maximalleistung vor allem beim Beschleunigen gefragt ist und das in aller Regel nicht ewig dauert, fällt die begrenzte Dauer der Höchstleistung weniger ins Gewicht: Die Zero fühlt sich entsprechend viel stärker an als 15 PS. Aber nicht immer.

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Achtung Drehmoment

109 Nm ab Umdrehung Eins klingen viel und sind es, wenn sie wirklich anliegen. Im Falle der Zero S überfällt das Drehmoment entgegen landläufiger Meinungsbildung nicht das Hinterrad wie ein Barbar. Die Kraft ist im niedrigen Geschwindigkeitsbereichen so fein und gut gesteuert, dass selbst bei kalt-feuchten Straßen am Kurvenausgang gelassen Vollgas gegeben werden kann, wenn man möchte. Wirklich anzuliegen scheinen die 109 Nm – so die Erfahrung im Betrieb – ab 50 km/h. Wer ab dieser Geschwindigkeit Vollgas gibt, bekommt den gerne zitierten Tritt ins Kreuz. Dessen Wirkung lässt bei der Zero bereits ab 120 km/h bis zur Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h wieder spürbar nach. An der im Verhältnis zur Leistung bescheidenen Vmax erkennt man auch, dass die 59 PS (rund 44 kW) eben keine Dauerleistung sind.

Die Zero S in der 11-kW-Version triebt ein hauseigener ZF 75.7-Motor an, der seine Höchstleistung von 44 kW bei 5.300 Touren liefert, aber maximal 7.500/min dreht. Sprich: Die einzuhaltende Drehzahl für den 30-Minuten-Test liegt zwischen 4.770 und 5.300/min, je nachdem, was der Hersteller zwingend angibt. Bei dieser genannten Drehzahl muss der Mittelwert der Dauerleistung 11 Kilowatt ergeben und die Abweichung darf nur +/- 5 Prozent über die Zeit betragen. Es muss also einen Drehzahlbereich geben, in dem Drehmoment und Leistung kurzzeitig sehr stark steigen. Diese Zahlen unterstreichen das Fahrgefühl mit dem enorm starken Fahrbereich zwischen 50 und 120 km/h. Danach wirkt das Drehmoment gedrosselt, durch die höhere Motordrehzahl dürfte die Leistung aber wohl gleich hoch bleiben.

Wie viel PS braucht ein Motorrad?

Wer dei Fahrwiderstände (vor allem den durchschnittlichen Luftwiderstand) eines Motorrades berücksichtigt, kann die nötige Leistung für eine bestimmte Geschwindigkeit gegen den Luftwiderstand einfach errechnen. PS=(km/h) /53) ^3. Das ergibt für 100 km/h eine benötigte Leistung von nur knapp sieben PS. Um den Luftwiderstand der Zero S bei 140 km/h zu überwinden, muss der Motor nur 18 PS aufwenden. Jüngst haben die Tester von MOTORRAD das per Datarecording bei einem Supersportler bestätigt. Die markanten 59 PS der Zero, die hier exemplarisch für alle Elektrokräder steht, dürften in den seltensten Fällen wirklich vom Motor in der Praxis geliefert werden müssen und nur bei den besagten 5.300 Touren kurzzeitig anliegen. Und darüber über das Drehmoment stark sinken. Genauso fühlt sich der Motor ab 120 km/h an und zeigt: Jederzeit verfügbare Dauerleistung ist nicht entscheidend, ein Motorrad mit einer Nennleistung von nur 15 PS kann sich viel stäker anfühlen.

B196 und trotzdem viel Kraft

Wer mit seinem A1-Schein, B196 oder dem alten 3er-Führerschein in großen Leistungsgenuss auf zwei Rädern kommen möchte, dem bieten sich einige Optionen:

Zero S

Zero S 11kw Pendlertest
Patric Otto

Die Zero S ist mit 11 Kilowatt Nennleistung eingetragen und wird mit einer Spitzenleistung von 44 Kilowatt oder 59 PS beworben. Sie leistet maximale 109 Nm Drehmoment und wiegt dabei nur 185 Kilogramm. Reichweite: theoretische 288 Kilometer innerorts. Ladezeit 230 Volt: 9,3 Stunden von auf 95 Prozent. Preis: ab 17.040 Euro.

Zero DS

1000 Meilen Elektrisch
Electric Cycle Riders

Die Enduro-Version der S mit gleicher Technik, größeren Rädern und mehr Sitzhöhe. Reichweite mit theoretischen 262 Kilometer innerorts etwas niedriger, dafür zum gleichen Preis. Der Akku beider Modelle hat eine Kapazität von 14,4 kWh.

BMW CE 04

Fahrbericht BMW CE 04
BMW Motorrad

Der neue Elektroroller von BMW ist seit 2022 am Markt und kann ab Werk auf 11 Kilowatt Nenndauerleistung gedrosselt werden. Die Maximalleistung gibt BMW in diesem Fall mit 23 Kilowatt oder 31 PS an. Offen hat der CE 04 15 Kilowatt Nennleistung und 31 Kilowatt maximal. Der Akku hat eine Kapazität von 7,7 kWh und soll 100 Kilometer Reichweite als 11-kW-Version bieten. Ladezeit: 3,3 Stunden von bis 100 Prozent. Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h. Preis: ab 11.990 Euro.

Alrendo TS Bravo

Alrendo TS Bravo Elektromotorrad
Alrendo

Die TS Bravo ist ein Exot auf dem europäischen Markt. Das Mittelmotorkonzept bietet neben den 11 Kilowatt Nennleistung bis zu 58 Kilowatt Spitzenleistung. Das Drehmoment liegt bei 117 Nm und soll die Bravo auf 135 km/h beschleunigen. Der Akku hat eine Kapazität von 17,4 kWh und soll 150 Kilometer Reichweite ermöglichen. Gewicht: 245 Kilogramm. Ladedauer: 4,0 Stunden von auf 100 Prozent. Preis: ab 11.000 Euro.

Rgnt Number One

RGNT No. 1 Classic Fahrbericht
Rossen Gargolov

Die beiden sehr klassisch gehaltenen Rgnt-Modelle Classic und Scrambler aus Schweden werden von einem Radnabenmotor angetrieben, der eine Nenndauerleistung von neun Kilowatt hat. Die Spitzenleistung liegt mit 21 Kilowatt weit darüber. Rgnt gibt ein Gewicht von 160 Kilogramm an. Die Akku-Kapazität von 9,5 kWh soll die Kräder theoretisch 150 Kilometer weit bringen. Höchstgeschwindigkeit 120 km/h. Ladedauer: 3,0 Stunden. Preis: ab 14.495 Euro.

Fazit

Es klingt wild und chaotisch: Durch gleiche Worte mit unterschiedlichen Deutungen ist es möglich, mit dem A1 oder B196-Schein derzeit legal bis zu 59 Elektro-PS fahren zu dürfen. Die Nennleistung von Verbrenner- und Elektromotoren in Fahrzeugen wird von der EU unterschiedlich definiert. In der deutschen Zulassungsordnung sind Leichtkrafträder, also landläufig 125er, rein nach Nennleistung, Mindestgewicht und Hubraum definiert. Die behördliche Nennleistung ist die technische Dauerleistung für E-Motoren und immer deutlich niedriger als die Spitzenleistung. Und die deutsche Fahrerlaubnis-Verordnung referiert bei den Fahrklassen A1 und B196 ebenfalls nur auf die Zulassungsordnung.

Jedoch: Das bedeutet nicht, dass im Falle der Zero S Berge von Drehmoment über das Rad herfallen, ständig die maximalen 59 PS drücken und der Ritt auf der Kanonenkugel droht. Tatsächlich kommt das Drehmoment bei diesem Modell sehr fein moduliert an, keine Spur von Überfall. Selbst bei Feuchte und Kälte überfordert die Zero nie. Und die PS? Da nach Norm die elektrische Nennleistung bei mindestens 90 Prozent der Höchstdrehzahl geprüft werden, sind die zusätzlichen PS eher als Boost zu sehen.

Die Höchstgeschwindigkeit passt ins Bild: Mit ihren 59 PS wird die Zero S 140 km/h schnell. Doch für diese Geschwindigkeit braucht ein Motorrad nur um die 18 PS Leistung. Das liegt zwar leicht über der Nennleistung von 125er-Verbrennern, aber entspricht nicht der Leistungsorgie die man aus den nominellen Angaben zu vermuten wäre. Jedoch: Mit 16 und dem A1-Schein locker 140 fahren zu können, wenn die Kumpels sich mit Mühe auf 110 km/h schwingen, ist womöglich nicht Sinn der Sache.

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