Nach Einschätzung der Fraktion könnten dadurch zusätzliche Fahrstunden vermieden werden, die Fahrschüler während längerer Wartezeiten häufig absolvieren müssen. Der Vorstoß ist Teil einer Debatte über die steigenden Kosten des Führerscheins, die inzwischen durchschnittlich bei rund 3.400 Euro liegen.
CDU schlägt neue Aufgabe für erfahrene Fahrlehrer vor
Nach den Vorstellungen der CDU sollen nicht aktive Fahrlehrer ihre eigenen Fahrschüler prüfen, so berichtet die Deutsche Presseagentur (dpa). Stattdessen geht es um erfahrene Fahrlehrer, die nicht mehr an einer Fahrschule tätig sind und künftig als Fahrprüfer eingesetzt werden könnten.
Der CDU-Landtagsabgeordnete Marcel Scharrelmann verweist darauf, dass in mehreren Regionen Niedersachsens insbesondere während der Sommermonate seit Jahren Engpässe bei praktischen Führerscheinprüfungen bestehen. Wie viele zusätzliche Prüfer benötigt würden, lasse sich derzeit nicht seriös beziffern. Aus Sicht der CDU seien jedoch mehr qualifizierte Prüfer und zusätzliche Prüfungsanbieter erforderlich. Zugleich sieht die Fraktion in dem Vorschlag eine neue berufliche Perspektive. Die Möglichkeit, später in den Prüferdienst zu wechseln, könne den Beruf des Fahrlehrers attraktiver machen.
Fahrlehrerverband hält den Vorschlag für nachvollziehbar
Der Fahrlehrerverband Niedersachsen steht der Idee grundsätzlich offen gegenüber. Der Vorsitzende Klaus Napierski sagte gegenüber dpa: "Es ist nur schwer einzusehen, dass die Person, die für die Ausbildung verantwortlich ist, nicht auch in der Lage ist, die Prüfung abzunehmen."
Nach Angaben des Verbandes hängt der Prüfermangel stark von der jeweiligen Region ab. Während ausreichend Prüfer mancherorts vorhanden seien, müssten praktische Prüfungen andernorts nach Ausfällen verschoben werden. Dadurch entstünden längere Wartezeiten.
Auch Napierski hält es für möglich, dass eine spätere Tätigkeit als Prüfer den Beruf des Fahrlehrers attraktiver machen könnte. Innerhalb des Berufsstandes werde dieser Ansatz wegen des Fachkräftemangels allerdings unterschiedlich bewertet.
Höhere Führerscheinkosten haben mehrere Ursachen
Der Fahrlehrerverband macht deutlich, dass der Prüfermangel nicht als Hauptursache für die gestiegenen Führerscheinkosten angesehen werden könne. Nach Einschätzung des Verbandes haben vor allem gestiegene Personalkosten in den Fahrschulen zu höheren Preisen geführt. Napierski erklärte gegenüber dpa, über viele Jahre habe ein starker Preiswettbewerb zwischen den Fahrschulen geherrscht. Erst der zunehmende Fahrlehrermangel habe höhere Löhne erforderlich gemacht. Diese Entwicklung sei aus Sicht des Verbandes notwendig gewesen, habe aber zugleich die Ausbildung verteuert.
Zur Einordnung verweist der Verband auf die Entwicklung der Einkommen. Um das Jahr 2000 habe eine Fahrausbildung rund 1.200 bis 1.500 Euro gekostet. Auszubildende hätten damals monatlich etwa 500 Euro verdient. Im Jahr 2025 habe der Preis für den Führerschein zwischen 3.000 und 3.400 Euro gelegen, bei einer Ausbildungsvergütung von rund 1.100 Euro im Monat. Das Verhältnis zwischen Einkommen und Führerscheinkosten habe sich damit nach Einschätzung des Verbandes kaum verändert.
Bund plant weitere Änderungen bei der Fahrausbildung
Parallel dazu arbeitet der Bund an einer umfassenden Reform der Fahrausbildung. Das Bundeskabinett hat eine umfassende Reform der Fahrausbildung beschlossen, die den Führerschein günstiger und flexibler machen soll. Künftig sollen Theorieunterricht vollständig online möglich, der Fragenkatalog auf rund 840 Fragen reduziert und das Bewertungssystem der Theorieprüfung vereinfacht werden.
Auch die praktische Ausbildung soll flexibler werden: Statt zwölf fest vorgeschriebener Sonderfahrten soll sich deren Umfang am Ausbildungsstand orientieren, Fahrsimulatoren dürfen deutlich umfangreicher eingesetzt werden und die Schaltwagen-Ausbildung wird verkürzt. Zudem ist eine kürzere praktische Prüfung geplant, um mehr Prüfungstermine zu ermöglichen. Erleichterungen für den Zugang zum Beruf des Fahrerlaubnisprüfers, digitalisierte Verwaltungsabläufe, mehr Transparenz bei Fahrschulkosten sowie ein Modellversuch für private Begleitfahrten vor der praktischen Prüfung gehören ebenfalls zum Reformpaket. Die Änderungen sollen nach Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens Anfang 2027 in Kraft treten.











