Nach Informationen der Heilbronner Stimme wird im Volkswagen-Konzern über eine mögliche Rückkehr von Audi an die Börse nachgedacht. Das Thema soll unter anderem auf der Sitzung des VW-Aufsichtsrats am 9. Juli zur Sprache kommen. Hintergrund seien die wirtschaftlichen Herausforderungen des Konzerns, darunter die schwächere Entwicklung auf dem chinesischen Markt sowie Belastungen durch US-Zölle. Gleichzeitig stehen hohe Investitionen in Elektromobilität, Softwareentwicklung und die laufende Transformation des Unternehmens an.
Dem Bericht zufolge arbeitet bereits seit mehreren Monaten eine interne Arbeitsgruppe an möglichen Szenarien für einen Börsengang. Die Leitung sollen Volkswagen-Finanzvorstand Arno Antlitz und Audi-Finanzvorstand Jürgen Rittersberger übernommen haben. Ziel eines solchen Schritts wäre die Beschaffung zusätzlichen Kapitals für die künftige Ausrichtung des Konzerns.
Seit 2020 nicht mehr an der Börse
Audi ist zwar weiterhin als Aktiengesellschaft organisiert, befindet sich jedoch seit 2020 vollständig im Besitz von Volkswagen. Damals wurden die verbliebenen Minderheitsaktionäre im Rahmen eines sogenannten Squeeze-outs abgefunden. Für jede Aktie erhielten sie 1.551,53 Euro. Seitdem sind keine Audi-Aktien mehr frei handelbar.
Ein möglicher Börsengang würde an das Vorgehen bei Porsche erinnern. Volkswagen brachte die Sportwagenmarke im September 2022 an die Börse und erzielte dadurch Einnahmen von mehr als neun Milliarden Euro. Die Entwicklung der Porsche-Aktie verlief allerdings wechselhaft. Nach dem Ausgabepreis von 82,50 Euro stieg der Kurs zunächst auf über 120 Euro, fiel in den folgenden Jahren jedoch deutlich zurück. Am 24. Juni 2026 notierte die Aktie bei 44,70 Euro.
Gewinn soll steigen
Parallel dazu arbeitet Audi an einer Verbesserung seiner Ertragslage. Im Geschäftsjahr 2025 erreichte der Audi-Konzern, zu dem auch Bentley, Ducati und Lamborghini gehören, eine operative Rendite von 3,9 Prozent. Finanzvorstand Jürgen Rittersberger erklärte gegenüber der Heilbronner Stimme: "Wir wollen mit dem Audi-Konzern langfristig eine zweistellige Rendite erzielen." Für das laufende Jahr hält das Management sechs bis acht Prozent für realistisch. Bis Anfang des kommenden Jahrzehnts soll eine operative Marge von zehn Prozent möglich sein. Einen Beitrag dazu soll unter anderem der angekündigte Abbau von 7.500 Stellen bis Ende 2029 leisten, der Einsparungen von rund einer Milliarde Euro pro Jahr ermöglichen soll.
Offen ist, wie die Bewertung von Audi im Falle eines Börsengangs ausfallen würde. Beim Squeeze-out 2020 wurde Audi in einem Wertgutachten der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers mit 66,7 Milliarden Euro bewertet. Eine aktuelle offizielle Unternehmensbewertung existiert nicht, da die Marke seitdem vollständig Volkswagen gehört.












