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Jetzt auch schlaue Smartphone-Blitzer in den Niederlanden

Niederländische Polizei blitzt Handysünder am Steuer

Kürzlich kündigte die australische Polizei den Einsatz von Smartphone-Blitzern an. Jetzt zieht die niederländische Polizei im Kampf gegen Handysünder am Steuer nach.

Die Nutzung des Smartphones am Steuer mit laufendem Motor ist nicht nur in Deutschland verboten – wegen der hohen Ablenkungsgefahr belegen viele Länder diese Art der Handynutzung mit Strafen. Bei der Jagd nach Handysündern möchte sich die Polizei nicht mehr auf Zufallstreffer verlassen – jetzt kommen spezielle Smartphone-Blitzer zum Einsatz. Der australische Bundesstaat New South Wales blitzt bereits Fahrer, die ihr Smartphone während der Fahrt in die Hand nehmen. Jetzt kommen die Spezialkameras auch nach Europa – als erstes setzt sie die niederländische Polizei ein.

KI-Algorithmen sollen vorsortieren

Wie in Australien, so arbeiten auch die niederländischen Blitzer mit sogenannter Künstlicher Intelligenz (KI). Die KI-Algorithmen sortieren sämtliche Fotos aus, auf denen der Fahrer gar nicht mit einem Smartphone hantiert. Die übrigen Bilder überprüfen die Beamten dann persönlich. Handysündern drohen in den Niederlanden Bußgelder in Höhe von 240 Euro.

Keine Gesichtserkennung

In einem ersten Testlauf setzt die niederländische Polizei zwei mobile Blitzgeräte ein, die dank Infrarotlicht auch nachts funktionieren. Auf eine mögliche Gesichtserkennung verzichtet die Behörde. Dies ist zum einen aus datenschutzrechtlichen Gründen problematisch, zum anderen scheint die dafür nötige Technik noch nicht ausgereift zu sein. Bei einem Testlauf in New York im Frühjahr 2019 erkannte das System auf Grund der hohen Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Autos kein einziges Gesicht.

Australien bereits mit sehr erfolgreichem Probelauf

Der australische Bundesstaat New South Wales hat die Nase voll von Autofahrern, die während der Fahrt ihr Handy in die Hand nehmen. Deshalb kündigte Verkehrsminister Andrew Constance jetzt an, im Kampf gegen lenkende Smartphone-Nutzer Spezialkameras einzusetzen.

In Australiens bevölkerungsreichstem Bundesstaat steigt die Zahl der Unfälle, die durch einen vom Smartphone abgelenkten Fahrer verursacht wurden. Laut Experten erhöht sich bei einer Smartphone-Nutzung hinterm Steuer die Unfallwahrscheinlichkeit um das Vierfache. Constance ist der Überzeugung, dass eine Handynutzung hinterm Steuer mit Alkohol hinterm Steuer gleichzusetzen ist. Deshalb kündigt der Verkehrsminister bis Dezember 2019 den Einsatz von 45 über den gesamten Staat verteilten Überwachungssystemen an – einige für den stationären Betrieb, andere für den mobilen Einsatz an wechselnden Orten.

Handy am Steuer Telefon
TÜV Nord
In den meisten Ländern verboten: Die Nutzung eines Smartphons bei laufendem Motor hinterm Steuer.

Überwachung mit Doppel-Kamera

Diese Systeme enthalten zwei Kameras. Eine Kamera fotografiert das Nummernschild, eine zweite blitzt von oben durch die Frontscheibe in die Fahrzeuge hinein und erzeugt so Bilder, auf denen die Hände des Fahrers zu sehen sind. Als „künstliche Intelligenz“ bezeichnete Algorithmen sollen in den Dateien erkennen, ob der Fahrer tatsächlich ein Smartphone in den Händen hält – die Beamten der Verkehrspolizei schauen sich nur diese Bilder genauer an. Erwischen Sie einen Fahrer mit einem Telefon in der Hand, muss dieser 344 australische Dollar (aktuell umgerechnet zirka 212 Euro) Strafe zahlen.

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Hersteller / Patrick Lang
In beiden Händen Smartphones: Solche Fotos machten die austtralischen Anti-Handy-Kameras in der Testphase. Jetzt kommen die Überwachungssysteme im gesamten Bundesstaat New South Wales zum Einsatz.

Zwei fest installierte Überwachungs-Systeme hat die Polizei von New South Wales bereits ein halbes Jahr lang getestet. Die Behörde überprüfte damit 8,5 Millionen Fahrzeuge, wobei ihr 100.000 Handysünder ins Netz gingen. Ein Fahrer nutzte sogar sein Telefon und sein Tablet gleichzeitig, ein anderer ließ den Beifahrer lenken, während er zwei Telefone bediente. Bis zum Jahr 2023 möchte die Regierung von New South Wales 135 Millionen Überprüfungen pro Jahr durchführen – in dem Bundesstaat sind 5,2 Millionen Fahrzeuge zugelassen. Die Regierung hat errechnen lassen, dass eine verstärkte Kamera-Überwachung jährlich angeblich bis zu 100 tödliche oder schwere durch Smartphone-Missbrauch verursachte Verletzungen verhindert. Im vergangenen Jahr sank die Zahl der in dem Bundesstaat tödlich im Straßenverkehr verunglückten Personen um 35 auf 354.

Handy Smartphone am Steuer Unfall Risiko Gefahr
pexels / SplitShire
Der Verkehrsminister des australischen Bundesstaates New South Wales setzt die Nutzung eines Handy hinterm Steuer mit Alkohol hinterm Steuer gleich.

Verkehrsclub wünscht sich Vorwarnung

Ein Sprecher des australischen Verkehrsclubs National Roads and Motorists’ Association kritisiert, dass die Überwachungen ohne Vorwarnung erfolgen. Der Club begrüßt es zwar, dass durch Telefone abgelenkte Fahrer Strafen erhalten, möchte aber eine Warnung vor den Kontrollen. Bei Geschwindigkeits-Messungen gibt es in Australien solche Vorwarnungen.

In diesem Jahr bekamen in New South Wales bereits 16.500 Fahrer Geldstrafen wegen illegaler Handynutzung. In Australien darf der Fahrer während der Fahrt nicht das Handy in die Hand nehmen – mit zwei Ausnahmen: Er gibt das Smartphone an einen Mitfahrer weiter oder er benutzt das Handy, um bei laufendem Motor in einem Drive-in zu bezahlen.

Umfrage

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Ist eine stärkere Überwachung von Handysündern am Steuer auch in Deutschland nötig?
Auf jeden Fall: Ich sehe jeden Tag Fahrer, die telefonieren oder texten.
Nein, wir haben schon mehr als genug Überwachung.

Fazit

Die direkte Nutzung von Smartphones hinterm Steuer lenkt ab und führt immer wieder zu schweren Unfällen. Dies schreckt allerdings anscheinend einige Verkehrsteilnehmer nicht ab. Die Strafen für das In-die-Hand-nehmen eines Mobiltelefons während der Fahrt steigen ständig. In Deutschland kostet der Verstoß inzwischen mindestens 100 Euro, hinzu kommt ein Punkt in Flensburg. In Kombination mit einer Gefährdung sind 200 Euro fällig, dazu gibt es zwei Punkte und einen Monat Fahrverbot.

Eine abschreckende Wirkung entfalten Strafen allerdings nur, wenn sie konsequent zur Anwendung kommen – dafür ist wiederum eine engmaschige Überwachung nötig. Allerdings wohnt jeder weiteren Überwachung die Gefahr eines Missbrauchs inne. Die Regierungen von New South Wales und den Niederlanden haben aber der Aussicht auf eine höhere Verkehrssicherheit den Vorzug gegenüber Datenschutz-Interessen gegeben. Auf eine Gesichtserkennung verzichten die Niederlande ausdrücklich – sie ist dort zum einen rechtlich nicht möglich, zum anderen hat ein Testlauf in New York gezeigt, dass Gesichtserkennungen von in fahrenden Autos sitzenden Insassen noch nicht funktionieren.

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