Erlkönige auf Abwegen

Pleiten, Pech und Pannen

Der Job des Testfahrers ist voller Gefahren. Schnee, Hitze, Highspeed und immer auf der Hut, mit dem Prototypen nicht von einem Erlkönig-Jäger erwischt zu werden.

Pleiten, Pech und Pannen passieren auch bei der Erprobung von von neuen Modellen – egal ob vom Mensch oder der Maschine verursacht. Es gibt so Tage, da wünscht man sich, man wäre ganz alleine auf der Welt. Ohne Schnee, ohne Kollegen und vor allem ohne Fotografen.

Auch professionelle Testfahrer sind auf der härtesten Rennstrecke der Welt – dem Nürburgring – nicht vor Abflügen oder Systemfehlern gefeit. Im aktuellen Fall hat es den neuen Porsche 911 GT3 erwischt. Der wollte in der Anfahrt zum Streckenabschnitt Hatzenbach nicht mehr und versagte den Dienst. Sehr zur Freude von unserem Fotografen, der den Prototypen aus nächster Nähe abschießen konnte. Und dafür hatte er auch ausnahmsweise mal Zeit, denn die Bergung des Havaristen dauerte eine Weile. Näheres zum technischen Defekt ist nicht bekannt, aber vielleicht ist das Selbstbewusstsein des Testfahrers ein wenig angekratzt.

Erlkönig Porsche 911 GT3 Panne Nürbungring
Erlkönig Porsche 911 GT3 Panne Nürbungring Erlkönig Porsche 911 GT3 Panne Nürbungring Erlkönig Porsche 911 GT3 Panne Nürbungring Erlkönig Porsche 911 GT3 Panne Nürbungring 65 Bilder

Die weiteren Pannen und Pleiten der letzten Monate und Jahre:

Toyota Supra

Ein Abflug auf der Nordschleife ist schnell passiert. Ein Abflug auf der Döttinger Höhe eher ungewöhnlich. Aber genau das ist einem Toyota-Testfahrer jetzt mit einem Supra-Erlkönig widerfahren. Der Supra ist auf gerader Strecke aus ungeklärten Umständen rechts in die Leitplanke eingeschlagen und auf dem linken Teil der Strecke zum stehen gekommen. Der Prototyp wurde dabei auf der rechten Seite an der Front und dem hinteren Radkasten beschädigt. Die Radaufhängung ist ebenfalls gebrochen. Auch wenn ein Rettungswagen vorort war, der Fahrer kam unbeschadet davon.

Porsche Mission E

Porsche Mission E Panne
SB-Medien

Schneefall, Winter, Polarkreis: Porsche testet ausgiebig den Mission E bei harten Winterbedingungen. Allerdings scheinen die dem 600 PS Elektrosportwagen nicht ganz so zu schmecken. Dem rund 95.000 Euro teuren Strom-Sprinter ging die Luft respektive der Strom aus. Und ohne Strom stromert es sich schlecht. Also musste das Rescue-Team von Porsche mit Cayenne und Abschleppstange anrücken, um den Mission E zurück ins Testcenter zu schleppen. Bis 2020 haben sie ja noch Zeit, den Fehler zu finden und die Batterie aufzuladen ...

Audi A7 in Flammen

Sonne, Frühling, Alpen: Es hätte ein schöner Arbeitstag für den Audi-Testfahrer werden können – würde da nicht 20 Meter weiter am Straßenrand sein Arbeitsgerät lichterloh brennen. Immerhin konnte er noch das Bremsgespann sicher am Straßenrand abstellen und fliehen. Doch der herbei geeilte Straßenarbeiter mit Handfeuerlöscher konnte die Katastrophe nicht mehr verhindern.

Erlkönig Audi A7 Feuer
Carpix
Der Audi brannte völlig aus.

Der Audi A7-Prototyp brannte bis auf das Grundgerippe ab, die Feuerwehr hatte da auch nicht mehr so viel zu löschen und musste schlussendlich die jämmerlichen Überreste zusammenkehren. Immerhin hat der Bremsanhänger nicht ganz so viel abbekommen. Und für die unverletzten Fahrer hieß das vorzeitiger Feuer... ähhh Feierabend.

Havarierter Mercedes-AMG E 63

So ein Auto muss fahren, das ist der Sinn einer Erprobungsfahrt. Wenn dabei was kaputt geht, auch gut, passiert das wenigstens nicht beim Kunden. Die beiden Testfahrer mussten ihren Mercedes-AMG E63 mit Motorproblemen an einer Kreuzung abstellen – nichts ging mehr. Außer beim Fotografen. Der hatte genug Zeit, den Havaristen von allen Seiten zu fotografieren. Die eilig herbei geholte Hilfe kam dann auch – irgendwann.

Camaro knutscht Leitplanke

Chevrolet erprobt auf der Nordschleife die ganz heiße Version des neuen Camaro – den Z/28, der speziell für den Rundstreckeneinsatz abgestimmt wird. Aber auch alle Renngene schützen nicht vor Fahrfehlern. Eine kleine Unachtsamkeit und schon ging es im Adenauer Forst ab in die Leitplanke. Außer Blechschaden und einem angekratzen Fahrer-Ego gab es hierbei allerdings nichts zu beklagen.

Mini macht Sachen

Erlkönig Mini Cabrio
Stefan Baldauf

Gerade eben erst wurde das neue Mini Cooper Cabrio präsentiert, da erreichen uns Bilder von der Testfahrt, wo sich der Kleine nicht ganz so brav benimmt. Tatort: Nürburgring, erste Kurve. Tatwerkzeug Mini Cabrio mit kalten Reifen. Tathergang: Übersteuern. Täter: Testfahrer von Mini. Zeugen: Erlkönig-Fotograf von auto motor und sport. Geschädigte: Selbstbewusstsein.

BMW trifft Polizei

Eigentlich wollte der BMW-Testfahrer mit seinem BMW 7er-Erlkönig die Samstag-Nacht (28.3.) nutzen, um kamerabasierte Fahrerassistenzsysteme zu testen – im wahrsten Sinne des Wortes kam ihm dabei die Polizei dazwischen. Die Bilanz der Testfahrt, nach Angaben der Stuttgarter Nachrichten: 150.000 Euro Sachschaden und leider auch 3 leicht verletzte Polizisten.

Erlkönig-Crash Stuttgart
7aktuell.de/Eyb

Was war passiert: Der 42 Jahre alte Testfahrer fuhr bei Grün über die Ampel einer großen Kreuzung in Stuttgart, als wohl gleichzeitig von links ein Mercedes Sprinter mit Blaulicht und Martinshorn in die Kreuzung einfuhr. Der 30-jährige Polizist hat den BMW wohl nicht bemerkt, so erging es offensichtlich auch dem  BMW-Fahrer und seinem Assistenzsystem, das Einsatzfahrzeug bleib unentdeckt – bis zum Aufeinandertreffen. Dabei wurde der Polizei-Mercedes mit 2 weiteren Polizisten an Bord gegen den Bordstein gedrückt und kippt anschließen um. Nach Angaben von BMW gegenüber den Stuttgarter Nachrichten, blieb der Testfahrer unverletzt. Was man von seinem Arbeitsgerät nicht gerade behaupten kann. Die Schuldfrage soll nun ein Gutachter klären.

Ironie am Rande, auf der der Abdeckfolie, die den Erlkönig während der Ermittlungen bedeckte, war auch gleich die Rücksende-Adresse vermerkt: „Eigentum BMW AG Versuchsfahrzeugbau Rücksendung bitte an ...“

Erlkönig Honda NSX
Erlkönig Honda NSX auf Testfahrt
1:28 Min.

Erlkönig Honda NSX brennt völlig aus

Und dann gibt es so Tage, da wünscht man sich, man wäre ganz alleine auf der Welt. Alleine mit sich, seinem brennenden Sportwagen und vielleicht noch ein paar helfenden Händen. Ganz sicher wünscht man sich keinen Fotografen, doch unser Erlkönig-Jäger ist fast immer zur Stelle, wenn es am Ring heiß hergeht – in diesem Fall sogar wortwörtlich. Denn gegen Donnerstagmittag (24.07.2014) stellte die Besatzung des Honda NSX ihr Arbeitgerät nach der 2. Sprungkuppe im Bereich Pflanzgarten ab – soweit nicht so spektakulär.

Doch kaum stand der Hybrid-Renner, schlugen aus dem Heckbereich in dem sich die Batterie, der V6 und ein E-Motor befinden, die Flammen. Auch der Versuch mit einem Bordfeuerlöscher die Tragödie zu verhindern, scheiterte. So blieb den beiden Piloten nichts weiter übrig, als auf die E-Unit des Nürburgrings zu warten, während der NSX in Windeseile ein Raub der Flammen wurde. Am Heck schmolzen Scheibe und Schürzen, zwei Explosionen der Hochvoltbatterien begleiteten das komplette Ausbrennen.

Rückblick:

Porsche 911 Turbo: Nürburgring, Leitplanke geküsst. Fahrer unverletzt.

BMW i8: Abflug in den Graben, kein Abschlepphaken, Bagger muss helfen.

BMW 7er Plugin-Hybrid: Panne auf der Straße, warten auf den Abschlepper.

Mercedes C-Klasse: Crash ausgerechnet vor dem auto motor und sport-Gebäude in Stuttgart. Also raus und Bilder machen.

Audi S1: Treffpunkt Schneewehe nach Flucht.

BMW M3: Abflug Metzgesfeld. Prototyp nicht mehr fahrbereit, Fahrer unverletzt.

Range Rover Sport: Abflug im Streckenabschnitt Breidscheid und schlug rechts in die Mauer ein. Totalschaden, beide Räder abgerissen, Fahrer unverletzt. Huckpack zurück zum Start.

Mercedes SLS AMG Black Series: Abflug – machte auf den Ring seinem Namen Ehre und brannte kurzerhand in einer schwarzen Wolke bis aufs Grundgerüst ab. Fahrer und Beifahrer (beides Testfahrer) konnten sich frühzeitig aus dem Prototyp retten.

BMW X5: Nürburgring-Havarie. Rückkehr Huckepack ins BMW Testcenter.Porsche 911: Porsche-Icetrack-Einfahrt verpasst, Schneewehe geküsst. „Scheiße“, sagt der Fahrer. Wenn das die Kollegen sehen, dann lachen die mich aus. Mann, was ist das peinlich.„ Zwischen zwei Lachanfällen wird der Kollege dann doch gerettet.

Audi R8 E-Tron: Dreher im Pflanzgarten, Einschlag in die Leitplanke, Aufhängung gebrochen, Huckpack zurück in die Werkstatt, Fahrer wohlauf.

BMW M6: Langstreckenerprobung, Abflug in der Fuchsrühre nach 292 von 300 Runde, Fahrer unverletzt, Bergung per Gabelstapler.

BMW M6: Abflug in der Nähe des Galgenkopfs, Leitplanke : BMW = 1 : 0.

Verkehr Verkehr Mercedes SLS AMG Black Series Mercedes SLS AMG Black Series auf der L.A. Auto Show Die ultimative Schwarzrennerei

Nachdem AMG den SLS als GT-, GT3- und Elektroversion vorgestellt hat, wird...

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