An die Hiobsbotschaften Absatzrückgang und Gewinneinbruch haben sich die meisten bei deutschen Autoherstellern gewöhnt, bei Volkswagen glaubt sogar das Management an eine existenzgefährdende Situation. BMW stand zuletzt besser da. Viele führten das darauf zurück, dass die Münchner nicht Hals über Kopf zu schnell, zu radikal und zu Lasten ihrer Verbrennermodelle in die Antriebswende einbogen, optisch oder beim Vertrieb keinen Unterschied zwischen Benzinern, Dieseln, PHEV oder i-Modellen machten, ihre Strategie nach den ersten Stockungen beim Hochlauf der E-Mobilität nicht teuer anpassen mussten.
Muss selbst BMW Stellen abbauen?
Aber jetzt klopfen die Probleme aus den USA und vor allem China auch an die Türen des Vierzylinders. Gewinnwarnung ist raus, das Gespenst vom Stellenabbau geistert durch den Blätterwald. Für die USA besteht Hoffnung, dass es nicht ganz so schlimm wird, denn BMW produziert in Spartanburg und ist größter Exporteur von Autos aus den USA. Aber gerade das Minus (12 Prozent) in China war bei genauer Betrachtung schon im Jahresergebnis 2025 sichtbar. Der bis ca. 2022 boomende Markt im Reich der Mitte gibt einerseits immer mehr nach und ist andererseits in Richtung New Energy Vehicles (BEV und PHEV) gekippt. Gerade bei den E-Autos herrscht ein erbarmungsloser Verdrängungswettbewerb. Mehr als 100 chinesische Marken werben in einem besinnungslosen Preiskampf um Kunden.
Hier verliert BMW wie alle europäischen Hersteller kontinuierlich Marktanteile. Wenig hilfreich: Die bis zur Einführung der Neuen Klasse (iX3 und i3) antriebstechnisch agnostische Bauweise von BMWs hat die E-Modelle vermutlich mit mehr Kompromissen behaftet als die Verbrenner und preislich kann die Münchner Marke in China genauso wenig mithalten, wie die anderen. Als einzige ausländische Marke kann Tesla noch große Stückzahlen an E-Autos in China verkaufen (2025: rund 626.000).
Von Teslas technischem Vorsprung bleibt ein Preisvorteil
Die US-Marke ist auch nach Jahren gerade bei den Preisen hierzulande noch überlegen. Das Model 3 Performance kostet unter 60.000 Euro, den vergleichbaren BMW i3 50xDrive gibt’s ab Herbst für 65.300 Euro und ab sofort als First-Edition-Sondermodell für schlappe 75.340 Euro.
Sprich: Im Export sind die deutschen Hersteller in den USA wegen Zöllen, steigenden Spritpreisen und unsicherer Konjunktur mit Verbrennern unter Druck, in China wegen nicht konkurrenzfähiger E-Auto-Technik und Preise. Das Aus vom Verbrenner-Aus in Europa mag zwar aus manchem Grund vernünftig sein, den Autoherstellern würde es allerdings nicht wirklich helfen: Sie dürften dann zwar hierzulande weiter renditestarke Verbrenner verkaufen. Nur ob der Markt die nach 2035 noch abnehmen wird, darf nach der jüngsten (zweiten) Preiseskalation beim Sprit inzwischen bezweifelt werden. Auch in Europa scheint der Kipppunkt Richtung E-Mobilität schnell näherzurücken, in Deutschland lag der E-Autoanteil im April und Mai bei etwa einem Viertel.
Wenigstens in Europa sollten die Europäer E-Autos verkaufen
Und damit wird das der nächste Markt, auf dem chinesische Hersteller die europäischen unter Druck setzen. Denn Chinas Autobauern ist angesichts wachsender Überkapazitäten zu Hause renditeschwaches Absatzwachstum lieber als keines – und die größten E-Autobauer wird der chinesische Staat nicht bankrottgehen lassen.
Die europäische Politik reagiert mit Schutzzöllen, zunächst für E-Autos, demnächst für PHEVs aus China. Dort hat man allerdings angesichts der Abhängigkeit aller vom chinesischen Markt und den dort hergestellten Batterien ein ganzes Arsenal an Reaktionsmöglichkeiten, wie etwa die Steuer auf Luxusautos kürzlich bewies, die vorwiegend die Deutschen empfindlich traf.
Billiger Strom statt Aus vom Verbrenner-Aus
Von der Leyen, Merz & Co. sollten also substanziellere und strategisch sinnvollere Maßnahmen in Erwägung ziehen: Eine Unterstützung europäischer Autobauer, die Batterien und E-Autos entwickeln sowie herstellen wollen, statt sich auf unproduktive Regulatorik und kontraproduktive Geldstrafen für die in immer größere Schieflage geratene Industrie zu fokussieren. Das haben die Chefs der deutschen Autobauer im Panel bei unserer BEST-CARS-Veranstaltung auch gefordert – der Widerstand gegen das Verbrenner-Aus war vielleicht lauter, meint aber letztlich dasselbe.
Denn letztlich bekennen sich alle zum E-Antrieb, sie investieren auch entsprechend, wollen aber keine Strafe zahlen, wenn sie es nicht schnell genug schaffen. Der Antriebswende helfen andere Maßnahmen mehr: Eine Senkung des Strompreises, wie sie sogar Oliver Blume gefordert hat, oder die Förderung günstiger (also nicht fossiler) Energie-Erzeugung. Beides unterstützt nicht nur die E-Autos, sondern auch Industrie und Verbraucher.





