Kommentar: Die deutsche Verkehrsplanung ist schlecht auf den Klimawandel vorbereitet

Gefahr im Verkehr durch Hitzewelle
Die Klimaänderung hat Deutschland kalt erwischt

ArtikeldatumVeröffentlicht am 28.06.2026
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Hitze im Auto
Foto: Getty Images

Hitzerekorde purzeln, Bus und Bahn sind den hohen Temperaturen offenkundig nicht mehr gewachsen, und wer Kind oder Hund im Auto zurücklässt, riskiert deren Leben – und zwar bereits nach sehr kurzer Zeit. Da viele Straßen kaum Schatten spenden, heizen sich Fahrzeuge sehr schnell auf über 60 Grad auf. Noch viel schlimmer ist die Lage auf Autobahnraststätten, weil deren Parkplätze trotz der großen Flächen kaum beschattet werden.

Innenstädte heizen sich seit Jahrzehnten immer stärker auf – und deshalb brauchen wir dringend neue Schutzmechanismen auf dem Mobilitätssektor. Denn es geht ja nicht nur um Auto- und Lkw-Fahrer. Was ist mit Radfahrern, die bei glühender Mittagshitze minutenlang an großen Verkehrskreuzungen stehen? Wer schützt Fußgänger, wenn sie bei sengender Hitze Ampelanlagen kreuzen müssen? Können Menschen mit Kreislaufproblemen überhaupt noch den Besuch in einer City riskieren, wenn sie nicht wissen, ob Rolltreppen oder Aufzüge funktionieren? Mit all diesen Fragen haben wir uns zuletzt viel zu wenig beschäftigt. Auch das Angebot an Trinkbrunnen und einer insgesamt kühlenden Infrastruktur kommt viel zu langsam voran.

Wetter muss Teil der Verkehrsplanung werden

Wir brauchen flächendeckend ein sensorgesteuertes Verkehrs-Management-System, das auf Basis präziser Wetterprognosen die Infrastruktur darauf abstimmt – zum Beispiel durch entsprechende Regelung der Ampelphasen, begrünte Dachflächen an Bus-Wartehäuschen, Entsiegelung von Verkehrsflächen, Kaltluftschneisen oder moderne Materialien im Straßenbau, die helfen, Oberflächentemperaturen zu verringern. Diese Themen werden auf großen Mobilitätskongressen weltweit seit Jahren diskutiert. Deutschland ist in Sachen Infrastruktur auf solche Hitzewellen trotzdem nicht hinreichend vorbereitet. Aktuell sorgen bereits erste Autobahnen mit Blow-ups aufgrund der hohen Temperaturen für Unfallgefahr.

Für Hitze-Schutz gibt's nur Beispiele, keinen Plan

In Seoul (Südkorea) schützen riesige Sonnensegel Passanten an Straßenkreuzungen. In Medellin (Kolumbien) werden Rad- und Fußwege gezielt bepflanzt, um die Umgebungstemperatur zu senken. Wegweisend auch ein Projekt in Heidelberg, wo mit digitalen Geodaten Radfahrern und Fußgänger in 80 Städten Routen vorgeschlagen werden können, die nicht der Sonne ausgesetzt sind.

Manche fordern autofreie Innenstädte. Aber wem ist dadurch geholfen? Wollen wir Menschen mit Mobilitäts- und Herzproblemen einer maroden Infrastruktur aussetzen? Wenn nicht einmal die Rolltreppen zur U-Bahn funktionieren? Sicher ist: Wir brauchen eine hitzeresiliente Mobilität – das muss ein zentrales Thema in der Stadt- und Verkehrsplanung werden. Als Vorreiter gilt hier Singapur. Dort verbinden überdachte Fußwege ganze Stadtviertel. In den Vereinigten Arabischen Emiraten gibt es sogar klimatisierte Bushaltestellen. Nur wenn wir uns ganzheitlich mit diesen neuen Herausforderungen auseinandersetzen, können wir Leben retten.

Fazit