Neue Luxussteuer: Warum deutsche Hersteller in China noch mehr unter Druck geraten

Neue Luxussteuer für BMW, Mercedes und Co.
Warum deutsche Hersteller in China straucheln

ArtikeldatumVeröffentlicht am 20.07.2026
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BMW i7, Mercedes EQS
Foto: Hans-Dieter Seufert/Schönfeld

China galt lange als wichtigster Gewinnbringer für die deutschen Premiumhersteller. Mercedes, BMW, Audi und Porsche erzielten dort hohe Margen und verkauften insbesondere ihre teuren Limousinen und SUV in großen Stückzahlen. Doch dieses Erfolgsmodell gerät zunehmend ins Wanken. Neben einer schwächeren Konjunktur, der Immobilienkrise und einem intensiven Preiskampf sorgt seit einem Jahr auch eine verschärfte Luxussteuer für zusätzlichen Gegenwind.

Luxussteuer greift früher

Die chinesische Regierung hat die Grenze für die sogenannte Luxussteuer im vergangenen Jahr deutlich abgesenkt. Statt wie bisher bei einem Nettopreis von 1,3 Millionen Yuan wird die zusätzliche Abgabe bereits ab 900.000 Yuan fällig. Das entspricht aktuell rund 116.000 Euro. Damit fallen deutlich mehr Fahrzeuge in den Bereich der Sondersteuer als zuvor.

Betroffen sind vor allem hochpreisige Importfahrzeuge und Topmodelle – ein Segment, in dem deutsche Premiumhersteller traditionell besonders stark vertreten sind.

VDA sieht gezielten Nachteil für deutsche Hersteller

Nach Einschätzung des Verbands der Automobilindustrie (VDA) trifft die geänderte Regelung europäische und insbesondere deutsche Hersteller besonders hart. Die Luxussteuer ziele auf hochpreisige Fahrzeuge, bei denen Mercedes, BMW, Audi und Porsche traditionell einen großen Marktanteil besitzen.

Hinzu komme, dass die Maßnahme in einer ohnehin schwierigen Marktphase eingeführt wurde. Die schwache Verbraucherstimmung infolge der Immobilienkrise sowie die angespannten Handelsbeziehungen zwischen Europa und China verschärften die Situation zusätzlich.

Chinesische Experten sehen strukturellen Wandel

Noch deutlicher fällt die Analyse des chinesischen Pkw-Verbands CPCA aus. Dessen Generalsekretär Cui Dongshu sieht durch die abgesenkte Steuerschwelle einen grundlegenden Wandel im Luxussegment. Vor allem Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zwischen 900.000 und 1,3 Millionen Yuan hätten deutlich an Nachfrage verloren.

Hersteller müssten die zusätzliche Steuer entweder an ihre Kunden weitergeben oder über geringere Margen selbst tragen. Gleichzeitig würden Ausstattungsoptionen reduziert oder Preise bewusst unterhalb der neuen Steuergrenze gehalten. Viele Käufer wechselten stattdessen zu chinesischen Oberklassemodellen mit Elektro- oder Plug-in-Hybridantrieb oder griffen zu gebrauchten Luxusfahrzeugen.

Die Steuer ist nicht das Hauptproblem

Nach Ansicht des CPCA ist die Luxussteuer allerdings nur ein zusätzlicher Belastungsfaktor. Das eigentliche Problem liege tiefer. Entscheidend sei der rasante Aufstieg chinesischer Premiummarken, die bei Software, Konnektivität und intelligenten Fahrerassistenzsystemen inzwischen als technologisch führend gelten. Gleichzeitig hätten deutsche Hersteller bei der Lokalisierung ihrer digitalen Funktionen sowie bei der Elektrifizierung wertvolle Zeit verloren.

Während Marken wie Aito, Nio, Li Auto oder Yangwang gezielt auf die Wünsche chinesischer Kunden eingehen, wirken viele europäische Modelle aus Sicht chinesischer Käufer weniger innovativ. Die betroffenen Hersteller bewerten die Folgen der Luxussteuer deutlich gelassener. BMW erklärt, dass lediglich einzelne importierte Oberklassemodelle betroffen seien. Aufgrund der geringen Stückzahlen habe die Steuer kaum Einfluss auf den Gesamtabsatz. Auch Audi spricht lediglich von einer sehr kleinen Zahl betroffener Fahrzeuge innerhalb des Volkswagen-Konzerns. Porsche verweist ebenfalls darauf, dass nur einzelne Modellvarianten unter die Regelung fallen.

Mercedes-Benz betont, weniger als fünf Prozent seines China-Absatzes lägen überhaupt oberhalb der neuen Steuerschwelle. Betroffen seien ausschließlich Fahrzeuge des Top-End-Segments wie die S-Klasse oder Mercedes-Maybach-Modelle. Die Auswirkungen der Steuer ließen sich zudem kaum vom allgemein verschärften Wettbewerb trennen.

Absatzkrise setzt sich fort

Unabhängig von der Bedeutung der Luxussteuer zeigen die aktuellen Verkaufszahlen, wie schwierig das China-Geschäft inzwischen geworden ist. Im ersten Halbjahr 2026 gingen die Auslieferungen von Porsche in China um 32 Prozent zurück. Mercedes-Benz verlor 28 Prozent seines Pkw-Absatzes, BMW verzeichnete ein Minus von 20 Prozent und Audi einen Rückgang um 19 Prozent.

Diese Entwicklung verdeutlicht, dass die Luxussteuer zwar zusätzlichen Druck erzeugt, den Einbruch der deutschen Premiumhersteller jedoch nicht allein erklärt. Entscheidend sind die schwächere Nachfrage, der harte Preiswettbewerb und vor allem die wachsende Konkurrenz chinesischer Premium- und Elektroautohersteller, die inzwischen in ihrem Heimatmarkt den Takt vorgeben.

Fazit