Österreich-Modell floppt: Spritpreis-Bremse bremst nicht

Österreich-Modell floppt
Spritpreis-Bremse bremst nicht

ArtikeldatumVeröffentlicht am 22.04.2026
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Tanken Geld
Foto: 12/2023, Tanken Geld

Grundlage der Analyse des Autoclubs ist ein Vergleich von Ölpreis und Wechselkurs im März mit den ersten zweieinhalb Wochen im April unter den neuen Rahmenbedingungen.

Die zentrale Änderung betrifft die Preislogik im Tagesverlauf. Seit dem 1.4.2026 gilt an deutschen Tankstellen eine neue Preisregelung nach dem sogenannten Österreich-Modell. Tankstellen dürfen ihre Preise nur noch einmal täglich anheben, Senkungen sind dagegen weiterhin beliebig oft möglich. Ziel der Regelung ist eine bessere Planbarkeit für Autofahrer. Die Daten deuten jedoch darauf hin, dass sich die Preisstruktur dadurch deutlich verschoben hat.

Preisspitze zur Mittagszeit und langsamer Rückgang

Die Auswertung von mehr als 14.000 Tankstellen zeigt ein klares Muster. Um 12:00 Uhr kommt es täglich zu einem einmaligen Preissprung. Super E10 verteuert sich dabei im Schnitt um gut neun Cent je Liter, Diesel um 10,5 Cent. Im Anschluss sinken die Preise schrittweise bis in die frühen Abendstunden.

Bereits ab 6:00 Uhr liegen die Preise unterhalb des Tagesdurchschnitts. Gegen 10:00 Uhr beträgt der Abstand rund zwei Cent. Der günstigste Zeitpunkt wird kurz vor 12:00 Uhr erreicht, wenn die Preise etwa 2,7 Cent unter dem Tagesmittel liegen. Danach folgt unmittelbar der tägliche Preisanstieg.

Im Vergleich zur früheren freien Preisgestaltung sind die Zeitfenster mit unterdurchschnittlichen Preisen kürzer geworden. Gleichzeitig fällt das allgemeine Preisniveau höher aus.

Risikoaufschläge treiben das Niveau nach oben

Nach Einschätzung des ADAC reagieren Mineralölunternehmen auf die eingeschränkte Möglichkeit zur Preisanhebung mit einem kalkulierten Risikoaufschlag. Da Preiserhöhungen nur noch einmal täglich möglich sind, wird dieser Spielraum offenbar genutzt, um Unsicherheiten im Tagesverlauf abzusichern.

Dieser Effekt war bereits im Vorfeld erwartet worden. Die aktuellen Daten bestätigen, dass sich dieser Mechanismus tatsächlich im Preisniveau niederschlägt. Autofahrer konnten auch im bisherigen System Zeitfenster mit günstigen Preisen identifizieren, zahlten im Durchschnitt jedoch weniger.

Mehrheit der Autofahrer lehnt das Modell ab

Eine begleitende Umfrage des ADAC zeigt eine überwiegend kritische Haltung gegenüber der neuen Regelung. Nur 21 Prozent der Befragten bewerten das Modell positiv. 42 Prozent lehnen es ab. Der Rest äußert sich neutral.

Auffällig ist der hohe Bekanntheitsgrad. 95 Prozent der Befragten geben an, die neuen Regeln zu kennen. Die Veränderung im Tagesverlauf wird damit von einem großen Teil der Autofahrer bewusst wahrgenommen.

Entlastung durch staatliche Maßnahmen bleibt begrenzt

Parallel zur Diskussion um die Preisstruktur liefert eine Studie der RWTH Aachen zusätzliche Hinweise zur Wirkung staatlicher Entlastungsmaßnahmen. Der sogenannte Tankrabatt reduziert die monatlichen Ausgaben im Durchschnitt um rund 10,70 Euro pro Haushalt.

Dabei profitieren Haushalte mit höherem Einkommen stärker. In dieser Gruppe liegt die Entlastung bei etwa 12,90 Euro monatlich. Haushalte mit geringem Einkommen sparen im Schnitt rund 3,20 Euro weniger als der Durchschnitt.

Die staatlichen Kosten belaufen sich auf etwa 330 Millionen Euro pro Monat. Nur 8,6 Prozent dieser Summe kommen energiearmen Haushalten zugute. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Kraftstoff leicht an. Der Verbrauch erhöht sich im Durchschnitt um etwa 1,2 Liter pro Haushalt und Monat, was einem Zuwachs von rund zwei Prozent entspricht.

Nutzen Sie unsere Spritpreis-App

Um ein wenig die Kraftstoffkosten für die Urlaubsreise oder den Ausflug zu minimieren, sollten Autofahrer nach Möglichkeit die Schwankungen der Kraftstoffpreise im Tagesverlauf nutzen.

Für eine aktuelle Übersicht bietet sich unsere kostenlose Spritpreis-App "mehr tanken" (Google Play-Store oder Apple App-Store) an, die die aktuellen Kraftstoffpreise, eine Preis-Prognose und günstige Tankstellen in der Nähe anzeigt. Dort finden auch E-Auto-Fahrer Ladepunkte und deren Preise

Fazit