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Tesla-Fabrik in Grünheide Twitter/Elon Musk
Tesla-Fabrik in Grünheide
Tesla Model Y (2020)
Tesla Model Y (2020)
Tesla Model Y (2020) 14 Bilder

Tesla Gigafactory Grünheide: Serien-Produktions-Start im März

Tesla-Gigafactory in Brandenburg Deutsche Tesla Model Y ab März

Update

Eine interne E-Mail gibt Hinweise auf die ersten Serienauslieferungen des Tesla Model Y aus dem deutschen Werk in Grünheide im März.

Tesla soll in einer internen Email an seine deutschen Mitarbeiter einen Auslieferungsstart des Model Y aus dem Werk im brandenburgischen Grünheide angekündigt haben. Die entsprechende Mail ist in Tesla-Foren aufgetaucht, wobei nicht klar ist, ob es sich um eine echte Tesla-Email handelt. Gerüchte um einen Auslieferungsstart im März hatten bereits im vergangenen Jahr vorgenommene Änderungen am Tesla-Konfigurator angefacht: Dort hieß es, dass Model Y in schwarz oder weiß im März zum Kunden kommen, alle in anderen Farben lackierten Modelle dann im Mai. Bis heute gilt aber: Damit könnten auch aus China gelieferte Modelle gemeint sein. Für einen Auslieferungsstart im März spricht wiederum, dass Tesla seit Dezember 2021 in Grünheide die Serienfertigung probt, wie die Automobilwoche berichtete.

Werk in Shanghai als Vorbild

Ursprünglich wollte Tesla seine Produktion vor den Toren Berlins bereits im Juli 2021 starten. Verzögerungen wegen umweltrechtlicher Genehmigungen sorgten insbesondere im Ausland für Verwunderung. Als Gegenbeispiel führten zahlreiche Kommentatoren in Internetforen die Gigafactory 3 im chinesischen Shanghai an, die bereits nach einem Jahr Bauzeit Autos produzierte – und das auch noch in für Tesla-Verhältnisse beinahe ungewohnt guter Qualität.

Warnung an Deutschland

Selbst der in der US-Tesla-Szene bekannte Tesla-Roadster-Spezialist Pete Gruber warnte kürzlich Deutschland, Elon Musk könnte seine Geduld verlieren. Gruber, der auch deutsch spricht, betreibt in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona eine Tesla-Werkstatt, wo er unter anderem schwer angeschlagene Tesla Roadster wieder zum Leben erweckt – nach eigenen Angaben war er beim Roadster sogar inoffizieller Entwicklungspartner. Hierzulande erlangte Gruber Bekanntheit, als er einen der letzten gebauten Roadster für 1,5 Millionen Dollar anbot. Gruber betont in dem Video, dass er Verständnis für deutsche Gründlichkeit habe – schließlich sei er auch deutschstämmig. Aber er habe den Eindruck, dass Deutschland nicht erkenne, was für eine Chance die Ansiedlung eines der innovativsten Unternehmen der Welt für Deutschland und erst recht für den Osten Deutschlands sei. Die deutschen Behörden sollten seiner Meinung nach bei den Tesla-Genehmigungsverfahren Gas geben und nicht auf jeden nachpflanzbaren Plantagenbaum oder jedes umsiedelbare Tier achten. Elon Musk hätte bereits mit der Verlegung des Tesla-Hauptquartiers von Kalifornien nach Texas bewiesen, dass er bei Bedarf schnell zu neuen Standorten wechselt. Die Gründe für den Weggang aus Kalifornien waren allerdings weniger Musks Unzufriedenheit mit der Geschwindigkeit bestimmter Genehmigungs-Verfahren, sondern die zu hohen Lebenshaltungskosten für seine Normalverdiener-Mitarbeiter im von Geld aus dem Silicon Valley überschwemmten Kalifornien.

Vergleichsweise schnelle Genehmigung in Brandenburg

Die Reaktionen auf Grubers Video sind verschieden: Ein australischer Kommentator weist darauf hin, dass der Genehmigungsprozess in seinem Land deutlich länger gedauert hätte. Andere User sind, wenig überraschend, davon überzeugt, dass genau ihr Land aus diversen Gründen das richtige für eine Tesla-Fabrik wäre. Kommentatoren aus Berlin und Brandenburg zeigen sich hingegen beeindruckt von der hohen Geschwindigkeit der Genehmigungsverfahren und des Fabrikbaus – schließlich steckt dort allen noch die nicht enden wollende Pannenserie des bis heute nicht komplett funktionstüchtigen Desaster-Flughafens BER in den Knochen. Auch abseits des Rekord-Negativbeispiels BER scheinen die Behörden in Brandenburg bei ihren Genehmigungsverfahren ein lobenswert hohes Tempo an den Tag gelegt zu haben. Und wie es scheint, waren Pete Grubers Sorgen unberechtigt: Ab Ende Dezember 2021 laufen in Grünheide Model Y vom Band. Das Elon Musk sich jetzt noch nach einem neuen Standort umsieht, ist unwahrscheinlich – obwohl er vergangene Woche auf hohe Subventionen vom europäischen Steuerzahler verzichtet hat.

Tesla Projekt Roadrunner
Getty Images / Tesla
Mit einer eigenen Batteriezellen-Fertigung tun sich in Deutschland produzierende Autohersteller bisher schwer. Tesla-Chef Elon Musk kündigte nun für die Gigafactory in Brandenburg eine "lokale Produktion" an.

Geheimnisse bewahren

Musk will in Brandenburg schließlich auch eine Batterie- und Recyclingfabrik hochziehen – und für diese hatte Tesla bereits eine Genehmigung für eine EU-Förderung in Höhe von 1,14 Milliarden Euro in der Tasche. Musk lehnte jetzt überraschend diese hohe Subventionssumme ab. Experten vermuten, dass die Tesla-Verantwortlichen einen Wissens-Abfluss in Sachen Akkuherstellung befürchten: Die Subventionen könnten an die Bedingung geknüpft sein, die auf Basis der Förderung gewonnenen Erkenntnisse mit anderen Unternehmen zu teilen. Das ist dem Tesla-Chef wohl zu heikel. Außerdem gehörte Tesla in den vergangenen Jahren ohnehin zu den Unternehmen, die Subventionen eher skeptisch gegenüberstanden. Seit 2015 hat Tesla kaum noch direkte staatliche Hilfen akzeptiert, wie aus einer Auswertung der US-Stiftung Good Jobs First hervorgeht.

Ab Januar 1.000 Model Y pro Woche

In Berlin-Brandenburg dürfte derweil die Tesla-Produktion nach oben schnellen. Fünf Model Y haben die Mitarbeiter bereits gebaut – allerdings per Hand, da zu diesem Zeitpunkt die automatisierten Produktionsanlagen noch nicht in Betrieb waren. Ab Anfang 2022 sollen dann pro Woche 1.000 Model Y aus dem Werk rollen. Zur Jahresmitte sind dann weitere Produktionssteigerungen geplant – im ersten Halbjahr 2022 sollen 30.000 Fahrzeuge das Werk verlassen haben. Bei voller Auslastung möchte Tesla in Brandenburg jährlich eine halbe Millionen Fahrzeuge produzieren – mit 12.000 Mitarbeitern. Aktuell sind am Standort Grünheide 1.800 Mitarbeiter beschäftigt. Besonders gespannt schauen nicht nur Tesla-Fans weltweit auf die Qualität der Fahrzeuge, die aus dem deutschen Werk kommen – die Erwartungen sind diesbezüglich hoch.

Deutschland als gefragter Standort

Tesla ist in Deutschland bereits mit einem kleineren Produktionsstandort vertreten: Am 3. Januar 2017 übernahmen die Amerikaner den in Prüm (Rheinland-Pfalz) ansässigen Zulieferer Grohmann Engineering. Der in "Tesla Grohmann Automation" umbenannte Maschinenbauer betreibt wiederum weitere Standorte im bayerischen Neutraubling, in Chandler im US-Bundesstaat Arizona und in Shanghai. Das Unternehmen hat das Produktionssystem für den Tesla Model 3 erstellt und baut Montage-Maschinen zur Fertigung von Batteriezellen und -modulen. Mit der Übernahme durch Tesla war der Hersteller gezwungen, seine sämtlichen bestehenden Geschäftsbeziehungen zu mit Tesla konkurrierenden Herstellern wie BMW und Daimler abzubrechen.

In Sachen Zulieferer arbeitet Tesla ohnehin schon lange eng mit deutschen Unternehmen zusammen. So kommen wichtige Bauteile von Bosch (Stuttgart), Brose (Coburg), ZF (Friedrichshafen), Continental (Hannover) oder Elektrobit (Erlangen). Selbst Autobauer Daimler liefert Komponenten an seinen Konkurrenten.

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Wird das Tesla Model Y aus Deutschland besser als die Modelle aus anderen Ländern?
Ja, da glaube ich an den heimischen Wunsch nach guter Qualität.
Nein, gegen das Tesla-Produktionssystem ist auch ein heimischer Facharbeiter machtlos.

Fazit

Tesla legt in Deutschland los und greift die heimische Autoindustrie auf eigenem Boden an. Nach einem halben Jahr Verzögerung wegen umweltrechtlicher Genehmigungsverfahren geht die Produktion im Dezember 2021 los – ab Anfang 2022 rollen pro Woche 1.000 Tesla aus dem neuen Werk. Tesla hat sich von der Strahlkraft des unprovinziellen Berlin mit seinem Startup-Charme anziehen lassen – umgekehrt zieht Tesla jetzt viele Zulieferer und andere innovative Unternhemen vor die Tore der Hauptstadt. Mit der Gigafactory Berlin könnte der Knoten für Großprojekte in Brandenburg endlich platzen – das wäre dem Bundesland nur zu wünschen.

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