Tesla-Fabrik in Grünheide Twitter/Elon Musk
Tesla Gigafactory Grünheide
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Elon Musk
Tesla Gigafactory Berlin Delivery Day 2022 14 Bilder

Tesla will Fabrik in Grünheide erweitern

Ein Million Elektroautos Tesla will Fabrik in Grünheide erweitern

Für die Erweiterung seines Werks rodet Tesla 70 Hektar Kiefern-Plantage. Was die Brandenburger Landesregierung freut, kritisieren Umweltschützer. Eine funktionstüchtige Brandmelde-Anlage gibt es im Werk noch nicht.

Erst beklagte Tesla-Chef Elon Musk Milliarden-Verluste seiner Fabriken, nun will er die Produktionskapazität seiner Gigafactroy in Grünheide verdoppeln: Von 500.000 Einheiten auf eine Million. Das geht aus dem Haushaltsplan der Kreisverwaltung Oder-Spree hervor: "Das Unternehmen hat zudem angekündigt, Ende 2022 einen Antrag zur Erweiterung des Werks zu stellen, verbunden mit einer weiteren Kapazitätserhöhung von fünfhunderttausend auf über eine Million Pkw pro Jahr."

Die Vorproduktion begann in Grünheide Ende 2021, seit Anfang 2022 läuft die reguläre Serienproduktion, im Juni 2022 war eine Wochenproduktion von 1.000 Model Y erreicht, was einer Verdopplung der Produktionsrate innerhalb von drei Monaten entsprach. Täglich verlassen nunmehr 2.000 Autos das Werk pro Woche, für das erste Quartal 2023 sollen es 5.000 sein. Allerdings hatten die Tesla-Verantwortlichen ursprünglich schon für 2022 eine Wochenproduktion von 5.000 Fahrzeugen geplant.

Die Nachricht über die Kapazitätserweiterung trifft nahezu zeitgleich mit der Vergrößerung der Fabrikfläche ein. 70 Hektar Kiefern-Plantage aus DDR-Zeiten müssen für Erweiterungsbauten weichen. Dafür musste Tesla forst- und artenschutzrechtliche Auflagen erfüllen, die nach Unternehmens-Angaben entweder bereits umgesetzt sind oder sich in der Umsetzung befinden. Dazu zählt, dass der US-amerikanische Elektroauto-Hersteller 300 Hektar Mischwald aufforstet – auf Flächen, die für eine landwirtschaftliche Nutzung nicht mehr geeignet sind.

Umweltschützer bemängeln Brandschutz

Außerdem plant Tesla, seinen Güterbahnhof zu erweitern. Dafür ist allerdings ein neuer Bebauungsplan nötig. Die brandenburgische Landesregierung sieht Teslas Erweiterungsarbeiten als Bestätigung für den Standort. Anscheinend war man verunsichert – schließlich hatten die Amerikaner erst kürzlich ihre Pläne für eine große Batteriefabrik in Grünheide auf Eis gelegt, nachdem die US-Regierung Milliarden-Subventionen für heimische Batteriefabriken beschlossen hatte. Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) bezeichnet Tesla als größten industriellen Arbeitgeber und Ausbilder des Landes.

Tesla lässt in Brandenburg Bäume pflanzen
NfG
Auf landwirtschaftlich nicht mehr nutzbaren Flächen in Brandenburg forstet Tesla als Ersatz für die Rodung von Kiefern-Plantagen ökologisch wertvolleren Mischwald auf.

Die Bürgerinitiative Grünheide und der Verein für Natur und Landschaft in Brandenburg e.V. (VNLB) kritisieren hingegen die weiteren Rodungen. Die Anwohner und Umweltschützer führen an, dass Tesla nicht den Produktions-Ablauf beherrsche und es im Werk immer wieder zu Störungen kommen. Tatsächlich musste die Feuerwehr beispielsweise am 26. September um 3:30 Uhr auf dem Recyclinghof des Werkgeländes zirka 800 Kubikmeter Pappe und Holzreste löschen, wie rbb24 berichtete. Einen Tag später bekam die Märkische Oderzeitung von den zuständigen Behörden die Bestätigung, dass die Gigafactory nach wie vor nicht über eine funktionstüchtige Brandmelde-Anlage verfüge. Tesla arbeite an einer Inbetriebnahme der Brandmelde- und Sprinkler-Anlage – die aktuelle Produktion laufe auf Grundlage eines vorläufigen und von den Behörden genehmigten Brandschutz-Konzeptes. Acht Mitarbeiter patrouillieren rund um die Uhr als Brandschutzwachen durchs Werk, in der Haupthalle sind an drei Standorten Feuerwehr-Fahrzeuge stationiert.

8 Monate Verspätung

Die insgesamt vierte Tesla Gigafactory ist gleichzeitig der erste Produktionsstandort des Unternehmens in Europa und seine bisher fortschrittlichste, nachhaltigste und effizienteste Fabrik. Die Gigafactory Berlin ist neben dem Werk im kalifornischen Fremont sowie den Gigafabriken in Reno (Nevada), Buffalo (New York) und Shanghai (China) die fünfte große Tesla Produktionsstätte weltweit. Obwohl Tesla den ursprünglich für Juli 2021 geplanten Produktionsstart nicht halten konnte, wurde die neue Fabrik in Rekordzeit aus dem Boden gestampft. Nach der Ankündigung im November 2019 begann die Bauphase bereits im Frühjahr 2020. Die Gigafactory vereint auf ihrem 300 Hektar großen Gelände mehrere Produktionseinheiten auf einer Gesamtfläche von mehr als 227.000 Quadratmetern.

30.000 Model Y im Jahr 2022

Bei Vollauslastung werden laut Tesla bis zu 12.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Autos, Batteriezellen, Batterien, Elektromotoren, Kunststoffteile, Sitze und Achsen herstellen. Besonders gespannt schauen nicht nur Tesla-Fans weltweit auf die Qualität der Fahrzeuge, die aus dem deutschen Werk kommen – die Erwartungen sind diesbezüglich hoch. Mit einer jährlichen Produktionskapazität von aktuell 500.000 Fahrzeugen (ausschließlich Model Y) und einer avisierten Batterieproduktion von bis zu 50 GWh wird die Fabrik laut Tesla die größte Elektroautofabrik Europas sein.

Unklar war bis zum Schluss, ob der regionale Wasserversorger die Gigafactory überhaupt würde beliefern dürfen. Das Verwaltungsgericht Frankfurt (Oder) hatte am 4. März die Genehmigung der Wasserförderung am Brunnen Eggersdorf aus formellen Gründen verworfen – diese Förderung schließt auch Teslas Gigafactory mit ein. Damit wäre laut des zuständigen Wasserverbands Strausberg-Erkner (WSE) die Rechtsgrundlage für die Wasserversorgung entfallen. Das Brandenburger Landesamt für Umwelt (LfU) hat die Rechtsgrundlage mit einer Duldung der Gesamtfördermenge in Höhe von rund 3,8 Millionen Kubikmeter pro Jahr gerettet. Parallel haben sie bei Tesla auch am Thema Wasser gearbeitet. Auf Basis der Erfahrungen in den Gigafactories Reno und Shanghai will Tesla in Grünheide den Wasserverbrauch pro Auto deutlich unter der Branchenschnitt senken: auf 2,2 Kubikmeter statt den üblichen 3,7 Kubikmetern.

Tesla Gigafactory Berlin Delivery Day 2022
Tesla
Musk ist Science-Fiction-Fan. Für die Giga-Berlin-Graffitis stand die Wüsten-Saga "Dune" Pate.

Graffitis mit Science-Fiction-Hintergrund

Abgesehen vom großen Produktionsgebäude ist in Grünheide vieles noch Baustelle. Was nicht heißt, dass die Fabrik nicht trotzdem schon ein Hingucker ist. Die großen Beton-Segmente wurden bereits mit spektakulären Graffitis verziert. Alle mehr oder weniger mit einem Bezug zum Science-Fiction-Klassiker Dune "The Spice must flow".

Deutschland als gefragter Standort

Für Tesla ist Grünheide übrigens nicht der erste Produktionsstandort in Deutschland: Am 3. Januar 2017 übernahmen die Amerikaner den in Prüm (Rheinland-Pfalz) ansässigen Zulieferer Grohmann Engineering. Der in "Tesla Grohmann Automation" umbenannte Maschinenbauer betreibt wiederum weitere Standorte im bayerischen Neutraubling, in Chandler im US-Bundesstaat Arizona und in Shanghai. Das Unternehmen hat das Produktionssystem für den Tesla Model 3 erstellt und baut Montage-Maschinen zur Fertigung von Batteriezellen und -modulen. Mit der Übernahme durch Tesla war der Hersteller gezwungen, seine sämtlichen bestehenden Geschäftsbeziehungen zu mit Tesla konkurrierenden Herstellern wie BMW und Daimler abzubrechen. In Sachen Zulieferer arbeitet Tesla ohnehin schon lange eng mit deutschen Unternehmen zusammen. So kommen wichtige Bauteile von Bosch (Stuttgart), Brose (Coburg), ZF (Friedrichshafen), Continental (Hannover) oder Elektrobit (Erlangen). Selbst Autobauer Daimler liefert Komponenten an seinen Konkurrenten.

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Fazit

Tesla legt in Deutschland los und greift die heimische Autoindustrie auf eigenem Boden an. Nach Verzögerung wegen umweltrechtlicher Genehmigungsverfahren ist die Auto-Produktion jetzt mit voller Betriebsgenehmigung gestartet. Das ist aber erst der Anfang. Denn auch die Genehmigung für die Herstellung von Batterien ist bereits erteilt. Tesla hat sich von der Strahlkraft des nahegelegenen unprovinziellen Berlin mit seinem Startup-Charme anziehen lassen – umgekehrt zieht Tesla jetzt viele Zulieferer und andere innovative Unternehmen vor die Tore der Hauptstadt. Mit der Gigafactory Berlin ist der Knoten für Großprojekte in Brandenburg endlich geplatzt – ein großer Erfolg für das Bundesland.

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