Tesla-Fabrik in Grünheide Twitter/Elon Musk
Tesla-Fabrik in Grünheide
Tesla Model Y (2020)
Tesla Model Y (2020)
Tesla Model Y (2020) 14 Bilder

Tesla Gigafactory Grünheide: Produktions-Start verzögert sich

Neues Tesla-Werk: Gigafactory in Brandenburg Produktion in Grünheide startet erst 2022

Nach Tesla-Angaben könnten im neuen Werk in Grünheide bis zu 12.000 Mitarbeiter arbeiten. Doch offenbar verzögert sich der Start um etwa ein halbes Jahr.

Teslas Zeitplan beim Bau seines neuen Werks in Grünheide waren stets ambitioniert. Nachdem der Elektroauto-Hersteller im November 2019 den Bau der europäischen Gigafactory angekündigt hatte und kurz darauf die Rodungen des Waldes begannen, stellte Firmenchef Elon Musk einen Produktionsstart für Juli 2021 in Aussicht. Tatsächlich schreitet der Bau – trotz weiterhin fehlender Genehmigungen – schnell voran. Und doch wird der Premieren-Tesla aus dieser Fabrik wohl erst rund ein halbes Jahr später aus den Werkhallen rollen. Wie das Fachblatt "Automobilwoche" berichtet, soll es erst Ende Januar 2022 soweit sein. Einer Unternehmenssprecherin zufolge plant Tesla seinerseits, Ende diesen Jahres mit der Fertigung zu starten. So hatte es Tesla auch in seinem jüngsten Quartalsbericht prognostiziert.

Der Grund seien mehrere von Tesla gewünschte Änderungen am Bauantrag, über die das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz (MLUK) des Landes Brandenburg Ende April informierte. Zum einen, weil das kalifornische Unternehmen, entgegen ursprünglicher Planungen, doch eine Batterie-Fabrik (O-Ton Musk: "die größte der Welt") an die Auto-Produktion anschließen möchte. Und andererseits, um weitere Optimierungen in das Bauvorhaben einfließen lassen zu können. Das MLUK geht davon aus, "dass aufgrund dieser Änderung eine erneute Beteiligung der Öffentlichkeit erforderlich wird". Aussagen zum weiteren Verfahrensablauf und zur Dauer bis zu einer abschließenden Entscheidung kann das Ministerium derzeit allerdings noch nicht treffen.

Bis zu 12.000 Beschäftigte

Sobald in Grünheide die Maximalauslastung von einer halben Million Teslas pro Jahr erreicht ist, sollen laut Firmenangaben 12.000 Beschäftigte in der Gigafactory arbeiten. Für weitere, bisher rein hypothetische, Ausbaustufen spekulieren Wirtschafts-Experten und Politiker sogar auf über 40.000 Arbeitsplätze. "Perspektivisch könnte die Tesla-Fabrik in Grünheide – je nach Markthochlauf – bis zu 40.000 Mitarbeiter haben", sagte der brandenburgische Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Zum Produktionsstart gilt aber eine erheblich niedrigere Mitarbeiterzahl als realistisch. Die Rede ist von 3.000 Beschäftigten.

Tesla Projekt Roadrunner
Getty Images / Tesla
Mit einer eigenen Batteriezellen-Fertigung tun sich in Deutschland produzierende Autohersteller bisher schwer. Tesla-Chef Elon Musk kündigte nun für die Gigafactory in Brandenburg eine "lokale Produktion" an.

Schneller fertig als der Flughafen BER

Der dpa zufolge könnte das Werk, das seit dem ersten Quartal 2020 in mehreren Ausbaustufen errichtet wird, bis zu vier Milliarden Euro kosten. Einen Antrag auf staatliche Förderung hat Tesla bereits gestellt. Laut "Bild am Sonntag" könnten Subventionsgelder von etwa 300 Millionen Euro fließen – vorausgesetzt, die EU segnet dies ab. Neben der Gigafactory plant Musk auch ein Design- und Entwicklungszentrum "Brain" in Berlin. Erste Grundstücke sollen schon gesucht werden. Die Standort-Wahl für den Ort im Kreis Oder-Spree begründete der Elektroautopionier mit der "außergewöhnlichen Qualität deutscher Ingenieurskunst" und ließ sich zu einem kleinen Seitenhieb auf den verzögerten Bau des Hauptstadtflughafens hinreißen: "Wir werden definitiv ein höheres Tempo vorlegen müssen als der Flughafen".

Test: Tesla Model 3

Tesla Model 3, Exterieur
Tesla Model 3, Exterieur Tesla Model 3, Exterieur Tesla Model 3, Exterieur Tesla Model 3, Exterieur 15 Bilder

Bauarbeiten in Grünheide schreiten trotz Corona zügig voran

Mitte Juli 2020 hat Elon Musk eine Animation der vierten Gigafactory gepostet. Auf den clean gestalteten Hallen in hellem Weiß sind Solarzellen, aber keine Kamine zu sehen. Die Nachfrage unter dem Post, wie das sein kann, beantwortet Musk höchstselbst mit "gut versteckt. Vor den Werkshallen stehen Semi-Trucks, von denen sich auch welche auf der Zufahrtstraße zum Werk bewegen. Um das Gelände herum stehen viele der inzwischen berühmten Kiefern. Spannend sind die Größenverhältnisse: Wer genau hinschaut, kann gut die vergleichsweise winzigen Menschen erkennen, die rund um die Fabrik verteilt sind. Die Gigafactory wird riesig!

Rodungen ruckzuck abgeschlossen

Zuvor kam Tesla mit der Rodung des Waldes sehr schnell voran. Viele der abgeholzten Kiefern aus DDR-Rohholzgewinnungs-Plantagenbestand lagen bereits kurz nach Start der Arbeiten fein säuberlich entastet und in Segmente zersägt in Stapeln rechts und links der Straße. Die Einwände von zwei Umweltverbänden gegen die Rodung konnten das Projekt nur ein paar Tage ausbremsen – dann waren die Holzvollernter vom Typ Ponsse Scorpion King wieder in Aktion. Danach entfernten Bau-Teams die Baumstümpfe und ebneten den Boden.

Notarielle Beurkundung erledigt

Als Tesla im November 2019 den Bau einer Gigafactory im Brandenburgischen Grünheide ankündigte, waren Bedenkenträger schnell zur Stelle: Beispielsweise müsse Wald weichen und der Wasserverbrauch sei zu hoch. Tesla hatte sich davon nicht abhalten lassen und den Kauf des Grundstücks am Rand von Berlin schnell über die Bühne gebracht. Auch die notarielle Beurkundung des Kaufvertrags war flott erfolgt.

Der Preis für das 304-Hektar-Areal, dass Tesla im Land Brandenburg kaufte, soll 41 Millionen Euro betragen haben – so geht es aus einer Vorlage für den Brandenburger Landtags-Haushaltsausschuss vor. Die Summe hatte der Landesbetrieb Forst festgelegt. Umgerechnet sind dies 13,50 Euro pro Quadratmeter. Dies ist vergleichsweise günstig: Im angrenzenden Gewerbegebiet Freienbrink kostete der Quadratmeter zu diesem Zeitpunkt rund 40 Euro.

Tesla Motorrad
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Doch trotz des schnellen Baufortschritts stieß Tesla beim Bau der Gigafactory immer wieder auf Probleme. Beispielsweise wurden auf dem Gelände US-Bomben-Blindgänger aus dem zweiten Weltkrieg gefunden, die von Spezialisten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes gesprengt wurden. Munitionsfunde aus dem zweiten Weltkrieg gehören in Brandenburg zum Alltag – in dem Bundesland vor den Toren Berlins wüteten die Kämpfe kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs am heftigsten.

Angeblicher Wald ist gar keiner

Auch zu Bürgerprotesten kam es bereits. 50 bis 100 besorgte Bürger sollen beispielsweise an Demonstrationen gegen das Tesla-Werk im brandenburgischen Grünheide teilgenommen haben. Die Demonstranten befürchten unter anderem einen unverantwortlichen Umgang mit dem auf dem vorgesehenen Werksgelände wachsenden Baumbestand. Um die Sorgen der Bürger durch Aufklärung zu zerstreuen, hatte Tesla vor Ort zeitweise ein Informationsbüro eröffnet.

Fragen hatten die Bürger zu den Rodungen. Für die ersten Gebäude auf dem Tesla-Werksgelände mussten 90 Hektar Baumbestand weichen – schließlich ist allein das Hauptgebäude 744 Meter lang und 312 Meter breit. Laut dem Brandenburger Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz Axel Vogel zählt der dortige Baumbestand nicht als Wald – das Grundstück sei eine von Bäumen bewachsene Gewerbefläche. Selbst wenn Tesla nach der Rodung einen Rückzieher machen sollte, ist keine Wiederaufforstung geplant: Das Gewerbegebiet soll ein Gewerbegebiet bleiben.

Einige Anwohner machen sich in Grünheide laut Medienberichten auch Sorgen um vielleicht auf dem Gewerbegebiet siedelnde Fledermäuse. Dass die Bäume auf dem Gewerbegebiet als Winterquartier für Fledermäuse dienen, halten Experten allerdings für unwahrscheinlich – hier würde eine Untersuchung Aufschluss bringen.

Mögliche Tesla-Fabrik in Grünheide
OpenStreetmaps
In Grünheide nahe Berlin soll die deutsche Gigafactory entstehen.

Sobald die "Gigafactory Berlin" ihre Produktion aufnimmt, dürfte der Verkehr südöstlich von Berlin massiv zunehmen. Aus den Tesla-Unterlagen geht hervor, dass täglich 463 Lkw für Nachschub sorgen. Sechs Autozüge transportieren täglich die produzierten Teslas ab. Die Amerikaner erwarten, dass 2.828 Mitarbeiter mit dem Auto zur Arbeit kommen – wegen des Dreischicht-Systems dreimal täglich.

Zwei Modelle und eine halbe Millionen Autos

Tesla möchte in seinem neuen Brandenburger Werk die beiden Modelle Model 3 und Model Y bauen. Außerdem stellt Tesla den Bau von jährlich einer halben Millionen Fahrzeuge in Aussicht – das entspricht dem geplanten Ausstoß der gerade fertiggestellten Gigafactory 3 in Shanghai. In der Fabrik sollten ursprünglichen Plänen zufolge eine Batteriefertigung, ein Presswerk, eine Gießerei, ein Karosseriebau, eine Lackiererei, eine Sitzproduktion und eine Kunststoffverarbeitung arbeiten. Außerdem entstehen in der Gigafactory 4 Antriebe, die Endmontage der Fahrzeuge erfolgt ebenfalls vor Ort. Zusätzlich gibt es ein zentrales Versorgungsgebäude und eine Abwasserbehandlungs-Anlage.

Auf seiner Website bezeichnet Tesla die Fabrik als "Gigafactory Berlin" – die Gemeinde Grünheide liegt Luftlinie nur drei Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Der gesamte Komplex soll eine Fläche von 420 Fußballfeldern, beziehungsweise 865.650 Quadratmetern einnehmen, wie auch einem Artikel der "Bild" hervorgeht. Der Standort im brandenburgischen Grünheide (südöstlich von Berlin) war bereits zusammen mit Emden, Dörpen im Emsland sowie einer Location an der Grenze zu den Benelux-Staaten in der engeren Auswahl. Dort sollte auch schon einmal BMW-Werk entstehen.

Dr. Jan Burgard, geschäftsführender Partner bei Berylls Strategy Advisors: "Elon Musk hat mal wieder alle überrascht: Während uns die deutsche Autoindustrie mit Meldungen zu Sparmaßnahmen eindeckt, verkündigt Musk massive Investitionen in Deutschland. Der weiße Ritter der E-Mobilität betritt sozusagen den Kampfplatz der deutschen OEM, um sich ihnen vor dem eigenen Burgtor zum Duell zu stellen. Diese Furchtlosigkeit verdient Hochachtung, auch wenn ich mich frage, wo das Geld für Factory herkommt. Die Standortwahl nahe Berlin ergibt aus meiner Sicht absolut Sinn, denn natürlich ist die Hauptstadt in vielerlei Hinsicht attraktiv, auch wegen der Start-up-Mentalität, die dort so ausgeprägt ist, wie nirgends sonst in Deutschland."

Tesla: So sieht die Gigafactory aus

Tesla Gigafactory
Tesla Gigafactory Tesla Gigafactory Tesla Gigafactory Tesla Gigafactory 78 Bilder

Weltweit möchte Musk zehn bis zwölf Fabriken nach dem Vorbild der Tesla Gigafactory 1 im US-Bundesstaat Nevada bauen. Die Gigafactory 1 ließ Elon Musk in Kooperation mit dem japanischen Elektronikkonzern Panasonic seit 2014 errichten, 2020 soll der Bau abgeschlossen sein. Die Fabrik produziert bereits während ihrer Bauzeit Batterien. Bei höchster Auslastung soll die Produktionsstätte Akkus mit einer Gesamtspeicherkapazität von 35 Gigawattstunden ausstoßen – dies wäre mehr als eine Verdopplung der aktuell weltweiten Batterieproduktion. Die Herstellung von Batterien gilt momentan als Flaschenhals bei der Serienproduktion von Tesla-Elektroautos.

Deutschland als gefragter Standort

Tesla ist in Deutschland bereits mit einem kleineren Produktionsstandort vertreten: Am 3. Januar 2017 übernahmen die Amerikaner den in Prüm (Rheinland-Pfalz) ansässigen Zulieferer Grohmann Engineering. Der in "Tesla Grohmann Automation" umbenannte Maschinenbauer betreibt wiederum weitere Standorte im bayerischen Neutraubling, in Chandler im US-Bundesstaat Arizona und in Shanghai. Das Unternehmen hat das Produktionssystem für den Tesla Model 3 erstellt und baut Montagemaschinen zur Fertigung von Batteriezellen und Batteriemodulen. Mit der Übernahme durch Tesla war der Hersteller gezwungen, seine sämtlichen bestehenden Geschäftsbeziehungen zu mit Tesla konkurrierenden Herstellern wie BMW und Daimler abzubrechen.

In Sachen Zulieferer arbeitet Tesla ohnehin schon lange eng mit deutschen Unternehmen zusammen. So kommen wichtige Bauteile von Bosch (Stuttgart), Brose (Coburg), ZF (Friedrichshafen), Continental (Hannover), Elektrobit (Erlangen) und selbst Autobauer Daimler liefert Komponenten an seinen Konkurrenten.

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Wird das Tesla Model Y aus Deutschland besser als die Modelle aus anderen Ländern?
Ja, da glaube ich an den heimischen Wunsch nach guter Qualität.
Nein, gegen das Tesla-Produktionssystem ist auch ein heimischer Facharbeiter machtlos.

Fazit

Tesla legt in Deutschland los und greift die heimische Autoindustrie auf eigenem Boden an. Und das auch noch in Brandenburg – dem Bundesland, das bisher nicht viel Glück mit Großprojekten hatte. Die Cargolifter AG ging 2002 insolvent, ohne eine echte Luftschiff-Produktion aufgenommen zu haben, die geplante Chipfabrik Frankfurt (Oder) scheiterte 2003 und für den Lausitzring gab es anfangs höhere Erwartungen. Außerdem ist da noch den Flughafen BER, der sich zu einem beispiellosen Desaster entwickelt hat.

Tesla hat sich davon nicht schrecken lassen, vielleicht hat auch die Strahlkraft des unprovinziellen Berlin mit seinem Startup-Charme geholfen. Tesla hat bisher jedes geplante Werk hochgezogen – das bisher letzte in Shanghai in der rekordverdächtigen Zeit von nur einem Jahr. Mit der Gigafactory Berlin könnte der Knoten für Großprojekte in Brandenburg endlich platzen – das wäre dem Bundesland nur zu wünschen.

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