Gesundheitliche Probleme zählen zu den häufig unterschätzten Unfallrisiken im Straßenverkehr. Um diese frühzeitig zu erkennen, arbeiten die TU Braunschweig und die Medizinischen Hochschule Hannover zusammen an möglichen Früherkennungsszenarien. Auf der Automechanika Frankfurt wollen die Forschungspartner im September zwei Forschungsfahrzeuge präsentieren, die zeigen, wie sich das Auto in einen diagnostischen Gesundheitsraum verwandeln kann.
Die Forschungsfahrzeuge erfassen während der Fahrt verschiedene gesundheitsrelevante Signale, darunter die Herz- und Atemfrequenz. Mithilfe einer langfristigen, personalisierten Trendanalyse lassen sich Änderungen im Gesundheitszustand frühzeitig erkennen. Die Betroffenen können sich dann bei einem Arzt genauer untersuchen zu lassen.
In das Lenkrad integrierte Elektroden schreiben ein Elektrokardiogramm (EKG). Kameras am Innenspiegel analysieren Körperbewegungen und Farbänderungen im Gesicht, die auf Atem- und Herzrate zurückzuschließen lassen. Zur Aufnahme von Herztönen werden im Sicherheitsgurt integrierte Mikrofone genutzt. Ergänzt werden diese Verfahren durch Lichtsensoren zur Messung von Blutvolumenänderungen im Gewebe, um die Herzfrequenz zu erfassen und Herzrhythmusstörungen zu erkennen.
Unauffällige Fahrerüberwachung
Die komplette Sensorik wird dabei so unauffällig im Fahrzeug verbaut, dass der Fahrer nichts von der Überwachung mitbekommt und so auch sein Verhalten nicht anpasst. Für die Auswertung aller Signale wird eine KI genutzt. Damit diese Biodaten zuverlässig interpretiert werden können, werden parallel fahrdynamischen Daten aufgezeichnet. Erst durch die gemeinsame Betrachtung lasse sich einschätzen, ob eine Signalveränderung auf eine körperliche Belastung hindeutet oder ob sie durch die konkrete Fahrsituation erklärbar ist.
Mit der projektierten Fahrerüberwachung können laut Professor Thomas Deserno vom Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik (PLRI) an der TU Braunschweig, Herzinfarkte oder Schlaganfälle vermieden werden. Aber auch neurologische und pneumologische Krankheiten wie Parkinson oder COPD können bereits im Frühstadium diagnostiziert werden.
Von den Daten zur personalisierten Fahrfunktion
Doch es geht nicht nur darum, einzelne Vitaldaten im Auto zu erfassen. Das Forschungsfeld "Automotive Health" untersucht auch, wie sich aus diesen Daten kurzfristig nutzbare Informationen ableiten lassen. Denkbar sind personalisierte Fahrfunktionen, die sich an die jeweilige Situation der Fahrenden anpassen. Bei Signalauffälligkeiten könnte ein Fahrzeug die Sicherheit der Insassen erhöhen, indem es die Fahrassistenzsysteme anpasst. Auch Komfortfunktionen könnten künftig stärker an individuellen Bedürfnissen ausgerichtet und personalisierte Fahrfunktionen entwickelt werden.












