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09/2021, Atlis XT Elektro-Pickup Prototyp Erlkönig Atlis Motor Vehicles / Facebook
09/2021, Atlis XT Elektro-Pickup Prototyp Erlkönig
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09/2021, Atlis XT Elektro-Pickup Prototyp Erlkönig 32 Bilder

Atlis XT Elektro-Pickup: Als Prototyp plötzlich mit neuem Design

Atlis XT Elektro-Pickup (2021) Als Prototyp plötzlich mit neuem Design

Mit dem Atlis XT kündigt sich der nächste Elektro-Pickup aus US-Produktion an. Der erste Erlkönig hat jedoch optisch nichts mehr mit früheren Versionen gemein.

Elektro-Pickups sind gerade ein ganz heißes Thema in der US-Autoindustrie. Nicht nur bei den großen Konzernen Ford, General Motors und Fiat-Chrysler. Schon vor einiger Zeit kündigte Tesla mit großem Brimborium seinen Cybertruck an, Ford stieg kürzlich in die Vorproduktion des F-150 Lightning ein. Dann gibt es noch einige Start-ups, die Ähnliches planen. Bollinger entwickelt gerade den B2 zur Serienreife. Beim Rivian R1T EV hat kürzlich sogar schon die Serienfertigung begonnen.

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Ungewöhnliches Leuchten-Design am Atlis XT.

Und dann gibt es seit November 2016 noch die im US-Bundesstaat Arizona ansässige Firma Atlis Motor Vehicles. Deren Gründer und Geschäftsführer Mark Hanchett fing im Januar 2014 an, sich Gedanken über einen elektrisch angetriebenen Pick-up zu machen. Außerdem über die passende Infrastruktur und ein Geschäftsmodell, mit dem sich dann auch Geld verdienen lässt. Das Ergebnis ist der Atlis XT, der ursprünglich 2021 auf den Markt kommen sollte. Und zwar zu Preisen ab 45.000 Dollar (umgerechnet gut 37.000 Euro).

Optik-Mix aus Zukunft und Vergangenheit

Inzwischen hat Atlis die ersten Prototypen fertig, von denen einige auch schon mit der typischen Erlkönig-Beklebung unterwegs sind. Allerdings präsentieren diese Autos ein völlig neues Design. War der XT bisher einem Rivian R1T oder einem Lordstown Endurance optisch sehr ähnlich, kommt er nun optisch deutlich robuster daher. Mit seinen flächigen Formen und der stark ansteigenden Motorhaube weckt er Assoziationen mit dem Cybertruck.

Die eckigen ausgestellten Radläufe und die nach außen versetzte Schulterlinie an der Karosserie erinnern dagegen an die Pick-ups der Siebziger- und Achtzigerjahre. Unter den in Schwellerhöhe angebrachten Tritthilfen sind die seitlichen Begrenzungen der Skateboard-Plattform zu erkennen. Als Scheinwerfer fungieren auf jeder Seite vier quadratische Leuchten-Augen; das darüber positionierte Tagfahrlicht sieht aus wie die passende Augenbraue. Auch die Heckleuchten bestehen aus mehreren Elementen.

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Der Atlis XT sollte ursprünglich 2021 auf den Markt kommen. Da nun die ersten Erlkönig-Prototypen auf die Straßen rollen, dürfte das nicht zu schaffen sein.

Die Eckdaten des XT klingen verheißungsvoll. Es soll ihn mit drei Batterieoptionen geben, die alle mit speziell auf die Anforderungen von Elektroautos optimierten Zellen ausgerüstet sind. Die kleinste von ihnen bietet eine Kapazität von 125 Kilowattstunden, für die größte gibt Atils das Doppelte an. Die Akkupakete sollen Reichweiten von bis zu 483, 644 oder 805 Kilometern zulassen. Die Elektromotoren sollen den Pick-up in fünf Sekunden von null auf 60 mph (96,6 km/h) und auf maximal 193 km/h beschleunigen. Bei voller Ausnutzung des zulässigen Gesamtgewichtes soll der 0-auf-60-mph-Sprint immer noch in 18 Sekunden möglich sein.

Allradantrieb und anpassungsfähiges Luftfahrwerk

Das ist beeindruckend, schließlich strebt Atlis ein zulässiges Gesamtgewicht inklusive etwaigem Anhänger von knapp 16 Tonnen an. Ist der XT komplett aufgerüstet, zum Beispiel mit einer Sattelaufliegerkupplung auf der Ladefläche und Zwillingsbereifung hinten, soll er bis zu neun Tonnen schwere Anhänger schleppen können. An die normale Anhängerkupplung nimmt er bis zu 7,7 Tonnen schwere Trailer. Die Zuladung für den XT selbst liegt bei knapp 2,3 Tonnen.

Atlis XT Elektro-Pick-up
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Atlis will seine Skateboard-Plattform namens "XP" auch anderen Herstellern anbieten.

Um das zu bewältigen, ist Allradantrieb von Vorteil. Atlis stellt diesen sicher, indem jedes Rad unabhängig von einem Elektromotor ausgerüstet wird. Pro Achse gibt es ein Getriebe mit festem Gang. Die Systemleistung soll über 608 PS betragen, an den Rädern in der Spitze ein maximales Drehmoment von 16.270 Newtonmetern anliegen. Die Räder sind einzeln aufgehängt und verfügen über einen Federweg von gut 25 Zentimetern. Die Luftfederung senkt den Pick-up nicht nur ab, wenn er beladen wird, sondern reagiert automatisch auf den Beladungszustand und stellt sicher, dass die Bodenfreiheit stets gut 30 Zentimeter beträgt. Optional kann der XT aber auch mit einem Offroad-Fahrwerk ausgerüstet werden, das die Bodenfreiheit auf 38 Zentimeter erhöht. Lenkung und Bremse funktionieren ohne physische Verbindung auf elektronischem Wege ("by wire").

Kofferraum unter der Fronthaube

Ein Alleinstellungsmerkmal des Atlis XT ist sein 524 Liter großer Gepäckraum unter der Fronthaube, in den Firmenangaben zufolge zwei große Koffer passen. Zur einfachen Beladung lässt sich der Bereich, in dem bei Verbrenner-Pickups der Kühlergrill sitzt, nach unten klappen. Außerdem gibt es hier zwei Stromanschlüsse, um beispielsweise Werkzeug zu betreiben. Die Ladefläche kann mit einem Druckluft-Anschluss samt Luftkompressor ausgerüstet werden und ist entweder 1,98 oder 2,44 Meter lang, was im letzten Fall den Radstand von 3,66 Meter auf 4,47 Meter streckt.

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Statt klassischer Rückspiegel setzt Atlis Kameras ein.

Aktuelle Pick-up-Trucks sind ja eher robuste Low-Tech-Nutzfahrzeuge. Atlis hat einen anderen Anspruch, der sich unter anderem durch die Verwendung von Kameras statt Außenspiegeln manifestiert. Deren Bilder werden auf zwei Monitore neben dem Lenkrad projiziert. Doch damit nicht genug der Kameras. Es gibt welche an den Anhängerkupplungen, um Trailer sicher aufzunehmen. Weitere Linsen blicken nach vorne und um Ecken.

Der Atlas XT soll irgendwann autonom fahren

Langfristig soll der XT kontinuierlich derart aufgerüstet werden können, dass er auf Level 5 autonom fährt – und zwar auch, wenn er sich schon in Kundenhand befindet, dann per Software-Update over-the-air. Anfangs muss ein Abstandsregel-Tempomat als serienmäßige elektronische Fahrhilfe reichen. Optional gibt es Assistenten zum Einparken und Spurhalten.

Atlis XT Elektro-Pick-up
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Digitale Instrumente, XXL-Touchscreen: So war der Innenraum des Atlis XT früher geplant. Ob das Design weiter Bestand haben wird, verrät der Hersteller noch nicht.

Die zentrale Infotainment-Einheit ist ein großer Touchscreen mit Dreh-Rückstell-Knopf. Über ihn lassen sich die Fahrzeugfunktionen – darunter Heizung und Kühlung – ebenso steuern wie Smartphones per Apple Carplay oder Android Auto. Auch die Instrumente sind digital ausgeführt. Die aus vier großen rechteckigen Lampen bestehende Innenraum-Beleuchtung taucht das Cockpit in ein blaues Licht. Insgesamt ist das drei- oder sechssitzige Interieur aber eher funktional ausgestattet; gegen Aufpreis sind die Sitze jedoch mit Leder statt Stoff bezogen sowie beheizt und gekühlt und die Vinyl-Landschaft mit Teppich ausgekleidet. Wie in den USA üblich gibt es mehrere Fahrerhaus-Varianten: Die kleinere Extended Cab bietet hinten Notsitze, während die große Crew Cab den Atlis XT zum echten Viersitzer macht.

Die Schnellladesäule ist eine Eigenentwicklung

Doch Atlis denkt über das eigentliche Auto hinaus. Mit der derzeitigen Ladeinfrastruktur ist die Firma zum Beispiel unzufrieden; sie sei bruchstückhaft, kompliziert und zeitaufwändig. Deshalb hat Atlis eine eigene Schnellladesäule entwickelt, an der der XT Stand heute in 15 und in Zukunft – die Firma nennt 2025 als Zieljahr – in nur fünf Minuten aufgeladen werden soll. Die Bezahlung soll vereinfacht werden, indem Kunden pro Jahr eine Einmalzahlung leisten und daraufhin uneingeschränkten Zugang zu den Ladesäulen erhalten, die wiederum direkt mit dem Auto kommunizieren und darüber den Kunden erkennen kann.

Atlis XT Elektro-Pick-up
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15 Minuten Ladezeit, und die Batterie ist voll - verspricht Atlis jedenfalls. Hier zeigt sich der XT jedoch noch in seiner alten Gestalt.

Schließlich will Atlis seine Skateboard-Plattform (sie heißt "XP) auf dem freien Markt anbieten. Wer also elektrisch angetriebene Wohnmobile, Vans, Pick-ups, Lastwagen oder Fahrzeuge anderer Kategorien bauen möchte, kann das Chassis samt darin integrierter Batterie kaufen. Wer sich für den fertigen XT-Pick-up entscheidet, muss ihn nicht zwangsläufig kaufen. Er oder sie kann sich für mindestens 700 Dollar (gut 610 Euro) monatlich ein Abonnement gönnen, das Laden, Wartung und Versicherung sowie ein neues Auto alle drei, fünf oder sieben Jahre umfasst. Anfangs möchte Atlis, das eine Zehn-Jahres-Garantie für seinen Pick-up anstrebt, mit unabhängigen Werkstätten zusammenarbeiten, wenn der XT mal gewartet oder repariert werden muss. Je nach Wachstum der Firma will man aber beizeiten ein eigenes Servicenetz auf die Beine gestellt haben.

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Ja, ein Elektroantrieb ist offroad und zum Ziehen von Lasten super.
Nein, wahrscheinlich zu schwer, zu teuer, zu geringe Reichweite.

Fazit

Atlis hat sich sehr viel vorgenommen und verspricht für den XT Dinge, die zu schön scheinen, um wahr zu sein. Mark Hanchett wäre nicht der erste Gründer eines E-Auto-Start-ups, der viel will und sich damit übernimmt. Andererseits ist sein ganzheitlicher Ansatz anerkennenswert. Irgendwie erinnert das Ganze an Elon Musk und Tesla vor rund 15 Jahren. Man darf gespannt sein, in welche Richtung Atlis nun abbiegt.

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