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Projekt Artemis: Audis neuer Elektro-Reisekombi

Projekt „Artemis“ bei Audi Hat der „Landjet“ jetzt schon Verspätung?

Audi muss Elektro-Rückstand aufholen. Das passende E-Auto soll 2024 fertig werden. Laut aktueller Gerüchte wackelt aber der Zeitplan. Was ist da dran?

Audi-Chef Markus Duesmann ist gleichzeitig Konzernvorstand für Forschung und Entwicklung bei Volkswagen. Eine Kombination, die sicher nicht zum Nachteil für die Audi-Entwicklungsabteilung werden wird.

Audi AG; Ceo Markus Duesmann
AUDI AG
Audi-CEO Markus Duesmann setzt nach kaum zwei Monaten den Blinker und will Audi mit einer Technolgie-Taskforce zurück ins Hightech-Zeitalter führen.

Vorbild für die VW-Konzernentwicklung

Wie entsprechende Synergien aussehen können, zeigt Duesmanns Ankündigung das Projekt "Artemis". Zweieinhalb Monate nach Amtsantritt rief Duesmann "eine Einheit für das beschleunigte Entwickeln zusätzlicher Auto-Modelle" ins Leben. Chef des schnelles Hightech-Brüters wurde Alex Hitzinger, erfolgreicher Motorsport-Chefingenieur und aktuell Treiber des autonomen Fahrens im Konzern. Der entwickelte mit einem kleinen Team von Automobil- und Technologieexperten im ersten Schritt "schnell und unbürokratisch ein wegweisendes Modell für Audi", so Duesmann. Dabei standen ihm die Ressourcen und Technologien des gesamten Volkswagen Konzerns zur Verfügung.

Inzwischen sind die Arbeiten am neuen Modell gut vorangekommen, laut Markus Duesmann wurde die erste Konzeptphase inzwischen erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen des "Power Day 2021" kündigte Duesmann an, dass das Auto das erste Fahrzeug sein wird, das eine neue, standardisierte Einheits-Batterie nutzen wird. Intern sprechen die Entwickler vom "Landjet", was aber auf keinen Fall als Modellbezeichnung auftauchen wird. Es ist viel mehr eine Funktionsbeschreibung. "Landjet", das klingt nach einem Flugzeug für die Straße. Komfortables Reisen auf vier Rädern. Und genau darum geht es auch. Bereits 2024 soll die Serienversion des "Landjet" als das dann 10. Elektroauto der Marke auf den Markt kommen. Im Fokus des Leuchtturm-Projekts "stehen neue Technologien rund um das elektrische, hoch-automatisierte Fahren mit konkretem Modellbezug. Der erste Auftrag ist ein hocheffizientes Elektroauto". Das Kreativteam werde "außerdem ein weitreichendes Ökosystem um das Auto herum schaffen und so ein neues Geschäftsmodell für die gesamte Nutzungsphase entwerfen".

Offiziell ist Artemis im Zeitplan

Aber: So ganz rund läuft es laut einiger Medienberichte aber noch nicht. Laut einem Bericht des "Business Insider" wackelt der Zeitplan des Landjet-Projekts gewaltig, intern sei frühestens von 2025 die Rede. Neben dem Problem mit der Software-Entwicklung (viele Ressourcen sind aktuell bei den ID-Modellen und dem Golf 8 gebunden) macht laut der Berichte vor allem die komplexe Zusammenarbeit auf Konzernbasis Ärger. Zu viele Verantwortlichkeiten, zu viele Befindlichkeiten. Von einer Verspätung will man aber offiziell noch nichts wissen. "Das Projekt liegt voll im Zeitplan und wird auch so geliefert werden!", bestätigte ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage von auto-motor-und-sport.de. Zu den internen Querelen gibt es allerdings keinen offiziellen Kommentar. Mit Blick auf die Größe des VW-Konzerns und die über viele Jahrzehnte gewachsene Struktur kann man sich leicht ausrechnen, dass so ein Projekt, das mit Höchstgeschwindigkeit an gelernten Entwicklungsprozessen vorbeisegeln soll, nicht nur Freunde im Konzern hat.

Ein raumfunktionaler E6?

Spinnen wir den Landjet-Gedanken mal weiter. In welchem Segment könnte ein solches Modell starten? Einer im Hinblick auf die hohe Effizienz naheliegenden Neuinterpretation des A2, vielleicht in Größe und Art der autonom fahrenden Studie Ai:Me, erteilen für gewöhnlich gut unterrichtete Unternehmenskreise genauso eine Absage, wie einem SUV. Elektro-SUVs hat Audi aktuell schon zwei auf dem Markt, bis 2021 werden es mit des Q4 E-Tron drei sein, ein Q4 Sportback wäre nur logisch. Außerdem haben hochbauende SUVs nicht gerade gute Voraussetzungen was die Effizienz angeht.

Audi Ai:con: Interurbanes Autonom-Shuttle

Audi IAA Showcar 2017, Concept Car
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Audi IAA Showcar 2017, Concept Car Audi IAA Showcar, IAA Concept Car, IAA 2017 Audi IAA Showcar, IAA Concept Car, IAA 2017 Audi IAA Showcar, IAA Concept Car, IAA 2017 20 Bilder

Das neue Modell wird also in den Kernsegmenten der Marke angesiedelt sein – wobei es da, was E-Autos angeht, gar nicht mehr so viele Lücken gibt. Das intern E6 genannte Viertürer-Coupé soll außen etwa die Größe eines A5 Sportback haben, innen dank der Packaging-Vorteile des Elektroantriebs Platz wie ein A6 bieten. Außen größer wird der mit dem Taycan verwandte E-Tron GT, ebenfalls ein viertüriges Coupé. Für einen schicken Elektro-Avant in A6-Größe wäre noch Platz. Die Lücken in der künftigen E-Auto-Palette von Audi mit Blick auf Pendants von aktuellen Verbrenner-Baureihen schließen zu wollen, ist allerdings für "Artemis" wenig zielführend. Schließlich soll das neue Modell nichts werden, was Audi jetzt schon im Regal hat. Trotzdem: Mit etwas mehr als fünf Meter Außenlänge ein Stück größer wie ein A6 und mehr Raumfunktionalität sowie einem besseren Platzangebot als ein Coupé dürfte der Rahmen für den "Landjet" gezogen sein. "Wir lassen uns von Design-Concepten wie dem Audi Avantissmo oder dem Prologue Avant inspirieren!", hat auto-motor-und-sport.de aus Unternehmenskreisen erfahren. "Allerdings ans Thema Elektromobilität angepasst!". Heißt: Kürzere Überhänge, etwas höhere Bauform und ein vergleichsweise flaches Heck, um den Luftwiderstand zu reduzieren. Aber eben dennoch ein komfortables Reiseauto.

Audi prologue Avant Projekt Landjet
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Inspirationsobjekt: Die Studie Prologue Avant, mit der Audi 2015 auf dem Genfer Autosalon debütierte.

Konzerntechnik neu gedacht

Und die Technik? Dass die neue agile Entwicklungstruppe alle Freiheiten hat, heißt weniger, dass sie alles neu entwickelt, sondern dass sie sich im ganzen Konzern bedienen kann. Schließlich soll "Leuchtturm" nicht heißen, dass da ab 2024 eine Kleinserie von 500 Einzelstücken an ausgewählte Kunden verteilt wird, sondern dass der technische Fortschritt die Konkurrenz in einem volumenträchtigen Segment in die Röhre gucken lassen soll. Könnte also heißen, das Projektteam findet die Batteriegehäuse des Taycan mit den Höhe sparenden Fußgaragen prima, möchte aber leistungsfähigere Zellen beispielsweise aus der Northvolt-Kooperation verwenden.

Audi Ai:Me: Der elektrische A2 für die Zukunft

Audi AI:ME Concept Car Shanghai 2019
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Audi AI:ME Concept Car Shanghai 2019 Audi AI:ME Concept Car Shanghai 2020 Audi AI:ME Concept Car Shanghai 2021 Audi AI:ME Concept Car Shanghai 2022 23 Bilder

Den Fokus auf hochautomatisiertes Fahren wird man relativieren müssen. Auch bei Audi hat sich nicht erst mit der Entscheidung, die AI-Technik im aktuellen A8 gar nicht mehr zu homologieren, die Erkenntnis durchgesetzt, dass vollautonomes Fahren im urbanen Raum eher was für öffentliche Shuttles auf eigenen Spuren ist, während Privatautos ihren Kunden nur in bestimmten Situationen (Autobahn, Stau) vergleichsweise stupide Überwachungsaufgaben abnehmen sollen. Bei Vernetzung und Datensammeln wird Audi aber dennoch auf Tesla blicken, wo die Flotte aller verkauften Autos einen allmählich uneinholbaren Datenschatz angehäuft hat.

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Vorbild Tesla

Herbert Diess' Wertschätzung vor allem für diese Leistung von Tesla ist bekannt. Dazu passt, dass Artemis-Projektleiter Alex Hitzinger als bisheriger Markenvorstand für Technische Entwicklung bei Volkswagen Nutzfahrzeuge zugleich im Volkswagen Konzern das Thema Autonomes Fahren leitete. Zuvor war Hitzinger unter anderem bei Apple, wo er die Produktentwicklung für autonome Fahrzeuge aufbaute und leitete. Sorgen, Hitzinger sei zu wenig Petrol-Head, dürften dennoch unbegründet sein: Hitzinger startete seine Automobil-Karriere als Entwicklungsingenieur bei Toyota Motorsport, wurde bei Ford/Cosworth jüngster Chefentwickler in der Formel 1. Und verantwortet dort den ersten Formel-1-Motor mit einem Drehzahlband bis 20.000 Umdrehungen pro Minute. Bei Porsche baute er schließlich Motorsport-Team auf, das von 2015 bis 2017 in Le Mans siegte und die Langstreckenweltmeisterschaft gewann.

LMP1-Porsche 919 Hybrid, Technikchef Alex Hitzinger
Porsche
Artemis-Chef Alex Hitzinger startete seine Automobil-Karriere als Entwicklungsingenieur bei Toyota Motorsport, wurde bei Ford/Cosworth jüngster Chefentwickler in der Formel 1. Und verantwortet dort den ersten Formel-1-Motor mit einem Drehzahlband bis 20.000 Umdrehungen pro Minute. Bei Porsche baute er schließlich Motorsport-Team auf, das von 2015 bis 2017 in Le Mans siegte und die Langstreckenweltmeisterschaft gewann.

Augenmerk auf die Lade-Infrastruktur

Bleibt noch die Frage, was mit einem "weitreichenden Ökosystem um das Auto herum" sowie mit einem neuen "Geschäftsmodell für die gesamte Nutzungsphase gemeint ist. Auch hier hilft der Blick ins Silicon Valley. Tesla hat den etablierten Herstellern ja mehrerees voraus. Entscheidend bei einem Elektroauto ist das Laden. Offenbar sieht man das inzwischen auch bei Audi als entscheidend an, als Hersteller die Energieversorgung seiner Fahrzeuge unter Kontrolle zu haben. Ob Audi sich deshalb gleich eine eigene Lade-Infrastruktur aufbaut, oder "nur" einen besonders privilegierten Zugang zum Ionity-Ladenetz bekommt, darüber sprechen sie in Ingolstadt aktuell noch nicht. Wohl aber davon, dass der "Landjet" natürlich Plug&Charge-fähig sein wird. Over the Air-Updates (OTA) bzw. "Function on demand" starten bei Audi ohnehin schon in die Serie. Hilfreich dürfte bei all dem sein, dass die konzerneigene car.Software.org, die digitale Angebote beisteuern soll, ihre Basis ebenfalls in Ingolstadt hat.

Zum Kaufen, leasen, oder abbonieren?

Ebenfalls wahrscheinlich sind kreative Abomodelle, für die der Hersteller mit "Audi on demand" Erfahrung sammelt und mit den vier Concept Cars wie Aicon, Ai:Me, Ai:Race und AI:Trail diverse Nutzungsszenarien skizziert hat. Alles nicht wirklich neu, aber auch noch nicht alles in Serie, vor allem nicht in Kombination.

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Brandneue Produktpalette mit zwei Elektro-SUVs - muss Audi aufholen?
Ja, die einstigen Aushängeschilder A8, R8, TT sind Schatten ihrer selbst, die Stückzahlen hinter der Konkurrenz.
Nein, Audi hat schon zigtausend E-SUVs verkauft, ehe BMW oder Daimler eines haben, die Q-Modelle sind erfolgreich.

Fazit

Dass das neue Audi-Projekt den Namen der Jagdgöttin Artemis trägt, ist ein Weckruf für die Marke und das Eingeständnis, dass es etwas aufzuholen gibt. Gleichzeitig erhoffen sich die ehemaligen BMW-Kollegen Diess und Duesmann eine Dynamisierung der Entwicklung im riesigen Gesamtkonzern. Wie das erste Artemis-Modell genau heißen wird, ist noch offen. Aber allein, dass der "Landjet" kein SUV ist, kann man in diesen Zeiten schon eine Überraschung nennen.

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