VW Trinity 2026 VW
Designstudie autonomes Auto innen
Designstudie autonomes Auto außen
VW Trinity 2026
VW Trinity 2026 39 Bilder

VW Project Trinity: Elektro-Fließheck für 35.000 Euro

Volkswagen Project Trinity (2026) VWs volldigitale E-Limousine für 35.000 Euro

VW hat für 2026 ein Flachboden-Elektroauto mit neuer Elektronikstruktur, Betriebssystem und großen Fähigkeiten zum Autonomen Fahren zu massentauglichen Preisen angekündigt. Die technische Basis ist ein evolutionär weiterentwickelter MEB.

Die elektrisch angetriebene Limousine will VW ab 2026 in Wolfsburg bauen. Sie soll neue Maßstäbe bei Reichweite, Ladegeschwindigkeit sowie Digitalisierung setzen – und wird hochautomatisiert nach Level 4 fahren können, so VW. Zum geplanten Serienstart 2026 wird Trinity bereits das Level 2+ erreichen, aber technisch bereit für Level 4 sein. "Wir nutzen unsere Skaleneffekte, um autonomes Fahren vielen Menschen verfügbar zu machen und ein lernendes, neuronales Netzwerk aufzubauen. Damit schaffen wir die Voraussetzungen für den kontinuierlichen Datenaustausch unserer Fahrzeugflotte – etwa zur Verkehrslage, Hindernissen oder Unfällen", so Ralf Brandstätter, CEO der Marke Volkswagen.

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Eine neue Plattform für das Volumensegment

Bei der ersten Präsentation Anfang 2021 sagte VW-Markenchef Ralf Brandstätter, nach der Neukonzeption der Strategie Richtung E-Antrieb und den ersten Modellen auf Basis des Modularen Elektrobaukastens (MEB) sei es Zeit für den nächsten Schritt. Trinity sei ein "ein hocheffizientes Flachsitzkonzept mit ikonischem Design. Unser Innovationsführer!", so Brandstätter. Anfang März 2021 bezeichnete er das Projekt als "so etwas wie der Kristallisationspunkt unserer Strategie ACCELERATE, ein Leuchtturmprojekt, unser Software Dream-Car". Trinity oder lateinisch Trinitas bezeichnet die Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit. Dementsprechend soll dieses Auto für 3 Dinge stehen:

  • Eine neue Architektur: "Als globaler Baukasten-Champion übernehmen wir die Führung für eine hochmoderne elektrische Flachbodenplattform und gestalten die neue Konzern-Architektur mit. Wir setzen Maßstäbe in Reichweite, Ladegeschwindigkeit und vor allem Digitalisierung".
  • Als Punkt zwei nennt Brandstätter das "Autonome Fahren" und einen "neuronalen Schub": VW will "mit diesem Fahrzeug das autonome Fahren demokratisieren". Trinity soll Level 2+ erreichen und technisch bereit für Level 4 sein. "Wir nutzen unsere Skaleneffekte, um ein lernendes, neuronales Netzwerk für die gesamte Gruppe aufzubauen", so Brandstätter auf Linkedin.
  • Als dritten Punkt der "Dreiheit" führt Brandstätter einen "radikal neuen Produktionsansatz" ins Feld: Mit der Produktion der Serienversion soll das Werk Wolfsburg zum Aushängeschild für modernste, intelligente und vollvernetzte Produktionsprozesse. "Wir werden unsere Art Autos zu bauen komplett neu denken und revolutionäre Ansätze einführen. Digitalisierung, Automatisierung und Leichtbau spielen hier eine wichtige Rolle", so Brandstätter. Und mit einem Seitenhieb auf Tesla sagte der VW-Chef Anfang des Jahres: "Wir zeigen Ihnen, dass man innovative Elektroautos nicht nur in Berlin, sondern auch am Ufer des Midland-Kanals hocheffizient und wirtschaftlich bauen kann".

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Die neue Elektronik ist dabei kein Selbstzweck. VW will künftige Fahrzeugmodelle wie Trinity mit erheblich weniger Varianten produzieren, die Hardware soll weitgehend vereinheitlicht werden. Die Autos haben dann quasi alles an Bord und der Kunde kann gewünschte Funktionen jederzeit "on demand" über das digitale Ökosystem im Auto freischalten. Die Komplexität in der Fertigung nimmt dadurch deutlich ab, so VW. Durch die Weiterentwicklung des Automobils zum softwarebasierten Produkt schaffe Volkswagen die Voraussetzungen für neue, datenbasierte Geschäftsmodelle. Einstiegshürden in die individuelle Mobilität sollen bei gleichzeitig noch attraktiveren Nutzungspaketen sinken. So will Volkswagen zusätzliche Erlöse in der Nutzungsphase generieren – für Lade- und Energiedienstleistungen, für softwarebasierte Funktionen, die der Kunde je nach Bedarf dazu buchen kann, oder auch für das automatisierte Fahren. "Künftig wird die individuelle Konfiguration des Fahrzeugs nicht mehr über die Hardware beim Kauf festgelegt. Vielmehr kann der Kunde Funktionen jederzeit "on demand" über das digitale Ökosystem im Auto hinzubuchen", so VW Marken-Chef Brandstätter.

Gemeinsamkeiten mit Audis Artemis?

Vieles davon klingt nach dem Leuchtturmprojekt „Artemis“. Das hatte Markus Duesmann, seit 1. April 2020 nicht nur Audi- sondern auch Entwicklungs-Chef des Volkswagen-Konzerns, bereits im Juni 2020 angekündigt. Artemis soll "eine Einheit für das beschleunigte Entwickeln zusätzlicher Auto-Modelle" sein. Chef des schnelles Hightech-Brüters ist Alex Hitzinger, erfolgreicher Motorsport-Chefingenieur und zuvor Treiber des autonomen Fahrens im Konzern. Hitzinger soll mit einem Team von Automobil- und Technologieexperten im ersten Schritt "schnell und unbürokratisch ein wegweisendes Modell für Audi entwickeln", so Duesmann.

Im Fokus des Leuchtturm-Projekts "stehen neue Technologien rund um das elektrische, hoch-automatisierte Fahren". Dabei stehen Hitzinger die Ressourcen und Technologien des gesamten Volkswagen Konzerns zur Verfügung. Duesmann und seine Kollegen erwarten vom Projekt "Artemis" auch eine Blaupause für die künftige, agile Entwicklung von Automobilen im gesamten Volkswagen Konzern". Inzwischen sind die Arbeiten am neuen Modell gut vorangekommen, intern sprechen die Entwickler vom "Landjet", was aber auf keinen Fall als Modellbezeichnung auftauchen wird. Es ist viel mehr eine Funktionsbeschreibung. "Landjet", das klingt nach einem Flugzeug für die Straße, nach komfortablem Reisen auf vier Rädern. Bereits 2024 soll die Serienversion des "Landjet" als das dann 10. Elektroauto von Audi auf den Markt kommen. Das zweite Artemis-Auto wird ein Porsche werden.

Audi Zukunft, Audi Landjet
Christian Schulte
Das erste Artemis-Modell von Audi wird ein Luxusmodell, aber kein SUV.

Etwa so lang wie ein Golf, Basispreis 35.000 Euro

Artemis bringt vor allem die neue Elektronikstruktur und das von der Software.org entwickelte Betriebssystem. Die Aufgabe von Trinity ist laut Brandstätter, beides vom Premium- ins Volumensegment zu übersetzen. VW bezeichnet das als gemeinsamen "Backbone". Aber während die technische Basis von Artemis die Premium Plattform Electric (PPE) bildet, eine Elektroauto-Architektur die Audi gemeinsam mit Porsche entwickelt, steht "Trinity" auf dem MEB-Evo.

Denn das Serienauto soll 2026 in einem "sehr Volkswagen-typischen" Preis- und Volumensegment antreten, wohl eher zwischen Golf und Passat oder in E-Autos gesprochen zwischen ID.3 und ID.4, wobei Trinity eben kein SUV wird, sondern mit einer flache Karosserie kommt. Der "Welt am Sonntag" sagte Brandstätter dazu: "Es wird ein dynamisches und flaches Auto mit etwas über vier Meter Länge, das es so in unserer aktuellen Modellplatte noch nicht gibt." Und er brachte einen Einstiegspreis von 35.000 Euro ins Spiel. Zum Vergleich: Ein Golf 8 ist 4,28 Meter lang und kostet in der Basis gut 20.000 Euro, der ID.3 misst 4,26 Meter und seit kurzem gibt es ihn ab gut 31.000 Euro. Anfang März veröffentlichte VW eine Silhouette des Fahrzeugs für 2026. Es zeigt eher ein Schrägheck-Auto à la Audi A7 bzw. einen Kombi mit stark fallender Dachlinie, entsprechend flach liegender Heckscheibe und hoch liegender Abrisskante mit integriertem Spoiler.

VW Trinity 2026
VW
Die erste Skizze zu Trinity zeigt eine strömungsgünstige Karosserieform mit sehr flach auslaufendem Heck und hoher Abrisskante.

Auf einem Bild, das Brandstätter Anfang des Jahres auf LinkedIn postete, ist ein abgedecktes Fahrzeug sehen, dessen Proportionen an einen Arteon Shooting Brake erinnern, nur breiter und eher flacher. An der Front ist unter dem Tuch ein großes ausgeformtes VW-Logo zu erahnen, die Scheinwerfer erinnern mit ihrem ausgeprägten Bogen nach oben an die des Golf V oder einfach nur an die der aktuellen ID.-Modelle. Die Stirnfläche dürfte günstiger ausfallen als beim Vizzion (quasi der elektrische Passat), weil die neue Plattform sehr viel flacher zu bauen scheint.

VW Trinity 2026
VW
Die Front erinnert an die ID.-Modelle, die Silhouette an den Arteon Shooting Brake.

Dazu muss die beim MEB noch rund 14 Zentimeter starke Batterie im Fahrzeugboden entweder erheblich dünner sein oder wie beispielsweise beim Porsche Taycan an den entsprechenden Stellen Aussparungen haben, um ausreichend Innenraumhöhe zu schaffen. Eine derart zerklüftete Batterie dürfte aber für das angestrebte Volumensegment zu teuer werden – es sei denn, VW strebt wie Tesla die Integration der Akkuzellen in tragende Strukturen der Bodengruppe an.

Das Volumen braucht Volkswagen nicht wie immer für die Skalierung und die Preise, sondern auch für die Vernetzung: Trinity soll den Datenaustausch innerhalb der VW-Flotte (Neural Boost) bringen, den die Modelle der Zukunft zum autonomen Fahren brauchen – auch die der anderen Konzernmarken. Die Teams von Artemis und Trinity werden sich nicht nur dafür vernetzen. Die Zusammenarbeit der Wolfsburger mit der in Ingolstadt sitzenden Software.org wird sehr "integriert" ablaufen, so Brandstätter.

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Ja, zum autonom Fahren brauchen Autos Schwarmintelligenz und Software muss künftig over the air updatebar sein.

Fazit

Den MEB wird VW in vielen schnellen Evolutionsschritten weiter entwickeln, vor allem was die klassische Hardware eines E-Autos wie Batterien und Ladefähigkeiten angeht. Neue Elektronik und Digitalisierung bringt dann Trinity. Dass darunter auch eine neue Architektur steckt, passt zum Erscheinungsjahr 2026, dass ihre Entwicklung bei VW stattfindet zur bisherigen Aufteilung der Entwicklungsaufgaben. Konzernsynergien heben die Marken vor allem bei der Elektronik und Digitalisierung; und natürlich wird der Trinity-Baukasten auch den anderen Marken zur Verfügung stehen. Die Preisvorstellung von 35.000 Euro ist eine Kampfansage vor allem an die Premiumkonkurrenz.

Die enormen Investitionen in den MEB wird sich VW über eine lange Laufzeit über 2026 hinaus zurückholen, auch über die Kooperation mit Ford. Für 2025 hat Brandstätter schon kleinere Modelle (ID.1, ID.2) im Preissegment von 20.000 bis 25.000 Euro angekündigt, MEB und MEB II (Trinity) werden sich also länger überschneiden.

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