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VW Project Trinity: Tesla-Fighter für 35.000 Euro

Volkswagen Project Trinity (2026) VWs volldigitaler Elektro-Golf für 35.000 Euro

VW kündigt ein Flachboden-Elektroauto, also kein SUV, mit neuer Elektronikstruktur, Betriebssystem und großen Fähigkeiten zum Autonomen Fahren für den Massenmarkt an. Die technische Basis könnte dereinst den MEB ablösen.

In der Entwicklungsabteilung von Volkswagen werden erneut Stühle gerückt. Thomas Ulbrich, bisher E-Mobilitätsvorstand der Marke Volkswagen Pkw, wird zum 1. Februar 2021 Vorstand für technische Entwicklung. Er folgt auf Frank Welsch, der die Leitung der neu ausgerichteten Qualitätssicherung des Konzerns übernehmen wird. Die Aufgaben des bisher von Thomas Ulbrich geleiteten Vorstandsbereichs E-Mobilität will VW "nach der erfolgreichen Markteinführung der ersten Fahrzeuge auf MEB-Basis zurück in die Verantwortungsbereiche der jeweiligen Ressorts" überführen. Ein klares Signal, dass Elektro das neue "Normal" ist.

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Eine neue Plattform für das Volumensegment

VW-Markenchef Ralf Brandstätter gab mit der Bekanntgabe der Personalien auch gleich erste Ausblicke auf "Project Trinity", ein Elektroauto mit neuer Plattform, das 2026 auf den Markt kommen soll. Nach der Neukonzeption der Strategie Richtung E-Antrieb und den ersten Modellen auf Basis des Modularen Elektrobaukastens (MEB) sei es Zeit für den nächsten Schritt. Trinity sei ein "ein hocheffizientes Flachsitzkonzept mit ikonischem Design. Unser Innovationsführer", so Brandstätter. Trinity oder lateinisch Trinitas bezeichnet die Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit. Dementsprechend soll dieses Auto für 3 Dinge stehen:

  • Eine neue Architektur: "Als globaler Baukasten-Champion übernehmen wir die Führung für eine hochmoderne elektrische Flachbodenplattform und gestalten die neue Konzern-Architektur mit. Wir setzen Maßstäbe in Reichweite, Ladegeschwindigkeit und vor allem Digitalisierung".
  • Als Punkt zwei nennt Brandstätter das "Autonome Fahren" und einen "neuronalen Schub": VW will "mit diesem Fahrzeug das autonome Fahren demokratisieren". Trinity soll Level 2+ erreichen und technisch bereit für Level 4 sein. "Wir nutzen unsere Skaleneffekte, um ein lernendes, neuronales Netzwerk für die gesamte Gruppe aufzubauen", so Brandstätter auf Linkedin.
  • Als dritten Punkt der "Dreiheit" führt Brandstätter einen "radikal neuen Produktionsansatz" ins Feld: Wolfsburg entwickele sich zu einem Flaggschiff für innovative, voll vernetzte Produktionsprozesse". Und mit einem Seitenhieb auf Tesla sagt der VW-Chef: "Wir zeigen Ihnen, dass man innovative Elektroautos nicht nur in Berlin, sondern auch am Ufer des Midland-Kanals hocheffizient und wirtschaftlich bauen kann".

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Gemeinsamkeiten mit Audis Artemis?

Vieles davon klingt nach dem Audi Leuchtturmprojekt „Artemis“. Das hatte Markus Duesmann, seit 1. April 2020 nicht nur Audi- sondern auch Entwicklungs-Chef des Volkswagen-Konzerns, bereits im Juni 2020 angekündigt. Artemis soll "eine Einheit für das beschleunigte Entwickeln zusätzlicher Auto-Modelle" sein. Chef des schnelles Hightech-Brüters ist Alex Hitzinger, erfolgreicher Motorsport-Chefingenieur und zuvor Treiber des autonomen Fahrens im Konzern. Hitzinger soll mit einem Team von Automobil- und Technologieexperten im ersten Schritt "schnell und unbürokratisch ein wegweisendes Modell für Audi entwickeln", so Duesmann.

Im Fokus des Leuchtturm-Projekts "stehen neue Technologien rund um das elektrische, hoch-automatisierte Fahren". Dabei stehen Hitzinger die Ressourcen und Technologien des gesamten Volkswagen Konzerns zur Verfügung. Duesmann und seine Kollegen erwarten vom Projekt "Artemis" auch eine Blaupause für die künftige, agile Entwicklung von Automobilen im gesamten Volkswagen Konzern". Inzwischen sind die Arbeiten am neuen Modell gut vorangekommen, intern sprechen die Entwickler vom "Landjet", was aber auf keinen Fall als Modellbezeichnung auftauchen wird. Es ist viel mehr eine Funktionsbeschreibung. "Landjet", das klingt nach einem Flugzeug für die Straße, nach komfortablem Reisen auf vier Rädern. Bereits 2024 soll die Serienversion des "Landjet" als das dann 10. Elektroauto der Marke auf den Markt kommen. Das zweite Artemis-Auto wird ein Porsche werden.

Audi Zukunft, Audi Landjet
Christian Schulte
Das erste Artemis-Modell von Audi wird ein Luxusmodell, aber kein SUV.

Etwa so lang wie ein Golf, Basispreis 35.000 Euro

Artemis bringt vor allem die neue Elektronikstruktur und das von der Software.org entwickelte Betriebssystem. Beides wird im Kern auch das Rückgrat von "Trinity" bilden. VW bezeichnet das als gemeinsamen "Backbone". Aber während die technische Basis von Artemis die Premium Plattform Electric (PPE) bildet, eine Elektroauto-Architektur die Audi gemeinsam mit Porsche entwickelt, steht "Trinity" auf einem Baukasten, der perspektivisch den MEB ablösen könnte. Denn das Serienauto soll 2026 in einem "sehr Volkswagen-typischen" Preis- und Volumensegment antreten, wohl eher zwischen Golf und Passat oder in E-Autos gesprochen zwischen ID.3 und ID.4, wobei Trinity eben kein SUV wird, sondern mit einer flache Karosserie kommt. Der "Welt am Sonntag" sagte Brandstätter dazu: "Es wird ein dynamisches und flaches Auto mit etwas über vier Meter Länge, das es so in unserer aktuellen Modellplatte noch nicht gibt." Und er brachte einen Einstiegspreis von 35.000 Euro ins Spiel. Zum Vergleich: Ein Golf 8 ist 4,28 Meter lang und kostet in der Basis gut 20.000 Euro, der ID.3 misst 4,26 Meter und seit kurzem gibt es ihn ab gut 31.000 Euro.

VW Trinity 2026
VW
Die Front erinnert an die ID.-Modelle, die Silhouette an den Arteon Shooting Brake.

Auf einem Bild, das Brandstätter auf LinkedIn postete, ist ein abgedecktes Fahrzeug sehen, dessen Proportionen an einen Arteon Shooting Brake erinnern, nur breiter und eher flacher. An der Front ist unter dem Tuch ein großes ausgeformtes VW-Logo zu erahnen, die Scheinwerfer erinnern mit ihrem ausgeprägten Bogen nach oben an die des Golf V oder einfach nur an die der aktuellen ID.-Modelle. Das abfallende Dach endet relativ steil, was für den cW-Wert weniger günstig wäre; ein Stufenheck gilt als aerodynamisch vorteilhafter. Eine Variante mit klassischem Limousinen-Heck wie bei ID. Vizzion und Space Vizzion wäre aber sicher kein Problem. Die Stirnfläche wäre bei beiden Versionen günstiger als beim Vizzion (quasi der elektrische Passat), weil die neue Plattform sehr viel flacher zu bauen scheint. Dazu muss die beim MEB noch rund 14 Zentimeter starke Batterie im Fahrzeugboden entweder erheblich dünner sein oder wie beispielsweise beim Porsche Taycan an den entsprechenden Stellen Aussparungen haben, um ausreichend Innenraumhöhe zu schaffen. Eine derart zerklüftete Batterie dürfte aber für das angestrebte Volumensegment zu teuer werden – es sei denn, VW strebt wie Tesla die Integration der Akkuzellen in tragende Strukturen der Bodengruppe an.

Das Volumen braucht Volkswagen nicht wie immer für die Skalierung und die Preise, sondern auch für die Vernetzung: Trinity soll den Datenaustausch innerhalb der VW-Flotte (Neural Boost) bringen, den die Modelle der Zukunft zum autonomen Fahren brauchen – auch die der anderen Konzernmarken. Ob sich die Teams von Artemis und Trinity dafür auch vernetzen? Die Software.org sitzt jedenfalls in Ingolstadt.

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Nein, Autos sollen ordentlich fahren, den Rest bringen Smartphones, die sowieso jeder hat.
Ja, zum autonom Fahren brauchen Autos Schwarmintelligenz und Software muss künftig over the air updatebar sein.

Fazit

Den MEB wird VW in vielen schnellen Evolutionsschritten weiter entwickeln, vor allem was die klassische Hardware eines E-Autos wie Batterien und Ladefähigkeiten angeht. Neue Elektronik und Digitalisierung bringt dann Trinity. Dass darunter auch eine neue Architektur steckt, passt zum Erscheinungsjahr 2026, dass ihre Entwicklung bei VW stattfindet zur bisherigen Aufteilung der Entwicklungsaufgaben. Konzernsynergien heben die Marken vor allem bei der Elektronik und Digitalisierung; und natürlich wird der Trinity-Baukasten auch den anderen Marken zur Verfügung stehen. Die Preisvorstellung von 35.000 Euro ist eine Kampfansage vor allem an die Premiumkonkurrenz.

Die enormen Investitionen in den MEB wird sich VW über eine lange Laufzeit über 2026 hinaus zurückholen, auch über die Kooperation mit Ford. Für 2025 hat Brandstätter schon kleinere Modelle (ID.1, ID.2) im Preissegment von 20.000 bis 25.000 Euro angekündigt, MEB und MEB II (Trinity) werden sich also länger überschneiden.

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