Mit dem Produktionsende des Volkswagen Touran verschwindet eines der letzten klassischen Familienautos aus dem europäischen Markt. Seit 2003 prägt der Kompaktvan das Straßenbild und bietet viel Platz, flexible Sitzkonzepte und eine klare Ausrichtung auf Alltagstauglichkeit. Genau dieses Konzept verliert seit Jahren an Bedeutung, während Hersteller ihre Modellpaletten konsequent auf SUVs und Crossover ausrichten.
Diese Entwicklung setzt bereits Ende der 2000er-Jahre ein und gewinnt in den 2010er-Jahren deutlich an Tempo. SUVs bieten eine höhere Sitzposition, vermitteln mehr Übersicht und treffen den Zeitgeist eines Marktes, in dem Design und Image immer stärker zählen. Zusätzlich verschieben wirtschaftliche Faktoren die Prioritäten der Hersteller, denn SUVs lassen sich weltweit besser vermarkten und erzielen höhere Margen. Genau deshalb stellt sich die Frage, welche Familien-Vans überhaupt noch neu erhältlich sind, wenn der Touran als letzter großer Vertreter dieses Konzepts aus dem Programm fällt.
Dacia Jogger
Der Dacia Jogger zählt aktuell zu den wenigen Modellen, die noch klar an das klassische Van-Konzept erinnern. Mit 4,55 Metern Länge bietet er je nach Version fünf oder sieben Sitzplätze und nutzt seinen langen Radstand für Innenraum und Variabilität. Die dritte Sitzreihe lässt sich herausnehmen, das maximale Kofferraumvolumen liegt bei über 1.819 Liter im Fünfsitzer.
Beim Antrieb setzt Dacia auf eine einfache und effiziente Auswahl. Der 1,0 Liter TCe Benziner leistet 110 PS, ergänzt durch eine LPG-Variante mit Autogasbetrieb. Zusätzlich steht der Hybrid 155 zur Verfügung, der einen 1,8 Liter Benziner mit Elektromotor kombiniert und auf rund 155 PS Systemleistung kommt. Der Verbrauch liegt je nach Version bei etwa 4,5 bis 7,5 Liter auf 100 Kilometer, was den Jogger zu einem der sparsamsten Modelle im Segment macht.
Auch bei Ausstattung und Preis bleibt der Jogger pragmatisch. Bereits die Basisversion bietet die wichtigsten Assistenzsysteme und ein einfaches Infotainment, höhere Linien ergänzen Komfortelemente wie Klimaautomatik, Rückfahrkamera oder Sitzheizung. Der Einstiegspreis für den Basisbenziner mit 110 PS liegt bei 18.290 Euro, gut ausgestattete Varianten mit sieben Sitzen beginnen je nach Motorisierung bei 21.090 bis 26.390 Euro.
BMW 2er Active Tourer
Der BMW 2er Active Tourer bleibt einer der letzten Kompaktvans eines deutschen Herstellers. Mit 4,39 Metern Länge bietet er fünf Sitzplätze und einen variabel nutzbaren Innenraum mit verschiebbarer Rückbank und bis zu 1.450 Litern Kofferraumvolumen. Damit bleibt er funktional, rückt aber optisch und konzeptionell näher an Crossover-Modelle.
Beim Antrieb deckt BMW ein breites Spektrum ab. Der Einstieg startet mit einem 1,5 Liter Dreizylinder mit 122 PS, die stärkste Benzin-Variante kommt auf 218 PS. Zusätzlich stehen Dieselvarianten (bis zu 211 PS) sowie Plug-in-Hybride zur Verfügung, die bis zu rund 326 PS Systemleistung erreichen und etwa 80 Kilometer elektrische Reichweite bieten. Alle Varianten setzen auf Frontantrieb, die XDrive-Modelle haben Allradantrieb.
Preislich bewegt sich der Active Tourer im Premiumsegment. Der Einstieg liegt bei rund 36.750 Euro, der teuerste Benziner startet bei 48.650 Euro. Die Dieselmodelle gibt es für Einstiegspreise zwischen 42.450 Euro und 50.750 Euro. Die Hybride beginnen bei 49.150 Euro.
Maxus Mifa 9
Aus China fährt gerade der vollelektrische Maxus MIFA 9 zu uns herüber. Mit 5,27 Metern Länge und drei Sitzreihen bietet er serienmäßig sieben Sitzplätze. Der Fokus liegt klar auf Raumkomfort, insbesondere in den hinteren Reihen, die eher Lounge-Charakter haben als den klassischen Familien-Van-Anspruch.
Der Elektromotor leistet 180 kW (245 PS), kombiniert mit einer 90 kWh-Batterie. Die Reichweite liegt je nach Fahrprofil bei etwa 440 Kilometern. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 180 km/h. Am Schnelllader soll der Akku in 30 Minuten von 30 auf 80 Prozent nachgeladen werden können. Das Gewicht liegt je nach Ausstattungsvariante zwischen 2,4 und 2,6 Tonnen.
In Deutschland beginnen die Preise bei 68.990 Euro. Damit positioniert sich der Mifa 9 nicht als Familien-Van im klassischen Sinne, sondern eher als elektrischer Shuttle und Raumwagen für große Transporte mit hohem Komfortanspruch.
Lexus LM
Der Lexus LM gehört zur Oberklasse der Vans und richtet sich klar an den gewerblichen Einsatz. Mit rund 5,13 Metern Länge bietet er entweder vier Einzelsitze oder eine Siebensitzer-Konfiguration. Besonders die Vier-Sitz-Variante ist auf maximalen Komfort im Fond ausgelegt.
Angetrieben wird der LM als Vollhybrid mit einem 2,5 Liter Benziner und Elektromotoren. Die Systemleistung liegt bei rund 250 PS, der Fokus liegt klar auf Laufruhe und Komfort statt auf Effizienz oder Dynamik. Alle vier Räder sind angetrieben und der Verbrauch liegt bei etwa 7,2 Liter auf 100 Kilometer. Die Fahrcharakteristik orientiert sich eher an Limousinen der Oberklasse als an klassischen Vans.
Der Preis beginnt in Deutschland bei rund 128.000 Euro und kann je nach Ausstattung deutlich darüber liegen. Damit spielt der Lexus LM in einer völlig anderen Liga und zeigt in erster Linie, wie weit sich der Van vom ursprünglichen Familienauto entfernt hat.
Kia Carnival
Der Kia Carnival ist einer der letzten echten Großraumvans weltweit, wird aber in Europa nicht mehr offiziell angeboten. Mit bis zu 5,15 Metern Länge bietet er je nach Markt bis zu acht Sitzplätze und ein klassisches Van-Layout ohne SUV-Anleihen.
Je nach Region kommen unterschiedliche Motoren zum Einsatz. Häufig sind ein 3,5 Liter V6 Benziner mit rund 290 PS oder ein 2,2 Liter Diesel mit etwa 200 PS im Einsatz. Für das Jahr 2026 bietet Kia auch eine Hybrid-Version mit einem 1,6-Liter-Turbo-Benziner an. Dieser leistet 245 PS.
Der Hybrid beginnt bei 41.390 Dollar (35.530 Euro), die höchste Ausstattungslinie SX Prestige beginnt bei 53.490 Dollar (45.920 Euro). Die Basisversion mit V6-Motor beginnt bei 37.390 Dollar (32.100 Euro) und die Luxusversion SX Prestige startet bei 51.490 Dollar (44.200 Euro). Da Kia diesen Van in Deutschland nicht offiziell anbietet, ist das Fahrzeug nur über freie Importeure zu erhalten. Die Importkosten kommen also noch obendrauf.












