Daimler und Geely gründen Joint-Venture

Smart kommt künftig aus China

Smart Forease - Studie - 2018 Foto: Smart

Die Daimler AG und die Zhejiang Geely Holding Group gründen ein 50:50-Joint-Venture, um die Marke Smart weiterzuentwickeln. Im Rahmen der Vereinbarung läuft die kommende Generation des Smart als reines Elektroauto in einer speziell dafür gebauten Fabrik in China vom Band.

„Wir werden unsere Erfahrungen und unsere globalen Kompetenzen in Marken-Management, Forschung und Entwicklung, Produktion, Lieferanten-Management und anderen Bereichen einbringen. Die Synergien aus dieser Kooperation werden beiden Seiten zugutekommen. Gleichzeitig werden wir Technologien für Smart, auch im Bereich Konnektivität, weiterentwickeln, um in der Branche in Zeiten eines breiten Wandels auch künftig an der Spitze zu stehen“, so Li Shufu, Chairman der Geely Holding.

Smart plant auch größere Autos

Redner ams Kongress 2018 Ola Källenius Foto: Alexander Fischer
Ola Källenius wird Daimler nach Dieter Zetsche führen.

Der kommende Smart wird laut der Vereinbarung bei Mercedes designt und im Engineering Center von Geely entwickelt. Zudem soll das Produktportfolio auf das B-Segment (Kleinwagen) ausgeweitet werden.

Der aktuelle Smart als EQ Fortwo läuft noch bis zur Markteinführung des neuen Modells im französischen Hambach vom Band, der Smart EQ Forfour im slowenischen Werk in Novo Mesto. In Hambach investiert Mercedes 500 Millionen Euro, um nach dem Abzug des Smart dort ein kompaktes Mercedes-EQ-Modell zu produzieren. Die Arbeitsplätze dort seien gesichert, so Daimler.

Das Joint-Venture wird Ende 2019 gegründet. Der Aufsichtsrat ist mit jeweils sechs Führungskräften beider Vertragspartner besetzt. Daimler wird im Vorstand vertreten durch Hubertus Troska, Vorstandsmitglied der Daimler AG und in dieser Funktion verantwortlich für die China-Aktivitäten, Britta Seeger, Vorstandsmitglied für Mercedes-Benz Cars Vertrieb, und Markus Schäfer, Bereichsvorstand Produktion und Einkauf Mercedes-Benz Cars und designiertes Vorstandsmitglied der Daimler AG für Forschung und Entwicklung. Geely wird im Vorstand vertreten durch Li Shufu, Chairman der Geely Holding, An Conghui, President der Geely Holding und President und CEO der Geely Auto Group, und Daniel Donghui Li, Executive Vice President und CFO der Geely Holding.

Smart: Eine Leidensgeschichte

Zusammenarbeit Smart und Geely Foto: auto motor und sport
Smart trifft Geely. Die Logo-Fusion wäre denkbar einfach.

Smart fährt im Daimler-Konzern seit gut zwei Jahrzehnten den Erwartungen hinterher und schafft es nicht, in die Gewinnzone zu kommen. Die Gründe sind vielfältig und reichen von einer misslungenen Modellpolitik über die falsche Partnerwahl bis hin zur Entscheidung, das Kleinstfahrzeug nicht von Beginn an als Elektroauto zu bauen.

Die Daimler-Tochter verabschiedet sich erst in diesen Tagen komplett vom Thema Verbrennungsmotor und wird die erste reine Elektro-Marke des Konzerns. Das klingt vor allem mit Blick auf die ursprüngliche Smart-Idee von Swatch-Erfinder Nicolas Hayek konsequent, treibt die Marke aber gleichzeitig tief in die roten Zahlen. Und weil die Beziehung zu Smart-Partner Renault, der den Forfour als Twingo anbietet, mehr als erkaltet ist, gab es in Sachen nächste Modellgeneration wenig mehr als ein Achselzucken zu vermelden.

Hilfe kommt vom Daimler-Großinvestor

Hilfe kommt nun also vom umtriebigen Li Shufu. Shufu ist der wichtigste Kopf bei Geely und ist seit 2018 mit 9,7% bei Daimler engagiert. Geely steht in China für „Glück“ und sein Gründer Li Shufu für jemand, der eine beinahe märchenhafte Karriere hingelegt hat. Der Sohn eines Reisbauern begann nach dem Maschinenbaustudium, Kühlschrankteile zu produzieren, stieg 1992 in den Bau von Motorrädern ein und rollte 1998 das erste Auto vors Werkstor. Das Fahrzeug sah aus wie eine schlecht kopierte Mercedes C-Klasse, eine Urheberrechtsklage folgte auf dem Fuße.

Systemfehler auto motor und sport

Keine überraschende Kooperation

20 Jahre später spielt Li mit seiner Geely Automotive Holdings Ltd auf Augenhöhe mit den traditionsreichen internationalen Autobauern. Neben diversen chinesischen Marken gehören auch Proton/Lotus, Volvo, Lynk & Co.und Terrafugia zum Geely-Konzern. So ganz überraschend kommt die Kooperation zwischen Geely und Smart also nicht. Bereits kurz nach dem Einstieg bei Daimler hatte Li in einer Mitteilung verbreiten lassen, dass er sich sehr freue, Daimler „auf dem Weg zu einem der weltweit führenden Anbieter von Elektromobilität zu begleiten!“

Geely mit viel Elektro-Knowhow

Terrafugia TF-X Flugauto Das unbekannte Geely-Imperium Das steckt hinter Volvo, Lotus, Terrafugia, Lynk & Co.

Geely selbst will bis zum Jahr 2020 dreißig neue Elektroautos auf den Markt zu bringen. Aktuell startet die Geely-Tochtermarke Kandi mit dem Elektrokleinwagen K22, der einem Smart Fortwo nicht unähnlich ist, auf dem US-Markt. Zu haben ist der Zweisitzer vor Abzug aller staatlichen Subventionen zu Preisen ab 18.995 Dollar. Auch haben beide Unternehmen erst Ende Januar angekündigt, ein Ride-Hailing-Joint-Venture in China zu gründen, das in mehreren chinesischen Städten Mobilitätsdienste zur Beförderung von Fahrgästen mit Premium-Fahrzeugen anbieten soll. Zum Fuhrpark gehören zunächst die Mercedes-Benz-Modelle S-Klasse, E-Klasse, V-Klasse sowie Maybach. Premium-Elektrofahrzeuge der Geely Group können die Flotte zusätzlich ergänzen.

Ein gemeinsam entwickelter Elektrokleinwagen könnte im Geely-Konzern auch noch bei anderen Marken (Panda, LEV, Volvo, Proton) auf anderen Weltmärkten aufschlagen.

Smart unter Druck: Fällt die Marke dem Sparzwang zum Opfer?

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Fazit

Der eSmart als globales Mini-Fahrzeug. Damit wäre die Marke bzw. die Idee nach 25 mehr oder weniger erfolglosen Jahren endlich dort, wo Smart-Visionär Hayek sie immer haben wollte. Wenn das nur mit der Hilfe eines gelernten Maschinenbauers aus China funktioniert, dann muss das wohl so sein. Die Marke ganz ins Aus zu schicken, wäre die jedenfalls schlechteste aller Lösungen gewesen!

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