Elektroauto
Alles über den Zukunfts-Antrieb
Mini Mini
MIni Traveller, Crossover
Mini E-Hatchback, Koop mit Great Wall
Mini
Mini Dreitürer 2023 31 Bilder

Mini-Zukunft bis 2030: Neue E-Modelle mit Great Wall

Mini-Zukunft bis 2030 E-Autos aus China, neuer Countryman auf X1-Basis

Mini braucht zum Wachsen den chinesischen Markt. Die passenden Elektro-Modelle sollen aus einem Joint Venture mit Great Wall kommen. Eines gab's noch nie.

Mini transformiert sich. Nicht radikal, aber nachhaltig und mit klarer Strategie bis 2030. Ob man es nun "Power of Choice" nennt oder "Für jeden das Passende": Fakt ist, Mini wird elektrischer, pflegt aber dennoch den Verbrenner. Und seine eigenen Wurzeln. Die neuen Modelle kommen klarer, reduzierter. Mancher Auswuchs verschwindet, Mini reduziert Varianten und Ausstattungen wo möglich, paketiert die Vielfalt Richtung Stimmigkeit, behält sich aber exklusive Kleinserien vor. Hauptziel: weltweites Wachstum. Auch wenn bei Mini immer schon weniger das Volumen im Vordergrund stand, als die Profitabilität. Aber eine Marke ohne Wachstumsperspektive ist halt auch nicht sexy.

Neue Minis kommen aus China

2016/2017 entstand in der Produktstrategie der BMW Group der Plan, einen Kooperationsansatz für Mini anzustreben – um die die Zukunftsfähigkeit und die wirtschaftliche Tragfähigkeit von Mini zu sichern. Dazu gehört die bessere Erschließung des chinesischen Marktes – mit einer entsprechenden Prädisposition für die Kooperation, die die bayerisch-englische Marke schließlich mit Great Wall einging.

Mini
Mini
Bernd Körber ist Leiter der Marke Mini.

Bernd Körber, seit 2019 Mini-Chef und zuvor verantwortlich für Strategie und Management der Marke BMW, sagt dazu bei einem Gespräch im Oktober 2021: "Die primäre Motivation für das Joint Venture mit Great Wall war die Erschließung des chinesischen Marktes. Aktuell verkaufen wir nur etwa gut 10 Prozent unserer Autos in China und sind damit klar Schlusslicht im Anteil, weil wir mit unseren Importmodellen preislich nicht konkurrenzfähig sind. Ein dreitüriger Mini kostet vor Ort so viel wie ein langer BMW 3er. Aus der Situation müssen wir raus." Und weiter meint der Markenchef: "Wenn ich China ausblende, ist das Wachstum von Mini super. Mit der Lokalisierung in China könnte sich der Anteil dort in eine ähnliche Richtung entwickeln, wie bei BMW (gut 30 Prozent) beispielsweise, auch wenn Mini im Verhältnis in Europa wohl stärker bleiben wird, weil dort das Kleinwagensegment so stark ist." Im Kernportfolio sind dann die Modelle die global und damit vor allem in China funktionieren müssen. Dazu braucht es in jeder Braureihe ein BEV-Angebot.

BMW Elektroautos
Alternative Antriebe

Das Entwicklungs- und Produktions-Joint Venture mit Great Wall trägt den Namen Spotlight Automotive Limited. Ihm liefert Mini die Produktanforderungen und kauft quasi die Autos zu einem vorher festgelegten Transferpreis. Körber macht aber klar, dass es sich dabei nicht um eine reine Auftragsbeziehung handelt. Zahlreiche Mini-Ingenieure sitzen mit im Team in Shanghai und das Design bleibt ohnehin Mini-Hoheit (Designzentren in München und Shanghai). Die Entwicklung verlaufe mit den gleichen Kontrollschritten wie bei einem Prozess innerhalb des Konzerns – damit sei sichergestellt, dass das Auto am Ende ein Mini wird.

MIni Traveller, Crossover
Christian Schulte
Ein neuer kleiner, rein elektrischer Crossover könnte Traveller heißen.

Die automobilen Trends der Zukunft kommen aus China

Mit dem Joint Venture ist Körber "super happy". Great Wall ist "einer der erfolgreichsten lokalen Hersteller, ambitioniert und mit einem sehr visionären CEO". Der chinesische Partner sei "sehr umtriebig" und es herrsche "noch ein bisschen Start-up-Atmosphäre". Das "passt prima zu Mini", freut sich der Manager. Und ist sich sicher: "Mini wird enorm davon profitieren, dass wir zwei Fahrzeuge in China entwickeln, in einem Umfeld, das so enorme Produktanforderungen im Bezug auf Reichweite, Batteriekosten, Connectivity und entsprechende Fähigkeiten des Bordnetzes stellt". Schließlich, so der Markenchef, würden "viele der automobilen Trends nicht mehr vom deutschen Umfeld bestimmt. Ein Manager, der morgens auf dem mittleren Ring zum Vierzylinder fährt, erlebt ja nicht mehr, was Mobilität der Zukunft ist!"

Great Wall Ora Good Cat
E-Auto

Aber von welchen Modellen sprechen wir überhaupt?

Neue Elektroarchitektur für kleinen Crossover

Spotlight entwickelt aktuell eine reine Elektroplattform mit Frontantrieb – eine Allradoption mit zwei Motoren prüfen die Entwickler gerade. Auf der neuen BEV-Architektur soll ein kleiner Crossover (etwa 4,10 Meter Länge) aufbauen und die Elektroversion des neuen Dreitürers (Mini E). Der soll als Verbrenner 2023 ebenfalls in neuer Generation auf Basis der weiterentwickleten Mini-Plattform F5X NG (neue Generation) auf den Markt kommen und gegenüber dem aktuellen Modell (3,82 bis 3,87 Meter) schrumpfen. Mit dem neuen Mini E auf Basis der Spotlight-Architektur hat das Kernmodell mit Verbrenner dann vor allem optisch Gemeinsamkeiten, technisch sind die Autos im Gegensatz zu den Antriebsvarainten des aktuellen Modells grundverschieden. Ab Ende 2023, wenn die ersten neuen Modelle kommen, will sich Mini über 7 Jahre ganz vom Verbrenner zum E-Antrieb transformieren.

Mini E-Hatchback, Koop mit Great Wall
Christian Schulte
E-Hatchback: Der kleine elektrische Mini aus China.

Da trifft es sich gut, dass der Countryman-Nachfolger auf der BMW-Frontantriebs-Architektur (vielfach als UKL II bezeichnet) aufbaut, die auch die Basis für den neuen BMW X1 und dessen E-Version iX1 bildet. So kann der neue SUV, der auf etwa 4,50 Meter Länge wachsen wird (bisher rund 4,30 Meter), wie sein technisch verwandter Markenbruder als Verbrenner, Plug-in-Hybrid und reines E-Auto (aus Leipzig) kommen. Dem kleinen Crossover aus China, optisch ein kleinerer und leicht coupéhafter Countryman mit Anleihen beim Clubman, reicht der reine E-Antrieb. Die zu erwartende Reichweite deckt sich mit urbanen/suburbanen Einsatzgebiet. Thema Reichweite: Da der E-Mini aktuell schon vorwiegend im Stadtbereich fährt, bekommt sein Nachfolger auch eine Variante mit relativ kleiner Akku-Kapazität. Reduziert aufs Maximum sozusagen, denn je kleiner und leichter, desto umweltfreundlicher.

BMW iX3 Designzeichnung
Neuheiten

Mini E wird chinesisch

Die beiden Elektro-Modelle Mini-E-Dreitürer und der rein elektrische CUV entstehen in China für China und die Welt. Dabei ist "die neue Plattform aus dem Joint Venture bis hin zu den Batterien komplett eigenständig und nutzt kaum einzelne Komponenten aus der BMW Group," so Bernd Körber. "Diesen Weg sind wir bewusst gegangen, weil uns die Eigenständigkeit mehr von dem ermöglicht, was Mini braucht. Auch unsere Batterien werden zwar in China eingekauft, aber nach Entwicklungen des Joint Ventures produziert. Wir werden aber auch in China keine eigene Batterieproduktion, kein Werk haben". Trotzdem verspricht Körber: "Was die Nachhaltigkeit der Produktion angeht, wird ein Mini aus China die gleichen hohen Standards erfüllen, wie jeder andere Mini."

Mini Cabrio Elektro Spekulation Collage
Neuheiten

Den 3-Türer als Verbrenner wird es in China allenfalls als Importmodell geben; die nächste Generation des bereits bestätigten Cabrios, mit dem 2025 das letzte neue Mini-Verbrenner-Modell debütiert, eher gar nicht – offene Autos sind in China nicht gefragt. Der Countryman könnte dort hingegen zahlreiche Kunden finden. Ihn könnte Mini perspektivisch auch in China produzieren, schließlich ist die Herstellung des technisch verwandten BMW X1 ebenfalls vor Ort vorgesehen. Mini könnte sich dann vergleichsweise einfach anhängen, sobald die neuen X1 und iX1 in China entstehen.

Neue Displays treffen auf markentypische Features

Im Interieur fliegen im Lauf der Zeit nicht nur Leder und Chrom raus und werden durch umweltfreundliche Materialien, wie etwa Stoff, Wolle und Recycling-Material ersetzt, es gibt insgesamt weniger Elemente, weniger Schmuck. Die nächste Generation setzt intensiver auf digitale Inszenierung, die Möglichkeiten neuer Displays. Keine Angst, markentypische Features wie etwa die Kippschalter (Toggles) bleiben. Nicht nur hier erinnert man gern an die Wurzeln der Marke, schließlich entstand der erste Mini 1959 in einer Zeit wirtschaftlicher Probleme als clevere Minimal-Motorisierung.

John Cooper Works-Modelle auch mit E-Antrieb

Und die Dynamik? Bleibt sämtlichen Modellen erhalten, vor allem aber den erfolgreichen John Cooper Works-Derivaten, die Richtung Submarke ausgebaut werden. In der dann auch Platz für etwas Elektrisches ist. "Mit dem Mini Electric haben wir gezeigt, wie gut Fahrspaß und Elektromobilität zusammen passen", sagt Bernd Körber. "Jetzt ist es an der Zeit, auch den Performance-Charakter der Marke John Cooper Works auf die Elektromobilität zu übertragen. Deshalb beschäftigen wir uns sehr intensiv mit Konzepten für John Cooper Works Modelle mit elektrifiziertem Antrieb." Parallel wird John Cooper Works auch weiter Modelle mit konventionellen Verbrennungsmotoren anbieten, um die Wünsche und Bedürfnisse der performance-orientierten Fans in aller Welt zu erfüllen.

Mini John Cooper Works Elektroversion Prototyp
Mini
Auch bei John Cooper Works wird es Modelle mit Elektroantrieb geben.

Und wo kann das Portfolio noch wachsen?

Mini Rocketman
Neuheiten

Neben einer Vergrößerung des globalen Kundenstamms kann sich Körber durchaus noch eine Ausweitung der Modellpalette vorstellen. Das wird aber frühestens ein Thema, wenn die neuen Modelle ausgerollt sind, also ab 202. "Ein noch kleineres Modell als unseren Dreitürer würde super zu unserer Marke passen, aktuell sehe ich die wirtschaftliche Tragfähigkeit allerdings nicht. Ich kann mir aber Szenarien mit veränderten Rahmenbedingungen vorstellen, wo es beispielsweise in Städten neue Regularien bzw. Limitationen für die Verkehrsfläche von Autos gibt – sowas wie die Kei-Cars in Japan. Dann würden Potenziale entstehen und wir würden dieses Segment bedienen, weil wir ein Angebot glaubhaft belegen können – wir haben das passende Design und eine super Produktsubstanz dafür", macht Bernd Körber deutlich.

Mini Vision Urbanaut
E-Auto

Ganz ähnlich sieht er es bei Modellen oberhalb des (neuen) Countryman. "Der Mini Vision Urbanaut ist als Vision für 2030 eine kalkulierte Provokation ausgehend von der These, dass es neben dem SUV-Boom oder als Ablöse in der zweiten Hälfte der 2020er-Jahre einen neuen Trend gibt, den die neuen Player im Autobereich aus der Techbranche wie Google oder Apple auslösen werden. Die werden Auto komplett anders interpretieren als wir bisher. Die denken das Fahrzeug viel mehr als Erlebnis, vom Interieur her. Und da werden solche Konzepte rauskommen, wie der Urbanaut, weil die aus meiner Sicht mit Blick auf Software oder Car as a Plattform Sinn machen. Wir haben schon den Plan, sowas wie den Urbanaut zu entwickeln, wenn auch eher für Ende der 2020er-Jahre, aber ähnlich wie bei einem kleineren Mini /Rocketman müssen sich dann die Rahmenbedingungen geändert haben". Die kann die Marke Mini mitgestalten: "Die nächste steile Lernkurve, die wir bewältigen müssen: Wie integrieren wir Software, wie geht Car-as-a-Plattform, welche Rolle spielt das in Zukunft genau? Und dafür wollten wir mit dem Urbanaut ein Zeichen setzen, ohne jetzt schon einen Plan für die entsprechende Plattform zu haben", so Körber.

Fazit

Der Plan für die nahe Mini-Zukunft steht: In den anderthalb Jahren ab Ende 2023 kommt das neue Kernmodell, der Dreitürer; seine Elektroversion auf Basis einer neuen E-Auto-Architektur aus China und ein kleiner Crossover auf der gleichen Basis, sowie der neue Countryman auf BMW-Plattform. Derivate wie das viertürige Schrägheckmodell und John-Cooper-Works-Modelle debütieren ebenfalls in dieser premierenreichen Zeit. Ohne Nachfolger bleibt der Clubman. Aber dafür gibt's ja den zwar kleineren, aber wegen seines E-Antriebs vermutlich kaum weniger Platz bietenden kleinen CUV.

Erweiterungen der Modellpalette in fernerer Zukunft hängen von den Rahmenbedingungen ab. Je nach dem, wie die sich entwickeln, könnte Mini oben oder unten anbauen.

Mehr zum Thema Elektroauto
Polestar 3
E-Auto
Toyota BZ4X Elektro-SUV Serienversion
E-Auto
09/2019, Rivian Elektro-Transporter Amazon
Politik & Wirtschaft
Mehr anzeigen