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Porsche 911 GT2 RS (991)

Erster Fahrbericht mit 700 PS und Heckantrieb

Porsche 911 GT2 RS 991 Turbo (2018) Foto: G. Fordham 39 Bilder

Die Porsche 911-Baureihe erhält ein neues Top-Modell. Der 911 GT2 RS kommt mit Biturbomotor, Heckantrieb und 700 PS. Wir konnten den Leichtbau-Turbo-Elfer schon fahren – das sind die ersten Eindrücke von der Rennstrecke, Autobahn und Landstraße.

24.11.2017 Uli Baumann, Gregor Hebermehl, Jens Dralle Powered by

Gesittet auf der Autobahn – oder höllisch schnell

Porsche 911 GT2 RS 991 Vmax 356 km/h
So beschleunigt der Biturbo von 0 bis 356 km/h 3:22 Min.

So eine portugiesische Autobahn entspricht in ihrer Dramatik in etwa jener des Literarischen Quartetts. Zum Glück hatten wir den GT2 RS inzwischen auch auf deutschen Autobahnen bewegen dürfen . Wie sich das anfühlt, zeigt das Video (die ganze Geschichte lesen sie in sport auto 12/2017). Im Vergleich dazu ist das in Portugal eine recht öde Veranstaltung, unterbrochen von gelegentlichen emotionalen Ausbrüchen. Im TV übernahm das einst Marcel Reich-Ranicki, hier bedenkliche Verwerfungen im Asphalt. Ansonsten: Tempolimit 120 km/h. Ein 911 GT2 RS drängt sich da jetzt nicht unbedingt auf, um die einstige Seefahrernation zu durchmessen. Aber Porsche will unbedingt die Alltagstauglichkeit unter Beweis stellen, 700 PS hin, 6.47,3 Minuten auf der Nordschleife her. Lässt du die Finger von allen Knöpfen, funktioniert das auch alles. Federung? Vorhanden. Trotz deutlich höherer Federraten, höher noch als im GT3 RS.

130 kg leichter als der 911 Turbo

Dafür aber: weichere Stabis. Aus CfK übrigens. Wie die Koppelstangen. Spart 5,4 kg. Und was noch so alles aus CfK gebacken wurde: Dach, Kotflügel, Luftschächte und so weiter. Damit der GT2 RS nur 1470 Kilogramm wiegt, also 130 weniger als der Turbo S. Wieder eine heftige Bodenwelle, erstaunliche Vertikalbewegungen im Elfer. Im Sport-Modus reduzieren die sich zwar, aber ebenso der durch befriedigende Federungskomfort. Der 3,8-Liter-Biturbomotor röhrt unterdessen kehlig vor sich hin, überrascht mit seinem ganz und gar nicht staubsaugerigen Sound. Im Gegenteil: Mit geöffneten Klappen neigt er sogar beim Bummeln auf der Autobahn zu Dröhnfrequenzen, auch weil das kurz übersetzte Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe ihm nie wirklich tiefe Drehzahlen gestattet. Also Klappen zu. Und alles ist gut.

Rennstrecke. Immer schneller

Porsche 911 GT2 RS 991 Turbo (2018)
Super-Sportwagen mit 700 PS im Fahrbericht 1:20 Min.

Jetzt aber: Rennstrecke. Dringend. Obwohl: 700 PS, 750 Nm, alles auf die Hinterachse – puh. Könnte lustig werden. Aber auch heikel, wenn nicht gar: Gefährlich. Also langsam anfangen. Die Flügel stehen auf Straßenstellung, sollen so bei der Höchstgeschwindigkeit von 340 km/h 312 kg Abtrieb (Im Renntrim 416 kg) entwickeln. Na, hoffentlich. Hier in Portimao bist du sehr oft sehr schnell, aber auch sehr oft sehr orientierungslos. Viele blinde Kurven, acht Prozent Steigung, dann wieder 12 Prozent Gefälle. Und dennoch wirst du immer schneller. Weil der GT2 Vertrauen schafft, dich über alles auf dem Laufenden hält, Rückmeldung gibt. Jetzt links bergauf, die tückische Bodenwelle gibt dem Auto einen Vertikalimpuls, doch der Grip reißt nicht ab. Raus auf die Gegengerade, dann brutal runterbremsen. Der Porsche zoomt sich in die enge Links hinein. Gas. Eine ordentliche Portion. Kurz zuckt das Heck, doch du fühlst, dass du nachlegen kannst. Bergauf, leicht links, kurz bremsen, umsetzten, vierter Gang, runterschalten, enge Rechtskurve, Kuppe, Senke, links hoch, mehr Tempo, der Elfer setzt sich spürbar, die 325 Millimeter breiten 21-Zoll-Cup-Reifen hinten kleistern. Dann: Vor der Kuppe bremsen, im dritten Gang um die Rechts, sofort bergab.

Porsche mit Nordschleifen-RekordDer GT2 RS schlägt alles und jeden!

Exaktes Einlenken, extreme Leistung

Centgenaues Einlenken, was für eine Präzision. Am Auto liegt’s nie, immer nur an dir. Und welches Feuerwerk der Motor abbrennt. Neues Kurbelgehäuse, neue Kolben, Krümmer mit größerem Querschnitt, größere VTG-Lader, Titanabgasanlage, größere Ladeluftkühler, Frischluftkanäle mit mehr Durchsatz, an so viel kannst du gar nicht denken, wenn du damit unterwegs bist. Beim Beschleunigen sowieso nicht. Launchkontrolliert, natürlich. Das DKG lädt durch. In 8,3 Sekunden ist es soweit: 200 km/h. Und Tempo 100? 2,8 Sekunden.

Ausdrehen bis 7.200/min

Porsche 911 GT2 RS 991 Turbo (2018) Foto: G. Fordham
Auf der Rennstrecke flößt der 911 GT2 RS Vertrauen ein und Du wirst immer schneller.

Doch jetzt zählt was anderes. Die lange Rechtskurve in Richtung Start-Ziel. Bergab. Hängend. Mehr Tempo. Das Auto giert leicht, doch die Elektronik greift noch nicht ein. Rausexplodieren auf Start-Ziel. Die Gänge ausdrehen. Bis 7200/min. Erst kurz zuvor fällt die Leistungskurve ab. Ein Turbo-Sauger sozusagen, wäre da nicht das naturgemäß verzögerte Ansprechen. In diesem Fall: Okay. Ein Rennwagen. Mit Straßenzulassung. Einer, hinter dessen Steuer du ganz genau wissen solltest, was du machst, bevor dich die Leistung niederknüppelt. Auch wenn du nur auf der Autobahn herumöddelst. Irgendwann willst du es eben doch wissen. Dann bitte: Vorsicht, Weitsicht, Umsicht, und was du noch so alles im Handschuhfach hast

3,8-Liter-Biturbo-Boxer mit 700 PS

Porsche 911 GT2 RS
Der Klang von 700 PS aus einem Turbo-Boxer im Heck 39 Sek.

Herzstück des Top-Modells der 911-Baureihe, Typ 991, ist ein 3,8-Liter-Sechszylinder-Boxer mit zwei Turboladern, der auf dem Triebwerk des Porsche 911 Turbo S aufbaut. Um aus diesem noch mehr Leistung zu pressen, wurden die Turbolader größer dimensioniert. Darüber hinaus sorgt eine Zusatzkühlung, die die Ladeluftkühler bei sehr hohen Temperaturen mit Wasser besprüht, für niedrigere Gastemperaturen im Überdruckbereich, wodurch auch bei extremen Bedingungen eine optimale Leistungsausbeute gewährleistet sein soll. Unter optimal versteht Porsche im neuen GT2 RS 700 PS und ein maximales Drehmoment von 750 Nm. Mit 80 PS und 50 Nm mehr als im Turbo S schiebt der Biturbo-Boxer den 1.470 kg schweren 911 GT2 RS in 2,8 Sekunden von Null auf Tempo 100.

Übernommen aus dem Turbo wurde die Hinterachslenkung, dazu komponierte Porsche ein reinrassiges Rennsportfahrwerk mit speziell abgestimmten Fahrdynamikregelsystem. Den Fahrbahnkontakt sichern 265/35er Reifen auf 20-Zoll-Felgen vorn. Hinten drehen sich 325/30er Pneus, die auf 21 Zoll großen Felgen montiert. Die Zentralverschlussräder sind selbstverständlich mit extrem haftfreudigen Sportreifen bestückt. Der Porsche 911 GT2 RS ganz aber auch ganz schnell ganz langsam. Die Bremspower dazu liefert serienmäßig eine Carbon-Keramik-Bremsanlage.

Porsche 911 GT2 RS 991 (2) Mitfahrt Porsche 911 GT2 RS So fährt der stärkste Serien-911

Weissach-Paket: mehr für weniger

Um 30 kg speckt der Porsche 911 GT2 RS ab, wenn der Kunde beim Weissach-Paket einen Haken setzt. Es umfasst noch mehr Elemente aus Kohlefaserlaminat und Titan. So sind beispielsweise das Dach sowie die Stabilisatoren und Koppelstangen an beiden Achsen aus Carbon. Magnesium-Räder reduzieren sowohl das Gesamtgewicht als auch die ungefederten Massen. Als optisches Erkennungszeichen tragen die Kofferraumabdeckung und das Dach aus Sichtcarbon einen mittig angeordneten Designstreifen in Wagenfarbe. Je nach geordertem Paketumfang ist auch ein Überrollkäfig aus Titan mit an Bord. Rote 6-Punkt-Gurte sowie eine Weissach-Blende für den Getränkehalter und andere Bodenteppiche sind ebenfalls enthalten.

Porsche 911 GT2 RS 991 Turbo (2018) Foto: G. Fordham
Innen dominiert rotes Alcantara. Grau gibt es auch.

Den Innenraum des neuen Porsche 911 GT2 RS dominieren serienmäßig rotes Alcantara, schwarzes Leder sowie Interieurteile aus Sichtcarbon. Gesteuert wird der GT2 über ein spezielles Sportlenkrad, Fahrer und Beifahrer sitzen in aus Sichtcarbon gefertigten Vollschalensitzen. Das Infotainmentsystem hingegen kommt konventionell wie in jedem Elfer daher. Zur erweiterten Serienausstattung zählen im GT2 RS allerdings das Connect Plus-Modul und die Porsche Track Precision App, die eine detaillierte Aufzeichnung, Anzeige und Analyse von Fahrdaten auf dem Smartphone erlaubt. Optional kann noch das Chrono-Paket geordert werden.

Der 911 GT2 RS kostet in Deutschland ab 285.220 Euro, für das Weissach-Paket berechnet Porsche 29.750 Euro.

Exklusive Uhr zum exklusiven Sportwagen

Exklusiv zum neuen GT2 RS und für dessen Käufer hat Porsche den Porsche Design Chronograph 911 GT2 RS entwickelt. In dessen Titan-Gehäuse steckt ein von Porsche selbst entwickeltes Uhrwerk. Das Ziffernblatt ist aus Carbon, diverse weitere Elemente nehmen Designanleihen beim GT2 RS. Fahrzeug und Uhr werden individuell nach Kundenwunsch gefertigt und zusammen ausgeliefert. Der Porsche Design Chronographen 911 GT2 RS kostet 9.450 Euro.

Sitzprobe Porsche 911 GT2 RS

Im 700-PS-Supersportler ist es erstaunlich bequem: Die dünnen Sport-Schalensitze sind komfortabel geben aber enormen Seitenhalt für Rücken und Oberschenkel. Zu den Schultern öffnen sich die Rücklehnen. Die Kopfstützen sind in die Sitze integriert und wer das teure Weissach-Paket ordert, dem wird noch ein Weissach-Schriftzug in die Kopfstützen gestickt.

Das nicht abgeflachte Lenkrad ist komplett mit Alcanatra überzogen und fasst sich genauso gut an wie der ebenfalls in Alcantara gewandete Wählhebel des Doppelkupplungsgetriebes. Er sitzt in ergonomisch perfekt in Griffweite und –höhe. Wer die Gänge manuell einlegen möchte, kann die sich mit dem Lenkrad mitdrehenden kleinen Karbon-Schaltpaddles ziehen.

Wer das komplette Weissach-Paket ordert, bekommt einen Titan-Überrollkäfig, der hinter den Sitzen montiert wird. Dieser Käfig taucht im Innenspiegel nur rechts und links mit zwei kleinen Streben-Abschnitten auf.

Porsche 911 GT2 RS, Goodwood 2017 Foto: Marcel Sommer
Auch für knapp 1,90 Meter große Leute bequem: Der Porsche 911 GT2 RS ist trotz viel Rennsport-Technik alltagstauglich - so Redakteur Gregor Hebermehl.

Der gigantische Heckflügel teilt mit einem schmalen schwarzen Streifen die Rück-Sicht in ein oberes und zwei untere Drittel – wen das stört, der sitzt im falschen Auto. Die Außenspiegel zeigen nicht nur das Geschehen rechts und links vom Wagen, sondern auch dessen kräftige Radläufe und die mächtigen, darin integrierten Lufteinlässe. Breiter Fußraum, weit nach hinten verstellbare Sitze und noch ein paar Zentimeter Luft über dem Kopf: Auch fast 1,90 Meter große Fahrer haben im viel Platz – hier ist der GT2 RS ein typischer Elfer.

Fazit

Was für ein Monster. Wirklich. Ein Rennwagen, der seinen Fahrer in eine neue Dimension der Querbeschleunigung führt – einen intakten Verstand vorausgesetzt. Denn diese ungeheure Leistung kontrolliert zu nutzen, stellt die größte Hürde zum ultimativen Fahrspaß dar. Und nicht etwa der unverschämte Grundpreis von 285.220 Euro plus weitere 29.750 Euro für das Weissach-Paket, das 27 kg Gewichtsersparnis bringt.

Technische Daten
Porsche 911 GT2 RS GT2 RS
Grundpreis285.220 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4549 x 1880 x 1297 mm
KofferraumvolumenVDA115 l
Hubraum / Motor3800 cm³ / 6-Zylinder
Leistung515 kW / 700 PS bei 7000 U/min
Höchstgeschwindigkeit340 km/h
Verbrauch11,8 l/100 km
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    Genau solche idiotischen Kisten und die Trottel die diese dann auf öffentlichen Strassen "testen" sind der Grund warum wir auch in Deutschland ein Tempolimit brauchen - wie in jedem anderen Land der Welt ja auch.

    jpnyc 2. April 2018, 20:07 Uhr
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