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GP Saudi Arabien
Lando Norris - McLaren - GP Saudi-Arabien 2022 - Jeddah Wilhelm
Start - Formel 1 - GP Saudi Arabien 2022 - Rennen
Max Verstappen - Red Bull - GP Saudi-Arabien 2022 - Jeddah
Charles Leclerc - Ferrari - GP Saudi-Arabien 2022 - Jeddah
Carlos Sainz - Ferrari - GP Saudi-Arabien 2022 - Jeddah 21 Bilder

DRS-Diskussion: Braucht es den Klappflügel noch?

Jeddah-Action dank Klappflügel Braucht die Formel 1 DRS noch?

GP Saudi-Arabien 2022

Die Grands Prix von Bahrain und Saudi-Arabien wurden zu riesigen Spektakeln, weil die Piloten gut überholen konnten. Mit den neuen Autos scheint es deutlich einfacher zu sein, nah am Vordermann dran zu bleiben. Braucht es da den DRS-Klappflügel überhaupt noch?

Umfragen unter den Formel-1-Fans haben gezeigt, dass alle Gimmicks, die künstlich für Action sorgen, nicht gut ankommen. Wenn es um Änderungswünsche geht, ist die Abschaffung des DRS regelmäßig weit oben auf der Liste. Viele Zuschauer empfinden es als unfair, dass ein Fahrer den Top-Speed-Vorteil durch einen geringeren Luftwiderstand bekommt und sich der Gegner gar nicht dagegen wehren kann.

In der US-amerikanischen IndyCar-Serie geht man einen anderen Weg. Hier haben die Autos ein sogenanntes "Push-to-Pass"-System an Bord. Am Lenkrad wird auf Knopfdruck Extra-Leistung freigegeben, die sowohl zum Angriff als auch zur Verteidigung genutzt werden kann. Die Zusatzpower steht allen Piloten für die gleiche Zeitdauer zur Verfügung.

F1-Sportchef Ross Brawn hatte vor der Saison erklärt, dass die Abschaffung des DRS eines der Langzeitziele der Königsklasse ist. Die neuen Autos seien ein erster Schritt in diese Richtung. Sie produzieren weniger Luftverwirbelungen hinter dem Heck, was es den Verfolgern leichter macht, den Anschluss zu halten. Früher verlor man in der "Dirty-Air" massiv an Abtrieb. Die Piloten verloren in den Kurven vor allem auf der Vorderachse Grip und ruinierten sich die Reifen.

Max Verstappen vs. Charles Leclerc - Formel 1 - GP Saudi Arabien 2022 - Rennen
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Dank Klappflügel haben sich Leclerc und Verstappen in Jeddah mehrmals gegenseitig überholt.

Konzept der neuen Autos geht auf

Die ersten beiden Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien haben gezeigt, dass das Konzept aufzugehen scheint: "Die Balance beim Hinterherfahren ist deutlich berechenbarer. Man kann in den Kurven jetzt dichter dranbleiben", berichtet Carlos Sainz. Statistiker zählten deutlich mehr Überholmanöver als bei den gleichen Grand Prix im Vorjahr.

Besonders die Duelle zwischen Max Verstappen und Charles Leclerc rissen die Fans von den Sitzen. Allerdings half sowohl in Bahrain als auch in Jeddah das DRS ordentlich mit, dass die Führung mehrmals hin- und herwechselte. Gerne hätte man gesehen, wie die Duelle ohne die Überholhilfe ausgegangen wären und ob man nicht schon komplett auf den Klappflügel verzichten könnte.

Leclerc hat dazu eine klare Meinung: "Das DRS muss noch bleiben, sonst wären die Rennen sehr langweilig. Natürlich ist es für uns Fahrer und für den Sport positiv, dass sich die Autos nun besser folgen können, aber das reicht noch nicht dafür aus, dass wir komplett auf das DRS verzichten können. Es bleibt weiter Teil der Formel 1."

Max Verstappen vs. Charles Leclerc - Formel 1 - GP Saudi Arabien 2022 - Rennen
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An der DRS-Linie kam es zu einem Katz-und-Maus-Spiel. Ist das noch Formel 1?

Nagelprobe in Melbourne und Imola

Bahrain und Jeddah waren zwei Strecken mit langen Geraden, auf denen Überholmanöver auch früher keine Seltenheit waren. Jetzt stehen mit Melbourne und Imola zwei Kurse auf dem Programm, auf denen es deutlich schwerer wird zu attackieren. Ohne DRS würden diese Rennen wohl zu einer Prozession verkommen.

Allerdings ist die Akzeptanz des Klappflügels unter den Piloten gestiegen, was vor allem daran liegt, dass Piloten mit den neuen Autos leichter kontern können. "Ich habe Esteban Ocon in der vorletzten Runde mit DRS überholt", berichtet Lando Norris. "Früher hätte ich ihn in meinen Turbulenzen schnell abgeschüttelt. Mit den neuen Autos konnte er aber dranbleiben und mich in der letzten Runde zurücküberholen."

Die Chance zum Gegenschlag macht die Überholhilfe also etwas fairer. Leclerc sieht sogar einen Reiz darin, den Klappflügel strategisch zu nutzen. Die Piloten müssen nun mehr mit Köpfchen fahren: "Mir macht das richtig Spaß. Jeder Fahrer muss sich eine Strategie zurechtlegen, wie er angreifen und verteidigen will. Das ist ein Teil davon geworden, wie man heutzutage Rennen fährt."

Alfa Romeo vs. Haas - GP Bahrain 2022
Wilhelm
Die Fahrer und Teams sind sich einig: DRS muss bleiben. Aber es darf auch mit Klappflügel nicht zu einfach sein zu überholen.

DRS-Zonen verkleinern?

Sainz bemängelt allerdings, dass der Klappflügel in Jeddah zu gut funktioniert hat. "Ich bin auch der Meinung, dass wir DRS weiter brauchen. Die neuen Autos geben weniger Windschatten. Deshalb geht es nicht ohne Hilfe. Wir sollten aber schauen, dass der Vorteil des DRS nicht zu groß ist und das Überholen zu einfach wird." An dieser Stelle muss man die FIA aber in Schutz nehmen. Mit den neuen Autos gibt es noch keine Erfahrungswerte. Erst mit mehr Daten lassen sich die Längen der DRS-Zonen besser anpassen.

Red-Bull-Teamchef Christian Horner regte zudem an, den DRS-Messpunkt für den Abstand zwischen zwei Autos zu verlegen. Weil die Linie in Jeddah schon vor der letzten Kurve lag, kam es zu einem Katz-und-Maus-Spiel zwischen Leclerc und Verstappen, das mit traditionellem Racing nicht viel zu tun hatte. "Man hat gesehen, dass die Fahrer vor der Linie gebremst und dann noch einmal bis zur Kurve Gas gegeben haben. Man sollte sich also für die nächsten Jahre noch einmal anschauen, wo der DRS-Messpunkt liegt. Solche Situationen sollte man definitiv vermeiden", so Horner.

Mercedes-Kollege Toto Wolff wollte sich dieser Meinung nicht ganz anschließen: "Ich muss sagen, dass es mir gefallen hat. Die Autos haben das abgeliefert, was man sich erhofft hat. Natürlich ist das DRS ein großer Vorteil, aber es sorgt auch für eine gute Show. Ich fand es als Zuschauer sehr unterhaltsam."

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