Imola Renault
Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Portugal 2020
Max Verstappen - GP Portugal 2020
Alexander Albon - GP Portugal 2020
Carlos Sainz - GP Portugal 2020 17 Bilder

Vorschau GP Emilia-Romagna: Mercedes vor Titel

Vorschau GP Emilia-Romagna Mercedes-Titel bei Imola-Rückkehr?

Eine Woche nach dem Rennen in Portimao reist die Formel 1 weiter nach Imola. Das Comeback der Traditionsstrecke wird an zwei statt drei Tagen abgehalten. Favorit ist Mercedes, das zum siebten Mal Konstrukteurs-Weltmeister werden kann.

Es ist eine Rückkehr nach 13 Saisons auf dem Abstellgleis. Das Autodromo Internazionale Enzo e Dino Ferrari feiert sein Comeback in der Formel 1. Zuletzt gastierte die Königsklasse 2006 in Imola. Damals stand aus dem aktuellen Fahrerfeld nur Kimi Räikkönen am Start. Danach flog die Traditionsrennstrecke aus dem Kalender. Mit der Begründung, Imola sei nicht mehr zeitgemäß.

Doch wegen der Corona-Pandemie erhält das Autodromo eine neue Chance. Und beschert Italien ganz nebenbei noch ein Jubiläum. Der Große Preis der Emilia-Romagna wird das 100. Rennen der Geschichte auf italienischem Boden. Das Land mit ihrem Nationalstolz Ferrari ist damit einsame Spitze in der Formel 1.

Den letzten Grand Prix in Imola gewann ein gewisser Michael Schumacher nach einem intensiven Zweikampf mit Fernando Alonso – sein 85. von insgesamt 91 Siegen. 14 Jahre später schreibt Lewis Hamilton die Geschichtsbücher um. Mit dem 92. Erfolg löste der Brite Schumacher an der Spitze der Bestenliste ab. In Imola will Hamilton den Rekord ausbauen, und gleichzeitig mit Mercedes einen weiteren Titel feiern. Fahrerweltmeister kann der sechsfache Champion aber selbst bei einem perfekten Rennwochenende noch nicht werden.

Der Konstrukteurs-Pokal ist Mercedes eigentlich nicht mehr zu nehmen. Fünf Rennen vor Saisonende führt der Titelverteidiger mit einem Vorsprung von 209 Punkten auf Red Bull. Es sind inklusive Imola noch maximal 220 Punkte zu holen. Damit Mercedes die Titel-Party aufschieben muss, müsste der erste Verfolger am Wochenende schon 34 Punkte mehr erzielen. Was angesichts der Krafteverhältnisse äußerst unwahrscheinlich ist.

Eine Frage im Vorfeld lautete, ob Fans nach der Verschärfung der Corona-Lage in Italien dem Spektakel beiwohnen dürfen. Ursprünglich waren mehr als 13.000 Zuschauer für den Grand Prix in Imola eingeplant. Mittlerweile ist die Region Emilia-Romagna vom Robert-Koch-Institut als Risiko-Gebiet eingestuft worden. Und auch die italienischen Behörden reagierten. Fans werden ausgesperrt – die Rückkehr wird zum Geister-Grand Prix.

Michael Schumacher - Fernando Alonso - Imola 2006 - Formel 1
Motorsport Images
Die letzten beiden Imola-Rennen 2005 und 2006 machten Michael Schumacher und Fernando Alonso untereinander aus. Erst gewann der Spanier, dann der Deutsche.

Die Strecke: Autodromo Enzo e Dino Ferrari

Zum dritten Mal in diesem Jahr nach Monza und Mugello fährt die Formel 1 in Italien. Drei Rennen in einem Land: Das gab es nur einmal in der Geschichte der Königsklasse – im Jahr 1982. Damals gastierte die Formel 1 in Long Beach (GP USA West), Detroit (GP USA Ost) und in Las Vegas (Caesars Palace).

Auf den GP Italien und den GP Toskana folgt der Grand Prix der Emilia-Romagna. So heißt die Region, in der Imola liegt. Die Rennstrecke befindet sich zwischen Bologna und der Adria-Küste, und war zwischen 1980 und 2006 fester Bestandteil des Rennkalenders der Formel 1. Zuerst als Ersatz für Monza, ab 1981 dann als GP San Marino.

Im Vergleich zum letzten Gastspiel hat sich die Streckenführung geändert. Die Zielschikane – genannt Variante Bassa – wurde ausgebaut, um ein rund ein Kilometer langes Vollgasstück zu schaffen. Damit erreichen die Autos zwischen der Doppellinks von Rivazza und der Tamburello-Schikane deutlich höhere Spitzengeschwindigkeiten. Mit DRS und Windschatten sollten sich die Fahrer in Position bringen, um auf der Bremse überholen zu können.

Zwei Schikanen unterbrechen den Fluss im ersten Streckenabschnitt. Im Mittelsektor folgt auf die langsame Tosa-Haarnadel erst ein Bergaufstück und dann eine schnellere Kurvensequenz. Zunächst schießen die Autos durch die Linkskurve Piratella, um sich danach in die Acque Minerali zu stürzen. Es geht dabei zunächst links herum durch eine Senke, gefolgt von einer Doppelrechts, an deren Ausgang die Strecke wieder bergauf führt. Der letzte Sektor beginnt mit einer Schikane (Variante Alta), wo die Auslaufzone vergrößert wurde, und endet nach Rivazza auf der Zielgerade, die wegen kleinerer Windungen nicht kerzengerade verläuft.

Imola wurde zwar in der Abwesenheit erneuert – neben dem Umbau auch mit einem neuen Boxengebäude und Streckenbelag – doch der Charakter bleibt erhalten. Die Formel 1 kehrt zurück auf eine eher schmal bauende Oldschool-Strecke, deren Auslaufzonen in einigen Fällen aus Kiesbett und Gras bestehen. Fehler werden bestraft. Die Alpha Tauri-Piloten bekamen im Juni einen Vorgeschmack. Das Team absolvierte in Imola einen Filmtag. Pierre Gasly und Daniil Kvyat zeigten sich von der Rennstrecke begeistert.

Pirelli - Graphik - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola
Pirelli
Pirelli zeigt, worauf es auf der 4,909 Kilometer langen Strecke ankommt.

Fast Facts Imola

  • Streckenlänge: 4,909 Kilometer
  • Rennrunden: 63
  • Renndistanz: 309,049 Kilometer
  • Anzahl Kurven: 19 (9 rechts, 10 links)
  • Distanz Pole bis erste Bremszone: 410 m
  • Länge Boxengasse unter Speed-Limit: 540 m (24 Sek. Durchfahrtszeit)
  • Vollgasanteil (Rundenzeit): 70 Prozent
  • Pirelli-Reifen: C2, C3, & C4
  • DRS-Zonen: 1 (Zielgerade)

Das Setup

Drei Schikanen, eine Haarnadel, langsame bis schnelle Kurven – dazu ein langes Vollgasstück: Imola ist eine technisch anspruchsvolle Rennstrecke, die nach einem Kompromiss beim Setup verlangt, um schnell zu sein. Keine guten Nachrichten für die Ferrari-Fans: Der SF1000 war bislang bekannt für seine ineffiziente Aerodynamik.

Auf der Traditionsbahn, die gegen den Uhrzeigersinn verläuft, zählen Motorleistung, Traktion und Bremsstabilität. Um gut aus den langsamen Ecken zu kommen, sollten die Autos auf der Hinterachse nicht zu hart abgestimmt werden. Zu tief dürfen sie nicht liegen, sonst droht Ungemach auf den laut Pirelli immer noch vorhandenen Bodenwellen und den stellenweise großen Randsteinen. Auch Anpressdruck ist gefragt. In den Simulationen im Vorfeld werden die Teams wie immer die vielversprechendsten Abtriebslevel bestimmen und sie dann in der Realität austesten.

Es erwartet sie eine besondere Aufgabe. Wie am Nürburgring gibt es kein Freitagstraining. In der Eifel dem Wetter geschuldet, diesmal freiwillig. Die Formel 1 komprimiert das 13. Rennwochenende der Saison auf ein Zweitages-Event. Es gibt nur ein 90-minütiges Training vor der Qualifikation statt wie gewöhnlich 240 Minuten.

Umso wichtiger wird es sein, beim Setup nicht danebenzuliegen. Zwischen Training und Quali bleibt nicht ausreichend Zeit für große Umbauten. Und in den zweieinhalb Stunden zwischen den Sessions kann auch kein Simulator-Fahrer in den heimischen Fabriken unzählige Runden fahren, um bei der Abstimmungsarbeit zu unterstützen. Es wird auch kein Computer tausende Runden virtuell abspulen. Das heißt: Wer beim Basis-Setup verwachst, hat ein Problem. Umso wichtiger wird die Vorbereitung auf das verkürzte Rennwochenende. Unfälle sollten sich die Fahrer bei dem gestrafften Programm nicht leisten.

Mit zwei Trainings weniger reduziert Pirelli das Kontingent. Statt 13 Reifensätzen werden vor dem einzigen Training nur zehn ausgeliefert. Die Wahl fiel auf die Mischungen C2, C3 und C4 – also der mittlere Härtegrad. Jeder Fahrer erhält sechs Sätze des Soft und je zwei Garnituren des Medium und der harten Mischung. Nach dem Training müssen die Teams jeweils drei Reifensätze zurückgeben. Für Quali und Rennen hat jeder Fahrer dann noch sieben Slick-Garnituren – wie an jedem Formel 1-Rennwochenende.

Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Portugal - Portimao - 24. Oktober 2020
Wilhelm
Ferrari will beim Heimspiel in Imola die Portimao-Vorstellung wiederholen.

Upgrades

Die Saison nähert sich ihrem Ende. Die Teams arbeiten unter Hochdruck an 2021. Die Mehrzahl hat die Entwicklungsarbeit am 2020er Auto bereits eingestellt. Mercedes zum Beispiel. Wir erwarten deshalb nur wenige Upgrades. Ferrari wird sein dreistufiges Entwicklungspaket weiter evaluieren, das den SF1000 in Russland, am Nürburgring und zuletzt in Portimao vorangebracht hat. McLaren war in den letzten Wochen immer für Optimierungen gut. Und auch Williams hatte in Portimao neue Teile im Gepäck. Beide Teams dürften in Imola weiter Feinschliff betreiben.

Aufgrund der knappen Trainingszeit wird aber wohl kein Rennstall viel Zeit mit Entwicklungsteilen verschwenden. Viel wichtiger ist es, das Auto für Qualifying und Rennen in das passende Fenster zu bringen, und das Reifenverhalten zu verstehen. Es gibt keine Daten, auf die zurückgegriffen werden könnte. 14 Jahre sind in einem Technik-Sport wie der Formel 1 eine Ewigkeit. Die Teams reisen mit Annahmen über das Abtriebslevel, das Energiemanagement und die Reifenabnutzung nach Imola, und müssen diese auf der Strecke verifizieren.

Die Favoriten

12 Poles und zehn Siege in 12 Rennen. Wer sonst außer Mercedes sollte der erste Anwärter auf den Erfolg sein? Der W11 ist trotz des Entwicklungsstopps weiter das schnellste Auto im Feld – auf eine Runde und über die Distanz. Red Bull robbt sich zwar heran, doch trotzdem war in den letzten sieben Rennen nichts auszurichten gegen Mercedes.

Max Verstappen ist der einzige, der Lewis Hamilton und Valtteri Bottas stoppen kann. Ansonsten winken der nächste Mercedes-Sieg und der siebte Konstrukteurs-Pokal. Mercedes würde mit Lotus gleichziehen. Red Bull-Teamkollege Alexander Albon kämpft um sein Cockpit bei Red Bull. Der Thailänder muss den Abstand auf den Teamkapitän verkürzen. Zuletzt lag das Delta in der Qualifikation bei einer halben Sekunde und im Rennen bei einer Runde. Red Bulls Verantwortliche erhöhten deshalb öffentlich den Druck. Albon muss liefern. Wenn sich der Youngster nicht steigert, wird er sich wie üblich mit den Mittelfeldteams herumschlagen.

Racing Point, McLaren oder Renault? Das hängt ganz davon ab, wem die Strecke am besten schmeckt. Renault sollte besser aussehen als zuletzt in Portimao. Wir erwarten, dass es im Mittelfeld wieder ganz eng zugehen wird, und Kleinigkeiten den Ausschlag geben werden. Ferrari überrannte in Portugal mit Charles Leclerc die Mittelfeldkonkurrenz. Imola wird zeigen, ob die Steigerung auf die Rennstrecke zurückzuführen war oder ob die Updates tatsächlich zünden. Nicht vergessen, darf man Alpha Tauri. Der AT01 ist vor allem am Rennsonntag mit Pierre Gasly am Steuer immer ein Kandidat für Punkte – und Überraschungen.

Zeitplan GP Emilia-Romagna

Das Rennen in Imola startet früher als üblich. Anpfiff ist am Sonntag um 13:10 Uhr.

Zeitplan GP Emilia-Romagna 2020

Datum Session Uhrzeit 
31.10.2020 Training  10:00 - 11:30 Uhr
31.10.2020 Qualifying 14:00 - 15:00 Uhr
01.11.2020 Rennen ab 13:10 Uhr
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