Indy 500: Das musste Mick Schumacher für die Oval-Schlacht lernen

Das lernte Mick Schumacher vom Indy-500-Coach
„Nur banal im Kreis fahren? Schön wär's!“

ArtikeldatumVeröffentlicht am 22.05.2026
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IndyCar - Indy 500 2026 - Mick Schumacher - Rahal Letterman Lanigan
Foto: Geoff Miller/Lumen via Getty Images

Leider gibt es kein Handbuch. Auf die Frage, wie man schnellstmöglich zum Indy-500-Fahrer wird, winkt Ryan Briscoe ab: "Dieses Rennen ist zu einzigartig. Natürlich kennen alle, die hier starten, das Verhalten von Rennautos mit vier Reifen. Die absolute Mehrheit entstammt ja anderen Formelserien, die hohe Geschwindigkeit und Downforce verbinden, was die Eingewöhnung erleichtert. Aber man muss diesen speziellen Charakter des Rennens individuell erlernen. Wer grundsätzlich Ovale versteht, hat sicher einen Vorteil."

Wenn jemand dem Racer aus Sydney die klassischen Linksfahr-Vorbehalte vorträgt, kann er nur schmunzeln. "Im TV wirkt es oft sehr einfach, das verstehe ich sogar. Aber damit es so leicht aussieht, braucht es unfassbaren technischen Aufwand. Sich Themen wie asymmetrische Setups zu erarbeiten, verlangt eine komplett offene Einstellung." Hierbei nimmt der Indianapolis Motor Speedway nochmal eine Sonderrolle ein.

"Im Gegensatz zu den anderen riesigen US-Ovalen von Daytona oder auch Talladega, wo nur Stockcars das volle Rund fahren, fallen die Steilkurven hier überschaubar aus. Trotzdem sind die Geschwindigkeiten extrem hoch – bei gleichzeitig kleinstmöglichem Abtrieb. Nur banal im Kreis fahren? Schön wär's." Dieser Husarenritt macht den Indianapolis Motor Speedway für viele Fahrer zu einer Hassliebe. Formel-1-Umsteiger Romain Grosjean berichtete plakativ: "Wenn das Auto perfekt läuft, gibt es kaum einen größeren Spaß, jedoch wenn nicht..."

IndyCar - Indy 500 2026 - Mick Schumacher - Rahal Letterman Lanigan
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Ein noch extremeres Monza

Laut Briscoe hilft europäischen Rennfans der Vergleich mit Monza. "Auch dort wird die Aero so flach wie möglich gestellt. Für die vier Kilometer des Indianapolis Motor Speedway gehen wir allerdings nochmal radikaler vor." Das Bodywork, das eh schon feiner als auf allen anderen Strecken ausfällt, erreicht exakt das Limit der Physik. "Der Heckflügel wird sogar im Qualifying negativ angestellt, wodurch er einem Flugzeugflügel näherkommt."

Angesichts der Grenzerfahrung verlangt Indy sehr viel Vertrauen, allen voran in die Mechaniker. Die Mischung aus Sturz, Spur und Fahrzeughöhe ist eine Wissenschaft für sich. "Jeder minimale Fehler dabei, jede Änderung von Wetter und Co. hat gigantische Auswirkungen auf das Verhalten. Die Piloten müssen nicht nur dieses System verstehen, sondern auch einen entsprechend feinen Stil erlernen."

Deswegen wurde Mick Schumacher sehr vorsichtig, sehr durchdacht an das Abenteuer herangeführt. Das RLL-Team verfolgte einen strikten Plan, der eine Reihe abzuhakender Ziele enthielt. "Mick fuhr zunächst alleine und bekam dann eine immer höhere Dosis an Autos auf dem Kurs. Vielleicht haben wir Mick so erst unterfordert. Doch gleichermaßen war er dann in verrückten Situationen weniger überfordert", sinniert der US-australische Fahrerlehrer.

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Alle Hände voll zu tun

Um sich auf die wechselnden Bedingungen während der 500 Meilen einzustellen, gibt es direkte und indirekte Werkzeuge. Sehr IndyCar-spezifisch ist der sogenannte "Weight Jacker". Über ihn kann die Gewichtsbalance, stark heruntergebrochen, hydraulisch über Federn umverteilt werden. Außerdem passen die Piloten die Härte der Stabilisatoren an. Externer Hilfe bedarf es hingegen bei der Aero. Mechaniker können über Schrauben die Anstellwinkel ändern.

"Diese Optionen sind tatsächlich nötig, denn das Auto ändert sich wirklich dauernd. Durch den Verbrauch, die Reifenabnutzung und sich wandelnde Verkehrssituationen ist keine Runde gleich. Seit einigen Jahren müssen die Fahrer auch noch eine Hybridstrategie im Hinterkopf haben", skizziert Briscoe die ausbleibende Langeweile im Cockpit.

"Während die Linienwahlen in Indy wenig überraschend keine große Rolle bei der Videoanalyse spielen, achten wir besonders auf den Einsatz dieser Werkzeuge. Neue Fans sollten Onboards hinsichtlich solcher Details anschauen." Wie wird sich Schumacher nun mit all dem Erlernten, aber auch noch dem vielen Neuen schlagen? "Mick liefert, wenn es zählt. Natürlich ist er fernab davon, alles verstanden zu haben. Doch sein Lernwille wird ihm durch viele Schwierigkeiten hindurchhelfen."

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