Lewis Hamilton - Mercedes - GP Abu Dhabi 2019 - Rennen Wilhelm
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Mercedes-Ausgaben für WM-Titel 2019

Spätestens 2022 in der Gewinnzone

Das F1-Team von Mercedes hat 2019 einen Gewinn von 14,7 Millionen Pfund erwirtschaftet. Der Automobilhersteller aus Stuttgart selbst investierte nur gut 28 Millionen Pfund. Für 2021 warten mit dem Budget Cap neue Herausforderungen. 2022 wahrscheinlich sogar ein Gewinn für Mercedes.

2019 war das sechste Jahr in Folge, in dem Mercedes die Formel 1 dominierte. Die Erfolge des Rennstalls sind gleich auf der ersten Seite des Finanzberichts aufgelistet. Wieder gab es beide Weltmeistertitel. Dazu 15 Siege – neun davon im Doppel –, 32 Podestplätze und 739 WM-Punkte in 21 WM-Rennen.

Lewis Hamilton und Valtteri Bottas fehlten nur 29 Rennkilometer für eine makellose Bilanz. Zwei Ausfälle in Deutschland (Unfall Bottas) und Brasilien (Motorschaden bei Bottas) reduzierten die Laufleistung auf 2.495 Rennkilometer und trübten minimal die Bilanz bei 42 Starts der beiden Autos. Die Weltmeister verbuchten Siege auf der Rennstrecke und Gewinne in den Büchern.

Gewinn von 19 Millionen Dollar

Die Mercedes-Benz Grand Prix Limited – unter deren Dach die Aktivitäten des Formel 1-Teams laufen – steigerte im Vergleich zu 2018 ihren Umsatz von 338,3 auf 363,6 Millionen Pfund. Dafür verantwortlich sind hauptsächlich gesteigerte Einnahmen von Sponsoren und aus dem Marketing. Aus den Töpfen der Formel 1 – Preisgeld, Antrittsgeld, Historien-Bonus – dürften um die 170 Millionen Dollar an die Erfolgsmannschaft geflossen sein.

In Dollar entspricht der Umsatz umgerechnet etwa 470 Millionen (Wechselkurs: Mittwoch 16. September). Dagegen steht ein Wareneinsatz, der laut Finanzbericht im Jahr 2019 bei 333,2 Millionen Pfund lag (umgerechnet etwa 431 Millionen US-Dollar). In Summe verbuchte die Mercedes-Benz Grand Prix Limited mit Sitz im englischen Brackley nach allen Abzügen einen Nettogewinn von 14,7 Millionen Pfund (19 Millionen Dollar).

Die Mercedes-Benz AG überwies 44,4 Millionen Pfund und erhielt am Jahresende einen Betrag von 16 Millionen Pfund zurück. Damit investierte der Hauptanteilseigner 2019 weniger als 30 Millionen Pfund in die Rennaktivitäten seines Teams. In Dollar sind das rund 37 Millionen. Man kann durchaus von einer verhältnismäßig kleinen Summe sprechen. Das Formel 1-Team trägt sich trotz hoher Ausgaben praktisch selbst.

Lewis Hamilton - GP Toskana  - Mugello - Formel 1 - 2020
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2020 fährt Mercedes den nächsten WM-Titeln entgegen.

Formel 1 als lukratives Geschäft

Demgegenüber steht im Geschäftsbericht ein ausgewiesener Werbewert für Mercedes und seiner Partner von 5,4 Milliarden Dollar bei einem TV-Anteil von 23,6 Prozent. Da erscheinen die 37 Millionen Dollar durchaus als ein effektives Investment. Und anhand des Werbewerts sieht man einmal, wohin die Reise gehen kann, sobald die Formel 1-Teams unter dem Budget Cap operieren werden. Dann sparen die Hersteller hohe Millionenbeträge – FIA-Technikchef Nikolas Tombazis spricht von über 100 Millionen - und für sie sind in der Königklasse dann sogar Gewinne drin. Für Mercedes in jedem Fall. Wer großen Erfolg hat, hat auch viele Sponsoren im Team und viele Geldgeber vor der Tür, die ihre Logos gerne auf den Autos sehen würden. Der Werbewert zahlt dazu eins-zu-eins auf das Unternehmen ein.

Die Budgetobergrenze von 145 Millionen Dollar greift ab 2021, wird die Hersteller aber vermutlich erst 2022 in die Gewinnzone bringen. Warum? Weil die Preisgeldausschüttung für 2021 geringer ausfallen wird. Die Corona-Krise lässt den Einnahmetopf schrumpfen, aus dem die Rechteinhaber einen Großteil an die Teams ausschütten. Man rechnet damit, dass im Vergleich zu 2019 nur die Hälfte ausgezahlt wird. Auf der anderen Seite führt das Einfrieren eines Großteils des Autos zu weniger Ausgaben.

Durch das neue Concorde Abkommen (dem Rahmenvertrag der Formel 1) wird Mercedes generell zwar nicht mehr ganz so viel einnehmen wie zuvor, weil die kleinen Teams mehr vom Kuchen abbekommen. Trotzdem bleibt genug, um das Geschäft für den Hersteller selbst spätestens ab 2022 profitabel zu machen. Bleiben noch die Kosten für die Motorenentwicklung, die nicht zum Budget Cap zählen, aber Schritt für Schritt heruntergefahren werden sollen. Zunächst über die Limitierung von Prüfstandsläufen, vielleicht bald über eine zweite Obergrenze auf der Motorenseite.

Über 50 Millionen für Entwicklung

Die Budgetobergrenze von 145 Millionen Dollar ab 2021 für die Chassisabteilung in Brackley zwingt Mercedes zu großen Einschnitten. Die Umstrukturierung läuft auf Hochtouren. Das Formel 1-Team muss jede Schraube umdrehen, um die Kosten zu senken. Es reicht dafür ein Blick auf die großen Kostentreiber, die zum Teil in der Jahresbilanz 2019 ausgeschrieben sind. Die Teams verteilen ihren Geldbedarf grob auf drei Säulen: 1.) Die Fixkosten für jedes Rennen. 2.) Der Entwicklungsetat. 3.) Die Personalkosten.

Wichtig: Über den Jahresbericht der Mercedes-Benz Grand Prix Limited lässt sich ein grober Überblick verschaffen, was die kommende Budgetobergrenze an Klimmzügen von einem Team wie Mercedes erfordert. Doch es lassen sich keine Gleichungen aufstellen, weil man dafür jeden einzelnen Posten haargenau aufgedröselt bekommen müsste.

Zum Beispiel die Gehälter für die 1.016 Angestellten: In den 84 Millionen Pfund (umgerechnet 108 Millionen Dollar) sind die drei teuersten Angestellten miteingerechnet, die für das Budget Cap wiederum rausfliegen. Sie sind eine der vielen Ausnahmen, wie die Fahrergehälter, Reisekosten (Hotels, Flüge), das Marketing. Da müsste man von den 108 Millionen Dollar gleich mal einige Millionen abziehen, bräuchte für eine genaue Berechnung aber auch die exakten Gehälter. Und die verrät einem keiner.

Die Fahrzeugentwicklung des W10 verschlang im letzten Jahr 42,4 Millionen Pfund. Umgerechnet sind das rund 55 Millionen Dollar. Diese Summe plus die grob 100 Millionen für das Personal: Macht zusammen bereits über 150 Millionen Dollar, und damit schon mehr als die Budgetobergrenze eigentlich hergeben würde.

Obendrauf käme ja noch die dritte Säule: die Fixkosten für einen jeden Grand Prix. Die liegen mit allem Drum und Dran, also auch mit Reisekosten, die später nicht zum Budget Cap zählen, bei etwa drei Millionen Dollar pro Grand Prix. Über 20 Rennen gleich über 60 Millionen Dollar. Damit liegt man in Summe schon bei über 200 Millionen. Da wird einem schnell bewusst, warum die großen Teams um jede einzelne Ausnahme gekämpft haben. Sogar um scheinbare Kleinigkeiten wie Hotel- oder Flugkosten.

Mercedes Meister-Party - Brackley & Brixworth 2018
Mercedes
Ein Teil der 1.000-köpfigen Belegschaft wird von der Formel 1 abgezogen und in neue Projekte gesteckt.

Neue Projekte für Mitarbeiter

Klar ist: Die Personalkosten im Kerngeschäft Formel 1 müssen runter. Mercedes schichtet deshalb um. Ein Teil der Belegschaft wird mit neuen Projekten betraut, wie zum Beispiel Segelregattas, Radsport oder Zukunftsthemen wie Flugautos. Der Fokus wird nicht mehr allein auf der Formel 1 liegen. Brackley hat jetzt die Möglichkeit, die Geschäfte zu diversifizieren, um damit das Personal und das angehäufte Wissen bei Mercedes zu halten. Der Umsatz des Unternehmensarm für "Angewandte Wissenschaften" soll laut Financial Times bis 2025 von 30 auf 100 Millionen Pfund steigen. Einschnitte im Team wird es dennoch geben.

2022 fällt die Budgetobergrenze sogar von 145 auf 140 Millionen. 2023 auf 135 Millionen. Die Großen werden noch weiter gesundschrumpfen müssen. Entwicklungsetats von über 50 Millionen Dollar wird es nicht mehr geben. Muss es aber auch nicht mehr. Mit der neuen Fahrzeuggeneration werden die Entwicklungskosten automatisch runtergehen. Weil es mehr Standardteile gibt, das Reglement die Freiheiten noch weiter einschränkt und die Autos weniger kompliziert sind.

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