Formel 1: Stratege verrät - So hätte Mercedes das Taktik-Problem gelöst

Strategie-Plan ohne Russell-Ausfall
Wie hätte Mercedes das Taktik-Problem gelöst?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 26.05.2026
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George Russell - Kimi Antonelli - Mercedes -  GP Kanada 2026
Foto: Bryn Lennon via Getty Images

Als Pirelli das Infoblatt mit den Reifenmischungen für den Start rausschickte, glaubten die Mercedes-Strategen zunächst an einen Fehler bei der Übermittlung. Doch dann wurden die Heizdecken abgenommen und die beiden McLaren hatten tatsächlich Intermediates aufgezogen. Am Kommandostand der Silberpfeile konnte man das eigene Glück kaum fassen. Der größte Konkurrent setzte auf profilierten Gummis – und Regen war keiner mehr in Sicht.

"Das war eine verrückte Entscheidung. Bei uns gab es gar keine Diskussion über etwas anderes als Slicks", verriet ein Ingenieur aus der Strategieabteilung. "Wir waren ziemlich sicher, dass sie damit in der ersten Runde an uns vorbeiziehen würden, was ja auch passierte. Aber spätestens in der zweiten Runde war klar, dass wir uns die Führung zurückholen. Norris hätte nur eine rote Flagge am Ende der ersten Runde geholfen."

Damit vereinfachte sich die Situation massiv für Mercedes. Die beiden eigenen Fahrer konnten sich schnell vom Rest des Feldes absetzen. Mit den neuen Energie-Regeln verlieren Piloten normalerweise viel Zeit, wenn sie untereinander kämpfen. Aber George Russell und Kimi Antonelli konnten den Vorsprung trotz ihrer rundenlangen Duelle konstant halten. Ohne Druck von hinten entschied sich Teamchef Toto Wolff dazu, auf Eingriffe von außen zu verzichten.

Kimi Antonelli - Mercedes -  GP Kanada 2026
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Richtiger Moment für den Reifenwechsel?

Einen anderen Verlauf hätte das Rennen nehmen können, wenn einer der Verfolger beim Start auf die Medium-Reifen gesetzt hätte. "Dann hätten wir mit unseren Softs im ersten Stint so viel Vorsprung wie möglich herausfahren müssen. Da hätten wir uns durch ein internes Duell nicht aufhalten dürfen", gaben die Taktik-Experten zu bedenken. Doch dazu kam es nicht. Auch Ferrari und Red Bull setzten auf Soft.

Eigentlich hatte der Marschplan eine Zweistopp-Strategie vorgesehen. Doch dann stellte sich der Verschleiß durch die niedrigen Temperaturen und den glatten Asphalt als noch geringer als erwartet heraus. Der Grip war so niedrig, dass ach Graining trotz der Extrem-Bedingungen kein Thema war. Am Kommandostand wurde das Programm deshalb schon um Runde 10 herum auf nur noch einen Boxenstopp umgestellt.

Die Frage lautete nur, wann der richtige Moment für den Reifenwechsel kommen würde. Die beiden Mercedes-Fahrer hatten an der Spitze alles im Griff. Max Verstappen lag mindestens fünf Sekunden dahinter und stellte keine direkte Gefahr dar. Doch wenn einer der Silberpfeile direkt vor einer Safety-Car-Phase reingekommen wäre, hätte sich der Verfolger kampflos vorbeischieben können.

George Russell - Kimi Antonelli - Mercedes -  GP Kanada 2026
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Warten auf Verstappen-Boxenstopp

"Wir haben deshalb entschieden, mit dem Stopp einfach auf Verstappen zu warten. So lange wir nicht vor ihm reinkommen würden, bestand kein Risiko", verrieten die Ingenieure nach dem Rennen. "Ein Fahrer hätte dann wohl direkt reagiert, um vor Verstappen zu bleiben. Den anderen hätten wir länger draußen gelassen. Es wäre damit wohl erst am Ende des Rennens wieder zum Duell gekommen."

Weil Russells Reifen etwas mehr abgewetzt waren, hätte man wohl den Briten als Erstes reingeholt. Direkt danach auch Antonelli auf neue Reifen zu setzen, wäre keine gute Idee gewesen. "Durch die längere Aufwärmphase wurde es ein Overcut-Rennen. Hätte Kimi direkt eine Runde nach George gestoppt, wäre er wohl vor ihm mit kühleren Reifen rausgekommen. Dann hätte George mit mehr Temperatur direkt attackiert."

Die Strategen hatten sich deshalb den Plan zurechtgelegt, den zweiten Fahrer erst zehn Runden später reinzuholen. Wäre in dieser Zeit ein Safety-Car gekommen, hätte der Nachzügler davon profitiert. Eine weitere Chance auf den Sieg hätte der zweite Fahrer mit einem starken Schlussstint auf den frischeren Reifen gehabt.

Kimi Antonelli - Mercedes -  GP Kanada 2026
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Fans entgeht Krimi-Finale

Wie das Ganze ausgegangen wäre, konnten die Strategen nicht sagen. Die Fans wurden durch den Russell-Ausfall auf jeden Fall um ein spannendes Finish gebracht. Klar ist nur: Ein Fahrer hätte durch die Strategie profitiert und einer nicht. Die Taktik-Experten waren sich der kniffligen Lage bewusst. Diskussionen wären sehr wahrscheinlich gewesen: "Wir hätten es den Fahrern nach dem Rennen auf jeden Fall nochmal erklären müssen."

Dazu kam es dann aber doch nicht. Der Ausfall von Russell in Runde 29 und die daraus resultierende VSC-Phase sorgten für klare Verhältnisse. Alle Piloten nutzten das verordnete Bummeltempo für den zeitsparenden Pflicht-Boxenstopp. An der Reihenfolge und den Abständen änderte sich nichts. So konnte Antonelli ganz entspannt zum vierten Saisonsieg rollen.

Fazit