Formel 1: Silberpfeil-Duell außer Kontrolle – Mercedes muss aufpassen

Silberpfeil-Duell außer Kontrolle
Das ist die große Gefahr bei Mercedes

ArtikeldatumVeröffentlicht am 28.05.2026
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Das Duell zwischen Kimi Antonelli und George Russell elektrisierte in Kanada die Formel-1-Fans. Die zwei Mercedes-Piloten bekämpften sich sowohl im Sprint als auch im Rennen hart auf der Strecke. Keiner der beiden gab nach. Der Zweikampf erinnerte an die Jahre 2014 bis 2016 und den verbitterten Stallkrieg zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg.

Formel-1-Experte Michael Schmidt verfolgte das GP-Wochenende in Montreal ebenfalls mit Interesse. Der erfahrene Journalist äußerte sich in seinem YouTube-Format "Formel Schmidt" zu dem Thema. "Ich würde die Situation so ein bisschen mit der Situation Piquet und Mansell vergleichen", ordnet Schmidt das Duell historisch ein. "Piquet kam zu Williams, er war der große Favorit, so wie es Russell vor der Saison war", erinnert sich der Experte an das Jahr 1986.

Die Parallele zur Gegenwart sieht er auch seit dem Saisonstart: "Piquet gewinnt das erste Rennen so wie Russell das erste Rennen in Melbourne gewonnen hat.". Doch wie damals könne sich die gefühlte Hierarchie schneller drehen als erwartet. Und genau dort setzt seine Analyse an.

Vom Teamleader zum Jäger

Russell galt bei vielen als der logisch gesetzte Teamleader bei Mercedes. "Für mich war eigentlich der Russell auch Favorit, weil er ist schon einer, der sich ins Thema reindenkt, der viel nachdenkt", begründet Schmidt seine Ausgangsthese. Doch das Momentum kippte schnell. "Natürlich hat dem das was ausgemacht, dass der Antonelli da dreimal hintereinander gewinnt", stellt Schmidt mit Blick auf Russell klar.

In Kanada musste dem 28-Jährigen die sportliche Wende gelingen. "Jetzt kommt er nach Montreal seine Strecke, also die Russell-Strecke und der Antonelli fährt wieder mindestens mal auf seiner auf Augenhöhe." Erst der Ausfall des Engländers in der 30. Runde beendete das Treiben an der Spitze.

Ob Russell die Führung bis ins Ziel verteidigt hätte? "Ich glaube nicht, dass er das bis zum Ende durchgehalten hätte, diese Verteidigungsschlacht", legt sich Schmidt fest.

Antonelli mit cleverem Trick

Der Unterschied der beiden WM-Kontrahenten liegt laut des Experten auch in ihrem Naturell. "Der Antonelli ist mir eher so ein Instinktfahrer, aber der Instinktfahrer gewinnt im Moment", meint Schmidt und verweist damit auf eine überraschende Entwicklung.

Der analytische Russell muss sich mit dem 19-jährigen Naturtalent messen, das dazu clever agiert. "Antonelli rekuperiert viel, viel mehr als der Russell", erklärt Schmidt. Die Energie kann der Überflieger dann an neuralgischen Stellen einsetzen. "In der Anfangsphase des Beschleunigens. Das ist dann quasi so eine Art Traktionskontrolle."

Für ihn hat das direkte Folgen bei Reifen und Fahrzeugruhe. "Gerade wenn der Hinterreifen ein Thema ist, läuft Russell dann eher in Probleme als Antonelli", gibt Schmidt zu bedenken. Auch beim Anbremsen erkennt er Vorteile auf Antonellis Seite: "Sein Auto liegt viel stabiler auf der Bremse als das von Russell. Meiner Ansicht nach hat Antonelli für sich ein wesentlich besseres System oder Rezept gefunden, wie auf möglichst natürlichem Weg dieses Auto fährt", bewertet Schmidt die technische Herangehensweise.

Kimi Antonelli - Mercedes -  GP Kanada 2026
xpb

Russell ist gewarnt

Die Situation bei Mercedes sei deshalb nicht nur ein sportliches Kräftemessen, sondern ein beginnendes Psychoduell. "Russell muss aufpassen", warnt Schmidt. Antonelli hätte aufgrund seines Vorsprungs in der Tabelle auch ruhiger angehen lassen können.

"Ich glaube, er will den Russell ärgern. Er hätte in Kanada sagen können: 'Okay, ich habe jetzt da drei Siege, fahr ich dir mal hinterher, werde ich halt Zweiter und mache meine Punkte.' Aber er wollte dieses Rennen gewinnen, mehr als jedes andere, weil er genau wusste, wenn man hier auf der Russell-Strecke den Russell schlägt, dann bricht er ihn vielleicht komplett", führt Schmidt weiter aus und schiebt hinterher: "Der Russell, der wird immer nervöser."

Die hitzigen Zweikämpfe liegen auch an der Tatsache, dass der W17 das beste Auto im Feld ist, und daran, was die Piloten deshalb denken. "Das ist meine historische Chance, Weltmeister zu werden", ist sich Schmidt der Gedanken der Fahrer sicher. Das spielt dem Herausforderer in die Karten. "Antonelli ist spätestens seit seinem zweiten oder dritten Sieg klar: 'Das kann meine Saison werden. Ich kann hier Weltmeister werden!' Er tritt mit breiter Brust auf. Er lässt sich nichts mehr gefallen", beschreibt Schmidt seinen Eindruck.

George Russell - Kimi Antonelli - Mercedes -  GP Kanada 2026
xpb

Knallt es bei Mercedes?

Die starken Leistungen Antonellis helfen dem Italiener auch, das Schreckgespenst Max Verstappen zu vertreiben. Teamchef Toto Wolff versuchte bereits zwei Mal den Superstar von Red Bull wegzulocken. Für 2026 hätte Antonelli weichen müssen, Russell hatte eine sehr starke 25er-Saison abgeliefert. Sollte Wolff weiterhin über Verstappen nachdenken, steht der bisherige Team-Kapitän unter Druck. "Er [Antonelli] kann bei Mercedes sagen: 'Leute, was wollt ihr? Ich bin mindestens so schnell wie Russell, wenn nicht sogar schneller!'"

Jetzt kommt es auf die Teamführung bei Mercedes an. "Toto Wolff hat dann fast konsterniert nach dem Rennen auch gesagt: 'Das ist eine Sache, die uns noch ein bisschen beschäftigen wird', man wird vielleicht noch mal reden müssen."

"Nach dem Sprint gab es ja einen Einlauf von der Teamleitung und im Rennen ging es gerade so weiter. Also man hat gedacht, da hat nie was stattgefunden. Es gilt natürlich das oberste Gebot, sich nicht in die Kiste zu fahren", mahnt Michael Schmidt.

Dieses ungeschriebene Gesetz gilt seit Urzeiten des Motorsports. Dennoch knallte es häufig, wenn es um den Titel ging. Das nächste Teamduell bei Mercedes könnte es am 7. Juni beim Grand Prix von Monaco geben. Bereits dort sollte Russell seine Aufholjagd beginnen. Der Rückstand auf Antonelli beträgt stattliche 43 Zähler.

Fazit